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KI am Bau funktioniert – Punkt, aus!

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Auf der KI Con von Digital Findet Stadt sprach Ing. Walter Haberfellner, Konzernbereichsleiter für Digitalisierung und Innovation bei der Swietelsky AG, über KI in Bauablauf und Ausführung – Risiken früh erkennen, Prozesse stabilisieren. Sein Ausgangspunkt: Die Technologie funktioniert auf der Baustelle bereits. Der schwierigere Teil liegt woanders – bei den Daten, beim Prozess und beim Menschen, der ein KI-Ergebnis hinterfragen muss. Im Anschluss an seinen Vortrag haben wir nachgefragt – zu Robotik, zu 21 Ländern und zu der Frage, warum KI für ihn kein Wundermittel ist.

Der Mann, der die Transformation treibt – und Spaß dabei hat

Haberfellner verantwortet bei Swietelsky den Konzernbereich „Digitalisation & Construction Services“ (DCS). Der Konzern erzielte im Geschäftsjahr 2024/25 nach eigenen Angaben eine Bauleistung von 3,67 Milliarden Euro mit über 13.000 MitarbeiterInnen in 21 Ländern – und ist damit nach Unternehmensangaben Österreichs drittgrößtes Bauunternehmen. Sein Weg dorthin führte über die PORR und die STRABAG, ehe er 2022 zu Swietelsky wechselte; an der FH Campus Wien unterrichtet er nebenbei „Digitalisierung und Innovation“. Warum er das tut, sagt er im Video gleich selbst: nicht nur, weil das die Zukunft sei, „sondern weil es immens viel Spaß macht, die ganzen neuen Möglichkeiten auszuschöpfen und uns ein Stück weit besser zu machen“. Die Offenheit für die Technologie ist also da. Umso mehr Gewicht hat, wo er ihre Grenzen zieht.

Eine Wetter-App, drei Versuche, ein Wolkenbruch

Haberfellner steigt nicht mit Tools und Roadmaps ein, sondern mit dem Familienurlaub. Kroatien im Mai – „das ist schon ein kleines Risiko, weil da kann es regnen“. Also der Blick in die erste Wetter-App: regnerisch. In die zweite: 80 Prozent Regenwahrscheinlichkeit. Und in die dritte, die endlich sagt, was man hören will: 20 Prozent. Die Familie fuhr „voller Elan“ los. „Es hat natürlich geschüttet.“

Die Anekdote ist mehr als ein Schmunzler. Sie ist die Blaupause für das, was Haberfellner derzeit auf den Baustellen beobachtet: Man sucht so lange, bis ein System die bequeme Antwort liefert – und vertraut ihr dann. „Das Problem ist, wenn die Leute beginnen, KI-Systeme zu nutzen und ihnen zu vertrauen – und nicht mehr versuchen, ihnen zu widersprechen.“

Das größte Risiko von KI im Bauwesen: die Plausibilität

Der wunde Punkt ist für ihn nicht die Datenlage, sondern die Plausibilität. „Die KI klingt immer gut“, sagt Haberfellner. Sie lobt, sie bestätigt, sie formuliert überzeugend. „Und wenn die KI immer sagt, es passt, und man glaubt ihr – und es passt tatsächlich nicht, dann hat man das Problem.“

Daraus zieht er einen Satz, der hängen bleibt: „KI multipliziert Kompetenz – ins Positive und ins Negative.“ Wer Erfahrung hat und genau weiß, was zu tun ist, für den werde KI „der Multiplikator nach oben“. Wer dagegen noch nie betoniert habe und die Maschine frage, wie das gehe, der dürfe sich keine großen Zugewinne erhoffen. KI verstärkt also – aber sie verstärkt, was schon da ist.

Investiert wird in Menschen, nicht in Maschinen

Wo also ansetzen? Nicht die Technologie sei das Um und Auf, „wo wir investieren müssen, sind die Menschen“. Man müsse alle mitnehmen, manchen unter die Arme greifen, „damit sie verstehen, wie die Systeme funktionieren“. Denn es werde alles „immer komplexer, immer komplizierter und immer schneller – und nicht jeder kann dem folgen“.

Gerade am Bau, wo es um Sicherheit geht, hat das Gewicht. „Wir wollen Bauwerke, die über 100 Jahre existieren – dann muss das handfest sein. Und ich muss hinterfragen können, was mir die KI ausspuckt. Zu jeder Zeit.“ Hinterfragen wird so zur Kernkompetenz.

Im Gespräch: „KI ist kein Wundermittel“

Im Interview nach dem Vortrag wird er noch grundsätzlicher. Verlieren wir gerade den Fokus – wann braucht es einen regelbasierten Algorithmus, wann KI? Haberfellner greift zur BIM-Analogie: Als BIM begann, habe man schwarz-weiß gedacht – entweder 100 Prozent oder null. „Und bei KI machen wir genau das Gleiche.“ Er halte es nicht für sinnvoll, der KI einen Sonderstatus einzuräumen. „KI ist eine Technologie, die uns bei vielen Sachen wirklich unterstützen kann. Aber bei vielen Sachen ist es auch der Mensch, den ich befähigen muss. Bei vielen Sachen ist es der Prozess, der nicht passt. Und KI ist kein Wundermittel. Die Challenges, die ich habe, die bleiben die gleichen.“

Daraus folgt für ihn eine klare Grenze. Der größte Fehler wäre, „dass wir sagen, alles wird standardisiert, über alle Länder hinweg“ – das sei „grundlegend falsch“. Was Swietelsky ausmache, sei, dass die Leute auf den Baustellen genau wüssten, was sie wann und wie tun. „Vom kleinen Einfamilienhaus bis zum großen Tunnelbauprojekt“ reiche das Spektrum, mit vielen Gefahren und Unvorhergesehenem. „Es ist illusorisch zu denken, ich kann unter solchen Bedingungen ein ideales Prozessbild über 21 Länder tragen.“

Robotik: im Fokus, aber kein Ersatz

Und der nächste große Schritt, die Robotik? Das Thema habe man „sehr im Fokus“, so Haberfellner. Für eine zu 100 Prozent robotergestützte Baustelle im europäischen Raum sei es zwar noch zu früh – autonome Baustellen aus dem asiatischen Raum hätten „andere Rahmenbedingungen“. Doch er rechnet kurz- bis mittelfristig mit den ersten reifen Anwendungen humanoider Roboter auf der Baustelle; die Neuigkeiten dazu kämen „fast monatlich“. Bei aller Offenheit bleibt er bei seiner Linie: „Ich glaube nicht, dass die Robotik uns komplett ersetzen wird. Und ich glaube auch nicht, dass wir eins zu eins Mensch gegen Roboter ersetzen.“

Was bleibt

Eine PwC-Erhebung zur deutschen Bauindustrie, für die heuer zwischen Jänner und März 150 EntscheiderInnen befragt wurden, zeigt dieselbe Kluft: 80 Prozent trauen KI großes Potenzial zu, aber nur 13 Prozent attestieren sich die Fähigkeit, sie auch einzusetzen (PwC, 2026). Haberfellners Befund deckt sich mit diesen Zahlen – die Engstelle ist nicht das Modell, sie ist organisatorisch. Wie weit österreichische Unternehmen mit KI tatsächlich sind, zeigt unsere Übersicht der 25 heimischen PropTech-Unternehmen mit Künstlicher Intelligenz.

Die Frage, wer am Ende verantwortet, was die KI empfiehlt, zog sich durch die ganze KI Con – nachzulesen in unserem Bericht von der Veranstaltung. Bleibt die Frage, die das Video offen mitgibt: Lernen wir schnell genug, der Maschine zu widersprechen – bevor wir uns daran gewöhnt haben, ihr zu glauben?

Transkript

0:00 KI auf der Baustelle funktioniert. Punkt, aus. Hallo, mein Name ist Walter Haberfellner. Ich bin Konzernbereichsleiter für Digitalisierung und Innovation bei der Swietelsky AG. Ich versuche gemeinsam mit meinem Kollegen und meinem Team, die Swietelsky digital zu machen, die digitale Transformation voranzutreiben. Und warum tue ich das? Weil ich glaube nicht nur, dass das die Zukunft ist, sondern weil es immens viel Spaß macht, die ganzen neuen Möglichkeiten auszuschöpfen und uns ein Stück weit besser zu machen. Auf der Kicon von Digital Findet Statt sprach Walter Haberfellner von

0:41 Swietelsky zum Thema KI in Bauablauf und Ausführung. Risiken früh erkennen, Prozesse stabilisieren. Die Technologie funktioniert. Die eigentliche Arbeit aber liegt woanders: bei den Daten, beim Prozess und vor allem beim Menschen, der das Ergebnis hinterfragt. Im Anschluss an seinen Vortrag haben wir nachgefragt. Ich fange mal an mit letzter Woche. Ich war letzte Woche mit meiner Familie in Kroatien, in Poreč. Das ist Poreč. Und jeder, der weiß, im Mai nach Kroatien, das ist schon ein kleines Risiko, weil da kann es regnen. Und so auch bei uns. Wir waren uns dem Risiko bewusst

Vollständiges Transkript anzeigen

1:22 und meine Frau und ich haben dann noch kurz davor in die erste Wetter-App geschaut und dann geschaut, wie wird das Wetter. Und wie war das Wetter? Regnerisch. Und in der dritten Wetter-App ist dann gestanden zwanzig Prozent Regenwahrscheinlichkeit. Ich habe zu meiner Frau gesagt: „Das wird ein super Urlaub, das machen wir, wir können runterfahren." Und wir sind voller Elan sind wir hinuntergefahren. Und wie war es unten? Es hat natürlich geschüttet. Es klingt jetzt ein bisschen lustig, aber das ist das, was ich tatsächlich momentan in puncto KI, Bauablauf und Risikomanagement auf der Baustelle sehe.

1:55 Das Problem ist, wenn die Leute beginnen, KI-Systeme zu nutzen und denen zu vertrauen und nicht mehr den KI-Systemen versuchen zu widersprechen. Weil das Problem ist, die KI klingt immer gut und ich habe es heute schon gesagt, es ist sehr cool mit OpenAI und ChatGPT. Da wirst du gelobt, da wirst du bestätigt. Das ist schon gut, aber das ist auch bei einem Bauunternehmen gut. Und das funktioniert auch auf den Baustellen. Und wenn die KI immer sagt, es passt und man glaubt der KI und tatsächlich passt es aber nicht, dann hat man das Problem. KI multipliziert Kompetenz, auch das wissen wir, ins Positive

2:32 und ins Negative. Wenn ich einen Mitarbeiter habe, der viel Erfahrung hat, der ganz genau weiß, was er zu tun hat, was er tun muss, dann ist die KI der Multiplikator nach oben. Wenn ich einen Mitarbeiter habe, der noch nie betoniert hat in seinem Leben, keine Erfahrung hat und dann die KI fragt: „Erklär mir, wie ich betonieren soll.", dann darf ich mir nicht die großen Zugewinne erhoffen. Und wir haben es heute schon einmal gehört und das ist für mich der wichtigste Satz: KI ist Technologie. Das ist nett, aber wo wir investieren müssen, sind die Menschen. Wir müssen alle Mitarbeiter mitnehmen.

3:13 Wir müssen manchen Mitarbeitern unter die Arme greifen, damit sie verstehen, wie die Systeme funktionieren. Es wird immer komplexer, es wird immer komplizierter und es wird immer schneller. Und nicht jeder Mitarbeiter kann dem folgen. Und gerade wir am Bau, wo wir mit Baustellen zu tun haben, wo es um Sicherheit geht. Wir wollen Bauwerke, die über 100 Jahre existieren. Dann muss das handfest sein. Verlieren wir aktuell nicht auch ein bisschen den Fokus zu dem: Wann sollten wir einen regelbasierten Algorithmus einsetzen und wann verwenden wir KI? Natürlich, aber wir wären nicht die Baubranche, wenn wir das nicht verlieren

3:49 würden. Das sehen wir, dass das nichts Neues ist. Bei BIM, das nehme ich immer gerne als Beispiel, haben wir, wie BIM begonnen hat, immer so schwarz-weiß gedacht. Es kann entweder nur 100 % BIM sein oder 0 % BIM. Und bei KI machen wir genau das Gleiche. Auch das, was ich am Podium gesagt habe: Ich halte es nicht für sinnvoll, wenn ich jetzt KI so einen besonderen Stellenwert mache. KI ist eine Technologie, die kann uns wirklich unterstützen und helfen bei vielen Sachen, aber bei vielen Sachen ist es auch der Mensch, den wir befähigen muss. Bei vielen Sachen ist es der Prozess, der nicht passt.

4:29 Und KI ist kein Wundermittel. Ich muss es richtig einsetzen, aber die Challenges, die ich habe, die bleiben die gleichen. Ich glaube, der Punkt ist, wir arbeiten sehr menschenorientiert. Und der Fehler, den wir machen würden oder den wir machen könnten, wäre, dass wir sagen, alles wird standardisiert über alle Länder hinweg. Ich glaube, das ist nicht notwendig und das ist auch grundlegend falsch. Was uns Swietelsky ausmacht, ist, dass die Leute auf unseren Baustellen ganz genau wissen, was sie tun, wann sie es tun und wie sie es tun. Und wir arbeiten sowohl vom kleinen Einfamilienhaus bis zum

5:09 großen Tunnelbauprojekt, haben wir Projekte mit vielen Gefahren, mit vielen Herausforderungen, mit vielen Sachen, die auch komplett unvorhergesehen sind. Und es ist illusorisch zu denken, ich kann unter solchen Bedingungen ein ideales Prozessbild über 21 Länder tragen. Wie stark befasst du dich auch mit dem Bereich Robotik? Wir haben es heute gehört, der nächste große Schritt ist ja, diese Lücken zwischen LLM, Machine Learning und Robotik zu schließen und Roboter auf der Baustelle kommen immer mehr. Wie stark ist das Thema bei euch? Also wir beachten dieses Thema sehr. Wir haben es sehr

5:49 im Fokus. Wir wissen, dass wir jetzt noch nicht so weit sind, die Baustellen 100 % mit Roboter im europäischen Raum abzubilden. Es gibt Baustellenberichte vom asiatischen Raum mit autonomen Baustellen. Das ist ganz gut. Die haben aber auch andere Rahmenbedingungen. Ich persönlich glaube, dass wir relativ bald, also kurz bis mittelfristig, die ersten wirklich reifen Anwendungen von humanoiden Robotern auf den Baustellen einsetzen können. Es kommen fast monatlich neue News zu dem Thema, neue Entwicklungen auf dem Markt.

6:30 Das ist sehr schwer abzuschätzen, wann der genaue Zeitpunkt ist, aber wir denken, das könnte zukünftig ein Teil unserer Arbeit sein. Ich glaube nicht, dass die Robotik uns komplett ersetzen wird. Das wird nicht passieren und ich glaube auch nicht, dass wir eins zu eins Mensch gegen Roboter ersetzen. Und ich muss hinterfragen können und es auch aktiv tun, was mir die KI da ausspuckt, zu jeder Zeit. Danke schön.

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