Das Motto ließ wenig Interpretationsspielraum: „Ohne Fortschritt keine Zukunft – ohne Innovation kein Erfolg“. Rund um diesen Leitsatz folgte der Kongress im CAPE10, dem „Haus der Zukunft und sozialen Innovation“, dem Lebenszyklus eines Gebäudes, vom Planen über das Bauen bis zum Betreiben. Auf dem Programm standen openBIM und KI, Taktplanung und automatisierte Vorfertigung, smarte Gebäudetechnik und der Bestand. In jedem Block pitchte außerdem ein Wiener Start-up, ausgewählt in Kooperation mit der Wirtschaftsagentur Wien.
Ein Schritt zurück
Wer den Kongress schon länger verfolgt, kennt das Motto des Vorjahres: „Innovation rechnet sich – digitale Lösungen für messbaren Mehrwert“. Heuer wählten die VeranstalterInnen bewusst einen anderen Zugang, wie Barbara Ohnewas, Leiterin der Akademie von Digital Findet Stadt, erklärt: „Letztes Jahr haben wir vor allem darüber diskutiert, wie Digitalisierung zur Wirtschaftlichkeit beitragen kann. Dieses Jahr haben wir noch einen Schritt zurück gemacht und uns angesehen, wie Innovation dazu beitragen kann, dass wir langfristig wettbewerbsfähig bleiben."
Die Ausgangsthese ist so schlicht wie unbequem: Wer sich nicht entwickelt und kein Zukunftsbild hat, wird irgendwann nicht mehr mitmischen.
Statische Welt, perfekter Spielplatz
Katharina Aguilar, High-Tech-Unternehmerin, Speakerin und Moderatorin, eröffnete den Tag mit ihrer Keynote „Innovation. Jetzt." und saß danach selbst auf dem Podium. Im Gespräch am Rande des Kongresses sprach sie einen Widerspruch an, der ihr in der Diskussion noch einmal klar geworden sei: „In dieser statischen Welt des Bauens haben wir umso schwierigere Herausforderungen, agil und flexibel zu bleiben. Die Projekte dauern sehr lange." Aus diesem Befund zieht sie aber keinen pessimistischen Schluss. „Gleichzeitig liegt da so viel Potenzial darin. Und als Innovatoren ist das der perfekte Playground, um alles neu zu denken und für die Zukunft aufzustellen."
Zwischen Planungssicherheit und Weltlage
Robbi fand gerade dieses Spannungsfeld spannend. Unternehmen wie ÖBB und UBM hätten in den Podiumsdiskussionen gezeigt, „wie wichtig einerseits eine langfristige Planung ist, um robuste Projekte zu schaffen, um resilient zu sein gegen äußere Einflüsse – aber gleichzeitig auch offen zu sein für all die wahnsinnigen Veränderungen". Als Beispiele nennt er den Klimawandel, die Kriege im Nahen Osten und die rasanten Entwicklungen der Gegenwart.
KI überholt BIM: Der Technologiereport 2026
Wie rasant sich die Branche verändert, zeigt der hauseigene Technologiereport 2026 von Digital Findet Stadt. Er beruht auf einer Online-Umfrage unter 138 Unternehmen und Institutionen von Oktober bis Dezember 2025. Die regelmäßige Nutzung von Künstlicher Intelligenz stieg demnach von acht Prozent in der Erhebung 2024 auf 51 Prozent. BIM, jahrelang als Zukunft der Branche gehandelt, fiel im selben Zeitraum von 47 auf 20 Prozent zurück.
Dass diesmal mehr Auftraggeber an der Umfrage teilnahmen, erklärt den BIM-Einbruch laut Digital Findet Stadt nur teilweise. „Trotzdem ist es ein massiver Einbruch, nur mit einer Verschiebung der Teilnehmenden lässt sich das nicht erklären", sagte Robbi dem Fachmagazin TGA. Seine Erklärung: „BIM ist es offensichtlich noch nicht gelungen, den Prozess so zu vereinfachen, dass man ihn massen- und breitentauglich gut anwenden kann." KI wiederum wird laut Report vor allem für Texte, Recherche und Zusammenfassungen genutzt. An technischen Kernprozessen tut sie sich noch schwer.
Der Engpass sitzt nicht im Rechner
In Gesprächen am Rande des Kongresses ging es mehrfach weniger um Technik als um Menschen. Mag. Barbara Freiler, MSc, ist Geschäftsführerin der Handler Holding GmbH und gehört dem Managementteam der HANDLER Gruppe an. Sie zeigte sich vom Vortrag von Bernd Oswald beeindruckt, Mitgründer des Proptechs GROPYUS, das Wohnbauten in Holz-Hybridbauweise automatisiert vorfertigt. In den Gesprächen habe sie dennoch gemerkt: „Wir brauchen nicht nur die Technologie, wir brauchen auch die Menschen." So wie die Technologie besser werde, müssten auch die Menschen in der Zusammenarbeit, im Anwenden und im Umsetzen besser werden.
Claudia Brey nahm aus der Podiumsdiskussion vor allem die Vielfalt der Perspektiven mit. „Je diverser ein Team oder auch eine Diskussionsrunde zusammengesetzt ist, desto mehr verschiedene und interessante Ideen werden aufgegriffen und besprochen."
Länger rechnen: Nachhaltigkeit über den Lebenszyklus
Die vielleicht pointierteste Aussage des Tages kam von UBM-Vorstand Peter Schaller, und sie führt direkt zum Motto des Vorjahres zurück. Nachhaltigkeit müsse neu gerechnet werden, und vor allem länger: „Vielleicht betrachten wir das alles immer sehr kurzfristig." Wer dagegen über einen Lebenszyklus und darüber hinaus denke, für den gehe die Rechnung immer auf.
Es wird also doch gerechnet, nur mit einem längeren Zeithorizont.
Was bleibt
Den Austausch hoben viele Teilnehmende hervor. Dr.-Ing. Katharina Lennartz, verantwortlich für Lean & Agile Management bei der Aachener Carpus+Partner AG, schätzt vor allem die Möglichkeit, sich auch länderübergreifend Impulse zu holen und „was abschauen zu können, damit wir gemeinsam ein gutes Stück weiterkommen". Für Dr. Gerhard Zucker, Senior Scientist am AIT Austrian Institute of Technology, ist der Kongress ein Fixpunkt, auf den er sich jedes Jahr freue.
Ob die Branche den Schritt von der Diskussion in die Umsetzung schafft, wird sich nicht im CAPE10 entscheiden, sondern auf den Baustellen, in den Planungsbüros und in den Technikzentralen. Die Richtung ist vorgegeben: Stillstand ist keine Option. Wer innovieren soll, braucht dafür allerdings Menschen, die die Veränderung tragen, und Zeit, sie umzusetzen.
Häufige Fragen
Wann und wo fand der Innovationskongress 2026 statt?
Am 17. September 2026 im CAPE10, Alfred-Adler-Straße 1, 1100 Wien-Favoriten, vor Ort und online. Veranstalter war die Plattform Digital Findet Stadt.
Was war das Motto des Innovationskongresses 2026?
„Ohne Fortschritt keine Zukunft – ohne Innovation kein Erfolg“. Der Kongress folgte dem Lebenszyklus eines Gebäudes, vom Planen über das Bauen bis zum Betreiben. Das Motto 2025 lautete „Innovation rechnet sich – digitale Lösungen für messbaren Mehrwert“.
Was zeigt der Technologiereport 2026 von Digital Findet Stadt?
Die regelmäßige KI-Nutzung in der Bau- und Immobilienbranche stieg von 8 Prozent (2024) auf 51 Prozent. Die regelmäßige BIM-Nutzung fiel im selben Zeitraum von 47 auf 20 Prozent. Befragt wurden 138 Unternehmen und Institutionen von Oktober bis Dezember 2025. Weil sich die Zusammensetzung der Befragten gegenüber 2024 verändert hat, sind die Werte nur eingeschränkt vergleichbar.