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Schindler Österreich: Wie Dekarbonisierung mit dem Aufzug funktioniert

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Wer über Gebäudedekarbonisierung in Österreich spricht, meint meistens Heizung, Dämmung, Photovoltaik. Der Aufzug taucht in dieser Debatte selten auf – dabei stecken in jedem größeren Bestandsgebäude Dutzende Tonnen CO₂-Einsparpotenzial direkt im Schacht. Janine Schwabe-Häder, seit Jänner 2024 Vorsitzende der Geschäftsleitung von Schindler Österreich, erklärt, wo die Hebel liegen, was sich technisch bereits umsetzen lässt – und warum die EU-Gebäuderichtlinie den Zeitplan für Gebäudeeigentümer enger macht.

Schindler Low Carbon Service: TÜV-zertifizierte Dekarbonisierung in der Aufzugswartung

Der erste und oft unterschätzte Hebel der Aufzugs-Dekarbonisierung liegt nicht im Gerät selbst, sondern in seiner Wartung und Störungsbehebung. Schindler Österreich betreibt am Wienerberg in Wien ein Technical Operations Center, das digital angebundene Aufzugsanlagen rund um die Uhr digital überwacht. Zustandsdaten werden kontinuierlich übertragen; einige Störungen lassen sich per Fernzugriff beheben, noch bevor der Facility Manager davon erfährt.

Wenn ein Servicetechniker physisch ausrücken muss, fährt er mit einem Fahrzeug – und weiß vorab genau, welches Ersatzmaterial er braucht. Mehrfachfahrten und Leerfahrten entfallen weitgehend. Das Ergebnis dieser Remote-First-Methodik hat der TÜV Rheinland für den österreichischen Markt zertifiziert – Zertifizierungsbericht datiert vom 17. Februar 2025, öffentlich kommuniziert im September 2025: Der Schindler Low Carbon Service erreicht eine CO₂-Reduktion von bis zu 86 Prozent im Vergleich zur konventionellen Vor-Ort-Wartung.

„Der TÜV Rheinland verfügt über umfangreiche Erfahrung mit der Zertifizierung von Wartungen bei Schindler Deutschland. Aufgrund der Ähnlichkeit der Wartungsmethoden haben wir uns für eine Analyse und Zertifizierung durch den TÜV Rheinland entschieden.“  — Janine Schwabe-Häder, Vorsitzende der Geschäftsleitung, Schindler Österreich

Die Zertifizierung macht die CO₂-Einsparung von Adaptive Maintenance im Vergleich zur herkömmlichen Wartung entsprechend transparent – und damit bilanzierbar.

Aufzug Energieverbrauch: Von 10 Megawattstunden auf 1,7 MWh

In einem typischen Wiener Wohngebäude steht der Aufzug rund 80 Prozent der Zeit still. Trotzdem verbraucht er dauerhaft Strom: Steuerung, Beleuchtung, Standby-Betrieb. Moderne Schindler-Aufzüge benötigen pro Jahr in etwa so viel Strom wie eine Haushaltswaschmaschine. Ältere Hydraulikanlagen der 1970er und 1980er liegen bei zehn Megawattstunden pro Anlage und Jahr oder darüber; aktuelle Referenzanlagen nach einer Schindler-Modernisierung kommen auf 1,7 MWh. Eine Modernisierung des Hydraulik Antrieb resultiert ebenso in einer merkbaren Effizienzsteigerung.

Schindler Energierückspeisung.  Beim Bremsen entsteht kinetische Energie, die ältere Anlagen als Wärme vernichten. Schindler baut Energierückspeisung seit 2020 serienmäßig und ohne Aufpreis in alle neuen Personenaufzüge ein. Für Bestandsanlagen aller Hersteller gibt es ein Nachrüstmodul von Schindler: Es speichert Bremsenergie in einem Ultrakondensator und nutzt sie bei der nächsten Anfahrt wieder. Schindler gibt bis zu 70 Prozent Stromersparnis für dieses Modul an; konkrete Messungen am Telefunken-Hochhaus Berlin belegen 5,441 MWh Einsparung pro Jahr.

Intelligente Schachtentlüftung Schindler HVS.  Bauordnungsrechtlich ist in jedem Aufzugsschacht eine Lüftungsöffnung vorgeschrieben. Im Normalbetrieb wirkt diese wie ein dauerhaft geöffnetes Fenster: Der Kamineffekt zieht kontinuierlich Wärme aus dem Gebäude. Die intelligente Schachtentlüftung HVS (Hoistway Ventilation System) ist eine motorisierte Klappe, die den Schacht im Regelbetrieb schließt und nur bei Bedarf, bei Wartung oder im Brandfall automatisch öffnet. Für einen Wohnhausschacht mit 27 Metern Höhe beziffert Schindler Österreich die vermiedene Wärmemenge auf rund 9 MWh pro Jahr; bei einem Krankenhausschacht mit 2,5 × 2,5 Metern Querschnitt steigt der Wert auf über 42 MWh. Die Amortisationszeit liegt nach Unternehmensangaben bei wenigen Jahren – ab sieben Stockwerken oft deutlich darunter. In Ergänzung zu einem energieeffizienten Aufzug hat man eine attraktive Kombination, die die Energiebilanz des gesamten Gebäudes optimiert.

Schindler PORT Zielrufsteuerung.  In Gebäuden mit mehreren Aufzügen in einer Gruppe bündelt das Schindler PORT-System Fahrten mit identischem Zielgeschoss in einer Kabine. Das reduziert Leerfahrten, Zwischenstopps und damit Betriebsstunden. Im PORT ECO Mode – der das Fahrtangebot automatisch an die tatsächliche Verkehrsnachfrage anpasst und Aufzüge in Schwachlastzeiten gezielt abschaltet – beziffert Schindler die Energieeinsparung in großen Aufzugsgruppen auf bis zu 40 Prozent.

Aufzug-Modernisierung in der Praxis: AKH Wien spart 80 Prozent Strom

Am konkretesten zeigt sich die Wirkung kombinierter Schindler-Dekarbonisierungsmaßnahmen am Roten Bettenturm des Allgemeinen Krankenhauses Wien. Schindler hat dort eine Aufzugsgruppe vollständig modernisiert, Schindler PORT nachgerüstet und die Schachtentlüftung erneuert. Nach Unternehmensangaben sank der Energieverbrauch der Aufzugsanlage um 80 Prozent.

Das AKH Wien ist Österreichs größtes Krankenhaus mit 1.691 Betten, 66 klinischen Einheiten und 397 Ambulanzen. Bei den entsprechenden Betriebszeiten, Fahrtfrequenzen und Stromkosten eines Großkrankenhauses ist eine 80-prozentige Reduktion keine rein ökologische, sondern eine substanzielle betriebswirtschaftliche Aussage.

„Eine Modernisierung des Aufzugs kann man auch unabhängig von beispielsweise der Modernisierung eines Gebäudes machen. Man kann sich hier die Technik des Aufzugs, eine Schachtentlüftung nachrüsten. Das sind alles Dinge, die man ganz universell einsetzen kann und die ganz oft Sinn machen.“  — Janine Schwabe-Häder

Net-Zero bis 2040: SBTi-validiertes Netto-Null-Ziel

Auf Konzernebene hat Schindler im Juni 2022 ein vollumfängliches Netto-Null-Ziel bis 2040 verabschiedet – validiert durch die Science Based Targets initiative (SBTi) nach dem 1,5-Grad-Pfad. Das Ziel umfasst alle Emissionsscopes: minus 90 Prozent absolut gegenüber dem Basisjahr 2020, einschließlich der Emissionen aus dem Betrieb aller weltweit installierten Schindler-Anlagen.

Der aktuelle Stand laut Schindler Nonfinancial Report 2025: Scope 1 und 2 liegen auf market-based Basis – also unter Anrechnung des vollständigen Bezugs erneuerbaren Stroms nach RE100-Kriterien – 31 Prozent unter dem Basisjahr 2020; Scope 3 – der größte Posten, dominiert vom Stromverbrauch der Kundenanlagen – ist um 50 Prozent gesunken. Der Scope-3-Rückgang ist unter anderem auf den gestiegenen Anteil von Verkäufen von Aufzügen mit der höchsten Energie-Efffizienzklasse aber auch durch methodische Anpassungen und Verbesserungen der Datengrundlage zurückzuführen; der Prüfstein für das Ziel 2040 bleibt der absolute Rückgang der Emissionen aus dem Betrieb der installierten Basis.

Schindler wird für diese Klimastrategie zum dritten Mal in Folge in der CDP A List geführt – einer von 877 Unternehmen unter rund 20.000 bewerteten Unternehmen weltweit, also den oberen vier Prozent. EcoVadis bewertet Schindler mit Platinum, dem höchsten Rating, das die oberen ein Prozent von über 150.000 bewerteten Unternehmen kennzeichnet.

„Da steckt ganz viel ernstgemeinte Ambition dahinter. Deswegen auch ein realistisches Ziel mit 2040 – wo wir wirklich an unseren Kernthemen so arbeiten wollen, dass es bis 2040 realisierbar ist, sowohl von unseren Produkten her als auch von der Art und Weise, wie wir uns als Unternehmen verhalten.“  — Janine Schwabe-Häder

Neben Energie- und Mobilitätsmaßnahmen präsentierte Schindler im Rahmen eines Pilotprojekts Anfang 2026 einem Aufzug mit Low-Carbon-Emissionsstahl – einem der größten Materialposten im Produkt und einer wesentlichen Quelle der Scope-3-Emissionen in der Kategorie eingekaufter Güter.

EU-Gebäuderichtlinie EPBD 2026: Aufzugsdekarbonisierung wird zur Pflicht

Die EU-Gebäuderichtlinie (EPBD, Richtlinie 2024/1275) ist seit Mai 2024 in Kraft. Die Umsetzungsfrist ins österreichische Recht endet am 29. Mai 2026. Die Richtlinie verändert den Handlungsrahmen für Gebäudeeigentümer grundlegend:

Nichtwohngebäude mit Heizungs- und Klimaanlagen über 290 Kilowatt müssen bereits seit Ende 2024 über Gebäudeautomationssysteme mit kontinuierlichem Energiemonitoring verfügen; die Schwelle sinkt bis Ende 2029 auf 70 Kilowatt. Ab 2030 gelten für Neubauten Nullemissionsstandards, für öffentliche Gebäude ab 2028. Der Bestand unterliegt einer schrittweisen Pflicht zur Sanierung der energetisch schlechtesten Gebäude.

Für Aufzugsbetreiber und Eigentümer bedeutet das konkret: Wer die Modernisierung bislang aufgeschoben hat, verliert schrittweise den strategischen Spielraum. Digital überwachte, rekuperationsfähige Aufzugsanlagen mit offenen Schnittstellen zur Gebäudeautomation werden vom optionalen Upgrade zur Compliance-Anforderung.

Schindler Österreich positioniert sich mit dem Low Carbon Service, den Nachrüstlösungen zur Energierückgewinnung und HVS sowie dem Schindler PORT-System als Partner für genau diese Umstellungsphase.

„Als Aufzugbetreiber kann man die Chance nutzen, die Aufzugsmöglichkeiten ins Gebäude einzubinden. Hier stehen wir gerne zur Verfügung, auch um unseren Input für das Gesamtgebäude zu geben.“  — Janine Schwabe-Häder

FAQ: Schindler und Dekarbonisierung

Was ist der Schindler Low Carbon Service?

Der Schindler Low Carbon Service ist ein Wartungsvertrag, der auf permanenter digitaler Vernetzung der Aufzugsanlage mit dem Schindler Technical Operations Center basiert. Die Aufzugsanlagen werden laufend digital überwacht, damit werden die physischen Wartungseinsätze auf das technisch Notwendige reduziert und die Fahrten darüber hinaus mit Elektrofahrzeugen durchgeführt. Der TÜV Rheinland hat die österreichische Methodik mit Zertifizierungsbericht vom 17. Februar 2025 geprüft und bescheinigt eine CO₂-Reduktion von bis zu 86 Prozent gegenüber konventioneller Wartung.

Wie viel Strom verbraucht ein moderner Schindler-Aufzug?

Moderne Schindler-Personenaufzüge verbrauchen nach Unternehmensangaben etwa so viel Strom pro Jahr wie eine Waschmaschine in einem Mehrfamilienhaus für die gleiche Zeitperiode. Ältere Hydraulikanlagen kommen auf bis zu 10 MWh pro Jahr; nach einer Schindler-Modernisierung mit Rekuperation, LED-Beleuchtung und Schachtentlüftung sinkt der Wert auf rund 1,7 MWh.

Was ist das Klimaziel Net-Zero bis 2040 ?

Schindler hat sich im Juni 2022 verpflichtet, ein Netto-Null-Ziel bis 2040 über alle Scopes (1, 2 und 3) zu erreichen – das entspricht einer absoluten Reduktion von 90 Prozent gegenüber dem Basisjahr 2020. Das Ziel ist von der Science Based Targets initiative (SBTi) nach dem 1,5-Grad-Pfad validiert.

Wie funktioniert die Energierückspeisung bei Schindler-Aufzügen?

Beim Bremsen der Aufzugskabine erzeugt der Antrieb elektrische Energie, die über einen Wechselrichter in das Hausnetz zurückgespeist wird. Schindler baut diese Funktion seit 2020 serienmäßig in alle neuen Personenaufzüge ein. Das Nachrüstmodul von Schindler ermöglicht Vergleichbares für Bestandsanlagen aller Hersteller – durch Zwischenspeicherung in einem Ultrakondensator – und spart laut Herstellerangaben bis zu 70 Prozent des Aufzug-Stromverbrauchs.

Was ist Schindler PORT und wie spart es Energie?

Schindler PORT ist ein Destination-Dispatch-System (Zielrufsteuerung), bei dem Fahrgäste ihr Zielgeschoss bereits im Eingangsbereich wählen. Algorithmen bündeln Fahrten mit gleichem Ziel in derselben Kabine und reduzieren so Leerfahrten und Zwischenstopps. Der Schindler PORT ECO Mode passt das Fahrtangebot zusätzlich dynamisch an die Verkehrsnachfrage an und kann laut Schindler in großen Aufzugsgruppen bis zu 40 Prozent Energie einsparen. Am Roten Bettenturm des AKH Wien erzielte die Kombination aus PORT und Aufzugsmodernisierung nach Schindler-Angaben 80 Prozent Energieeinsparung.

Welche Schindler-Lösungen sind ohne vollständige Aufzugsmodernisierung nachrüstbar?

Das Verkehrsmanagementsystem Schindler-PORT, die intelligente Schachtentlüftung HVS, das Energierückgewinnungsmodul und die digitalen Dienstleistungen im Bereich Service & Instandhaltung lassen sich an Bestandsanlagen aller Hersteller nachrüsten – unabhängig von einer vollständigen Aufzugsmodernisierung oder Gebäudesanierung.

Transkript

0:10 Herzlich willkommen zum Immobilienredaktion Office Talk. Oft geht es so, dass man im Nachgespräch zu einem Interview noch einmal ein Thema findet, wo man sagt: „Da müssen wir eigentlich noch einmal drüber reden." Und Janine Schwabe-Heder hat sich direkt gleich im Anschluss an das Interview, das ihr schon bei uns gesehen habt, zum Thema Lehrlingsausbildung die Zeit genommen und wir führen jetzt noch einmal ein Gespräch zu einem Thema, an dem man eigentlich in der Bau- und Immobilienbranche keinen Tag vorbeikommt, nämlich Dekarbonisierung und CO₂-Einsparung und das im Bereich der Aufzüge. Wie ist es denn in deinem Alltag?

0:46 Wie ist es denn in der Industrie, in der Herstellung, in der Montage? Ist da dieses Thema auch so allgegenwärtig und präsent? Absolut, es ist sehr präsent, so wie in all unserer Leben, glaube ich, aber natürlich auch bei Aufzügen und Fahrtreppen und ein Thema, was uns intensiv beschäftigt. Einerseits von der Produktseite selber, also sprich vom Aufzug, von der Fahrtreppe, andererseits von der Wartungsmethode her, um dort auch besonders CO₂-sparend unterwegs zu sein und natürlich auch uns als Unternehmen, wenn wir beispielsweise über Elektromobilität sprechen. Bleiben wir gleich bei der Wartungsmethodik.

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1:24 In meinem simplen Laienkopf sehe ich da gar kein Einsparungspotenzial. Wo spart man denn bei der Wartung eines Aufzugs CO₂? Also Aufzüge sind ja mittlerweile stark digitale Produkte, sind digital vernetzt und da besteht die Möglichkeit, bei uns auch einen Low-Carbon-Wartungsvertrag beispielsweise abzuschließen. Da braucht man einmal das Produkt selber, was standardmäßig in einer sehr guten Energieeffizienz ist und andererseits die Wartungsmethodik, das heißt die Anbindung des Aufzugs bei uns an den Servicecenter hier am Wienerberg, der den Zustandsbericht dynamisch überträgt, sodass wir wissen,

2:05 funktioniert der Aufzug, funktioniert er nicht? Was hat er etwa für Themen? Dann können wir dort schnell darauf reagieren und sind da im Gegensatz zur Vergangenheit einfach 24/7 mit dem Aufzug verbunden und können dann entsprechend darauf reagieren. Das heißt, die Qualität hat sich deutlich gesteigert. Wir können schneller reagieren, die Ausfallzeiten reduzieren sich für unsere Kunden ganz wesentlich und das in Summe ist ein tolles Paket, mit dem dann am Ende des Tages auch deutlich CO₂ gespart wird. Wie weit geht denn dann diese Digitalisierung? Ist das jetzt ein reines Monitor and Control oder geht das schon auch in die

2:43 Richtung Machine Learning und Predictive Maintenance? Das geht auf jeden Fall in die Richtung. Also wir können durch die Zustandsberichte des Aufzugs erkennen, was es am Aufzug für ein Thema gibt. Wir können dann auch schon richtig darauf reagieren. Das heißt, wir können einerseits remote reagieren, andererseits, wenn ein Servicetechniker beispielsweise zur Anlage fahren muss, dann hat der schon vorab Informationen und kann dementsprechend beispielsweise die richtigen Materialien schon mitnehmen, um hier auch ganz schnell für unsere Kunden den Aufzug wieder in Betrieb nehmen zu können. Dieses System, auch mit diesem Field

3:20 Link, darüber haben wir beim letzten Interview gesprochen, ist auch zertifiziert worden. Das ist richtig, ja. Wir haben das TÜV zertifizieren lassen. Wir wissen natürlich, was wir hier bewirken können, aber jetzt war es wichtig, auch eine objektive Sichtweise hier reinzubringen, um einfach auch transparent für unsere Kunden zeigen zu können, was die Auswirkung ist und wie viel CO₂ hier tatsächlich gespart werden kann. Da muss ich noch mal kurz nachfragen: Zertifiziert ist es vom TÜV Rheinland. Genau. Warum ausgerechnet diese Zertifizierungsstelle? Der TÜV Rheinland hat Erfahrung schon aus Deutschland mit derartigen

3:56 Zertifizierungen und deswegen sind wir auf den TÜV Rheinland zugegangen. Sie sind ein großer Faktor in der CO₂-Einsparung, aber nicht nur die Wartung, sondern auch natürlich der Betrieb, weil so ein Aufzug kostet Strom. In Wohngebäuden steht er 80 % der Zeit still. Was habt ihr da getan, auch um hier Betriebskosten, Strom und mit dem Strom CO₂ zu sparen? Ja, da gibt es ein ganz breites Spektrum an Themen. Also einerseits, wie du schon gesagt hast, geht so ein Aufzug in den Standby-Modus, wenn er längere Zeit nicht benötigt wird und spart hier schon einmal im ersten Schritt Strom.

4:37 Moderne Aufzüge, beispielsweise in Wohnhäusern, brauchen ungefähr so viel Strom wie eine Waschmaschine. Also da hat sich extrem viel getan über die letzten Jahrzehnte. Und dann gibt es drumherum natürlich noch einiges an Möglichkeiten. Wenn man den Aufzugsschacht anschaut, also wenn man sich diesen Schacht hier anschaut, haben ganz viele Schächte eine Schachtentlüftung. Wenn man sich das gerade bei älteren Häusern anschaut, da ist einfach ein Loch in der Wand und da geht ganz viel Heizenergie raus. Da besteht die Möglichkeit, beispielsweise eine intelligente Schachtentlüftung daraufzusetzen, die wirklich nur im Bedarfsfall öffnet, aber ansonsten den Schacht verschließt

5:13 und so dafür sorgt, dass die Wärmeenergie nicht das Gebäude verlässt. Wenn man größere Gebäudekomplexe anschaut, wo man Aufzugsgruppen hat, also beispielsweise Krankenhäuser, gibt es die Möglichkeit, neben der Modernisierung von bestehenden Anlagen auch intelligente Ansteuerung von Aufzügen einzubauen, unser Port. Und das macht die Aufzugsgruppe deutlich effizienter und senkt den Stromverbrauch. Wenn man sich jetzt beispielsweise anschaut, wir haben das beim Roten Bettenturm beim AKH vor einigen Jahren gemacht, haben die bestehenden Anlagen modernisiert und Port eingebaut und haben dort eine Energieeinsparung von über 80 % erreichen können.

5:55 Ist eigentlich spannend. Das heißt, eigentlich steckt sehr viel mehr Technik drin. Es sind eigentlich sehr viel mehr Verbraucher drin und trotzdem senkt man damit den Verbrauch massiv. Ja, eine Modernisierung von einem Aufzug bietet da unglaublich viel Potenzial, auch den Energiekonsum nach unten zu schrauben und alles drumherum, was die Effizienz einer Anlagengruppe zum Beispiel erhöht, senkt einfach die Notwendigkeit der Bewegung der Aufzüge. Jetzt haben wir da über 30 % weniger Störungsanfälligkeit der Aufzüge. Geputzt wird teilweise mit Robotern schon in den Gängen. Müssen wir uns Sorgen machen, dass die Facility Manager à la longue arbeitslos

6:35 werden? Das glaube ich nicht. Ich glaube, die Facility Manager haben ein breites Spektrum an Aufgaben. Aber wir freuen uns natürlich, wenn wir die Tätigkeit des Facility Managers hier auch deutlich entlasten können, indem wir im besten Fall eine Störung vielleicht schon beheben können, bevor überhaupt das Thema beim Facility Manager aufschlägt. Jetzt geht es aber oft nicht nur um Energieeinsparung, es geht auch manchmal um Energierückspeisung. Das ist richtig, ja. All unsere Aufzüge, die wir neu installieren, haben das bereits, dass durch die Bremsenergie, diese kann rückgespeist werden ins Gebäude und somit

7:13 verpufft die nicht einfach, sondern kann wirklich weiter genutzt werden. AKH, du hast es angesprochen, von zehn auf 1,7 Megawattstunden? Ja, hier ist wirklich großes Potenzial bei solchen Gebäuden. Wenn wir Aufzugsgruppen haben, hohe Aufzüge, hohe Frequenz auch. Also wenn man sich das AKH vorstellt, dann ist hier einfach reger Betrieb. Und auch da haben wir zum Beispiel die Schachtentlüftung eingebaut, sodass hier die Wärmeenergie zusätzlich auch nicht aus dem Schacht herausgeht und aus der Vielzahl an Themen entsteht dann eine extrem hohe Einsparung.

7:54 Gibt es da eine Untergrenze, wo man sagt: „Anlagengröße, da lohnt sich so eine Modernisierung, eine Wartung?" Oder ist das eher so, wie wenn man sagt: „Zu Hause alle zehn Jahre tausche ich den Kühlschrank aus, weil der verbraucht nicht so viel." Man muss das natürlich individuell anschauen und wir stehen da als Partner auch gerne zur Verfügung, um so etwas anzuschauen. Aber es gibt schon sehr viele Potenziale bei einer Reihe von Aufzügen. Modernisierung ist immer etwas, was in die Zukunft gerichtet ist. Eine Modernisierung des Aufzugs kann man auch unabhängig von beispielsweise der Modernisierung eines Gebäudes machen.

8:28 Man kann sich hier die Technik des Aufzugs, eine Schachtentlüftung nachrüsten. Das sind alles Dinge, die man ganz universell hier einsetzen kann und die ganz oft Sinn machen. Also beispielsweise eine Schachtentlüftung, die ja einfach zusätzlich zum Aufzug kommen kann, die amortisiert sich teilweise in seltenen Fällen unter einem Jahr, aber in ganz wenigen Jahren. Das ganze Thema Dekarbonisierung von Gebäuden wird ja auch gerade in österreichisches Gesetz gegossen. Die europäische Gebäuderichtlinie wird umgesetzt. Muss ich da als Aufzugbetreiber auch etwas beachten? Als Aufzugbetreiber kann man die Chancen nutzen, die

9:06 Aufzugsmöglichkeiten ins Gebäude einzubinden und all die Themen, über die wir eben besprochen haben, spielen hier absolut rein. Sowohl in der Energieeffizienz eines neuen Aufzugs als auch in Modernisierungsmöglichkeiten. Und hier stehen wir gerne zur Verfügung, auch um unseren Input für das Gesamtgebäude zu geben. Hier gibt es viele Chancen. Und ich glaube, ganz wichtig ist, wenn man sich zum Beispiel Neuanlagen anschaut, die Investition, die man bei neuen Aufzügen am Anfang macht, die rentiert sich dann relativ schnell. Also ein Aufzug, der von Anfang an mitgedacht hat, eine Schachtentlüftung,

9:47 eine Zielrufsteuerung et cetera. Das ist das, was sich dann im Betrieb tatsächlich spürbar auswirkt. Lass uns gedanklich wieder von den Aufzügen da draußen zurück hier ins Gebäude und zu Schindler selber kommen. Ihr habt euch das Ziel gesetzt, Net Zero bis 2040. Ja. Da frage ich mich immer zuerst: Na ja, Marketing-Gag oder was steckt da wirklich dahinter? Da steckt ganz viel ernst gemeinte Ambition dahinter. Deswegen auch ein realistisches Ziel mit 2040, wo wir wirklich an unseren Kernthemen so arbeiten wollen, dass es bis 2040 realisierbar ist, sowohl von unseren Produkten her als auch von der Art und Weise, wie wir uns als Unternehmen verhalten,

10:31 Solarenergie, Elektromobilität et cetera. Da kommen ganz viele Komponenten zusammen, ein absolut ernst gemeintes Ziel, bis 2040 hier auf null zu kommen. Ein großes Thema auch bei diesem ganzen Net-Zero-Gedanken sind ja auch immer die verbauten Materialien. Gibt es da bei euch auch Bestrebungen, auf Materialien zu setzen, die CO₂-reduziert oder CO₂-neutral hergestellt werden? Ja, wir arbeiten beispielsweise an einem Aufzug mit Low-Carbon-Emission-Steel und das gibt ganz viele Möglichkeiten, dann auch in die Zukunft gedacht, hier zusätzlich bei den Materialien für unsere Produkte noch effizienter zu werden.

11:11 Das nehmen wir als Schlusssatz. Ich sage schon mal danke. Im ersten Teil unseres Gespräches oder vorhin habe ich dich gefragt nach deinem Werdegang und deiner Position. Jetzt würde ich gerne vielleicht den Blick hinten nach machen: Was kommt denn bei dir nach der Arbeit? Wie stellst du dir Work-Life-Balance her? Wie holst du dir Motivation für jeden Montag neu? Was passiert, wenn ich zu Hause zur Tür hereinkomme? Dann springen zwei Kinder herum und dann ist man auf jeden Fall sofort in der Life Balance. Die sind vier und eins und bereichern den Alltag dann absolut. Das macht sicher Spaß. Absolut.

11:52 Danke dir. Und euch danke fürs Zuschauen. Und wenn ihr keine Folge des Immobilienredaktion Office Talk mehr verpassen wollt, dann registriert euch auf unserer Seite immobilienredaktion.com oder folgt unserer LinkedIn-Seite Die unabhängige Immobilienredaktion.

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