HotelierInnen, BetreiberInnen, PlanerInnen und Technikanbieter sprachen außerdem darüber, wie man ein Haus energetisch umbaut, ohne den Gast aus dem Blick zu verlieren. Veranstaltet wurde die Konferenz von Mag. Alexander Ghezzo und Gudrun Ghezzo, MBA (Ghezzo GmbH). Das anschaulichste Fallbeispiel lieferte diesmal der Gastgeber selbst.
Sag leise Servus zur Planbarkeit
Wer die Ferienhotellerie heuer beobachtet, kennt die Stimmung: Saisonen verschieben sich, Gäste buchen kurzfristiger, und Mitarbeitende sind schwer zu finden. Den inhaltlichen Auftakt machte Alexander Lennart Schmidt (Hotelschool The Hague) mit einem Blick auf globale Trends und lokale Besonderheiten. Danach diskutierten Gernot Deutsch (ÖHV-Landesvorsitzender Steiermark, Heilthermen Resort Bad Waltersdorf), Michael Madreiter (Puradies) und Signe Reisch (Hotel Rasmushof Kitzbühel) darüber, was es bedeutet, wenn sich Saison, Gäste und Personal immer schwerer vorhersagen lassen.
Die anschließende Führungsrunde trug den Titel „Führungskraft sein: Zwischen KI, Klimawandel, globaler Verwirrung und regulativem Chaos“. Der Titel fasst die Lage der Branche ziemlich gut zusammen. Am Podium saßen Monika Erhardt (Boutiquehotel Werdenfelserei), Olaf Hagen (ADAPURA Wagrain), Josef „Sepp“ Schwaiger (Eder Hotels) und Sarah Wenghofer (Hotel Alpenland).
Schloss Fuschl und Jagdhof als Fallstudie
Der Tagungsort passte zum Thema. Das Arabella Jagdhof Resort gehört seit 2001 der Münchner Familie Schörghuber und wird über die Schloss Fuschl Betriebe GmbH von der Arabella Hospitality betrieben. Das Haus hat 143 Zimmer. Nach zwei Jahren Stillstand eröffnete es im November 2022 neu, heute läuft es unter der Marriott-Marke Tribute Portfolio. Gleich nebenan liegt das Rosewood Schloss Fuschl, ein Fünf-Sterne-Superior-Haus. Es wurde fast zwei Jahre lang umgebaut und im Juli 2024 wiedereröffnet.
Über die Energieversorgung beider Häuser sprachen Manuela Höllbacher (Schloss Fuschl Betriebe GmbH) und Markus Mösl (Equans Energie GmbH). Mösl hatte das Projekt schon im Vorfeld im Interview mit dem Veranstalter beschrieben: „Ein fossil betriebenes Hotel wird zu 100 % auf nachhaltige und regionale Energieversorgung umgestellt […]“. Gemeint ist der Jagdhof. Für das Schloss nannte er ein Prinzip, das zunächst widersprüchlich klingt: „Mit Kälte heizen!“ Die Abwärme aus der Kühlung von Zimmern und Spa erwärmt dort das Warmwasser.
Belastbare Zahlen zu Leistung, Investition und CO₂-Einsparung hat bisher allerdings niemand veröffentlicht. Mösl spricht lediglich davon, dass das Warmwasser „mit nur 1/4 des sonst erforderlichen Energieaufwands“ erzeugt werde. Das ist eine Angabe des Anbieters, und Equans war zugleich Partner der Konferenz. Im selben Gespräch kritisierte Mösl auch die Förderlandschaft: Sie sei extrem „heruntergefahren“ und nicht gerade entbürokratisiert worden. Zumindest das dürften viele im Saal ähnlich sehen.
Interessant ist auch Höllbachers Funktion: Sie koordiniert die Dienstnehmerunterkünfte. Für die Wiedereröffnung des Schlosses 2024 mietete der Betrieb noch leerstehende Pensionen in der Umgebung als Mitarbeiterquartiere an. Seit Ende November 2025 steht in Hof ein eigenes Mitarbeiterwohnhaus mit 80 Einheiten. Die Heimat Österreich und die Baufirma RHZ haben es in neun Monaten errichtet. Beheizt wird es über die erweiterte Hackschnitzelanlage, am Dach liegen 140 kWp Photovoltaik. Mitarbeiterwohnen ist damit für ein Haus dieser Größe Teil der Infrastruktur geworden, ähnlich wie Küche oder Spa.
Sanieren im Bestand: das Beispiel Guglwald
Neubau ist in der Ferienhotellerie die Ausnahme, saniert wird im Bestand. Wie das aussehen kann, zeigten Jürgen Obmauer (BELIMO Automation) und Alexander Pilsl (Hotel Guglwald) am Beispiel der energetischen Sanierung des Mühlviertler Hauses. Die folgende Nachhaltigkeitsrunde stand unter dem Motto „zwischen wirtschaftlichem Druck, rechtlichen Herausforderungen und Enthusiasmus“. Neben Pilsl saßen dort Martin Klein (Bergbahnen Turracher Höhe), Oliver Julian Pessoa Huber (Falkensteiner Michaeler Tourism Group) und Peter Unterlechner (Biohotel Grafenast). Nachhaltigkeit ist in den Betrieben angekommen. Sie muss sich aber zunehmend auch rechnen.
Margen, KI und der Gast
Den geopolitischen Rahmen zeichnete Hans R. Amrein (Hotel Inside) mit seinem Vortrag „Die Welt spielt verrückt“. Danach ging es ums Geld. Mit Bastian Becker (Melia Frankfurt), Matthias Engel (Geschäftsführer Im Weissen Rössl) und Roland Hirtenfelder (Werzers Hotels am Wörthersee) diskutierte Amrein über Kostentreiber und Margenkiller.
Am Nachmittag ging es um KI. Karin Leeb (Hotel Hochschober), Christian Grünbart (AVIVA Hotel), Alexander Seibold (Alpenhotel Ammerwald) und Simone Tiberi (Hotel Restaurant Sailer) sprachen über die Chancen der Technologie. Seibold brachte es am Rande der Konferenz auf den Punkt: Hotellerie sei „People Business“. Digitalisierung, KI-Prozesse und Automatisierung sollen den Mitarbeitenden Zeit für die Beziehung zum Gast zurückgeben, nicht zwanzig Prozent der Stellen einsparen. Ein besseres Erlebnis rechtfertige dann auch einen höheren Preis.
Danach ging es darum, wie sich Kommunikation in der KI-Ära verändert. Das letzte Podium hieß „Der Gast zurück im Fokus“. Neben HotelierInnen wie Kristof Cool (General Manager Arabella Jagdhof) diskutierte dort auch Architekt Martin Zechner (Zechner & Zechner ZT GmbH), der das Quadrill in der Tabakfabrik Linz geplant hat. Ihm gefiel der Querschnitt der Konferenz von der IT bis zum Architekten, „der noch immer mit Beton und Ziegel zu tun hat“.
Was bleibt: Rekorde und offene Rechnungen
Am Geschäft mangelt es nicht. Das Land Salzburg hat im Tourismusjahr 2024/25 rund 30,5 Millionen Nächtigungen gezählt, so viele wie nie zuvor. Der Sommer liegt mit 49 Prozent mittlerweile fast gleichauf mit dem Winter. Auch der August 2026 war nach vorläufigen Zahlen mit mehr als 4,2 Millionen Nächtigungen ein Rekordmonat. Die Fuschlseeregion setzt mit ihrer „Strategie 2030“ auf Qualität, Nachhaltigkeit und Ganzjährigkeit.
Die Nachfrage ist also da. Unter Druck stehen andere Dinge: Energiekosten, Personal, Regulierung und Investitionen in einen alternden Bestand. Antworten von außen erwartet Gudrun Ghezzo dabei nicht. ExpertInnen mit fertigen Zukunftslösungen gebe es nicht mehr, sagt sie: „Wir müssen Allianzen schmieden.“ Das gelinge am besten persönlich. Hans R. Amrein schätzte die Runde am Fuschlsee auf 100 bis 120 Personen und hielt diese Größe für ideal, gerade weil man dort noch wirklich miteinander reden könne.
Zum Abschluss führte ein Rundgang unter dem Titel „Heizen und Kühlen in Fuschl“ vom Jagdhof hinüber zum Schloss. Ob sich „mit Kälte heizen“ auch rechnet, wird man nicht am Podium sehen, sondern erst in der Energieabrechnung. Die nächste Gelegenheit, darüber zu reden, gibt es am 22. Oktober in Wien: Dann findet im Radisson Blu Das Triest die 11. Hotel Optimal City statt.