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Mietmarkt Wien: Was die Mietpreisbremse nicht löst

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Der Wiener Mietmarkt gilt europaweit als Modell. 10,8 Euro pro Quadratmeter Durchschnittsmiete – so weist es der Deloitte Property Index 2025 aus, und so zitiert es Christian Sommer, Geschäftsführer von Engel & Völkers Commercial Wien, beim CMS Business Breakfast. Damit liege Wien, so Sommer, „in Bereichen wie regionale Städte in Osteuropa“ – nicht annähernd dort, wo Kopenhagen oder Zürich stehen. Der Mietmarkt sei leistbar, wenn man alle Mieten einbeziehe.

Das stimmt. Und es ist trotzdem die halbe Wahrheit

Der Deloitte-Wert von 10,8 Euro entsteht im gewichteten Querschnitt aller Mietformen des Wiener Mietmarkts: Gemeindebau, Genossenschaft, Richtwertmietvertrag, freier Mietzins. Rund 60 Prozent der Wiener Bevölkerung wohnen in gefördertem oder reguliertem Bestand. In diese Berechnung fließen Richtwertmieten von 6,74 Euro pro Quadratmeter ein, Gemeindebau-Mieten, die teils unter drei Euro liegen, und Genossenschaftswohnungen mit historisch fixierten Nutzungsentgelten.

Dieser Durchschnitt ist statistisch korrekt. Er beschreibt aber nicht den Mietmarkt, den jemand betritt, der heute eine Wohnung sucht.

Wer in Wien 2025 eine Wohnung neu anmietet – ohne Zugang zu Gemeindebau oder Genossenschaft, also jene rund 40 Prozent der Mieterhaushalte, die auf den freien Mietmarkt angewiesen sind –, zahlt nach Daten von OTTO Immobilien für H1 2025 im Schnitt 15,87 Euro pro Quadratmeter netto. Im ersten Bezirk sind es laut willhaben-Mietpreisspiegel 25,58 Euro, in Mariahilf und Neubau 22 Euro – mit Jahressteigerungen zwischen 18 und 20 Prozent. Brigittenau verzeichnet österreichweit das stärkste Mietpreisplus: +20,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Rechnet man für dieses Segment eine 65-Quadratmeter-Wohnung durch, kommt man auf rund 1.032 Euro Kaltmiete im Monat. Warm sind das 1.200 bis 1.350 Euro.

Das Einkommen, das niemand erwähnt

Das mittlere verfügbare Netto-Haushaltseinkommen in Wien liegt nach Statistik Austria (EU-SILC 2025, Einkommensjahr 2024) bei geschätzt 2.900 bis 3.200 Euro pro Monat. Wien liegt damit rund 15 bis 20 Prozent über dem österreichischen Bundesschnitt, aber deutlich unter den deutschen Metropolen: München kommt auf rund 5.960 Euro, Frankfurt auf 4.450 Euro, Hamburg auf 4.550 Euro.

Das ergibt für Wien im freien Mietmarkt eine Kaltmiet-Belastungsquote von 32 bis 36 Prozent. Der Postbank/HWWI-Wohnatlas 2025 (publiziert 8. Juli 2025) nennt Berlin mit 27,1 Prozent als Spitzenwert unter allen 400 deutschen Kreisen. Methodisch ist anzumerken: Der Berliner Wert basiert auf Bestandsmieten, die Wiener Berechnung auf Angebotsmieten für Neuverträge. Der Vergleich ist in der Größenordnung belastbar: Wien übertrifft Berlins Wert im freien Segment strukturell.

Für Einpersonenhaushalte, die in Wien 50 Quadratmeter auf dem freien Mietmarkt neu anmieten, bewegt sich die Warmmiete-Belastung bei 40 bis 50 Prozent des individuellen Nettoeinkommens – nach EU-Definition Wohnkostenüberlastung.

Von 220.000 Gemeindewohnungen werden jährlich etwa 10.000 neu vergeben. Wer keine bekommt, zahlt Kopenhagen-Preise auf Warschau-Einkommen.

Mietbelastungsquoten im DACH-Städtevergleich 2024/25

Stadt

Netto-HH-Eink./Monat

Kaltmiete 65 m²/Monat

Belastung

München

ca. 5.960 €

1.602 €

27 %

Frankfurt

ca. 4.450 €

1.239 €

28 %

Hamburg

ca. 4.550 €

1.178 €

26 %

Berlin ↑

ca. 4.020 €

1.267 €

31 %

Köln

ca. 3.800 €

1.065 €

28 %

Düsseldorf

ca. 4.680 €

1.006 €

21 %

Stuttgart

ca. 4.560 €

1.110 €

24 %

Wien (freier Markt) ↑↑

ca. 3.100 €

1.032 €

33 %

Wien (alle Mietformen)

ca. 3.100 €

703 €

23 %

Zürich

ca. 7.500 €

1.820 €

24 %

Basel

ca. 6.800 €

1.560 €

23 %

Genf

ca. 7.700 €

2.080 €

27 %

Angebotsmieten (Neuvertragsmieten); CH-Werte nach Steuern/Krankenkassenprämien, CHF→EUR. Quellen: JLL H2 2025, HWWI/Postbank Wohnatlas 2025, OTTO Immobilien H1 2025, Statistik Austria EU-SILC 2025, BFS Lohnstrukturerhebung 2024, Deloitte Property Index 2025.

Mietpreisbremse: das richtige Instrument am falschen Ort

Am 7. März 2025 beschloss der Nationalrat das 4. Mietrechtliche Inflationslinderungsgesetz (4. MILG), das mit 1. April 2025 die Richtwertanhebung aussetzte. Ab 1. Jänner 2026 gilt das 5. MILG als umfassendste Mietpreisbremse der Zweiten Republik: +1 % im Jahr 2026, +2 % in 2027, ab 2028 ein Drei-Prozent-Cap mit Inflationsteilung. Der Wiener Richtwert stieg zum 1. April 2026 auf 6,74 Euro – ein Plus von sieben Cent.

Ich verstehe die politische Logik der Mietpreisbremse. Mietpreise steigen, Wähler leiden, Deckel drauf. Aber ich halte diese Intervention für das falsche Instrument am falschen Ort.

Zürich hat Mietpreise, die 50 bis 80 Prozent über Wien liegen – und trotzdem eine Mietbelastungsquote von 23 bis 25 Prozent. Nicht weil die Wohnungen günstiger wären. Sondern weil die Löhne höher sind. Hätte die Politik der letzten zehn Jahre nicht konsequenter an der Einkommensseite arbeiten müssen, statt heute mit legislativen Mietpreisbremsen in einen Mietmarkt einzugreifen, der daraufhin schlicht nicht mehr gebaut wird?

Was der Mietmarkt antwortet

Das DIW Berlin hat in seiner Studie vom Oktober 2024 (Wochenbericht 41/2024, Kholodilin/Baake) gezeigt, dass Bestandsmietregelungen die Mietbelastung im statistischen Durchschnitt dämpfen – aber nur, weil sie Umzugsquoten senken und das Angebot im regulierten Segment fixieren. Wer umzieht, wer neu in den Mietmarkt eintritt, zahlt drastisch mehr.

Wien produziert diesen Effekt bereits. Der Spread zwischen Bestands- und Neuvertragsmieten beträgt je nach Segment 40 bis über 100 Prozent. Wer eine Gemeindewohnung hat, lebt im günstigsten Wohnmarkt Westeuropas. Wer eine sucht, lebt im teuersten Verhältnis von Mietpreis zu Einkommen unter allen DACH-Hauptstädten.

Was bleibt

Die Mietpreisbremse des 5. MILG behandelt das Symptom im falschen Segment: Sie bremst Richtwert- und Kategoriemieten, die ohnehin weit unter den Marktpreisen liegen. Sie entlastet die, die bereits in einem regulierten Mietverhältnis wohnen. Sie hilft niemandem, der heute eine Wohnung sucht.

Die Mietpreisbremse beantwortet die Frage, was ein Vermieter nicht verlangen darf. Sie beantwortet nicht, was ein Mieter verdienen sollte, damit Wohnen leistbar bleibt. Letzteres wäre die politisch unbequemere, aber ehrlichere Aufgabe gewesen.

Häufige Fragen zum Wiener Mietmarkt und zur Mietpreisbremse

Wie hoch ist die Durchschnittsmiete in Wien 2025?

Der Deloitte Property Index 2025 weist für Wien 10,8 Euro/m² als Gesamtdurchschnitt aus (alle Mietformen). Wer heute neu in den freien Mietmarkt eintritt, zahlt laut OTTO Immobilien (H1 2025) im Schnitt 15,87 Euro/m² netto.

Was regelt die österreichische Mietpreisbremse 2026?

Das 5. MILG (in Kraft seit 1. Jänner 2026) begrenzt Richtwert- und Kategoriemieterhöhungen auf maximal 1 % in 2026 und 2 % in 2027. Ab 2028 gilt ein 3-%-Cap mit hälftiger Inflationsteilung. Der Wiener Richtwert beträgt seit 1. April 2026 exakt 6,74 Euro/m².

Wie viel Prozent des Einkommens gehen in Wien für Miete drauf?

Im regulierten Segment liegt die Mietbelastungsquote bei 22–24 %. Im freien Mietmarkt bei Neuverträgen erreicht sie für den durchschnittlichen Wiener Haushalt 32–36 % – mehr als Berlins Spitzenwert von 27,1 % (Postbank/HWWI Wohnatlas 2025).

Warum ist die Mietpreisbremse im falschen Segment?

Die Mietpreisbremse (4. und 5. MILG) reguliert den bereits günstigen Teil des Mietmarkts. Die eigentliche Kostenlast liegt im freien Mietzins, auf den rund 40 % der Neumieter angewiesen sind. Eine wirksamere Alternative wäre Lohnpolitik gewesen: Österreichs Haushaltsnettoeinkommen liegt 30–40 % unter dem Schweizer Niveau – obwohl die Mietpreise in Wien 50–80 % unter Zürich liegen.

Gerhard Popp ist Redakteur von immobilien-redaktion.com und betreibt das B2B-Videoproduktionsformat OfficeTalk. Herausgeber der immobilien-redaktion.com ist Walter Senk.

Transkript

0:00 Der Wohnimmobilienmarkt ist in der Talsohle. Der Gewerbeimmobilienmarkt hat sich letztes Jahr stabilisiert. Wie schaut es denn da 2026 aus? Gibt es da Aufholpotenzial? Also Aufholpotenzial gibt es in allen Bereichen, muss man sagen, aber gut formuliert. Das Thema ist das Segment. In welchem Teilbereich gibt es wirklich Potenzial? Das muss man herausfinden in der heutigen Zeit. Der Hotelmarkt ist ein immer noch recht starker und gut gefragter Markt. Was sind denn da aktuell die größten Treiber? Die größten Treiber ist der wachsende Tourismus. Da hat Wien Gott sei Dank tolle Chancen für die Zukunft.

0:37 Wir haben noch viel Potenzial und wenn der Markt stark ist, dann lebt die Branche gut und damit lebt auch das Einzelprodukt, also das Hotel gut und damit der Investor auch wieder gut. Also da wird es steigende Mieten geben, niedrigere Renditen, stärkere Nachfrage und man wird schauen, ob man überhaupt nachkommt mit der Deckung des Bedarfs. Wohnungsmarkt ist in der Talzone, wird wahrscheinlich in der Talsohle bleiben. Ich war gestern bei einem Event, wo es um das neue Miweg und die ZIAG gegangen ist. Weiter Vollbremsung oder wie siehst du es? Ja, also sehr schwierig. Wirklich eine herausfordernde

Vollständiges Transkript anzeigen

1:16 Zeit. Ich glaube, dass der Eigentumssektor sich eben jetzt langsam erholt, wie wir allseits sehen durch die Zahlen. Der Mietsektor wird weiter durch die Decke gehen, weil einfach viel zu wenig Angebot am Markt ist und die Regulative von politischer Seite wird das Ganze natürlich viel schwieriger noch machen und vor allem wirtschaftlich uninteressant. Und damit wird die Neubautätigkeit weiter heruntergehen, weil es wirtschaftlich nicht darstellbar ist. Und dann wird es wirklich eine interessante Situation geben, weil dann wird man sehen, ob der Populismus in dem Thema der Mietensenkung und -reduktion

1:52 wirklich funktioniert oder ob der Markt einfach, ich würde sagen, eben erstarrt, weil einfach nichts mehr da ist, was sich bewegt und alles irgendwie zu Tode reguliert wurde. Populismus, ein gutes Stichwort. Was müsste denn deiner Meinung nach wirklich getan werden, um auf der einen Seite Mieten in Wien leistbar zu halten, aber den Markt und den Bau für Investoren wieder interessanter zu machen und in Schwung zu bringen? Na ja, Mieten sind ja leistbar in Wien. Also wir sind ja, wenn man alle Mieten mit einbezieht in die Berechnung, liegen wir laut Deloitte Property Index, was ich immer sehr interessant finde,

2:30 bei 10,8 Euro pro Quadratmeter durchschnittlich in Wien. Und da liegen wir in Bereichen wie Regionalstädte in Osteuropa ungefähr und nicht zu vergleichen mit anderen lebenswerten Städten wie Kopenhagen oder Zürich, wo ein circa Zweieinhalbfaches an Miete verlangt wird. Das Thema ist einfach nur, dass die günstigen Mieten wie Gemeinde- und Genossenschaftswohnungen aufgrund der langen Behaltezeit vom Markt weggenommen sind. Das heißt, die werden einfach 10, 20 Jahre oder auch über Generationen oft behalten, weil es eine günstige Miete ist, und kommen nicht mehr auf den Markt. Wir haben 200.000 Gemeindewohnungen und 10.000 im Jahr sind

3:10 ungefähr verfügbar. Gibt eine ellenlange Warteliste. Du hast Bedingungen, die du erfüllen musst, wo du einfach auch gar nicht zu einer Wohnung kommst. Du kannst auch schwer wechseln, wenn du einmal eine Gemeindewohnung hast. In eine andere zu wechseln, ist fast unmöglich. Das heißt, wenn du mal eine Familie hattest und dann bist du nur mehr zu zweit, du sagst, du willst etwas Kleineres haben. Geht nicht, weil du hast ja keinen wirklichen Bedarf und ist wieder nach Bedarf wirklich vergeben. Also der Teil wird weggenommen vom Markt, Genossenschaftswohnungen auch teilweise weggenommen. Und dann sind wir im freien Mietzins und dann wird es interessant, weil was haben

3:41 wir denn dort? Kategorierechtwert und FreundsZins teilweise noch. Das heißt, der echte freie Mietzins ist ein ganz kleiner Teil nur und der muss sich wirtschaftlich rechnen. Wenn das auch nicht mehr ist, dann wird es interessant. Wird der Wohnbau wahrscheinlich komplett stagnieren. Wenn man es sich jetzt anschaut, wo und wie würdest du denn den derzeit eher verhaltenen Investoren raten, im Wiener Markt einzusteigen? Na ja, es gibt überall wirklich tolle Gelegenheiten. Also in allen Segmenten, weil der Druck einfach da ist. Es gibt sehr viele Restrukturierungen, Sanierungsthemen. Man muss sich vorstellen, die Schätzungen gehen so auf

4:21 drei bis fünf Milliarden an Volumen in Wien, das restrukturiert wird. Das muss einmal verarbeitet werden. Also ich bin der Meinung, wir werden die nächsten drei bis fünf Jahre noch immer gute Einstiegschancen haben, weil mit Abschlägen verkauft werden muss, weil sonst hast du ewig natürlich eine Leiche im Keller, die du nicht loswirst. Und die Banken sind natürlich stark damit involviert, weil sie das finanziert haben. Die haben halt Interesse, es irgendwann aus den Büchern zu kriegen und nicht fünf Jahre lang irgendwie eine unterbewertete Immobilie drinnen zu haben, wo die Finanzmarktaufsicht schon jedes Mal anklopft und sagt: „Was ist denn los da?"

4:58 Banken, gleich ein gutes Thema noch. Die KIM ist zwar offiziell weg, wird aber noch weiter von den Banken quasi so gehandhabt. Inwieweit kommen denn dadurch jetzt stärker alternative Finanzierungsmodelle zum Vorschein und wie sehr braucht es sie auch, um den Markt wieder in Schwung zu bekommen? Ja, unbedingt. Die Bankenfinanzierungen sind natürlich noch immer der wichtigste Teil in Österreich. Wir sind ein Land, das Fremdkapital offensichtlich liebt. Es gibt geringe Eigenkapitalthematik hier in Österreich, aber das muss natürlich kommen. Ich sehe es, es kommen aus dem Ausland einige Equity Funds schon nach Österreich,

5:37 Bed Funds ebenso. Es gibt natürlich die Varianten, vielleicht über Leasing mal nachzudenken. Das ist ein bisschen in Vergessenheit geraten, aber wäre halt auch ein Thema, das vielleicht funktioniert. Hat halt natürlich höhere Kosten zur Folge, alles miteinander. Und das ist halt der Nachteil. Darum geht es immer wieder um die Wirtschaftlichkeit. Am Ende des Tages muss es sich rechnen. Und wenn die Finanzierung teurer wird, dann kann man wirklich nur die absolut besten Projekte umsetzen. Und das sagt wieder einmal, dass das Angebot geringer wird in allen Segmenten. Aber die Chancen sind da. Mit ein bisschen Eigenkapital und guter

6:16 Finanzierungsstrukturierung funktioniert das noch immer sehr gut.

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