Ein Ort, der zum Thema passt
Man hätte sich kaum einen passenderen Rahmen aussuchen können. Die Gösserhalle wurde um 1900 als Werkstättengebäude der Bahn errichtet und diente später als Bierlager, dem sie ihren Namen verdankt. Nach einem Umbau durch AllesWirdGut ist sie seit 2023 Bürohaus und Event-Location. Wer über die Zukunft von Gebäuden reden will, steht hier mitten in einem Beispiel dafür, was aus Bestand werden kann.
Für OPTIMUSE war es der dritte Abend dieser Art. Im Februar hatte das Start-up gemeinsam mit dem AIT Austrian Institute of Technology Premiere gefeiert, im Mai folgte eine Ausgabe mit STRABAG Property and Facility Services zur Sanierung von Bestandsgebäuden. Nun kam mit S+B erstmals ein Projektentwickler als Partner an Bord.
Rechnen, bevor gebaut wird
Das Prinzip von OPTIMUSE lässt sich schnell erklären. Aus vorhandenen Plänen wird ein digitaler Zwilling des Gebäudes erstellt. Die hauseigene KI „Hans“ spielt daran tausende Varianten für Heizung, Kühlung, Lüftung und Gebäudehülle durch und vergleicht sie nach Investitionskosten, Betriebskosten und CO₂-Emissionen. Das geschieht in der Vorplanung, also in jener Phase, in der eine Entscheidung noch wenig kostet und viel bewirkt.
Das Unternehmen wurde 2021 von Dominik Pezzei, Fabian Pitscheider und Felix Hofer gegründet und hat im Oktober 2025 eine Seed-Finanzierung über vier Millionen Euro abgeschlossen. Nach eigenen Angaben verkürzt die Plattform die Vorplanung um 70 Prozent und senkt die Baukosten um zehn Prozent. Die Emissionen im Betrieb sollen um zusätzliche 20 Prozent sinken.
[ZITAT OPTIMUSE, z. B. zum Nutzen der Simulation in der frühen Projektphase]
Pankrác, dritter Akt
Den Praxisbezug brachte S+B mit. Die Wiener Gruppe ist seit den frühen Neunzigerjahren in Tschechien tätig, die Prager Tochter S+B Plan & Bau besteht seit 1992. Auf der Pankrácer Pläne im Prager Büroviertel Prag 4 hat S+B bereits zwei markante Spuren hinterlassen: das Bürohaus TRIMARAN mit rund 18.200 Quadratmetern und gleich daneben ELEMENT. Beide Gebäude sind mit LEED Platin zertifiziert. Schon 2014 hatte S+B in Prag mit QUBIX 4 das erste LEED-Platin-Projekt Tschechiens verkauft.
Das Panorama-Areal ist der nächste Schritt, und zwar in unmittelbarer Nachbarschaft. S+B hat das Grundstück samt dem bestehenden Panorama Hotel im Jahr 2019 von Corinthia übernommen. Auf rund 16.000 Quadratmetern Grundstücksfläche sieht die Gruppe ein Entwicklungspotenzial von bis zu 90.000 Quadratmetern. Das Hotel verfügt über 441 Zimmer, dazu kommen rund 300 Stellplätze. Die U-Bahn-Station Pankrác liegt vor der Tür, das Einkaufszentrum Arkády Pankrác ebenso.
[ZITAT S+B, z. B. zur Strategie für das Areal]
LI.BELLE: Büro mit Sonnendach
Der Büroteil des Quartiers trägt den Namen LI.BELLE. Geplant sind eine Photovoltaikanlage auf dem Dach und eine Tiefgarage mit 110 Stellplätzen samt Ladestationen für E-Autos. Das Projekt soll heuer eingereicht werden. Eine Flächenangabe nennt S+B auf der eigenen Projektseite noch nicht.
Der Standort ist erprobt. Rund um die Pankrácer Pläne haben sich zahlreiche nationale und internationale Unternehmen angesiedelt, und die Autobahn D1 Richtung Brünn und Wien ist rasch erreichbar. Ob sich der Prager Büromarkt in den kommenden Jahren so entwickelt, wie es die Nachbarschaft vermuten lässt, wird sich zeigen.
TIDE: 70 Meter Wohnen
Deutlich konkreter sind die Zahlen beim zweiten Baustein. TIDE ist als Wohnhochhaus mit rund 250 Apartments und etwa 19.150 Quadratmetern Nutzfläche geplant. Mit 70 Metern Höhe fügt es sich in die Skyline eines Viertels ein, das bislang vor allem von Büro- und Hoteltürmen geprägt ist. Die Tiefgarage soll 240 Stellplätze bieten. Auch TIDE wird heuer eingereicht, die Fertigstellung ist für 2032 geplant.
Damit verschiebt sich auf Pankrác etwas. Aus einem klassischen Business-District wird ein gemischtes Stadtquartier, in dem Menschen nicht nur arbeiten, sondern auch wohnen.
[ERGÄNZUNG AUS DEM VORTRAG: Wurde OPTIMUSE bei LI.BELLE oder TIDE eingesetzt? Welche Ergebnisse wurden gezeigt?]
Was bleibt
Nach den Vorträgen gehörte der Abend dem Austausch zwischen VertreterInnen aus Entwicklung, Planung und Bau. Die Botschaft der Veranstalter war klar: Wer früh rechnet, baut günstiger und klimafreundlicher. Wie gut diese These in der Praxis trägt, wird sich an Projekten wie LI.BELLE und TIDE ablesen lassen, spätestens wenn in Pankrác die Baugruben ausgehoben werden.