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KOO.BAU Praxisevent: Wie eine neue Community den Kulturwandel in der Bauwirtschaft vorantreibt

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Über 50 Branchenvertreter:innen kamen am 24. März zur DELTA AG in Wien, um kooperative Projektabwicklung von der Theorie in die Praxis zu übersetzen. Drei internationale Referenzprojekte – von der Integrated Project Alliance bis zum Allianzvertrag – lieferten den Beweis: Wer kooperativ baut, baut profitabler. Ein Nachmittag, an dem die Baubranche ihre harte Schale ablegte.

Es gibt Veranstaltungen, bei denen man nach zwanzig Minuten weiß, dass hier niemand gekommen ist, um Visitenkarten zu tauschen. Das erste KOO.BAU Praxisevent war so eine. Kein Kongress-Feeling, keine vorformulierten Podiumsantworten. Stattdessen: Ein Raum voller Menschen, die seit Jahren an einem Kulturwandel in der Bauwirtschaft arbeiten – der Idee, dass man auf einer Baustelle besser miteinander als gegeneinander arbeitet.

Über 50 Teilnehmer:innen füllten die Räume bei der DELTA AG in Wien – deutlich mehr als die 35, die noch eine Woche zuvor auf der Anmeldeliste standen. Viele kamen als Last-Minute-Entscheider, angelockt durch Mundpropaganda und eine gut besuchte Vorab-Veranstaltung in Linz zwei Wochen zuvor. Wolfgang Kradischnig, CEO der DELTA AG und einer der Köpfe hinter KOO.BAU, zeigte sich im Gespräch mit der Immobilien Redaktion sichtlich überrascht vom Andrang.

Was kooperative Projektabwicklung für Bauträger und Investoren bedeutet

Am Vormittag standen drei Best-Practice-Projekte im Zentrum: das DM Verteilerzentrum Kronsdorf als Integrated Project Alliance (IPA), die drei Schulen in Bremerhaven als Allianzvertrag nach deutschem Modell und das Projekt Alliance One am Campus Sursee aus der Schweiz. Drei Länder, drei unterschiedliche Projekttypen – aber dasselbe kooperative Grundprinzip. Und genau das beeindruckte die Teilnehmer:innen: dass es trotz unterschiedlicher Rahmenbedingungen überall funktioniert.

Für Bauträger und Investoren ist diese Entwicklung keine akademische Frage mehr. Kooperative Projektabwicklung – ob als IPA, als Allianzvertrag oder über Early Contractor Involvement (ECI) – verändert Risikoverteilung, Kostenstruktur und Planungssicherheit fundamental. Allein in Deutschland ist die Zahl der IPA-Projekte von 13 im Jahr 2023 auf 43 im Jahr 2025 gestiegen.

Wolfgang Wiesner von der PORR AG, Gründungsmitglied von KOO.BAU, brachte die wirtschaftliche Dimension auf den Punkt:

Du hast weniger Stress und du hast mehr Gewinn – das ist das Ziel.

Ein Kollege mit 30 Jahren Branchenerfahrung habe im Workshop bestätigt, dass seine profitabelsten Projekte ausnahmslos jene waren, die kooperativ abgewickelt wurden. Doris Schmidtberger von der DELTA AG, die innovative Abwicklungsmodelle vorantreibt, beobachtet denselben Trend von der Nachfrageseite:

Der Markt komme mittlerweile aktiv auf Anbieter kooperativer Modelle zu, weil die Vorteile – schnellere Abwicklung, weniger Konflikte, höhere Marge – inzwischen durch reale Pilotprojekte belegbar sind.

Warum die Baubranche jetzt einen Kulturwandel braucht

KOO.BAU – „KOOperation & Kollaboration am Bau" – ist ein nach der Corona-Pandemie von 15 Gründungsmitgliedern ins Leben gerufener Verein mit Sitz in Wien. Die Vorgeschichte reicht allerdings fast zwei Jahrzehnte zurück. Leonidas Schafferer, Baumeister, Mediator und Gewinner des KOOP-Award 2020, verortet den Ursprung im Jahr 2006, als bei Professor Pucher an der Universität Innsbruck die Forschungsinitiative „Der Mensch in der Bauwirtschaft" begann. Damals saßen ÖBB- und ASFINAG-Vorstände mit am Tisch, der Wille zur Kooperation war deklariert – aber die Jahre gingen, ohne dass sich strukturell etwas änderte. Über die IG Lebenszyklus Bau, in deren Vorstand Kradischnig 15 Jahre lang wirkte, und über Merkblätter des ÖBV wurden Grundlagen gelegt. Aber es fehlte eine Plattform, die den Kulturwandel in der Bauwirtschaft vom Einzelprojekt in die Breite trägt.

KOO.BAU will genau das sein – aufgebaut auf drei Säulen: Mensch, Organisation und Projekt. Neben Kradischnig und Schafferer gehören Stefan Ufertinger (AFRY Austria), Karina Breitwieser (TU Wien), Martina Kapsammer (CMb.Industries), Markus Gaugeler, Wolfgang Wiesner (PORR) und weitere Fachleute aus Bau, Beratung und Wissenschaft zum Gründungsteam. Auffällig: Neben Bauingenieuren und Projektmanagern sind auch Coaches, Mediatoren und Kommunikationsexperten vertreten – ein bewusstes Signal, dass es hier um mehr geht als um Vertragsmodelle.

Transfer statt Theorie: Was dieses Format anders macht

Was das KOO.BAU Praxisevent von einer klassischen Fachkonferenz unterschied, war der Nachmittag. In Kleingruppen wurde die Transferfrage gestellt, die sonst unbeantwortet bleibt: Wie bringe ich kooperative Projektabwicklung tatsächlich in mein nächstes Projekt, in mein Unternehmen?

Das Format wurde bewusst so angelegt:

„Impulsvorträge sind gut. Aber letztlich müssen wir schauen, dass man den Transfer schafft in die eigene Realität. Und das geht nur in Kleingruppen – in Settings, wo du mit anderen, die gemeinsame Interessen haben, an der Umsetzung arbeiten kannst."

Karina Breitwieser von der TU Wien, die das Event als begleitete, beobachtete dabei eine ungewöhnliche Dynamik: Es seien nicht nur Erfolgsgeschichten geteilt worden, sondern auch Reibungspunkte und Konflikte offen benannt – und gerade diese Transparenz habe eine Offenheit erzeugt, in der Teilnehmer:innen bereit waren, Dinge preiszugeben, die sie normalerweise für sich behalten. Wiesner ergänzte, dass es beim Thema Kooperation nicht nur um besseres Arbeitsklima gehe, sondern um messbar bessere Projekte, die für alle Beteiligten auch wirtschaftlich interessanter seien.

Die nächste Generation als Hebel

Einen Aspekt, den gleich mehrere Beteiligte unabhängig voneinander betonten, sollten Unternehmen nicht unterschätzen: die Erwartungshaltung junger Fachkräfte. Schafferer, der auch an Hochschulen unterrichtet, berichtet, dass Studierende die konfliktgetriebene Baustellenkultur schlicht nicht nachvollziehen können. Sie brächten eine kooperativere Grundhaltung mit – und KOO.BAU will verhindern, dass diese Haltung durch eingefahrene Unternehmenskulturen zerstört wird. Martina Kapsammer von CMb.Industries, die für DELTA Kulturworkshops in Bauprojekten leitet, sieht darin auch ein knallhartes Employer-Branding-Argument: Wer kooperative Kultur vorweisen kann, hat im Wettbewerb um Fachkräfte einen messbaren Vorteil.

Breitwieser zog am Ende des Tages den Bogen über die Branche hinaus:

„Kollaboration ist ein höherer Zustand, den man sich wirklich erarbeiten muss – und dann auch behalten muss. Den nicht nur die Baubranche braucht, sondern auch die Gesellschaft."

Am 24. März in Wien hat man gesehen, wie dieser Kulturwandel in der Bauwirtschaft anfängt. Nicht mit einem Manifest, sondern mit 50 Menschen, die bereit waren, ihre harte Schale abzulegen. Wer die Baubranche kennt, weiß: Das ist ein Anfang, der Kraft hat.

Transkript

0:00 Ich bin bei Co Bau dabei, weil ich glaube, es braucht eine Veränderung und wir müssen die Zusammenarbeit im und am Bau neu denken. Wolfgang, die Tagung ist noch im Laufen. Wie ist so dein Zwischenfazit? Ich habe ein sehr gutes Gefühl. Warum? Wir haben eine pumpvolle Bude. Es sind über 50 Teilnehmerinnen. Wir haben

0:41 drei super Impulsvorträge gehört, ein Projekt aus der Schweiz, eins aus Deutschland und eins aus Österreich. Wir haben dazwischen aufmunternde Herz-Hirn-Körperübungen gemacht und wir arbeiten jetzt noch, das läuft jetzt gerade, an der konkreten Umsetzung. Das heißt, in Kleingruppen wird ganz konkret das, was man am Vormittag gehört hat, in die eigene Unternehmensrealität übertragen. Wie kann ich wirklich in meinen Projekten, in meinem Unternehmen Kooperation leben und so all das auch wirklich in die Umsetzung und in die Wirkung bringen?

Vollständiges Transkript anzeigen

1:22 Ich glaube, das ist auch total wichtig, weil sonst ist es eher so eine theoretische Form und dann geht man in die Firma zurück, ins Unternehmen zurück und hat eigentlich keinen Ansatzpunkt, wie du das verwirklichen kannst. Es ist genau das, was dieses Format letztlich bewirkt hat. Wir haben gesagt, Impulsvorträge sind gut und da sind auch Fragen gestellt worden, aber letztlich müssen wir schauen, dass wir den Transfer schaffen in die eigene Realität. Und das geht eigentlich nur in Kleingruppen. Das geht nur in Settings, wo du auch mit anderen gemeinsamen Interessen sozusagen an der Umsetzung wirken

2:04 kannst. Hast du mit so viel Leuten gerechnet, dass kommen? Nein, haben wir nicht. Es ist interessant. Wir haben vor ein bisschen mehr als einer Woche 35 Anmeldungen gehabt und viele so Letzte-Augenblicks-Entscheider, Last-Minute-Decisions dürfte es da gegeben haben, haben uns eh fast ein bisschen ins Schwanken gebracht. Catering, Raumgröße und so weiter. Aber wir haben das, finde ich, sehr gut hingebracht und ich glaube, dass die Teilnehmer, wo sich jetzt schon so reingehorcht hat, sehr zufrieden sind, auch mit dem, was sie hier allein nur am Vormittag aus dem internationalen Kontext erfahren haben.

2:42 Die Bau-und Immobilienbranche braucht einen Kulturwandel, weil der Mensch wieder in den Mittelpunkt rücken muss. Einfach. Ich bin bei der Co Bau dabei, weil ich den Satz „Der Mensch darf wieder im Mittelpunkt der Bauwirtschaft stehen", der mich einfach berührt hat und seitdem bin ich mit voller Kraft dabei und möchte das in der Co Bau und auch in meinem weiteren Berufsleben voll einbringen und in die Richtung wirken. Also für mich war es bisher ein wahnsinnig intensiver Tag. Also intensiv natürlich, weil man ein bisschen nervös ist, wenn man da Mitveranstalter ist, funktioniert das alles?

3:22 Wie tun sich die Leute? Was können die daraus mitnehmen? Und was mich so fasziniert, ist, dass ich nicht nur spüre, die Leute nehmen was mit, sondern dass auch ich wahnsinnig viel Neues erfahren habe, tolle Leute kennengelernt habe und gerade aus dieser Diskussion jetzt am Nachmittag auch wieder so viele Dinge mitnehmen kann, obwohl ich mich jetzt schon gefühlt Jahrzehnte mit dem Thema beschäftige und das finde ich unglaublich spannend. Der Wolfgang hat gesagt, wie ich mit ihm gesprochen habe, es ist auch immer so eine gewisse Wellenlänge haben alle oder es ist immer so eine positive

4:03 Stimmung drinnen, auch nicht nur heute, sondern überhaupt, wenn man sich getroffen hat. Ja, und das ist aber nicht selbstverständlich. Und deswegen, weil ich zuerst gesagt habe, ich war ein bisschen nervös, wie wird das? Und es ist immer so ein bisschen auch ein Glücksspiel der Leute, die dann plötzlich da sind und wenn der Funke überspringt. Das kann man nicht ganz steuern. Und das ist aber dann wirklich toll, wenn man das merkt, boah, jetzt plötzlich entsteht eine Offenheit. Da sagt der auf der Bühne nicht so Hollywood-Kooperation, alles super gut, sondern da hat es ein paar Mal gekracht und

4:42 da kommt dann auf einmal diese Transparenz, die die Leute in den Projekten leben, die kommt auf einmal ins Publikum rein und das löst etwas. Und auf einmal redet man anders und auf einmal ist da ganz natürlich ein Du, wenn man die Leute trifft und man fragt gar nicht lang und irgendwie ist man bereit, auch Dinge von sich herzugeben, die man sonst vielleicht unter Verschluss halten würde. Ja, oder so nicht gesagt hätte. Oder so nicht gesagt hätte. Hast du so etwas Ähnliches jetzt schon einmal erlebt in den letzten Jahren oder ist das tatsächlich wirklich ein neuer Schritt? Also ich habe es öfters erlebt in unterschiedlichen Gesprächsettings,

5:24 weil ich mich aber auch ganz intensiv darum bemüht habe. Also ich glaube, diese Öffnung, die passiert nicht einfach nur, sondern die muss auch bewusst angegangen und gestaltet werden. Mit der muss dann auch sehr respektvoll umgegangen werden, sodass auch der andere dieses Gefühl hat, okay, ich kann jetzt ein Stück weit meine Mauer ablegen und kann sagen, was ich mir gerade denke und der andere wird mir das nicht übel nehmen. Das muss man aktiv betreiben und dann aktiv auch fördern, dass es so bleibt. Der Workshop heute hat mir gezeigt, dass es wert

6:04 ist, sowohl Zeit wie auch Energie zu investieren, weil das ganz viele Leute gibt, die eine sehr ähnliche Sichtweise haben und genauso an kooperativem Arbeiten interessiert sind. Vom heutigen Praxisevent nehme ich mit, dass mich das Thema Kooperation und gelingendes Miteinander immer noch fasziniert und dass ich echt wieder Lust habe, mich in der Baubranche wieder back into my roots zu engagieren. KoBau ist ja einerseits ein gemeinschaftliches Miteinander, aber auch ein Umdenkprozess. Ja, auf jeden Fall. Wir bohren da auch dicke Bretter sicherlich, weil du irgendwo

6:47 ganz in die Persönlichkeit hineingehst. Wir haben Abwicklungen, die wir uns über Jahre, Jahrzehnte hart antrainiert haben, eine harte Schale. Und jetzt sagen wir, jetzt wollen wir Kooperation, jetzt wollen wir diese harte Schale aufbrechen, wollen mehr Miteinander. Das ist schon eine Herausforderung. Wart ihr von Anfang an dabei als Gründungsmitglied, die PORR? Ich als Person bin da von Anfang an dabei als Gründungsmitglied und bin jetzt irgendwo in einem Stadium, wo ich sage, das entwickelt eine Breite, wo ich irgendwo in der Firma auch vielleicht so ein bisschen als,

7:29 Missionar klingt jetzt ganz hochtrabend, aber als ein Prophet, ein Rufer wieder zurückkommen kann. Das heißt, du warst von Anfang an eigentlich von der Idee begeistert und hast gewusst, das wird was. Genau. Und ich habe das Privileg im Unternehmen, dass ich solchen leisen Signalen folgen darf und auch ein bisschen das beobachten kann. Und ich glaube, wir gewinnen hier an Kraft und das wird jetzt etwas Bleibendes. Was ja auch wichtig ist, dass es aus dem Unternehmen heraus selber auch getragen wird. Genau. Vor allem gerade bei einem großen Konzern. Natürlich. Das ist sicherlich entscheidend.

8:09 Bei der PORR haben wir schon länger die fünf Prinzipien, die auch unserem Generaldirektor, Haupteigentümer, dem Herrn Strauß, sehr wichtig sind. Da versuchen wir ja auch auf der zwischenmenschlichen Seite dementsprechend eine Kultur zu fördern, auch im Unternehmen. Wobei KoBau geht da noch eine Spur weiter, kann man jetzt nicht sagen, aber es ist ja ein Miteinander der unterschiedlichen Unternehmen und natürlich auch ein Zusammenarbeiten aus wirtschaftlichen Gründen. Du hast weniger Stress und du hast mehr Gewinn eigentlich, wenn man das so

8:51 will. Das ist das Ziel. Das ist natürlich die große Richtung, wenn nur, sage ich jetzt mal bewusst, damit es den Leuten im Projekt besser geht, das hätte wahrscheinlich zu wenig Durchschlagskraft, aber wir erwarten uns dadurch tatsächlich bessere Projekte, die letzten Endes auch für die Beteiligten dann wirtschaftlich interessanter sind. Wir hatten da jetzt gerade einen Workshop, wo ein Kollege, der auch schon seit 30 Jahren im Geschäft ist, gesagt hat, wenn er so zurückschaut, die Projekte, wo er Geld verdient hat, waren immer Projekte, die sehr kooperativ abgelaufen sind. Das ist natürlich eine spannende Aussage, wenn jemand das nach 30 Jahren sagen

9:27 kann. Die eine Sache, die ich morgen in meinem Projekt anders machen werde, ist, vermehrt darauf zu achten, dass ich meine Mitarbeiter unterstütze, kooperativ zu arbeiten und zu wirken, um das Beste am Projekt zu verwirklichen. Wenn ich an die Zukunft der Baubranche denke, wünsche ich mir definitiv einen freundlichen Umgang miteinander, ein Mehr miteinander und einfach, dass wir wieder Spaß an der Arbeit haben. Ich bin eigentlich ziemlich baff, wie viel verschiedene Disziplinen heute vertreten sind. Sehr positiv überrascht und ich glaube, es funktioniert nur durch die Mundpropaganda eines jeden Einzelnen, dass wir in die

10:09 Breite kommen. Wolfgang hat ja auch gesagt, bis vor einer Woche waren noch nicht so viele Anmeldungen. Dann auf einmal ist es eigentlich relativ schnell gegangen. Also Mundpropaganda scheint wirklich zu funktionieren. Ich denke auch. Wir haben vor zwei Wochen eine Veranstaltung in Linz gehabt zu einem ähnlichen Thema, war auch sehr gut gebucht und wir haben dann wirklich noch mal ein bisschen die Werbetrommel gerührt und das hat scheinbar gefruchtet. Gott sei Dank. Hast du das Gefühl, dass jetzt so eine Zeit ist, wo dieses Gemeinschaftliche verstärkt in den Vordergrund gerückt wird? Allgemein auch.

10:43 Ja, ich denke schon. Wir arbeiten ja schon Jahre oder fast Jahrzehnte als Delta daran, diesen Grundgedanken irgendwo zu sehen. Aber gerade in letzter Zeit, also wirklich konkret in den letzten Wochen, Monaten, merkt man, dass der Markt immer mehr darauf anspringt und auch wirklich aktiv auf uns zukommt auf der Suche nach kooperativen Modellen. Weil natürlich auch alle sehen, dass es schlechter ist, besser ist, schneller geht, stressfreier und was man natürlich auch nicht unterschätzt, auch gewinnbringender. Zumindest fairer, würde ich sagen. Man muss schon sagen, wenn man dann einmal ein paar Pilotprojekte vorzeigen kann

11:21 und das dann auch verbreitet wird, wie alle Parteien eigentlich damit zufrieden waren, kann man das natürlich auch viel besser herzeigen, als wenn man nur theoretisch von irgendwelchen Modellen spricht. Und das war ja auch heute das Besondere. Es ist Theorie gewesen, aber es ist auch sehr viel in die Praxis gegangen und man sich auch sehr viel in die Unternehmer mitnehmen kann. Ja, absolut. Und ich finde, man hat drei komplett unterschiedliche Projekte gesehen, aber das Grund-Mindset war bei allen dreien gleich und das ist sehr beachtlich eigentlich. Zusammenarbeit statt gegeneinander klingt einfach,

11:56 ist aber eine Frage der grundsätzlichen Haltung. Der Workshop hat heute mir gezeigt, dass es in Österreich eine tolle Community gibt, die sich diesem Thema annimmt und ganz sicher weiterbringen wird. Wir schauen aus der Schweiz ganz besonders auf Österreich. Leonidas, was nimmst du aus der heutigen Veranstaltung mit? Viel Esprit, viel Mut und auch das Sehen, dass Projekte einfach schon kooperativ abgewickelt werden und dass schon wahnsinnig viel da ist. Also von der Schweiz, von Deutschland, von Österreich. Die Projekte, die vorgestellt wurden, sind einfach

12:38 für mich geniale Rückmeldungen, die da gekommen sind. Vor allem auch, wenn man es gemeinsam macht und eben diese Projekte aus Deutschland, Österreich und Schweiz, wo man auch sieht, es funktioniert besser, es geht leichter und es ist eine Win-win-win-Situation, wenn man so will. Genau so ist es. Es hat so lange gedauert, bis man sich da mal wirklich stark zusammenfindet. Oder ist es jetzt ein Zeichen der Zeit? Oder ist es jetzt Zeit dafür, so etwas umzusetzen? Gute Frage. Wir sind ja schon 2006, 2007, der Wolfgang hat die wahrscheinlich schon erzählt, oder? 2006, 2007 waren wir schon in Innsbruck

13:16 beim Professor Purrer, der Mensch in der Bauwirtschaft. Da hat es schon begonnen. Das ist schon 20 Jahre her. Und damals war das irgendwie: Wir wollen eh alle, wir wollen kooperieren, wir wollen zusammentun. Von ÖBB, Asfinag, alle Vorstände waren alle da. Es wurde damals schon gesagt und dann sind die Jahre einfach gegangen. Dann haben wir immer wieder Gruppen gebildet, haben uns darüber ausgetauscht. Das ist in die IG Lebenszyklus, da haben wir Merkblätter, auch beim ÖBV sind Merkblätter entstanden, wo einige von uns dabei sind, also über die Kooperation. Und jetzt nach der Corona-Zeit

13:57 haben wir gesagt: Okay, die anderen Gruppierungen, die wollen wir gerne dabeihaben. Das ist auch unser Mindset. Wir wollen nicht was anderes und andere ausschließen, sondern wir wollen nur für die Kooperation, nur für die Zusammenarbeit, nur für den Mensch im Zentrum, nur für die partnerschaftliche Projektabwicklung stehen und laden alle dazu ein, dass sie einfach auch ihre Expertise mit reinbringen. Wir wollen eine eigenständige Geschichte sein. Also schon, aber wir wollen einfach eine Plattform für das aufbauen. Und ich glaube, da ist deine Frage, lange Rede, kurzer Sinn. Es ist Zeit jetzt.

14:37 Es ist jetzt Zeit und ich unterrichte auch in den Hochschulen. Wir haben die TU auch da. Ich glaube, die jungen Leute, wenn man denen erzählt, dass in der Praxis draußen jeder gegen jeden so ein bisschen ist, dann sagen die: „Ich bin noch nicht in der Praxis, kann ja nicht sein." Mit den Jungen kommen ja auch anders denkende Menschen nach, die das einfach auch ganz anders sehen. Ja, genau. Die dann auch unverdorben sind. Und wir wollen mit der Co-Bau auch was formen, dass wir sagen, das haben wir jetzt auch in den Gruppenarbeiten: Wir wollen

15:18 eigentlich die Jungen nicht verderben, weil die werden ja von der Kultur der Unternehmen infiltriert. Geprägt. Geprägt. Ja, genau. Und wir wollen das in Ausbildungen reinbringen. Wir wollen einfach schon Bewusstsein dafür bilden, immer mehr, damit das von unten herauf dann wächst und dass irgendwann normal wird, dass wir alle zusammenarbeiten. Wenn die Baubranche wirklich zusammenarbeitet, dann schaffen wir das, was wir schaffen, in einer angenehmeren Art und Weise mit einem besseren Output. IBA und Allianz Modellen sind für mich kein Trend, sondern

15:59 eine Notwendigkeit. Warum bist du von Anfang an dabei bei Co-Bau? Ja, ich war wirklich ab Tag eins dabei. Und was hat dich bewogen, dabei zu sein oder mitzumachen oder am besten diese Idee mitzutragen? Zum einen sicherlich der Mut, in dieser Branche jetzt wirklich was zu verändern. Zum anderen die Motivation der Mitglieder, wirklich der Initiatorinnen, die fast ansteckend war, also die Motivation, die fast ansteckend war. Und zum anderen das Gefühl, auch wirklich ein Teil davon sein zu können und wirklich was bewegen zu können.

16:41 Hat ja auch schon etwas. Also wenn man ein Teil von etwas ist, was etwas Neues schafft und wo man etwas mittragen kann, das ist schon auch für einen selbst eigentlich eine sehr starke Motivation und es ist ein intrinsisches Motiv eigentlich. Sehr stark intrinsisch. Also prinzipiell bin ich auch, sage ich jetzt einmal, Moderatorin bei vielen Bauprojekten. Also ich darf die Kulturworkshops auch leiten, auch im Namen der Delta. Und da ist man ja schon Teil davon, eher im Einzelnen, in einzelnen Projekten. Und jetzt ist der Rahmen geschaffen, das Ganze auch wirklich

17:21 zu etwas Großen hin zu bewegen. Bist du Moderatorin mehr oder Mediatorin? Sicher beides. Es ist ja nicht so einfach, aber ich glaube schon, dass sich mit diesem Co-Bau doch jetzt sehr vieles verändern könnte. Und wir haben zuerst den Leonidas gehabt und der Leonidas hat eben gemeint: Man muss auch schauen, dass die Jungen, die danach kommen, auch anders geprägt werden und auch eine ganz andere Philosophie mit aufbauen. Ja und ja. Und ergänzend vielleicht dazu: Es ist nicht so leicht, aber es ist auch nicht so schwer eigentlich, mit klarer Kommunikation und klarem Ansprechen der

18:03 Themen und der Transparenz so wirklich was zu verändern. Und ja, auch zu dem, was der Leonidas gesagt hat bezüglich der nächsten Generation, die jetzt ja auch, sage ich mal, heranwächst und in die Branche einfließt. Ich glaube, dass es sehr wichtig ist für Unternehmen, sich auch in dem Bereich aufzustellen, weil jeder natürlich händeringend nach guten Mitarbeiterinnen sucht und das natürlich ein Alleinstellungsmerkmal ist und sein kann. Was nimmst du aus dem heutigen Tag noch mit? Ganz viel Motivation, jetzt weiterzugehen. Ganz viele To-dos, weil wir waren gerade in der Breakout-Session und haben gesammelt.

18:44 Ja, und ganz viel Taten dran. Kooperation in der Baubranche bedeutet für mich ein unbedingtes Muss.

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