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KliNa Tag 2026: Klimaschutz am Bau kommt von unten

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Zum fünften Mal hat die Unternehmensgruppe FCP.VCE zum KliNa Tag ins TUtheSky der TU Wien geladen. Laut Veranstalter kamen am 30. September rund 120 Fachleute aus Forschung und Praxis. Das Motto „Just Do It Green“ stand über Vorträgen von em. Univ.-Prof. Dr. Helga Kromp-Kolb (BOKU), Dr. Barbara Laa (TU Wien), DI Elisabeth Leitner, BSc (GRÜNSTATTGRAU), DI Beatrice Jungmann (FCP) und Dr. Maria Resch. Der gemeinsame Befund zum Klimaschutz in der Bauwirtschaft war wenig überraschend und trotzdem unbequem. Am Wissen fehlt es nicht, am Handeln schon. Die Instrumente sind vielfach vorhanden – umgesetzt werden sie zu langsam. Weil von der Politik derzeit wenig kommt, muss die Branche selbst anpacken.

Ohne Staat geht es nicht

Helga Kromp-Kolb hielt die Eröffnungs-Keynote. Ihre Frage lautete „Wer ist eigentlich zuständig für Klimaschutz?“, und ihre Antwort fiel klar aus: „Der Klimawandel ist ohne Eingreifen des Staates letzten Endes nicht lösbar. Wir können viele Schritte in die richtige Richtung ohne Staat machen, aber letzten Endes brauchen wir den Staat.“ Sie legte gleich nach: „Und wenn wir der Meinung sind, dass der Staat nicht eingreifen soll, weil das ideologisch nicht erwünscht ist, dann kann ich den Klimawandel nicht zulassen – dann muss ich ihn leugnen.“

Die Frage kam zur rechten Zeit. Seit 18. September liegt der Entwurf für das neue Klimagesetz des Bundes in Begutachtung. Er hält am Ziel der Klimaneutralität 2040 fest. Einen ersten Klimafahrplan mit Sektorzielen will Umweltminister Norbert Totschnig (ÖVP) laut ORF aber erst bis Ende 2027 vorlegen.

Kromp-Kolb forderte verbindliche Vorgaben für die Wirtschaft. Klimaschutz und Klimawandelanpassung sollen gleiches Gewicht bekommen, und Carbon Capture and Storage dürfe nicht zum Vorwand werden, Emissionsreduktionen aufzuschieben. In der Podiumsdiskussion kritisierte die Klimaforscherin auch die Spritpreisbremse. Die Bundesregierung hatte die Neuauflage für Oktober und November eine Woche zuvor angekündigt, laut ORF mit einer Entlastung von „mehr als zwölf Cent pro Liter“. Zwei Tage vor dem KliNa Tag beschloss der Nationalrat die Maßnahme. Werden Preissignale politisch abgefedert, sinke der Anreiz, Mobilitätsverhalten und Strukturen anzupassen. Kurzfristige Entlastung könne so langfristige Anpassungen verzögern.

Gastgeber DI Dr. Günther Achs ist Geschäftsführer von FCP.VCE und Vorsitzender der KliNa-Initiative. Er sprach schon zur Eröffnung den Gegenwind an. Klimaschutz stehe nicht mehr nur unter Rechtfertigungsdruck, er werde in vielen Diskussionen sogar verleugnet, so Achs. Dazu stellte er die Kostenfrage: „Alle Maßnahmen, die wir nicht jetzt setzen, sondern in die Zukunft verschieben, steigern die Kosten erheblich.“

Wenn von oben nichts kommt

Was bleibt also, solange der Staat zögert? Kromp-Kolb sieht die Branche selbst in der Pflicht: „Nachdem sozusagen von oben nichts kommt, muss es von unten kommen – und es kommt von unten. Es ist natürlich viel mühsamer. Von oben wäre das leichter.“ Die Professorin sieht darin aber auch einen Vorteil, und sie formulierte ihn mit einer Portion Selbstironie: „Wir wissen es von den Jugendlichen. Sie lassen sich von Jugendlichen viel lieber etwas sagen als von Lehrern. Und so ähnlich ist es hier auch. Kollegen aus der eigenen oder aus verwandten Branchen glaubt man viel eher, dass es geht, als irgendwem, der am grünen Tisch in einer Universität sitzt und sagt: Das wäre notwendig.“

In ihrer Keynote unterschied sie auch zwischen dem ökologischen Fußabdruck und dem Handabdruck. Gemeint ist der Einfluss auf andere und auf gesellschaftliche Rahmenbedingungen. Gefragt sei damit auch das Engagement im beruflichen Umfeld.

Für einen Branchentreff, den ein Ziviltechnikbüro ausrichtet, ist das eine ziemlich passende Rechtfertigung.

Ein Ziviltechnikbüro als Gastgeber

Warum lädt ein Ingenieurbüro überhaupt zu einem Klimatag? Achs verhehlt nicht, dass dabei auch das Geschäft eine Rolle spielt: „Die Idee war, dass man grundsätzlich eine Strategie hat, die Klimaschutz in den Fokus nimmt. Wir wollen uns ja selbst als Unternehmen auch am Klimaschutz orientieren, aber natürlich auch Dienstleistungen in dem Bereich entwickeln.“

FCP und VCE haben die Klimaschutz- und Nachhaltigkeitsinitiative KliNa laut Aussendung 2020 gegründet. Der KliNa Tag hatte 2022 Premiere und ging heuer zum fünften Mal über die Bühne. Von Anfang an sollte er dem Austausch mit der Community, mit AuftraggeberInnen und PartnerInnen dienen. Dabei wolle man, so Achs, „auch kritische Rückmeldungen mitnehmen, um unsere Leistungen selbst weiterzuentwickeln“.

Dass so ein Impuls von einem Planungsbüro kommt, freut DI Anita Angerer, Leiterin der Gruppe Geothermie bei PORR. Sie spart dabei nicht mit Kritik an der Politik: „Es war ein kurzes Aufflammen da, dass man verstärkt an Nachhaltigkeit gedacht hat. Politisch gesehen ist das Thema jetzt wieder sehr eingeschlafen. Das tut mir sehr weh, weil ich finde, wir waren schon auf dem richtigen Weg.“ Die Stadt Wien sieht sie grundsätzlich noch immer auf dem richtigen Weg. Die Stadt habe ihre Klimastrategie nicht geändert und versuche weiterhin, bis 2040 klimaneutral zu werden. „Da müssen wir eigentlich alle erneuerbaren Energieträger anzapfen, damit das gelingen kann.“

Von der Brücke bis zur Erdwärmesonde

Zwischen den beiden Keynotes ging es um nachhaltiges Bauen im Detail:

•       Prof. Patrick Huber (TU Wien) sprach über nachhaltige Strategien im modernen Brückenbau.

•       Arch. DI Marion Haider und DI Dr. Albana Deralla (FCP) widmeten sich dem Zusammenspiel von Zertifizierung und Baukultur.

•       Barbara Laa (TU Wien) sprach über nachhaltige Verkehrssysteme, Leitner über die mess- und berechenbaren Wirkungen von Bauwerksbegrünungen.

•       Tobias Müllner, MSc (PORR) stellte die Konzeption von Erdwärmesystemen vor.

•       Dr. Birgit Strenn (VCE) und Jungmann zeigten, wie man von Klimarisiken zu wirtschaftlich optimierten Entwässerungslösungen kommt.

Das Podium moderierte Martin Brandner (FCP).

Bequem muss es sein

Ein roter Faden zog sich durch fast alle Beiträge: Nachhaltigkeit darf nicht anstrengend sein. Verkehrswissenschaftlerin Barbara Laa formuliert es so: „Ich glaube, wir brauchen in allen Branchen Menschen, die sich zum Thema Nachhaltigkeit vernetzen, sich organisieren und überlegen, wie man gemeinsam mehr schaffen kann. Es geht jetzt nicht nur um die individuellen Entscheidungen, sondern – das haben wir heute ganz stark gesehen – wir müssen Strukturen schaffen, die es bequem und zur einfachsten Option machen, sich nachhaltig zu verhalten.“

Damit war sie nah an der Abschluss-Keynote von Maria Resch. Die klinische und Gesundheitspsychologin leitet hauptberuflich das Personalwesen bei FCP.VCE. Ihr Vortrag trug den Titel „Smart genug für die Analyse – zu menschlich für die Lösung“. Er erklärte, warum unser Gehirn beim Klimaschutz so gerne auf „Später erinnern“ klickt.

Für FCP-Mikroklimaexpertin Jungmann ergänzten sich die beiden Keynotes: „Wir müssen einfachere Lösungen schaffen, damit auch der Normalmensch bessere und erleichterte Entscheidungen treffen kann.“ Für die eigene Zunft hält sie fest, man solle in den Planungsdienstleistungen „nach wie vor Klimaanpassung jedenfalls priorisieren“.

Was bleibt: viele Puzzlesteine

Bei Elisabeth Leitner von GRÜNSTATTGRAU blieb vor allem hängen, wie gut die einzelnen Vorträge ineinandergriffen: „Dinge, die ich vielleicht nicht direkt angesprochen habe, die aber auch für das Thema Gebäudebegrünung relevant sind, wurden wieder aufgegriffen. Das harmoniert sehr gut ineinander.“

DI Hanno Töll, Handlungsbevollmächtigter bei FCP und Mitorganisator, nahm das Thema mit Humor: „Ich glaube, wir brauchen viele verschiedene Lösungsansätze – das haben wir heute auch besprochen. Aber das Wichtigste ist, in allem ein bisschen Witz und Spaß zu haben.“ Resch formulierte es grundsätzlicher: „Ich denke, es ist wahnsinnig essenziell, mit Menschen über dieses Thema zu reden und eine Debatte zu führen, weil alle Blickwinkel zählen. Das ist eine gemeinschaftliche Verantwortung, die wir tragen.“

Ob die Branche den Klimaschutz tatsächlich von unten vorantreiben kann, bis sich oben wieder etwas bewegt, bleibt offen. Der KliNa Tag 2026 hat zumindest gezeigt, dass man dort unten nicht mehr über das Ob diskutiert, sondern über das Wie.

Transkript

0:00 Und der Klimawandel ist ohne Eingreifen des Staates letzten Endes nicht lösbar. Wir können viele Schritte in die richtige Richtung ohne Staat machen, aber letzten Endes brauchen wir den Staat. Und wenn wir der Meinung sind, dass der Staat nicht eingreifen soll, weil das ideologisch nicht erwünscht ist, dann kann ich den Klimawandel nicht zulassen, dann muss ich ihn leugnen. Wien, 30. September. Im TU the Sky der TU Wien, hoch über dem Getreidemarkt, kommen rund 120 Fachleute aus Planung, Bau, Forschung und Verwaltung

0:42 zusammen. Die Unternehmensgruppe FCP-VCE lädt zum fünften Klimatag, dem Tag für Klimaschutz und Nachhaltigkeit. Das Motto lautet: „Just do it green". Der Befund des Nachmittags ist unbequem. Am Wissen fehlt es nicht. Es fehlt am Handeln. Klimaforscherin Helga Kromp-Kolb stellt gleich zu Beginn die Grundsatzfrage: Wer ist eigentlich zuständig für Klimaschutz? Danach geht es um konkrete Lösungen für die Praxis. Die Themen reichen vom nachhaltigen Brückenbau über Bauwerksbegrünung und Erdwärme bis zur klimaangepassten Entwässerung. Zum Schluss geht es um die Frage, warum unser Gehirn beim Klimaschutz so gerne auf

Vollständiges Transkript anzeigen

1:22 „Später" drückt. Für FCP-VCE-Geschäftsführer Günther Achs ist die Rechnung einfach: Jede Maßnahme, die wir heute verschieben, wird morgen teurer. Wir sind hier beim Klimatag, der heute zum fünften Mal stattfindet, 2022 war die Premiere. Mich würde interessieren, was war denn die Idee hinter dieser Veranstaltung? Ja, die Idee war, dass FCP grundsätzlich eine Strategie hat, die Klimaschutz in den Fokus nimmt. Wir wollen uns ja selber als Unternehmen auf Klimaschutz orientieren, aber natürlich auch Dienstleistungen entwickeln in dem Bereich. Da war die Idee, dass wir uns mit der Community, mit den handelnden Personen, aber

2:00 auch mit den Auftraggebern und Partnern abstimmen und austauschen können, auch kritische Rückmeldungen mitnehmen, um auch unsere Leistungen weiterzuentwickeln. Vor 20 Jahren hätte es eine Veranstaltung wie diese wahrscheinlich nicht gegeben. Was bedeutet so eine Veranstaltung für Sie, auch für Ihre Arbeit? Wie wichtig sind Sie? Ich glaube, die sind ganz wichtig. Nachdem sozusagen von oben nichts kommt, muss es von unten kommen und es kommt von unten. Es ist natürlich viel mühsamer, von oben wäre das leichter, aber es ist viel mühsamer. Es ist unheimlich wichtig, weil von oben eben nichts kommt.

2:31 Und es ist manchmal auch überzeugender. Also wir wissen es von den Jugendlichen, sie lassen sich von Jugendlichen viel lieber was sagen als von Lehrern. Und so ähnlich ist es hier auch. Kollegen aus der eigenen Branche oder aus verwandten Branchen, denen glaubt man viel eher, dass es geht, als irgendwem, der am grünen Tisch in einer Universität sitzt und sagt, das wäre notwendig. Ich glaube, wir brauchen viele verschiedene Lösungsansätze. Das haben wir auch besprochen heute. Aber das Wichtigste ist in allem ein bisschen einen Witz und einen Spaß zu haben. Ich freue mich sehr, dass ein Planungsbüro einen Tag veranstaltet wie diesen, wo

3:06 man über nachhaltige Themen spricht und nachdenkt, wie man das wirklich umsetzen kann. Weil man merkt jetzt, es war ein kurzes Aufflammen da, dass wir an Nachhaltigkeit verstärkt gedacht haben. Politisch gesehen ist es jetzt wieder sehr eingeschlafen, das Thema. Das tut mir sehr weh, weil wir waren schon auf dem richtigen Weg. Die Stadt Wien ist grundsätzlich noch immer auf dem richtigen Weg, weil sie natürlich ihre Klimastrategie nicht geändert hat. Also wir bleiben dabei, dass wir 2040 versuchen, klimaneutral zu werden in Wien. Und da müssen wir eigentlich alle erneuerbaren Energieträger anzapfen, damit das

3:42 gelingen kann. Und ich finde es schön, dass es vom Planungsbüro vorangetrieben wird. Ich glaube, wir brauchen in allen Branchen Menschen, die sich vernetzen zum Thema Nachhaltigkeit und sich organisieren und auch überlegen, wie man gemeinsam mehr schaffen kann. Es geht jetzt nicht nur um die individuellen Entscheidungen, sondern wir haben heute ganz stark gesehen, wir müssen Strukturen schaffen, die es so machen, dass es bequem ist und die einfachste Option, sich nachhaltig zu verhalten. Ich fand die Keynotes besonders spannend, natürlich von der Professor Helga Kromp-Kolb und auch von Dr. Maria Resch am Schluss.

4:24 Und in Kombination natürlich somit, dass wir einfachere Lösungen schaffen müssen, damit auch der normale Mensch bessere Entscheidungen oder leichtere Entscheidungen treffen kann. Und natürlich auch, dass wir trotzdem auch in unseren Planungsdienstleistungen nach wie vor Klimaanpassung jedenfalls priorisieren sollten. Ganz besonders ist mir heute eigentlich die Vortragsreihe von allen Vorträgen hängen geblieben, weil ich mir denke, Dinge, die vielleicht ich nicht direkt angesprochen habe, aber auch relevant zum Thema Gebäudebegrünung sind, dass diese Themen dann wieder aufgegriffen worden

5:04 sind. Also es harmoniert sehr gut ineinander. Ich denke, dass es wahnsinnig essenziell ist, mit Menschen an diesem Thema auch zu kifflen und zu reden und eine Debatte zu führen, weil ich denke, alle Blickwinkel zählen, weil es ist eine gemeinschaftliche Verantwortung, die wir tragen.

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