Geld ist da, die Regeln sind das Thema
Den Auftakt machte Bruckbauer mit einem Blick auf die volkswirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Wie Kapitalmarkt und Regulierung dem Wohnbau bessere Voraussetzungen schaffen können, diskutierte er anschließend mit Mag. Nadja Köfer-Holzer, MSc, RA (em.) (Präsidiumsmitglied der VÖPE, STC Development GmbH) und Mag. Roland Salomon, BA, CPM, CRM (stellvertretender Abteilungsleiter der Finanzmarktaufsicht).
Dass die Finanzierungsfrage 2026 anders gelagert ist als vor drei Jahren, ist kein Geheimnis: Die KIM-Verordnung ist mit 30. Juni 2025 ausgelaufen, ihre Richtwerte wirken über ein FMA-Rundschreiben als Orientierungsrahmen weiter. Die VÖPE hatte diese Konstruktion schon davor kritisiert. Auf der Bühne saßen heuer beide Seiten — Aufsicht und Entwickler — und das allein ist bereits ein Ergebnis.
67 Monate, und niemand widerspricht
Der härteste Befund des Tages stammt streng genommen gar nicht vom Tag selbst, sondern aus einer VÖPE-Mitgliederbefragung über mehrere hundert Projekte, die Alexander Pawkowicz, Geschäftsführer der VÖPE, im Juni gemeinsam mit dem GBV präsentiert hatte. Er ist der Grund, warum der Block „Einfach schneller genehmigen“ den Schlusspunkt bildete.
Verfahrensschritt | Durchschnittliche Dauer |
Widmungsverfahren | 35 Monate |
Baubewilligungsverfahren Wohnbau | 21 Monate |
Widmung bis rechtskräftige Bewilligung gesamt | 67 Monate |
Quelle: VÖPE-Mitgliederbefragung, präsentiert am 23. Juni 2026. Zum Vergleich: Die gesetzlichen Fristen für Widmungsverfahren liegen vielfach bei rund acht Monaten.
Pawkowicz zur Herbstkonferenz: „Jede Verzögerung und jede Überregulierung verteuert Projekte. Das trifft am Ende auch jene, die dringend Wohnraum suchen. Unsere Herbstkonferenz soll deshalb konkrete Lösungen und Stellschrauben aufzeigen.“ Die vier Vorschläge, die VÖPE und GBV dazu gemeinsam vorgelegt haben, sind budgetneutral: eine Brandschutz-Vorprüfung durch unabhängige Sachverständige noch vor der Einreichung, eine Genehmigungsfiktion bei Fristüberschreitung, der Nachweis eines berechtigten Interesses bei nicht nachbarschaftsrechtlich motivierten Einsprüchen und der „gläserne Akt“, also digitale Transparenz über den Bearbeitungsstand.
Zwei Verbände, ein Boot
Der interessanteste O-Ton des Nachmittags kam von Gehbauer — und er handelte nicht von Verfahren, sondern von Zuständigkeit. „Wir haben natürlich unterschiedliche Aufgabenstellungen. Wir sind stärker im geförderten Wohnbau vertreten“, sagte er, die VÖPE habe „Projektentwicklungen in allen Bereichen über das Wohnen hinaus“. Und dann der Satz, auf den es ankommt: „Da sollten wir klare Grenzen auch ziehen, was unsere Aufgaben sind, und das tun wir auch. Aber dort, wo wir in einem Boot sitzen, dort werden wir in Zukunft noch stärker zusammenarbeiten. Dort wollen wir auch die Kräfte bündeln. Und die Verfahren sind eines dieser Themen, wo wir das beabsichtigen.“
Gemeinnützige und gewerbliche Entwickler, die sich bei den Verfahren gemeinsam positionieren: Das ist in Österreich nicht selbstverständlich. Seit rund zwei Jahren besteht dafür die „Allianz Wohnraum Österreich“.
Seriell bauen, faktenbasiert planen
Im zweiten Block ging es ums Bauen selbst. DI Marta Smagacz-Jedlinska, PMP, sprach über serielle Bauweisen, Sabine Müller (Präsidiumsmitglied der VÖPE, Vorständin der Wien 3420 aspern Development AG) über Bodenversiegelung, Christopher Pongratz, BSc, MSc, über Fördermöglichkeiten. Dipl.-Ing. Theresa Fink vom AIT Austrian Institute of Technology zeigte, wie sich resiliente Quartiere faktenbasiert planen lassen. Anschließend diskutierte unter anderem Philipp Resl, MBA (Präsidiumsmitglied der VÖPE), mit.
Smagacz-Jedlinska fasste im Nachgang zusammen, was von diesem Block bleibt: „Das Thema des einfachen Bauens ist auf jeden Fall etwas, was uns begleiten wird, sowohl im Neubau als auch im Bestand.“ Fink wiederum hatte, wie sie selbst sagte, „einen Impuls zu unserer faktenbasierten Stadtplanung am AIT“ gegeben.
Ein eigener Block war heuer der touristischen Projektentwicklung gewidmet: Dr. Siegfried Kainz sprach über „Buy to let“ — ein Segment, das im österreichischen Wohnbaudiskurs meist unter ferner liefen läuft, obwohl es Widmung, Finanzierung und Betrieb gleichermaßen betrifft.
Was bleibt
Den Schlusspunkt setzte Ulm. Sein Befund, im Wortlaut der Aussendung: „Wir müssen wieder mehr bauen. Dafür brauchen wir deutlich einfachere Rahmenbedingungen. Finanzierung, Regulatorik und Genehmigungen dürfen nicht länger zu Bremsklötzen für notwendige Investitionen werden.“ Und weiter: „Schnellere Verfahren, mehr Digitalisierung und standardisierte Prozesse sind entscheidend. Weniger bürokratische Komplexität ist die Voraussetzung dafür, dass Österreich wieder mehr und leistbarer bauen kann.“ Darüber diskutierte er mit Dipl.-Ing. Gerald Beck, MRICS (Präsidiumsmitglied der VÖPE, Geschäftsführer von BIG und ARE) und Gehbauer.
Die VÖPE besteht nach eigenen Angaben aus 90 Mitgliedern mit insgesamt 17.000 MitarbeiterInnen und einer Bilanzsumme von 32 Milliarden Euro.
Bleibt die Frage, die am 16. September niemand beantworten konnte: Ob aus 67 Monaten je 40 werden. Am Reden allein wird es nicht liegen.