1.Teil am 6.8.26
2.Teil am 8.8.26
Der Zeit ihre Projekte
Die Dokumente, auf denen die Entscheidungen der Behörden beruhen, sind oftmals nicht mehr zeitgemäß und stellen in vielen Fällen ein Hemmnis dar. Ein großer Teil der Plandokumente wurde 1995 bis 2000 erstellt. „Seither hat sich im Mindset, eine Generation später, viel geändert“, sieht Andreas Hawlik eine Diskrepanz, wobei Gerhard Cech zu bedenken gibt, „dass man alle diese Plandokumente auch nicht so rasch ändern kann“. Dazu kommt, dass die Planungsabteilungen im Magistrat auch nur eine gewisse Kapazität haben, was die Umsetzung betrifft. Anhaltspunkte in der Bauordnung, „die ein wenig Flexibilität ermöglichen, wären natürlich wichtig. Da fällt uns sicher noch einiges ein, wie wir das erweitern oder daran arbeiten können, dass man da ein bisschen Flexibilität hineinbringen kann.“ Damit ließe sich nicht nur die Projektentwicklung vereinfachen, sondern es würde auch die langfristige Betrachtung eines Gebäudes anders bewertet.
„Ich glaube, man muss ein bisschen unterscheiden“, meint Thomas Behacker, denn seines Erachtens sind die jeweiligen Gebäude auch aus dem Blickwinkel ihrer Entstehungszeit und den damit verbundenen Themen zu sehen: „Ein Gemeindebau aus den 30er-Jahren wurde unter ganz anderen Prämissen und wirtschaftlichen Bedingungen errichtet als heute und schaut daher auch anders aus als ein Gemeindebau heute.“ Selbst in der gleichen Errichtungsepoche waren die Häuser unterschiedlich, so wie in der Gründerzeit, in der die Gebäude außerhalb des Rings oder des Gürtels nicht dieselbe Qualität hatten wie innerhalb.“ Thomas Behacker: „Ich bin seit 25 Jahren bei der PORR. Wenn ich mir die Gebäude und die Wohnungen ansehe, die wir errichtet haben, dann war die Qualität immer in Ordnung.“ Er weist aber gleichzeitig auf die nächste Generation des Wohnbaus hin: „Ich glaube schon, dass es jetzt einen gewaltigen Sprung gibt mit der Initiative in Richtung Holzbau, natürlich auch getrieben durch Ressourcenschonung und Kreislaufwirtschaft.“
Die Baukosten – Steigerung und Reduzierung
Ein weiterer zu beachtender Aspekt ist die Kostenentwicklung bei der Gebäudetechnik im Verhältnis zu den Gesamtbaukosten. „Die Kosten sind aufgrund der technischen Entwicklungen signifikant höher geworden“, meint Thomas Behacker, „alleine durch die Nutzung alternativer Energien.“ Bei den Projekten, die in der Vergangenheit gebaut wurden, gab es zum größten Teil Energie-Contracting-Modelle für die Fernwärme. „In der Zwischenzeit bieten wir kein Haus mehr an, in dem nicht die gesamte Gebäudetechnik inkludiert ist. Was früher externe Kosten waren, ist jetzt in den Baukosten inkludiert.“ Hier zeigt sich auch, dass sich die Technik schneller entwickelt hat, als die Gesetze Schritt halten konnten, und es durch den technischen Wandel zu einer Verschiebung gekommen ist. Auch stimmen die alten Berechnungsmethoden mit der modernen Technik nicht mehr überein. Der Standort wird nicht berücksichtigt, auch nicht die Nutzerinnen und Nutzer oder die Abstrahlungswärme von Geräten. Die Norm zur Heizlastberechnung entspricht nicht mehr dem aktuellen Stand der Technik, und Thomas Behacker sieht unter anderem darin „ein großes Potenzial, wie man wirklich Kosten sparen würde“. Ein weiterer wesentlicher Kostentreiber ist immer öfter geforderte Nachweisführung der Energieeffizienz von Gebäuden. Hierfür sind umfangreiche Monitoring- und Energiemanagementsysteme mit einer Vielzahl an Messstellen sowie entsprechenden Auswertungs- und Dokumentationsfunktionen erforderlich. Diese Anforderungen führen zu einem erheblichen Mehraufwand und wirken sich spürbar auf die Errichtungs- und Planungskosten der Gebäudetechnik aus.
Wünsche und Erwartungen der Nutzer
Hinzu kommen die Wünsche und Erwartungen der Nutzer an das Wohnen, die sich in den vergangenen Jahren stark verändert haben und zu den gestiegenen Baukosten beigetragen haben. Oftmals werden in den Wettbewerben im geförderten Wohnbau Zusagen gemacht, bei denen die Kosten aus der wirtschaftlichen und der ökonomischen Betrachtung komplett ausgeblendet werden. Ein wesentliches Thema, um die Baukosten zu reduzieren, „wird und ist die Vorfertigung“, so Thomas Behacker: „Wir müssen sicherlich darüber nachdenken, wo und wie wir durch Automatisierung Manpower sparen können, weil es einfach nicht genügend Arbeiter in entsprechender Qualität geben wird. Ich glaube, dass es für die Vorfertigung einige gewichtige Argumente sprechen.“ Zusätzlich reduziere sich die Bauzeit, womit wieder Kosten gespart werden könnten. „Je kompakter wir abwickeln können, desto wirtschaftlicher ist es. Und da ist die Vorfertigung der wesentliche Weg dorthin – das betrifft auch die Qualität der Gebäude.“
Fazit:
Gerhard Cech bringt es auf den Punkt: „Das Problem besteht darin, dass die Bauordnung jetzt bald 100 Jahre alt wird, und um aktuelle Probleme zu lösen, wurde schichtweise alles auf diese draufgelegt. Unser eigentliches Ziel sollte sein, dass wir konsequent entrümpeln. Wir sollten Regelungen, die seit Jahren nicht mehr angewendet werden, einfach streichen, damit wieder ein halbwegs lesbares Werk entsteht.“ Beatrix Rauscher blickt in die Zukunft: „Wir müssen zunächst schauen, was wir inhaltlich ändern können, und dann machen wir einen Abgleich mit allen Begriffen, die sich ja auch verändert haben, damit diese einheitlich sind. Anschließend kann man die Bauordnung wieder lesen.“