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Propileya: Warum sich Österreichs Makler zur Genossenschaft zusammenschließen

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Jörg Buß hat in 25 Jahren zwei Marktplätze aufgebaut und beide verkauft – die Jobbörse Jobfinder ging 2007 an StepStone, das Standortdaten-Unternehmen Checkmyplace 2020 an PriceHubble. Seit Juli 2025 ist er Prokurist und operativer Leiter der Propileya Austria eG, einer Genossenschaft österreichischer Maklerbetriebe, die das Immobilienportal AlleImmobilien.at betreibt. Der Unterschied zu früher ist grundsätzlich: Dieses Portal soll nicht verkäuflich sein. Ein Gespräch über Rechtsformen als Kampfansage, 65.000 Objekte mit Sternchen und die Frage, die niemand endgültig beantworten kann.

Es gibt einen Satz, den Jörg Buß im Gespräch zweimal sagt, mit kleinen Variationen, und der die ganze Konstruktion trägt: „Für mich ist hier das disruptive Element die Genossenschaft – und nicht irgendeine Technologie.“

Das ist eine ungewöhnliche Behauptung von jemandem, der aus der Technologie kommt. Buß hat an der TU Wien Mathematik und Computerwissenschaften studiert, 1998 mit Florens Eblinger die Jobnews GmbH gegründet, daraus Jobfinder, Unijobs.at und Career.at gebaut und das Paket 2007 an den norwegischen Konzern StepStone verkauft. 2014 folgte gemeinsam mit Sabine Schally Checkmyplace, ein Werkzeug für datenbasierte Standortanalysen, 2020 der Verkauf an die Schweizer PropTech-Firma PriceHubble, deren österreichische Geschäftsführung er anschließend übernahm. Dazu ein Jahrzehnt als Mitgründer und Vorstand der apti, später DREA, jenes Netzwerks, das PropTechs, Corporates und Investoren zusammenbringt. Im April heuer ist er aus dem Vorstand ausgeschieden.

Nicht das Modell. Die Rechtsform.

Man würde erwarten, dass so jemand ein besseres Portal bauen will. Buß will das und noch etwas anderes.

„Wir haben ein altes, arriviertes Businessmodell hergenommen, nämlich ein Immobilienportal“, sagt er. „Und haben uns angeschaut: Wo liegt im Augenblick der größte Schmerz in der Vermarktungsbranche? Da haben wir gesehen: Es ist eigentlich nicht das Businessmodell selbst, sondern die Gesellschaftsform, die dahintersteht. Die gewinnmaximierende Gesellschaftsform, egal ob Aktiengesellschaft oder GmbH – das ist vollkommen wurscht.“

Seine Diagnose ist keine Immobilienbranchen-Diagnose, sie ist eine Plattform-Diagnose. Marktteilnehmer werden auf eine Plattform geholt, es entsteht ein Locked-in, und dann bewegen sich die Gebühren so weit nach oben, wie es der Markt eben hergibt. Hotellerie, Einzelhandel, überall dasselbe Muster: Die Wertschöpfung entsteht bei den kleinen Betrieben, abgeschöpft wird sie woanders. „Da läuft aus meiner Sicht etwas falsch.“

Was er dagegensetzt, ist keine Funktion, sondern ein Eigentümerverhältnis. Die Genossenschaft gehört ihren Mitgliedern, jedes Mitglied hat eine Stimme, die Preise werden in der Generalversammlung beschlossen. Über 200 Betriebe haben sich nach Angaben der Genossenschaft bislang angeschlossen, 2.000 sind das Ziel. Zur Einordnung: Der Fachverband der Immobilien- und Vermögenstreuhänder zählt österreichweit rund 11.200 Treuhänder-Betriebe.

Leise gestartet – und ein Sternchen bei 65.000

Aus 25 Jahren Marktplatzbau hat Buß vor allem eine Lehre mitgenommen, und sie klingt unspektakulär: nicht mit Stichtag und Kampagne starten. AlleImmobilien.at ist im Herbst still gelauncht und wird seither Stück für Stück ausgebaut, mit Priorität auf Auffindbarkeit statt auf Werbedruck. „Damit man weniger Geld für Paid Ads ausgeben muss.“

Die Zahl, mit der die Genossenschaft wirbt, sind über 65.000 publizierte Objekte. Ein Teil stammt aus Kooperationen, alle anderen aus Mitgliederbeständen. „Alle über Schnittstellen. Nicht gescraped.“, ordnet Buß ein. Der Anteil eigener Inserate soll die Kooperationsobjekte nach und nach ablösen – ein Übergangszustand, den er offen benennt, ohne dass jemand nachfragen müsste.

Wer also 65.000 durch 200 dividiert, rechnet an der Sache vorbei. Die Zahl misst die Sichtbarkeit des Portals, nicht die Kraft der Mitgliederbasis. Das ist ein Unterschied, den man in Aussendungen selten so klar gesagt bekommt.

Das Muffige am Modernen

Den Namen hat nicht er erfunden, sondern sein Co-Prokurist Christian M. Kaindl. Eine Gründungslegende verweigert Buß freundlich: „Jetzt könnte ich eine ganz, ganz tolle Legende erzählen.“ Kann er, tut er aber nicht.

Stattdessen ein erstaunlich selbstkritischer Gedanke über die eigene Rechtsform: „Der Begriff Genossenschaft ist ja per se nicht wahnsinnig innovativ und modern. Er hat schon ein bisschen was Muffiges.“ Genau dieses Wechselspiel zwischen alt und neu reizt ihn. Für das Portal selbst hat man sich dann bewusst gegen den Kunstnamen entschieden – AlleImmobilien.at, „weil da jeder weiß, was er hat“. Nebenbei bemerkt: eine saubere Entscheidung auch für Google, auch wenn er sie nicht so nennt.

Was der Makler zurückbekommt

Interessanter als die Namensfrage ist, was mit den Daten passiert – und hier ist Buß in seinem Element. „Ich komme durchaus aus der Datenecke“, sagt er, und die Linie von Checkmyplace über PriceHubble bis hierher zieht er selbst.

Die Daten der Plattform gehören der Genossenschaft und damit den Mitgliedern. Konkret heißt das: Zugang über ein Login, anonymisiert und aggregiert. Statistiken darüber, was wo wie gesucht wird – bei den eigenen Objekten und im Gesamtmarkt. In die Zahlen eines anderen Maklerbüros sieht niemand hinein, das stellt er ausdrücklich klar. Sein Beispiel ist der Bauträger, der vor der Projektplanung nachschaut, was in einer Region tatsächlich nachgefragt wird: „Das sind wahnsinnig wertvolle Informationen.“

Zwei Portale, ein Ziel

Seit Jänner ist auch der relaunchte immomarktplatz.at von Fachverband, ÖVI und Immobilienring am Start – und die naheliegende Frage nach der Konkurrenz beantwortet Buß nicht, wie man es erwarten würde. „Unterstützt einfach beide Projekte, geht zu beiden dazu“, sagt er. Beide versuchten, eine Alternative zu den bestehenden Marktteilnehmern aufzubauen, eine, die die Vielfalt der Branche erhält und mit fairer Preispolitik agiert. Und danach schaue man, was sich gemeinsam auf die Beine stellen lasse.

Ein Blick auf die Zahlen zeigt, warum diese Gelassenheit begründet ist. Die beiden branchennahen Portale sind unterschiedlich stark aufgestellt – aber an verschiedenen Enden:

AlleImmobilien.at

immomarktplatz.at

Träger

Propileya Austria eG

Fachverband (60 %), ÖVI (30 %), Immobilienring (10 %)

Mitglieder

über 200 (nach eigenen Angaben)

388 (Stand 26.8.2026, Portalangabe)

Objekte

über 65.000 (nach eigenen Angaben, über Schnittstellen)

29.940 (Stand 26.8.2026, Portalangabe)

Start

Portal Ende 2025

Relaunch Jänner 2026

Der eine hat mehr als doppelt so viele Mitglieder, der andere mehr als doppelt so viele Objekte. Man könnte auch sagen: Sie hätten einander einiges zu bieten.

Was es kosten wird

Eine öffentliche Preisliste gibt es bei AlleImmobilien.at nicht, die Preise beschließt die Generalversammlung. Was Buß im Gespräch sagt, ist trotzdem konkreter als alles bisher Veröffentlichte: „Natürlich werden auch Inserate Geld kosten. Es wird auch hier zu einer Art Abo kommen.“ Der Mitgliedsbeitrag allein schaltet also nichts frei.

Und dann folgt ein Satz, der in keiner Aussendung stehen würde: „Es wird ja nicht so sein, dass wir ohne Werbegeld zurechtkommen.“ Auch eine maklereigene Plattform muss Anfragen zukaufen. Das Versprechen, das er dagegensetzt, ist ein Preisversprechen: stabile Preise, günstiger als bei den etablierten Anbietern. Eine Zahl nennt er nicht. Zum Vergleich: Bei ImmoScout24.at kostet ein gewerbliches Einzelinserat laut Preisinformation des Anbieters ab 79 Euro, willhaben und immowelt.at veröffentlichen für Profis keine Preise.

Bleibt die Reichweitenfrage

Sie ist die härteste, und Buß weicht ihr nicht aus. Er lobt sogar ausdrücklich die Konkurrenz: willhaben habe in knapp zwanzig Jahren einen Marktplatz mit echten Synergien aufgebaut, das sei „ein toller Job“ gewesen. Alle anderen müssten sehr viel Geld ausgeben, um Suchende auf die eigene Seite zu holen, und dieses Geld werde nicht weniger, sondern mehr.

Seine Gegenthese ist eine Wette auf das Verhalten der NutzerInnen: „Die Suchenden sind nicht plattformtreu und nicht maklertreu.“ Sie suchen ein Objekt, das in ihre Lebenssituation passt, und wollen den Zuschlag – mehr nicht. Wer diese Wette gewinnt, entscheidet nicht die Technik, sondern die Verbreitung durch die Mitglieder selbst: im Exposé, auf der Website, im E-Mail-Footer. „Kooperation ist eine Superkraft“, sagt Buß. Das ist einer der Claims der Genossenschaft, und aus seiner Sicht der wichtigste.

Ob das reicht, weiß im Moment niemand. In Deutschland hat es ein verbandseigenes Portal trotz sechsstelliger Objektzahl nicht zur nötigen Reichweite gebracht. funda in den Niederlanden gehört den Maklerverbänden und kommt im Gegensatz dazu auf eine Markenbekanntheit, von der alle anderen träumen. Buß kennt beide Beispiele und relativiert selbst: Auch die Schweizer newhome sei kein ideales Vorbild, dort gehöre nach seinem letzten Stand nicht einmal mehr die Hälfte den MaklerInnen.

Bleibt der Satz, den er dem Ganzen voranstellt und der die Sache besser zusammenfasst als jede Kennzahl: „Wir glauben nicht an gestern, wir glauben an morgen.“

Nachzurechnen ist das in zwölf Monaten.

Transkript

0:11 Office Talk, unsere erste Folge aus dem Climate Lab hier in der Spittelau. Wo wir da genau sind, das hört ihr jetzt. Wir drehen heute im Climate Lab, dem Coworking und Event Space in der Spittelau. Das Climate Lab bietet Raum und eine Community für Start-ups, die sich mit der nachhaltigen Wirtschaftswende und Kreislaufwirtschaft beschäftigen. Weitere Infos findet ihr auf www.climatelab.at. Bei mir heute ein Serial Entrepreneur der Tech-Szene, das Mastermind des Netzwerkverbandes der österreichischen Proptech-Szene, vorher ABTI, jetzt heißt es DREIA. Aber Jörg, du bist jetzt mit einem neuen Projekt am Start und darüber wollen wir uns

0:53 heute unterhalten. Herzlichen Dank, dass du zu uns gekommen bist und danke für deine Zeit. Super, danke für die Einladung auf jeden Fall. Freue mich. Jörg, Propylea, dein neues Projekt. Wenn du jemandem erklären müsstest in drei Sätzen, worum es geht. Worum geht es? Wir haben ein altes, arriviertes Businessmodell hergenommen, nämlich ein Immobilienportal, und haben uns aber angeschaut, wenn man auf die Branche guckt, wo liegt da im Augenblick der größte Schmerz für diesen Bereich, in der Branche, in der Vermarktungsbranche? Und da haben wir gesehen, es ist eigentlich nicht das Businessmodell selbst,

Vollständiges Transkript anzeigen

1:27 sondern die Gesellschaftsform, die dahinter steht, die gewinnmaximierende Gesellschaftsform, egal ob es eine Aktiengesellschaft ist oder eine GmbH, es ist vollkommen wurscht und haben daraufhin uns gedacht, okay, das Disruptive jetzt an einer Veränderung hier wäre zum Beispiel zu sagen, wir entwickeln ein Produkt, das aber der Branche gehört und nicht mehr irgendeinem dritten Unternehmen, einem großen Tech-Unternehmen. Und daher kommt das Thema mit der Genossenschaft. Du hast ja einiges an Erfahrung, was Marktplätze, was Inseratenplattformen anbelangt, Jobfinder, J . Was hast du denn jetzt für diese Plattform aus diesen 25 Jahren

2:05 Erfahrung mitgenommen? Was war das Wichtigste, wo du gesagt hast, da schaue ich diesmal am Anfang gleich drauf? Ja, super wichtig. Also ich glaube, dass ich wirklich extrem viel mitnehmen konnte jetzt aus meiner Erfahrung der letzten 25 Jahre. Das Wichtigste für mich in dem Zusammenhang war jetzt, es Schritt für Schritt aufzubauen. Also nicht einfach zu sagen, ich schieße jetzt raus, ich gebe jetzt einen Termin raus und sage, an dem Tag gehe ich jetzt in die Vollen und mache Werbung und mache dies und jenes, sondern wir haben leise gelauncht, letzten Herbst schon, haben jetzt Schritt für Schritt das

2:36 Portal weiter aufgebaut, haben die Inseratenbasis aufgebaut. Wir haben mittlerweile über 65.000 Objekte auf der Plattform, alle über Schnittstellen. Nichts davon ist gescrapet. Und schauen jetzt, dass wir nach und nach auch die Features, die sozusagen so ein Portal braucht, um wettbewerbsfähig zu sein, aufzubauen und gleichzeitig aber auch den ganzen Groundwork, den man nicht sieht, was eben so ein Portal auszeichnet. Eine sehr gute Suchmaschinenoptimierung, sehr sauber aufgesetztes Suchmaschinenmarketing bis hin zu Geomarketing. Also das sind alles die Themen, die man meiner Meinung nach heute wirklich von Anfang an gut beachten muss, damit man auf der

3:13 einen Seite weniger Geld nachher ausgeben muss für Paid Ads und auf der anderen Seite aber auch nachher auch für die Userinnen und User einfach ein gutes Erlebnis auf dem Portal zu garantieren. Und da sind wir halt dabei. Bleiben wir noch, vielleicht darüber reden wir ja auch noch, über alles Immobilien, aber vorher vielleicht noch: Du hast mit den Jobbörsen, die du zuerst aufgebaut hast, also aufgebaut, verkauft, klassischer Serial Entrepreneur. Jetzt ist das Konzept mit dem Verein etwas anders. Genossenschaft. Genossenschaft. Entschuldigung. Mit der Genossenschaft etwas anders. Was hat dich daran mehr gereizt als an dieser klassischen

3:48 Build-and-Exit-Strategie? Tatsächlich, dass ich glaube, dass das Businessmodell rein auf sozusagen, ich maximiere mir meinen Gewinn und versuche möglichst die Marktteilnehmer, die ich versuche, sozusagen auf mein Portal zu holen, auf meine Plattform zu holen, einzusperren, ein Login zu schaffen und dann aber nachher sozusagen hier auch mit den Gebühren so weit raufzugehen, wie es geht. Ich glaube, dass das Modell nach und nach ausgedient hat. Also es geht ja nicht nur um die Immobilienbranche. Ich kann die Hotellerie hernehmen, ich kann Retail hernehmen, wenn sozusagen überall eigentlich nachher die Wertschöpfung, die von einzelnen

4:24 kleineren Unternehmen gebracht wird, aber dort gar nicht mehr sozusagen dieser Mehrwert erzielt wird, sondern die diesen Mehrwert abgeben müssen an große Portale, die wiederum sozusagen das dann stark natürlich in Marketing, aber sonst eigentlich in Aktienausschüttungen oder sonstige Gewinnausschüttungen sozusagen geben. Da läuft aus meiner Sicht was falsch. Da müssen wir meiner Meinung nach umdenken, damit wir unsere lokalen Geschäftszweige erhalten können, unsere lokale sozusagen Präsenz erhalten können. Und ich denke, gerade wenn ich jetzt an die Vermarktungsszene denke, wir haben, ich glaube 2000, 2500 sehr

5:00 aktive Maklerinnen und Makler da draußen und Bauträgerinnen und Bauträger, die selbst vermarkten da draußen. Und aus meiner Sicht ist das toll, dass wir so eine Vielfalt haben, von Einzelunternehmen bis zu großen Konzernen. Und aus meiner Sicht ist es das, was es nachher ausmacht, dass wir diese Vielfalt haben. Wenn wir aber jetzt schauen, dass es so weitergeht, wie es jetzt gerade war, diese Konsolidierung, wie man so schön politisch korrekt es ausdrückt, bedeutet ja nichts anderes, als dass viele, viele Kleine vom Markt verschwinden, sich anschließen an größere Unternehmen, sich anstellen lassen oder überhaupt das

5:27 Fach wechseln. Das ist aus meiner Sicht nicht sinnvoll für uns jetzt in Österreich in dem Bereich Vermarktung von Objekten. Und dasselbe lässt sich aber auch übertragen auf, keine Ahnung, Hotellerie, auf Einzelhandel und so weiter. Das heißt, wenn wir da einfach nur den großen Unternehmen, die multinational unterwegs sind und ganz andere Ziele verfolgen als das, dass wir eine möglichst gute Abdeckung einer Dienstleistung aufs ganze Land erzielen wollen. Und das ist unser Ziel. Das wollen wir erreichen, dass wir eine möglichst breite Abdeckung, breites Spektrum an Dienstleistern, die hier unterwegs sind,

6:06 das wollen wir gerne erhalten und das wollen wir Und nicht, weil wir an gestern glauben, sondern wir glauben an morgen. Wir glauben an die Technologien von morgen. Aber das, was wir trotzdem für gut befinden, ist, dass wir diese Diversität haben und auch so viele Menschen, die auch hiervon partizipieren und nicht nur einzelne Großunternehmen. Das heißt, Mitglieder werden dürfen bei euch alle in der Branche, die eine Immobilie zu vermitteln haben und nicht nur Makler, sondern eben auch Bestandhalter, Entwickler. Genau. Für alle da. Ja, im Augenblick arbeiten wir tatsächlich nur mit professionellen Anbietern.

6:38 Das heißt, Privatanbieter können zurzeit bei uns kein Mitglied werden. Das ist dann etwas, das entscheidet dann und das zeichnet uns, denke ich, in der Zukunft dann auch aus, dass eben die Mitglieder dann auch mitentscheiden können bei solchen Richtungsentscheidungen. Also wenn wir wirklich unsere Ausrichtung da verändern, unser Grundkonzept erweitern oder etwas in diese Richtung, dass wir dann unsere Mitgliedersphäre befragen werden und nicht das aus dem operativen Geschäft heraus einfach so machen, sondern die großen wichtigen Entscheidungen, die werden wir im großen Plenum dann stellen und auch diskutieren und dann auch mit der Branche

7:10 gemeinsam dann die besten Lösungen finden und die dann umsetzen. Im Jänner hat ja der Fachverband, der ÖI und der Immobilienring etwas Ähnliches gelauncht. Gibt es da Anknüpfungspunkte oder ist das eine Konkurrenz? Ich sage, wenn mich jemand fragt aus der Maklerszene, dann sage ich: „Unterstütz einfach beide Projekte, geh zu beiden dazu. Wir versuchen beide sozusagen eine alternative Position aufzubauen zu den aktuellen Marktteilnehmern. Eine, die im Blick hat, dass die Branche, so wie sie heute besteht, weiterhin bestehen kann in

7:53 dieser Diversität, in dieser Vielfalt und auch mit fairen Preisen, mit fairen Preispolitiken auch für die Zukunft agiert. Insofern würde ich immer sagen: „Nein, schaut euch beides an, macht bei beidem mit. Nachher schauen wir, wie wir sozusagen hier dann vielleicht auch das eine oder andere gemeinsam auf die Beine stellen können, aber so ist aktuell meine Haltung dazu. Ganz neu ist das Konzept ja nicht. Es gibt zum Beispiel in den Niederlanden Funda oder in der Schweiz Newhome. Funda kommt inzwischen auf 97 % Markenbekanntheit. Newhome hat über 500

8:35 Mitglieder. Sind das Vorbilder für dich? Was nimmst du von dort mit von diesen Konzepten? Ja, ich glaube, Newhome ist ein bisschen ein schwieriges Beispiel, weil ich glaube, nicht nur mehr 50 % von Newhome gehören überhaupt den Maklerinnen und Maklern. Das ist aus meiner Sicht nicht das beste Beispiel. Das ist zumindest mein letzter Stand. Grundsätzlich ja, sind natürlich auch Vorbilder, vor allen Dingen die, die es geschafft haben, eine gewisse Größe zu erreichen. In Deutschland gibt es auch eine Genossenschaft, die hat es allerdings noch nicht zu einer, sage ich einmal, relevanten Größe geschafft.

9:06 Aber aus meiner Sicht ist es wichtig, dass sozusagen überall solche Ideen entstehen in allen Branchen. Das war ja in der Vergangenheit der Fall, die gibt es ja auch mit der HOGAS, diese wahnsinnig erfolgreiche Einkaufsgenossenschaft. Aber ich bin der Meinung, dass eben auch für den Bereich der Vermarktung auch sozusagen hier eine gemeinsame Aktivität durchaus zielführend wäre. Jetzt hast du, wenn du so ein Projekt, so eine Plattform startest, am Anfang mal ein Henne-Ei-Problem. Ja. Sprich, ich habe keine Inserate, habe ich keine User, habe ich keine User, kommt niemand und schaltet Inserate. Ich glaube, diese erste Hürde habt ihr aber mit

9:46 Propeller schon recht gut genommen. Ja, absolut. Also das sind halt die Player, die jetzt hier als operative Leitung agieren, sind da, glaube ich, maßgeblich dafür verantwortlich. Auf der einen Seite, ich gehöre zu diesen zwei Personen. Die zweite Person ist der Christian Kaindl, der Anfang der 2000er begonnen hat, mit Ethereal eine Maklersoftware aufzubauen und rund das Thema Maklersoftware natürlich dann auch weitere Services entwickelt hat. Davon konnten wir jetzt einfach profitieren, technisch, wobei wir sehr vieles jetzt neu gemacht haben, klarerweise. Muss man ja, weil wir auch eine andere Ausrichtung

10:17 haben. Aber wir konnten hier auch auf eine Kooperation zurückgreifen mit dem Gewinn. Und so konnten wir sozusagen schon mit einem sehr hohen Stand an Inseraten jetzt schon starten. Wobei natürlich so nach und nach schaffen wir jetzt eben den Switch, dass eben nicht mehr die Kooperationsinserate bei uns die Mehrzahl darstellen, sondern nach und nach dann eben unsere eigenen von unseren Mitgliedern. Du hast gerade gesagt, wir haben einiges neu gemacht. Dann kommen wir gleich zum wahrscheinlich nächsten Problem, das man als Plattformbetreiber hat: Was mache ich denn anders und besser als zum Beispiel die

10:51 Großen, ImmoScout, Willhaben, Immowelt, um die Nutzer zum einen auf die Seite zu bekommen und auch zu halten als Interessenten? Ja, ich glaube, und ich möchte da niemandem zu nahe treten, der auf Immobiliensuche ist, ich glaube, der Suchende, die Suchende an sich sind nicht plattformtreu, sind nicht maklertreu, sondern die suchen ein Objekt, das in der aktuellen Lebenssituation mit allem, was dazu gehört, Einkommen, Familie, ja, nein, Stadt, Land und so weiter. Also mit diesen ganzen Bedürfnissen, die wollen dieses eine Objekt finden, das für sie passt. Das ist alles. Und da wollen sie gerne den Zuschlag haben, egal ob es Kauf oder

11:32 Miete ist. Das ist das einzige Ziel, das sie haben. Und deswegen glaube ich nicht an diese Themen wie Treue. Das, was natürlich, wenn ich jetzt zum Beispiel an die Kollegen von Willhaben denke, die einen tollen Job gemacht haben die letzten 15 Jahre, knapp 20, mit dem Marktplatz haben sie natürlich was aufgebaut, wo sie über diese sozusagen Querverlinkungen zwischen den verschiedenen Bereichen, die sie servisieren, einfach tolle Synergien entwickelt haben. Alle anderen müssen sehr viel Geld ausgeben, dass sie einfach immer wieder die Suchenden auf ihre Seite bringen und das Geld geben sie immer wieder neu aus.

12:07 Also es wird ja nicht weniger im Endeffekt, was jetzt heute ein Portal ausgeben muss, um Anfragende auf seine eigene Seite zu holen. Es gibt natürlich etwas wie Branding, es gibt etwas wie Markenbekanntheit, überhaupt keine Frage. Und das zahlt natürlich auch ein. Aber wenn ich mir die Spendings anschaue, das, was so kolportiert wird, ist es nicht weniger geworden, sondern eher mehr. Also das spricht nicht unbedingt dafür, dass das Branding reicht, um hier nachhaltig dafür zu sorgen, dass die Anfragen dann schon zu mir kommen, ohne dass ich etwas tue. Also das mal vorneweg geschickt. Was machen wir anders? Ich denke, das Wesentliche auch da wieder ist der

12:38 genossenschaftliche Ansatz. Wir sagen, eine Kooperation ist eine Superkraft. Das ist einer unserer Claims. Das ist aus meiner Sicht aber auch für den Bereich der wichtigste Claim. Das heißt, wenn es hier uns gelingt und das merken wir in den Gesprächen mit den Maklerinnen und Maklern, dass uns das gelingen wird, wenn wir hier eine Community aufbauen, die sagt: „Ja, mit diesem Vehikel, Propeller, alleimmobilien.at, schaffen wir es sozusagen, unsere eigene Zukunft zu sichern, unsere eigene technische Infrastruktur aufzubauen, die uns aber auch selbst gehört, wo wir mitbestimmen können, was da eigentlich passiert,

13:19 dann machen wir auf der anderen Seite auch Werbung dafür. Dann machen wir es bekannt. Dann geben wir das bei uns ins Exposé rein, auf die Webseite, in ein E-Mail-Footer. Dann werden wir das kommunizieren. Und das ist auch das Disruptive. Bleibt dabei: Für mich ist die Genossenschaft das disruptive Element hier und nicht jetzt sozusagen irgendeine Technologie, irgendeinen Datenpunkt, den ich jetzt mehr oder weniger anzeige. Das macht aus meiner Sicht nachher für den Suchenden das Service vielleicht besser und darüber redet man vielleicht auch, aber on the long run entscheidet nachher das sozusagen,

13:53 wie viel Geld muss ich . Wir haben eine kurze Pause gemacht. Falls ihr euch wundert, warum wir jetzt auf einmal Handmikrofone in der Hand haben. Es hat irgendwo hier in der Nähe jetzt einer zu arbeiten begonnen und zu bohren und zu klopfen und hämmern. Deshalb haben wir flexibel schnell die Mikrofone getauscht. Jörg, du warst mittendrin. Was hebt alle Immobilien von der Konkurrenz? ÖBill haben uns gekauft ab. Magst du bitte deine Antwort fortsetzen? Unbedingt. Ich hatte ja schon ganz kurz ausgeführt, dass wir eben über die Superkraft der Kooperation und über das Thema Community Building

14:33 hier die Maklerinnen und Makler, die Bauträgerinnen und Bauträger, die hier sozusagen in der Vermarktung tätig sind, dazu einladen, dazu motivieren, aktiv unser Netzwerk zu unterstützen und auch bei ihren eigenen Anfragenden, bei ihren eigenen Abgebern und so weiter, sozusagen auch hier alle Immobilien bekannt zu machen. Und das wird auch signifikant natürlich dazu führen, dass wir zu ganz anderen Preisen, als das aktuell unsere Mitbewerber können, Anfragen generieren werden. Das wird einen ganz anderen Endpreis nachher im Durchschnitt liefern und das werden nachher auch genau

15:13 diese Margen sein, die wir auch günstiger sein können bei den Vermarktungskosten für unsere Mitglieder. Unabhängig davon, dass wir natürlich auch Gewinn erwirtschaften wollen, aber auch da wieder: Der Unterschied bei uns ist wieder, die Gewinne werden dann auch zum Teil in Dividenden ausgeschüttet für die Eigentümer und die Eigentümer sind wiederum die Makler. Das heißt, am Ende des Jahres, nicht wahrscheinlich im ersten Jahr, wahrscheinlich auch nicht im zweiten, aber dann erwarten wir uns schon, dass wir hier einen gewissen Prozentsatz unseres Gewinnes dann einfach auch als Dividenden wiederum

15:42 ausschütten können. Und was bedeutet das für die Suchenden? Weil das war ja das, was du gefragt hast. Wir schauen, dass wir den Suchenden auch hier, das sagt ja schon der Name des Portals, wir wollen wirklich schauen, dass wir eine volle Abdeckung aller Maklerinnen und Makler österreichweit schaffen. Das ist absolut unser Ziel. Wir möchten gerne alle dazu einladen, einfach Mitglied zu werden und auch von den geringen Preisen nachher für die Installation zu profitieren und gleichzeitig aber auch Teil von diesem großen Netzwerk zu werden, wo man Anfragende, die auf der einen Seite vielleicht nicht das richtige Objekt

16:11 finden, dann aber im Netzwerk dann weitergegeben werden an andere Maklerinnen aus derselben Region, die vielleicht Objekte anbieten, die dann genau passen für den Anfragenden. Das heißt, wir wollen gerne dadurch die Zeiten reduzieren, die ein Abgeber sozusagen einplanen muss, bis ein Objekt vermarktet wird, den Maklern natürlich hier auch eine möglichst effiziente Möglichkeit liefern, zu vermarkten, zu geringeren Preisen pro Anfrage und natürlich dann nachher auch pro Conversion und gleichzeitig dem Suchenden hier sozusagen ein möglichst breites Feld an Inseraten zu liefern. „Ein Mitglied, eine Stimme" ist ein Claim, den

16:50 ihr auf eurer Seite habt. In die Richtung Genossenschaft organisiert, Mitglieder stimmen ab. Das wäre ja eigentlich auch schon eine passende Grundstruktur, vielleicht für eine Standesvertretung oder eine Interessensvertretung. Gibt es da ab einer gewissen Größe auch vielleicht Interesse, in diese Richtung dann auch zu agieren und aktiv zu werden? Nein, es gibt ja eine Interessensvertretung. Es gibt ja die Wirtschaftskammer, die hier ihre Mitglieder betreut, vertritt, Lobbying betreibt und so weiter. Das steht tatsächlich für uns überhaupt nicht auf der Agenda, dieser Teil. Also alles, wenn es in das Politische hineingeht.

17:29 Das sind gar nicht Dinge, die uns tatsächlich umtreiben, sondern wir möchten lieber schauen, dass wir es eben schaffen, die Vielfalt zu erhalten, Preise sicherzuhalten, also die Vermarktungspreise auf einem Niveau zu halten, dass es für die Maklerinnen und Makler lebbar bleibt, auch für den Vermietungsmakler, der doch jetzt sehr unter Druck gekommen ist, jetzt durch die verschiedenen Veränderungen der letzten Jahre. Also das ist sozusagen hier unser Ziel, aber das Thema Politik überlassen wir denen, die das einfach schon sehr lange machen. Du hast auch in einer Pressemeldung vor ein paar Wochen

18:05 das Ziel ausgegeben: 180 Mitglieder, 65.000 Objekte, 2.000 Betriebe, sagen wir mal, in zwölf Monaten. Woran merkst du, dass du auf dem richtigen Weg bist, dieses Ziel zu erreichen? Ja. Das eine ist sicher einfach immer die Mitgliederzahl. Das ist sicherlich eins der wesentlichen KPIs natürlich. Und mit jedem Mitglied, das wir dazugewonnen haben, egal ob groß oder klein, wird es leichter, das nächste anzusprechen. Es gibt auch Empfehlungsmanagement in dem Kontext. Es ist ganz toll, wie sehr wir auch davon profitieren, dass wenn wir einmal einen Makler überzeugen konnten oder eine Maklerin, dass sie uns wirklich sehr gerne auch

18:46 weiterhelfen, andere befreundete Maklerinnen und Makler anzusprechen, um hier in Kontakt zu treten und sie hier dann auch mit in die Genossenschaft zu holen. Das sind genau Dynamiken, die glaube ich, in einem rein kapitalistischen Umfeld nicht so gut funktionieren und das liefert uns natürlich auch genau die Vorteile, die man sonst eben nicht geben kann. Das ist aus meiner Sicht schon ein ganz wichtiger Punkt. Jörg, wir sind mit den Fragen durch. Ich sage schon mal danke. Ich möchte aber zum Abschluss jetzt dir noch einmal das Wort geben für alle, die bis jetzt zugesehen haben und überlegen: Soll ich, soll ich nicht?

19:26 Was sind deine letzten zwei, drei Sätze, um diese, die jetzt noch ein bisschen zweifeln, zu überzeugen? Ja, ich glaube, das Allerwichtigste ist: Schaut auf unsere Webseite www.propylea.at. Ich weiß, es ist schwer sozusagen, man muss es eigentlich immer buchstabieren, aber wir werden Links sicherlich unter dem Video haben, wo es einfach dann direkt zum Anklicken ist. Aber schaut euch dort einfach die Informationen an und geht einmal die Mitgliederliste durch. Wir haben jedes Mitglied auf der Webseite, es gibt einfach einen Hauptmenüpunkt, da steht Mitglieder mit den Logos, klickt darauf, ruft einfach die

20:01 Kollegin oder den Kollegen an und fragt, warum sie dabei sind, was sozusagen jetzt aktuell gerade passiert und so weiter. Holt euch einfach dort direkt das Feedback. Wir sind österreichweit unterwegs. Wir haben auch schon überall im ganzen Land verteilt Mitglieder gewinnen können. Lasst uns nicht euch überzeugen, sondern lasst eure Kolleginnen und Kollegen euch überzeugen. Ich denke, wir machen wirklich das Richtige und wir sind, glaube ich, für euch der richtige Partner, um in der Zukunft dafür zu sorgen, dass die Branche, so wie sie heute besteht, auch weiter bestehen bleiben kann.

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