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Mieter in Schieflage: Verantwortung, Prävention und die Grenzen des Entgegenkommens

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2024 gab es in Österreich rund 12.000 Zwangsräumungen. Eine Zahl, hinter der nicht Statistik steht, sondern Schicksale. Jobverlust, Krankheit, eine zerbrochene Beziehung – und plötzlich gerät das, was eigentlich selbstverständlich sein sollte, ins Wanken: das eigene Zuhause.

Für Vermieter ist das eine ungemütliche Situation. Nicht nur menschlich, sondern auch unternehmerisch. Im aktuellen Office Talk sprach ich mit zwei Geschäftsführern großer österreichischer Wohnungsunternehmen, die selten so direkt über dieses Thema reden: Sandra Bauernfeind, Geschäftsführerin der Heimat Österreich, und Kevin Töpfer, Geschäftsführer der BUWOG.

Das Gespräch hat mich ehrlich gesagt überrascht – in positiver Hinsicht.

Delogierung als letzter Ausweg – nicht als Werkzeug

Beide betonen es unmissverständlich: Eine Delogierung ist für kein Unternehmen erstrebenswert. Sie bedeutet Leerstand, Renovierungsbedarf, Anwaltskosten und Forderungsausfälle, auf denen man in der Regel sitzen bleibt. Kevin Töpfer bringt es auf den Punkt: Wenn jemand die Miete nicht zahlen kann, wird er die Gerichtskosten erst recht nicht zahlen können.

Bei der BUWOG wird die Räumungsklage formal bereits nach zwei offenen Mietzinsrückständen eingeleitet – klingt hart, ist aber bewusst so gewählt. Denn bis zum tatsächlichen Räumungstermin vergehen bis zu neun Monate. In dieser Zeit laufen die Lösungsversuche parallel weiter. Das Ergebnis: Von rund 230 bis 250 angesetzten Räumungsterminen pro Jahr werden tatsächlich nur maximal 30 Prozent durchgeführt. Die anderen 70 Prozent enden in einer einvernehmlichen Lösung – Ratenvereinbarung, Wohnungsrückgabe oder Schuldenregulierung.

Das Frühwarnsystem ist der persönliche Kontakt

Digitale Scoring-Modelle, KI-basierte Zahlungsverhaltenanalysen, automatisierte Warnmeldungen – Töpfer zeigt sich skeptisch. Nicht weil die Technologie nicht funktioniert, sondern weil Wohnen ein emotional aufgeladenes Thema ist. Den Kunden zu kontaktieren und zu sagen "Wir haben identifiziert, dass Sie bald Zahlungsschwierigkeiten haben werden" – das erzeugt eher Abwehr als Kooperation.

Was hingegen nachweislich wirkt: das anwaltliche Schreiben als Kommunikationsanstoß. Die BUWOG hat ihren Prozess bewusst so umgestellt, dass nach der Zahlungserinnerung direkt der Anwaltsbrief folgt – nicht als Drohung, sondern als Signal. Töpfer schildert, dass dadurch deutlich mehr Kunden frühzeitig das Gespräch suchen. Der psychologische Effekt: Der Hut muss spürbar brennen, damit Menschen ihre Schamgrenze überwinden und Hilfe annehmen.

Sandra Bauernfeind unterstreicht: Es bringt nichts, wenn nach der zweiten Mahnung ein Rechtsanwaltsbrief kommt, den die betroffene Person gar nicht mehr öffnet. Was es braucht, ist jemanden, der aktiv hingeht und das Gespräch sucht – lösungsorientiert, empathisch, ohne Schuldzuweisung.

Gemeinnützig vs. gewerblich – geringerer Unterschied als erwartet

Die Heimat Österreich hat mit der Caritas einen dezidiert sozialen Haupteigentümer im Hintergrund. Man könnte also erwarten, dass die Herangehensweise an Mieter in Schieflage eine grundlegend andere ist als bei einem gewerblichen Vermieter wie der BUWOG. Bauernfeind selbst relativiert das: Auch gewerbliche Vermieter sind nicht herzlos und haben kein Interesse daran, zahlungsschwache Mieter auf Biegen und Brechen loszuwerden.

Was sich bei der Heimat jedoch unterscheidet: Der Anteil an geförderten Wohnungen ist deutlich höher, und damit auch der Anteil an besonders vulnerablen Mietergruppen – Menschen in Wiedereingliederungsprozessen, Personen mit komplexen Lebenssituationen. Diese Gruppen brauchen engmaschige Begleitung, die teils durch externe Institutionen geleistet wird, die gleichzeitig als Kooperationspartner fungieren.

Digitale Ratenvereinbarungen: bequem, aber nachhaltig?

Sollte es – ähnlich wie bei Wien Energie – möglich sein, mit wenigen Klicks eine Ratenzahlung digital zu vereinbaren? Beide sagen: Noch nicht, aber es wird diskutiert. In Deutschland ist das bei der Vonovia, der Muttergesellschaft der BUWOG, bereits Realität.

Die Zurückhaltung ist bewusst. Töpfer bringt ein wichtiges Argument: Eine digitale Ratenvereinbarung beseitigt die Schambarriere des ersten Kontakts – das ist gut. Aber sie ersetzt nicht das Gespräch, das herausfiltern kann, ob die Vereinbarung überhaupt nachhaltig umsetzbar ist. Wer online einfach "nächsten Monat" klickt, ohne die Gesamtsituation zu reflektieren, verschiebt das Problem möglicherweise nur.

Wo endet die Verantwortung des Vermieters?

Verzugszinsen erlassen, Ratenvereinbarungen schließen, kostenarm durch den Prozess führen – bis dahin reicht das Entgegenkommen großer Vermieter. Darüber hinaus, sagen beide, sei der Staat gefragt. Und das Angebot sei in Österreich gar nicht schlecht: Wohnfonds, Wohnschirme, Beratungsstellen auf Bundes-, Landes- und Gemeindeebene.

Das eigentliche Problem liegt woanders: Die Hilfe muss auch angenommen werden. Und genau das – diese innere Bereitschaft, sich einzugestehen "Ich brauche Hilfe" und diese dann auch aktiv zu suchen – ist laut Töpfer der entscheidende Faktor. Kein System der Welt kann diesen Schritt für die betroffene Person gehen.

Gesetzlich verpflichtende Delogierungsprävention – sinnvoll?

Töpfer sieht eine Null-Delogierungs-Politik kritisch: Sie ist für ihn nicht realistisch und bedeutet einen massiven Eingriff in Eigentumsrechte. Was er hingegen für richtig hält: zwischen jenen zu unterscheiden, die wirklich in Not geraten sind, und jenen, bei denen das Zahlungsproblem System hat.

Bauernfeind ergänzt nüchtern: Jede Delogierung ist für den Vermieter ein finanzieller Verlust. Wer wirtschaftlich denkt, hat bereits ein starkes Eigeninteresse, sie zu verhindern. Eine gesetzliche Verpflichtung zur Sozialberatung ab einer bestimmten Wohnungsanzahl sei möglicherweise gar nicht nötig, wenn der Anreiz ohnehin schon da ist.

Fazit

Das Gespräch zeigt: Die großen österreichischen Wohnungsunternehmen haben dieses Thema längst aus der Tabuzone geholt und gehen professioneller damit um, als es die öffentliche Wahrnehmung oft vermuten lässt. Rund 1.800 Ratenvereinbarungen pro Jahr bei der BUWOG allein – das ist keine Sozialromantik, sondern gelebte Praxis. Und ein klares Signal, dass wirtschaftliches Interesse und soziale Verantwortung hier keine Gegensätze sind.

Das vollständige Interview ist im Video zu sehen.

Über die Gesprächspartner

Kevin Töpfer ist Geschäftsführer der BUWOG Group GmbH, einem der führenden Wohnimmobilienunternehmen in Österreich, das seit dem Einstieg der deutschen Vonovia Teil eines der größten europäischen Wohnkonzerne ist.

Sandra Bauernfeind ist Geschäftsführerin der Heimat Österreich, einer gemeinnützigen Bauvereinigung mit der Caritas als Haupteigentümer und einem klaren Fokus auf leistbaren und sozial begleiteten Wohnraum.

Transkript

0:09 Herzlich willkommen zum Immobilienredaktion Office Talk. Wir haben heute ein Thema, das ist vielleicht ein bisschen heikel: 2024 gab es in Österreich rund zwölftausend Zwangsräumungen. Und da habe ich mir dann gedacht, jetzt frage ich mal nach: Wie gehen denn die großen Vermieter, äh, mit, mit, mit diesen Mietern in Schieflage, mit Menschen in schwierigen Lebenssituationen um? Bei mir heute Kevin Töpfer, äh, Geschäftsführer bei der BUWOG, und Sandra Bauernfeind, Geschäftsführerin bei der Heimat. Hallo und danke, dass ihr euch Zeit nehmt für unser Interview. Danke für die Einladung. Danke für die Einladung. Wir freuen uns.

0:44 Sandra, Kevin, bevor wir in, in, in die Fragen abtauchen, die ich euch geschickt habe, würde ich euch gerne vorher noch einmal auch fragen: Wie ist denn euer persönlicher Umgang mit dieser Situation Mieter in Schieflage? Vielleicht wenn's, ähm, zu einer Delogierung kommt. Kommt das bei den Größen, äh, eurer Unternehmen überhaupt noch auf euren Tisch? Schaut ihr euch das an? Wie geht man damit um, mit dieser Verantwortung? Ja, natürlich, äh, also nicht direkt mit einbezogen, aber natürlich bekommen wir die Information, jedenfalls, äh, bei unserer, auf unserer Seite. Natürlich bekommen wir die Information, weil, äh,

Vollständiges Transkript anzeigen

1:23 dahinter, äh, steckt ja doch ein Prozess. Es ist ja nicht so, dass die Delogierung von heute auf morgen passiert. Ähm, da steckt ja ein Prozess, da muss, müssen längere Mietzinsrückstände bestehen und da ist man natürlich schon informiert darüber. Ähnlich bei uns. Also ich bin jetzt nicht persönlich eingebunden, aber ich habe ein tolles Team dahinter. Wir überlegen uns natürlich, wie ist unser Zugang, wie, wie, wie stellen wir uns prozessual auch auf? Und am Ende des Tages geht's natürlich auch dann noch einmal darum, äh, das sind Forderungsausfälle, wie gehen wir damit um? Was bedeutet das wirtschaftlich?

1:54 Aber am Ende persönlich ist es a, a ganz wichtiges Thema, dem wir uns als Unternehmen auch stellen müssen. Dadurch, dass ja doch, äh, gebe ich Ihnen völlig recht, äh, hinter jeder Delogierung auch ein persönliches Schicksal steht. Sandra, du hast es gerade jetzt auch schon angesprochen: Äh, dahinter steckt ein längerer Prozess, bis es wirklich zum Äußersten kommt sozusagen. Ähm, was gibt's denn da für, für Frühwarnsysteme bei euch, um vielleicht dann wirklich den finalen Schlussstrich zu verhindern? Auf der einen Seite gibt's natürlich das, äh, Reporting, bei welchen Mietern, Mieterinnen gibt's Mietausfälle.

2:31 Ähm, dann haben wir auch eine, äh, eigene Sozialarbeiterin, die sich des Themas annimmt, die einen Hausbesuch macht. Sehr oft, äh, liegt's ja wirklich daran, dass diese, diese Menschen manchmal auch jemanden brauchen, der sie an der Hand nimmt, äh, und sagt: „Schau, das könntest machen, das könntest machen. Da gibt's vielleicht eine Stelle, die, die unterstützen kann, irgendwelche, äh, Nothilfsfonds oder ähnliches, ähm, Subjektförderung, die vielleicht, ähm, um die angesucht werden kann und so weiter. Und also da versuchen wir schon, ein sehr, sehr engmaschiges Netz zu haben, damit's eben nicht so weit kommt. Also wie gesagt, die Hilfestellung, bevor's überhaupt zum

3:11 Äußersten kommt, das ist etwas, was uns eigentlich sehr wichtig ist. Kevin, bei euch? Ähnlich. Ich glaub, bei uns ist der Zugang ein zentrales Anliegen, dass wir den Wohnraumbedarf unserer Kunden sicherstellen. Wir, wir stehen den Kunden natürlich zur Seite, ähnlich wie bei, bei Ihnen. Das Thema ist, wir brauchen den proaktiven Zugang zu den Kunden und die Kommunikation. Am Ende ist es ja nicht so, dass wir jetzt heute auf, von heute auf morgen feststellen, äh, über Frühwarnsystem jemand gerät in Schieflage, weil das ist ja meistens ein persönlicher Schicksalsschlag, ein Jobverlust, eine Krankheit, das trifft dich.

3:45 Also wir haben einmal darüber nachgedacht: Was kann unser KI bringen? Gibt's so Möglichkeiten, über Zahlungsverhalten irgendwas rauszulesen, frühzeitig zu erkennen, um da Maßnahmen zu ergreifen? Das wird alles nicht so, so sein. Ja, also ich glaube, entscheidend ist am Ende des Tages immer der persönliche Kontakt. Weil eines darf man auch nicht vergessen: Das ist eine Situation, die sehr, sehr unangenehm ist für den jeweiligen Betroffenen oder die Betroffene. Ähm, es, es trifft dich etwas. Du musst dir eingestehen, ich habe ein Problem und kann ich diese Hilfe auch annehmen? Also das Angebot ist das eine.

4:17 Ich glaube, wir haben ein sehr vielfältiges Angebot. Ähm, wir haben vorher schon gesprochen über Verantwortung, gesellschaftliche, soziale Verantwortung. Deswegen, äh, dessen sind wir uns bewusst. Das müssen wir auch nehmen und tragen. Äh, und deswegen ist der intensive Austausch bei allen Früh-, Frühwarnsystemen und Reportings, die wir natürlich auch haben, ist das eine. Aber dann geht's um die, die Lösung, mit dem Kunden eine nachhaltige Lösung zu finden. Ähm, und noch mal auf die Frage zurückzukommen, natürlich nicht direkt bei mir am Tisch, aber a, a Team, ein kompetentes Team im Forderungs- und Debitorenmanagement, die sich darum kümmern.

4:53 Kommunikation ist wichtig. So wie du's auch gesagt hast. Da müssen wahrscheinlich viele auch dann ihre Schamgrenze überschreiten. Ähm, gibt's da dann auch vielleicht Kommunikation über jemanden von außen, wo's vielleicht leichter ist, wenn ich sage, ich muss jetzt nicht direkt mit meinem Vermieter oder mit dem Sozialarbeiter meines Vermieters sprechen? Bekommt ihr da Unterstützung auch von staatlicher Seite? Also wir haben jetzt diese Sozialarbeiter vor Ort nicht. Also im Konzern gibt es so etwas, bei uns in Österreich nicht. Äh, noch einmal: Wir, wir weisen oder wir geben natürlich, äh, über Infoblätter Informationen an unsere Kunden weiter, dass man sagt: „Okay, wenn ihr

5:31 in Zahlungsschwierigkeiten kommt, gibt's die und die Möglichkeiten." Also es gibt ja diverse Anlaufstellen, eh schon genannt, äh, Wohnschirr, Wohninitiativen, Wohnfonds und so weiter. Ähm, und gleichzeitig unsere Mitarbeiter sind, äh, eben angehalten, s-sich dann direkt mit den Kunden in, in Kontakt zu setzen. Das ist eine Möglichkeit. Ob der Kunde das Thema dann auch tatsächlich annimmt und es kommt nicht immer zu einer Reaktion und zu einer Kommunikation. Aber ich glaube, wir gemeinsam mit den, äh, diversen Einrichtungen, die es auf Bund, Land, Gemeinden, Ebenen gibt, ich glaube, da gibt's viel Solidarität, viel, viel Angebot und Möglichkeit

6:12 für die jeweiligen Betroffenen. Aber am Ende, glaube ich, ist es immer das SettingKunde und Vermieter. Dort brauchst du dann die nachhaltige Lösung. Also ich kann das nur bestätigen. Ich glaub, dass das, äh, Netz für Mieter, Mieterinnen in solchen Situationen schon recht gut ist, das Auffangnetz. Das Thema ist nur, sie müssen diese Hilfe auch suchen und annehmen. Und da braucht's einfach die Kommunikation, ja. Es bringt nichts, äh, wenn, wenn nach, was weiß ich nicht, nach der zweiten Mahnung dann eine Rechtsanwaltsbrief kommt, weil diese Menschen dann sehr oft diese Post gar nicht mehr öffnen, sondern es braucht wirklich jemanden, der hingeht, der sagt: „Wo ist

6:52 das Thema? Wie können wir helfen? Äh, Ratenvereinbarungen?", was auch immer, ja. Aber der, der sich des Themas aktiv annimmt und einfach wirklich die Kommunikation und die Hilfestellung sucht. Darf ich auf den Punkt, äh, weil Sie gesagt haben Anwaltsschreiben, Zahlungserinnerung, Mahnung. Wir haben den Prozess schon umgestellt oder der Prozess läuft bei uns Zahlungserinnerung, erster Schritt, zweiter Schritt ist dann schon Mahnung durch den Anwalt. Was wir nämlich festgestellt haben, diese, diese anwaltlichen Schreiben haben mehr Wirkung. Das klingt vielleicht a, a bisschen strange, aber es ist so: Durch dieses Anwaltsschreiben kommt

7:29 mehr Kommunikation in Gang. Also es, die Kunden gehen dann auf uns zu und suchen die Lösung. Also das ist, glaube ich, ein, ein psychologischer Aspekt, der da zum Greifen kommt, äh, irgendwie mit Angst und noch mehr Sorge vielleicht verbunden. Äh, und dann ist genau das damit eigentlich, äh, erwirkt, was wir ja wollen. Wir wollen dann Kommunikation und wir wollen einen Prozess in Gang setzen, diese Lösung gemeinsam zu erarbeiten. Also das ist nämlich spannend, äh, wann gehst du wirklich über einen Anwalt, ne? Und das war in der Umstellung dann für uns schon ersichtlich und auch auswertbar, dass plötzlich mehr Kommunikation schon relativ

8:05 früh stattfindet. Weil den Kunden natürlich schon bewusst ist, Anwalt kostet immer Geld. Genau. Ja, das heißt, es wird umso teurer, je später sie reagieren, ja. Das heißt vereinfacht gesagt, der Hut muss brennen, damit die Miria ... Oft so leider. Ja, wie, wie du's vorher erwähnt hast, es ist doch a gewisse Schamgefühl auch dabei. Ich muss jetzt wo mich melden und muss sagen, ich habe ein Problem. Ähm, wie können wir gemeinsam eine Lösung finden? Genau. Und da ist es offensichtlich so, dass, ähm, ja, ein, ein Anwalt schreiben, ein Anwaltsbrief oder Anwaltsschreiben doch eher auch, äh, aufzeigt, jetzt ist das Problem wirklich da.

8:47 Es zeigt, äh, ja, es kommt zu mehr Wirkung irgendwie und gleichzeitig braucht's diesen beiderseitigen Willen, ja. Also, ähm, vielleicht auch weil das gefallen ist, ähm, Anwaltseinbezug kostet natürlich auch, äh, Geld. Äh, das Kostenthema ist dann schon auch wichtig für uns, egal in welchem Stadium. Wir versuchen dann schon, sehr kostenschonend mit dem Thema umzugehen, dass das nicht zu Lasten dann der Vermi-- äh, der, der Mieter und Mieterinnen geht. Äh, weil Fakt ist, wir wollen ja eine nachhaltige Lösung und wir wollen eine Lösung erzielen, äh, auch das Thema zum Beispiel Verzugszinsen, ne, ist im Mietvertrag verankert.

9:21 Äh, auf so was verzichten wir dann schon, weil wir wollen ja aus dem Thema keinen Profit schlagen, sondern wir wollen eine nachhaltige Lösung im Sinne, im Sinne aller Beteiligten. Und ich glaub, kein Vermieter will Mieter, die einmal in, in Probleme gekommen sind, äh, auf Biegen und Brechen rausklagen, ja. Äh, das würde Leerstand bedeuten, das würde Fluktuation bedeuten. Das ist ja nicht das vorrangige Ziel von Vermietern. Das bedeutet ja primär dann auch Kosten, auf denen ich im Normalfall sitzen bleibe. Natürlich, ja natürlich. Also Gerichtsverhandlung, Anwalt, Delogierung. Wenn jemand die Miete nicht zahlen kann, wird er das wahrscheinlich in Folge auch

9:54 nicht mehr zahlen können. Wechseln wir kurz das Thema. Vergleichen wir es vielleicht, Sandra, du hast einen, einen sehr guten Vergleich, glaube ich, mit, ähm, vorher warst du bei der EHL Geschäftsführerin für, glaube ich, auch für den Wohnbereich, wenn ich jetzt richtig ... und jetzt gemeinnützig. Und, äh, euer, die, die Heimat hat als Haupteigentümer die Caritas, also gemeinnützig noch einmal vielleicht mit einem extra sozialen Hintergrund. Wie sind denn da für dich aktuell die, die, die größten Unterschiede im Umgang mit diesem Thema? Vorher im Privatunternehmen, jetzt beim Gemeinnützigen. Ja, ich glaub, die, die Themen sind nicht, nicht ganz so unterschiedlich,

10:35 weil auch gewerbliche Vermieter, äh, sind jetzt, äh, nicht herzlos oder oder sind jetzt nicht daran interessiert, jetzt, äh, die, die Mieter, die in Schieflage sind, auch wirklich, äh, auf Biegen und Brechen, äh, rauszuhaben. Ähm, das Thema, was man, glaube ich, nicht un, nicht übersehen darf, gemeinnützig, ähm, heißt, dass wir natürlich auch aufgrund unserer, unserer Aufstellung einen sehr hohen Anteil geförderter Wohnungen haben, ähm, was aber nicht heißt, dass die Wohnungen nichts kosten, ja. Aus der Gemeinnützigkeit heraus sind wir Kostendeckungsrechner. Wir wissen, wie sich die Kosten, egal ob Grundkosten, ob Bau oder

11:15 Finanzierungskosten, sich die letzten Jahre entwickelt haben. Das heißt, die Mieten sind auch gestiegen, ja. Unsere Miete ist eigentlich eine Annuitätenmiete, äh, die eben aufgrund der, der Finanzierung so ist, wie sie ist. Wir wissen, wie die Zinsen, äh, sich entwickelt haben in den letzten Jahren. Und das wird oft, wird oft übersehen, ja, dass eben auch, äh, äh, Wohnungen von gemeinnützigen Bauvereinigungen, Klammer so lange sie nicht ausfinanziert sind, nicht unbedingt, äh, weiß Gott wie günstig sind. Äh, was die Gruppen anbelangt, äh, natürlich wir auch aufgrund der Gemeinnützigkeit, wir bauen doch viel für besonders vulnerable

11:51 Arbeitszielgruppen, äh, f-- teilweise Wiedereingliederung und so weiter und so fort. Da, da sehen wir schon, dass diese Gruppen ganz eng begleitet werden müssen, um hier quasi auch den Wiedereinstieg in das unter Anführungszeichen normale gesellschaftliche Leben wieder zu schaffen. Aber, äh, auch hier gilt's, ja, müssen betreut werden. Gibt Institutionen, die das machen und dann ist man da auf 'nem guten Weg. Wie, wie ist denn da auch, ihr arbeitet ja beide dann mit solchen Institutionen zusammen. Wie engmaschig ist denn da auch die, die, die Kommunikation mit solchen Institutionen, die Zusammenarbeit?

12:31 Ist das einfach nur: „Schaut's her, da hat jemand ein Problem, geht's hin? Oder holt ihr dann auch Informationen ein? Redet ihr dann mit Betreuungsinstanzen oder vielleicht Förderinstituten? Gibt's da auch Hilfestellung für Anträge, die ihr bereitstellt? Im persönlichen Gespräch mit den Kunden vielleicht, ja. Grundsätzlich geben wir den Kunden die Information: „Hier gibt's Anlaufstellen, hier gibt's Möglichkeiten, dort können sie sich hinwenden.“ Ja, dann ist es die Aufgabe derjenigen, sich da dann auch dort die Informationen und die Hilfestellung zu holen. Wenn wir unterstützen können oder wenn in

13:05 dem Gespräch, in dem persönlichen Kontakt mit den, mit unseren Kundinnen da natürlich Fragen aufstehen und wir können unterstützen, dann unterstützen wir natürlich. Also das ist selbstverständlich, aber wir sind jetzt nicht intensivst im Austausch mit, mit diversen Anlaufstellen. Es gibt aber schon Institutionen, die eben, äh, solche Kundengruppen betreuen und die dann bei uns auch Wohnungen anmieten, ja. Also v-vice versa. Dass auf der einen Seite, äh, Institutionen, die eben Mietern in Schieflage unter die Arme greifen, aber auf der anderen Seite auch, äh, dass wir Wohnungen, Wohnbedarf oder Wohnraum zur

13:43 Verfügung stellen, wenn eben solche Institutionen für gewisse Personen eben Wohnungen suchen. Die BUWOG ist jetzt seit vierundzwanzig Jahren privat geführt. Ähm, Einstieg der Vonovia. Die Vonovia selber hat, äh, siebzehn Sozialmanager. Äh, inwieweit ist denn da auch vielleicht der Unterschied Deutschland, Österreich in, in der Handhabung dieses Themas ein spürbar? Anders aufgestellt. Ich hab's vorher schon erwähnt: Wir haben jetzt nicht diese Sozialarbeiter direkt vor Ort, die da in den Quartieren auch unterwegs sind. Wir haben halt eben ein, ein schlagkräftiges Team, äh, viele Mitarbeitende im Forderungs-, im Debitorenmanagement, die

14:25 befähigt sind, die mit diesen Situationen – weil das ist ja eine auch sehr unangenehme Situation für die jeweilige andere Seite – umgehen können. Da, da braucht's viel Kommunikationsgeschick, Einfühlungsvermögen, Verständnis, Empathie, aber gleichzeitig auch natürlich, äh, mit dem Blick auf die Lösung, also das, den lösungs- und kundenorientierten Ansatz. Das passiert dort und dort passiert dann der, der direkte Austausch. Äh, wir haben's vorher auch erwähnt, es braucht diesen beiderseitigen Willen. Ich glaub, das ist wirklich das größte Thema, dass sich Menschen, die halt in eine missliche Lage kommen, auch tatsächlich Hilfe holen,

15:01 dass die das akzeptieren, diese Hilfe auch annehmen. Wenn du dort einmal bist, dann bist du echt einen entscheidenden Schritt weitergekommen. Wenn dem nicht so ist und dann passiert genau das, es gibt keine Kommunikation, keine Reaktion, dann, äh, läuft quasi der, der klassische Prozess, äh, des Forderungsmanagements bis hin dann eben im, äh, Ultima Ratio bist du dann halt bei einer Räumungsklage bis hin zur Delogierung. Jetzt hast du's vorher angesprochen, diese, diese eventuelle Vorhersage einer, einer KI. Ähm, wär's da von euch, von, von staatlicher Seite aus vielleicht wünschenswert, dass man irgendwo einen

15:40 Bonitätsscore zum Beispiel abfragen kann? Weil ich denk mir bei vielen, die in diese Schwierigkeiten kommen: Die Miete ist das Letzte, was ich nicht bezahle, aber ich hab vorher schon vielleicht viele andere Schulden. Und wär da ein, ein System von eurer Seite aus, um schneller erkennen zu können, hoppla, da könnt was kommen, wünschenswert? Wünschenswert. Ich mein, jedes System, wo ich irgendwie frühzeitig, äh, Themen identifiziere, die vielleicht a-auf das Thema Zahlungsschwierigkeiten dann hinweisen kann, äh, natürlich. Äh, wie das genau funktionieren soll, ähm, habe ich mir jetzt noch nicht im Detail überlegt. Das ist auch das Thema KI.

16:18 Das wird auch ein Datenschutzthema sein. Datenschutzthema, KI-Governance. Also das sind alles so Themen: Wo kann ich's wirklich festmachen? Ja, also kann ich's aufgrund eines Zahlungsverhaltens, was ich irgendwie, äh, ablesen kann, ausmachen, dass jemand jetzt morgen eine Zahlungsschwierigkeit hat? Also was machen wir dann auch mit der Information? Gehen wir dann an den Kunden hin und sagen: „Wir haben identifiziert, Sie werden eine Zahlungsschwierigkeit haben.“ Also das ist schon-- Wohnen ist sehr emotional und ist ein sensibles Thema. Also der Umgang damit, also ich bin da nicht überzeugt. Ich glaub, Digitalisierung, alles, was man machen kann, ist

16:50 das eine, aber da geht's eher aus meiner Sicht Prozesse vereinfachen bei uns, Transparenz schaffen in der Abwicklung, aber dann ist noch immer der persönliche Kontakt entscheidend. Ähm, und, na, da sehe ich noch kritisch und habe noch nicht den Zugang gefunden. Ja, ich glaub, wir vermieten alle, glaub ich auch, mit Einkommensnachweis beziehungsweise wenn wir geförderte Wohnungen vermieten und ist das sowieso notwendig, um zu schauen, ob die Einkommensgrenzen eben dementsprechend was zulässig ist. Und ein Schicksalsschlag oder eine Krankheit kann eine KI auch nicht vorhersagen. Gewisse Zahlungsverhalten, man merkt's

17:25 ja, man merkt's ja in der Nähe. Also i-in der Regel und das muss man auch sagen, also diese typischen Problemfälle, das ist ja nicht, nicht etwas, was von heute auf morgen passiert. Der ist ja regelmäßig im Rückstand und dann wird wieder, äh, eine Zahlung getätigt, aber nicht alles, dann wieder im Rückstand und so weiter und so fort. Und ich glaub, man muss auch bei den, äh, bei den Mietern, die es betrifft, unterscheiden. Ja, ist es einfach wirklich ein, ein Verhalten, das immer wieder auftritt und immer wieder kommt, ähm, äh, oder ist es wirklich eine, eine Ausnahmesituation aufgrund eines Ereignisses, das einfach dazu geführt hat?

18:00 Da möchte ich gleich dabei bleiben bei den Rückständen. Ähm, habt ihr da feste Regeln, dass man sagt, Hausnummer, Rückstand, drei Mieten, dann ist Schluss? Oder macht ihr das im Fallentscheid auch, wenn du sagst, da kommt schon immer wieder was und es wird schon besser werden, ist okay. Wie, wie, wie geht ihr damit um in den Unternehmen? Ich glaub, das ist etwas, wo, wo dann eben die Kommunikation und das persönliche Gespür, äh, auch schlagend wird. Natürlich, jeder braucht Regeln, jeder Fin-- Vermieter braucht Regeln. Wir müssen ja auch, auch rechtfertigen, warum, ähm, wenn so ein Prozess läuft, warum der läuft oder warum ein

18:41 anderer vielleicht nicht läuft. Äh, das natürlich. Äh, aber da kommt's eben schon drauf an, wie, wie der Background ist und auch wie kooperativ und wie, wie zahlungswillig der Mieter ist. Also ähnlich. Wir haben natürlich klare Regeln. Ist ja auch aufgrund der, der Größe auch gar nicht anders händelbar. Also ich hab vorher schon erwähnt, erster Schritt Zahlungserinnerung, dann Mahnung. Dann passiert allerdings natürlich die, die Situation, ähm, dass wenn wir zwei offene, äh, Mietzinsrückstände haben, dann beginnt bei uns eigentlich das Räumungsthema. Also da, da kommt die Räumungsklage ins Spiel, sofern der

19:19 Mieter eben auf keinerlei, ähm, ähm, Kommunikation oder, oder, äh, Kontaktaufnahmen reagiert. Also das ist immer klar als erster Kommunikation. Wenn dann keine Kommunikation stattfindet, keine Reaktion, äh, der Mieterseite passiert, dann kommt der normale Prozess zum Laufen und bei uns eben zwei offene Mietzinsrückstände, dann kommt's zur Räumungsklage. Ähm, das ist jetzt vermeintlich, boah, schon nach zwei, äh, Monatsmieten, ähm, kommt er, aber wir haben einfach festgestellt, bis es tatsächlich zu einem Räumungstermin kommt, das dauert oft bis zu neun Monate. Also das ist dann schon auch wieder eine, eine wirtschaftliche Komponente,

19:59 die, der wir da Rechnung tragen, weil da laufen Kosten auf. Je länger ich warte, also das, äh, baut sich nur noch mehr auf. Und nur weil jetzt eine Räumungsklage am Tisch ist, ja, heißt ja das noch lange nicht, dass wir dann tatsächlich bis zur Delogierung gehen, sondern wir versuchen ja in dem Zeitraum dann auch noch einvernehmliche Lösungen bis hin zu, wenn nicht einvernehmliche Rückstellung, äh, der Mietwohnung, um eben dieses Kostenthema dann schon ein, einschränken zu können. Und ich hab unlängst eine Zahl bei uns gesehen. Ich meine, wir haben ungefähr zweihundertdreißig bis fünfzig Delogierungen

20:33 im Jahr, also mit Räumungstermin, und davon werden aber nur tatsächlich dreißig, maximal dreißig Prozent dann tatsächlich, äh, durchgeführt. Also das, da sieht man schon schön, dass da eigentlich in dem Zeitraum relativ viel passiert. Inwieweit, äh, stellt ihr denn auch rein rechnerisch diese ganze Delogierungsprävention, diese Services, diese Hilfestellung, die ihr anbietet, äh, dem Thema Kosten für Gericht und Delogierung gegenüber? Rechnet sich das? Natürlich müssen wir das gegenüberstellen. Also wenn, wenn man auf, auf der eigene Payroll jemanden hat, der, äh, sich u-um diese Dinge kümmert, der

21:12 prä-- eben in der Prävention arbeitet, ja, dann muss man das natürlich gegenüberstellen. Klarerweise, ja. Rechnet sich's? Ja, schon. Ja. Äh, e-es braucht auch, also die, diese, diese Positionen betreiben ja überhaupt Medi-- ja, Mediation teilweise, ja. Auch Mediation zwischen den Mietern. Also es gibt ja, jedes Haus ist ja doch a, a eigener Biokosmos mit ganz unterschiedlichen Persönlichkeiten, die eben nebeneinander Wohnung, wohnen und, äh, da kommt's auch da immer wieder zu Konflikten. Bei euch? Na, Delogierungsprävention rechnet sich. Also weil wir natürlich dann viele Themen, die damit verbunden wären, auch

21:55 wieder vermeiden können, sei es Leerstandskosten und so weiter. Also und ich glaub, das ist a gutes Investment, dort auch weiter zu investieren. Nach-- Voraussetzung ist natürlich immer, dass du eine nachhaltige Lösung erzielst, aber das tun wir. Also wir schließen ja auch im Jahr, glaube ich, rund tausendachthundert Ratenvereinbarungen ab, die dann tatsächlich auch geleistet werden. Und noch mal das Beispiel mit der Delogierung, wie oft es zu einer Delogierung kommt mit Räumungstermin und was dann umgesetzt wird. Also das rechnet sich schon und zahlt sich aus. Und es ist noch einmal der Aspekt der sozialen Verantwortung, dass wir das Thema

22:30 nicht einfach nur laufen lassen und schauen, was passiert. Ähm, deswegen ein klares Ja. Wir sind halt egal, äh, welche, welche Unternehmensform das Unternehmen hat, aber ich glaub, jeder Vermieter ist halt im Spannungsfeld zwischen Wohnen ist ein Grundbedürfnis und es ist doch ein Investmentgut, das sich rechnen muss. Und da, äh, da braucht's einfach den, den goldenen Mittelweg, äh, schon auch vor dem Hintergrund der sozialen Verantwortung, der gesellschaftlichen Verantwortung. Aber trotzdem, wie gesagt, muss es sich rechnen auch, ja. Jetzt haben wir zwei Jahre Wirtschaftskrise, intensive Wirtschaftskrise hinter

23:09 uns. Spürt ihr da, ähm, in, in, in euren Unternehmen, dass auch ganz andere Gruppen, von denen man's vorher gar nicht gedacht hätte, in Probleme kommen? Also generell von den, von den Zahlen, von der Entwicklung der Zahlen sehen wir nicht wirklich große Ausschläge. Also Corona ja, weil da hat natürlich viel, viel, äh, wurde da abgefangen. Da sind die Zahlen eher rückläufig, logischerweise rückläufig gewesen. Ähm, und sonst haben wir eigentlich so stabile Zahlen. Äh, grundsätzlich haben wir immer das Thema, in vielen Fällen wird das Thema Zahlungsschwierigkeit schlagend aufgrund von Jobverlust, Krankheit oder privatem Schicksalsschlag.

23:48 Also ich sehe jetzt, äh, und da muss man auch sagen, das ist ja schon auch ein Datenschutzthema. Wir werten ja jetzt nicht aus, es ist die Kategorie oder die Kategorie, sondern das sind Mieter und Mieterinnen. Und die haben Zahlungsschwierigkeiten. Und dann geht es darum, Lösungen zu finden. Wir sehen schon eine Veränderung und auch eine, eine Zunahme, ähm, auch nicht bezogen auf einzelne Berufsgruppen oder Ähnliches. Das natürlich nicht, ja. Aber diese Kombination aus Zinsteigerung, dadurch Mietsteigerung, aber auch Betriebskostensteigerungen, also grad das Thema, das Thema Heizen, das Thema Strom,

24:24 ähm, und die Nachzahlungen, die sich daraus ergeben haben, ja, die teilweise gar nicht uns betroffen haben, weil das waren einfach die externen, ähm, Anbieter dieser Leistungen. Äh, da, das merken wir aber schon, dass hier, dass es hier schon zu außerordentlichen Belastungen gekommen ist, ja. Den Punkt kann ich bestätigen. Also wo wir sehen, die Anzahl der Anfragen oder wo Zahlungsschwierigkeiten entstehen, ist immer diese Heizkosten-, Betriebskostenabrechnungsphase. Da, da gibt's einen Peak nach oben. Ähm, aber in Summe unsere Forderungen über die Jahre hinweg sind ziemlich stabil, ja. Du hast es vorher angesprochen: Ihr habt mit KI experimentiert.

25:03 Jetzt mal abseits von KI: Inwieweit sind denn da bei Mietrückständen digitale Services auch ein Thema? Ähm, gibt zum Beispiel bei der Wien Energie habe ich jetzt gesehen, ähm, wenn du da eine Rechnung offen hast, kannst du reinklicken, sagen: „Ich zahl's nächstes Monat.“ Sache erledigt. Also Aufschub ganz easy mit, mit ein paar Klicks. Gibt's so, solche Angebote bei euch auch, dass man sagt zum Beispiel: „Ich hab Rückstand, ich logge mich auf eurer Webseite ein und treffe dort gleich die, die Ratenvereinbarung"? Nein, haben wir derzeit nicht, nein. Also wir gehen da doch mehr den Weg der direkten

25:38 Kommunikation. Also KI genutzt ist fast zu viel. Also ein bisschen Gedanken dazu gemacht, ähm, aber wir haben das Setting auch noch nicht, dass wir das digital abwickeln. Ähm, und in Deutschland allerdings ist das über die, die Kundenapp auch schon machbar, dass du dort Ratenzahlungsvereinbarungen abschließt. Äh, da sind wir gerade am Überlegen, ob wir solche Möglichkeiten auch schaffen, weil ja ein klarer Prozess auch dahinter steckt. Ähm, ob man das jetzt in, in unmittelbarer Zukunft tatsächlich machen, mal schauen, weil ich glaub, genau dieses Thema, was wir vorher schon hatten, es ist so eine Kombination. Du kannst zwar Prozesse vereinfachen über Digitalisierung.

26:15 Auf der anderen Seite braucht es den persönlichen Kontakt, äh, um auch noch mal herauszufiltern: Also ist das eine nachhaltige Lösung oder nicht, ne? Und, ähm, deswegen, das ist so eine Mischung, glaube ich. Äh, aber da gibt's aus meiner Sicht auch nicht die Lösung, alles jetzt digital abzuwickeln. Ich frag mich nur, ob den Kunden damit geholfen ist, weil ja relativ rasch, äh, mit so einer Lösung quasi auf der Homepage oder keine Ahnung, in der App eine Ratenzahlung vereinbart werden kann. Aber die Frage ist, ob er sich wirklich auch oder sie sich wirklich auch, auch überlegt hat im Vorfeld, ob diese

26:52 Verschiebung auch wirklich dann etwas ist, was sinnvoll ist und, äh, nachhaltig ist. Das hab ich gemeint mit dem persönlichen Kontakt, wie wichtig der ist, weil da geht's ja um Vertrauensaufbau, auch eben das Einfühlungsvermögen oder de, das herauszufiltern. Ist das eine nachhaltige Lösung? Weil bin ganz bei Ihnen, ja. Also relativ schnell ist wie, wie bei der Bank, ne, der faire Kredit bis zu einem gewissen Betrag. Also es wird manchmal nur schlechter wir wollen ja eine nachhaltige Lösung und das glaube ich, ist im persönlichen Gespräch schon, äh, eher identifizierbar als über einen Klick in einer App, ja.

27:28 Eine Hilfestellung kriegt man ja damit auch nicht. Es nimmt vielleicht ein bisschen so diese, diese erste Barriere, die ich beim persönlichen Kontakt dann doch wieder hab, nicht. Da bin ich ja dann schon quasi proaktiv einmal in Kontakt getreten, wenn auch über die Webseite und tu mir dann vielleicht über einen zweiten Schritt leichter. So war mein Gedankengang an, an die ganze Sache. Jetzt habt ihr beide gesagt: „Na, wir kommen eh entgegen, wo's geht. Zinsen, Verzugszinsen, möglichst günstige Rechtsanwaltskosten.“ Ähm, wo bei diesem Entgegenkommen endet denn aus eurer Sicht eure Verantwortung und wo muss der Staat dann einspringen?

28:08 Ich glaube, wir haben klare Prozesse. Also unser Entgegenkommen ist, wir, wir helfen, wir, wir geben, geben Möglichkeiten bei Zahlungsschwierigkeiten. Also ich, äh, ich glaube, entscheidend ist, wir wollen ja den Wohnraum, Wohnraumbedarf sicherstellen und, und behalten. Äh, und gleichzeitig gibt's sehr, sehr viel Angebot, ja, über Wohnfonds, Wohnschirme und diese ganzen Anlaufstellen, die wir auch, ja, unseren Kunden dann quasi mitgeben, sich dorthin zu wenden. Wir sehen das auch, wenn wir in diesen Kontakt kommen. Äh, interessanterweise in den Bundesländern Kärnten und Steiermark wird dieses Angebot sehr häufig genutzt. Also ich glaube, da ist dann auch

28:46 unsere, unsere Rolle irgendwann zu Ende, weil wir haben ja schon auch-- wir sind Unternehmer, wir haben ein Unternehmen zu führen und wir haben eine wirtschaftliche Komponente auch zu berücksichtigen. Ähm, und am Ende ist wieder dieser beiderseitige Wille, das, äh, Ich lasse mir helfen. Das ist, glaube ich, das Entscheidende bei den Betroffenen, bei den Bedürftigen. Es gibt sehr viel Möglichkeit, sehr viel Soli, Solidarität, sehr viel Angebot. Wenn ich mir helfen lasse und es ist halt jetzt nicht ein schwarzes Schaf unter Anführungszeichen, sondern ich bin halt wirklich in einer misslichen Lage, wo ich

29:18 nicht immer etwas dafür kann, dann wird diese nachhaltige Lösung auch erzielbar sein. Aber ich glaub, da ist eine klare Trennung, weil auch unsere Ansprüche, äh, müssen ja irgendwie gewahrt werden. Also ich kann ja nicht nur alles im Sinne der Kunden machen. So fair muss man sein. Wir sind Unternehmer, aber wir haben eine soziale Verantwortung und die, die tragen wir, die nehmen wir und versuchen hier natürlich, mit den Kunden gemeinsam Seite an Seite zu gehen und, äh, das nachhaltig zu lösen. Ich glaub, dass der Staat nur, nur unter Anführungszeichen eingreifen, unterstützen kann, eben durch solche Institutionen, die eben,

29:53 ähm, den, den Kunden unter die Arme greifen. Aber sonst muss ich ehrlich sagen, geht mir ein bisschen die Fantasie aus, wie der Staat sonst eingreifen könnte. Wir sind durch. Die letzte Frage noch. Ähm, ich hab gespürt in dem Gespräch, das Thema ist euch nicht egal. Es ist euch wichtig. Es ist euch wichtig, für eure Kunden, Mieter, Menschen da zu sein. Ich glaub, dass es aber durchaus auch andere gibt, die das nicht ganz so sehen. Wäre es für euch wünschenswert, dass eine Delogierungsprävention gesetzlich verankert wird für alle Immobilienunternehmen, um vielleicht auch hier gleiche Regeln zu

30:34 schaffen? Sehe ich kritisch. Also diese Null-Null-Delogierungsthematik. Ich glaube, das ist unmöglich. Es gibt schwarze Schafe und es gibt die, die wirklich bedürftig und die in eine missliche Lage kommen. Und um die geht's. Also und vorher gesagt, entscheidend ist, äh, wenn ich mir diese Zahlen noch einmal, äh, oder wenn ich die noch mal, äh, heranziehen darf: Wir haben nur dreißig Prozent der Delogierungen mit, mit Räumungstermin kommen dann zum Zug. Aber es muss die Möglichkeit geben, äh, zu delogieren, weil Fakt ist, ja, es kann ja nicht sein, äh, das wird ja immer schlechter, das Thema. Und wenn ich dann gar nicht mehr delogieren darf, also wie komme ich zu meinem

31:15 Eigentum? Ist auch ein massiver Eingriff ins Eigentumsrecht, ja. Nein, meine, meine Meinung war ja gar nicht, äh, also meine Frage hat gar nicht darauf abgezielt, ähm, dass wir jetzt in die Richtung dieser Null-Delogierungen gehen, sondern einfach Beispiel: Ein Gesetz simpel gesagt: Sobald ich mehr wie fünf Wohnungen vermiete, muss ich so einen sozialen Dienst, wie auch immer, mit anbieten, falls ich einen Mietrückstand habe. Sollten andere Unternehmen auch verpflichtet sein, das zu tun? Ich bin mir nicht sicher. Ich glaube, wie wir am Eingang schon gesagt haben, jede Delogierung sorgt ja für Leerstand, sorgt ja wieder für wahrscheinlich

31:54 Renovierungsbedarf in der Wohnung. In der Regel bleibt man auf den Kosten sitzen, Anwaltskosten et cetera, ja. Das heißt, das ist ja eigentlich ein finanzieller Verlust für das Unternehmen. Das ist auch egal, ob es gemeinnützig ist oder ob es, ob gewerblich. Äh, das heißt, das ist etwas, was eigentlich jeder Vermieter wirklich nur im letzten, im letzten Zuge dann wirklich, äh, durchzieht. Und aus dem Grund, glaube ich, ist das im Eigeninteresse, das möglichst hinten anzuhalten. Kann ich nur unterstreichen. Ich glaube, man ist gut beraten, diese Möglichkeiten zu nutzen, weil Fluktuation, egal in welchem Setting, kostet

32:32 Geld. Also man hat ehrlich gesagt als Unternehmer keinen Vorteil daraus, äh, das einfach nicht zu tun. Wunderbar. Danke schön. Danke. Vielen Dank. Und wenn ihr keine Folge des Immobilienredaktion Office Talk mehr verpassen wollt, dann, äh, abonniert unseren Newsletter oder folgt unserer LinkedIn-Seite, die unabhängige Immobilienredaktion.

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