In der Immobilienbranche kennen wir Projekte, Unternehmen und Marken. Wir wissen, wer welches Quartier entwickelt hat, wer hinter einem spektakulären Bürogebäude steht oder wer gerade den nächsten großen Deal abgeschlossen hat. Was wir meistens nicht kennen, sind die Menschen dahinter. Genau deshalb gibt es ImmoLeute - die Gespräche führt Ronald Goigitzer (heart of company ivalu). In der neuen Videoreihe sprechen wir mit Persönlichkeiten der Immobilienwirtschaft – allerdings bewusst nicht über Quadratmeter, Renditen oder Projektpipelines. Stattdessen geht es um das, was man in klassischen Fachinterviews selten erfährt: Welche Entscheidungen haben ein Leben geprägt? Wer waren die Vorbilder? Welche Werte begleiten erfolgreiche Menschen durch ihren Berufsalltag? Worauf blicken sie zufrieden zurück und was würden sie ihrem 20-jährigen Ich heute mit auf den Weg geben?
Wer Lukas Eybel kennt, dürfte über seine Selbsteinschätzung nicht überrascht sein. Er sei jemand, der polarisiere, sagt er. Fröhlich, bisweilen laut, jedenfalls keiner, der sich im Hintergrund versteckt. Vor allem aber sieht er sich als Umsetzer: als jemanden, der anpackt und Ideen nicht endlos bespricht, sondern ausprobiert.
Geprägt hat ihn sein früher Wechsel von Hainburg nach Wien. Mit rund 15 Jahren begann er für den Besuch der HTL in die Bundeshauptstadt zu pendeln, wenig später führte er bereits seinen eigenen Haushalt. Der Schritt von der niederösterreichischen Kleinstadt nach Wien bedeutete für ihn mehr als einen Ortswechsel. Es war der Beginn eines selbstständigen Lebens – und einer Selbstverantwortung, die ihn bis heute begleitet.
Diese Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, braucht es auch in der Immobilienverwaltung. Die gesetzlichen Vorgaben werden umfangreicher, die Anforderungen der Kundinnen und Kunden höher und die Zahl der täglichen Anfragen nimmt zu. Dass dabei nicht immer alles zur vollständigen Zufriedenheit aller Beteiligten gelingt, spricht Eybel offen an. Hausverwaltung sei schließlich kein Beruf, in dem man sich hinter einfachen Antworten verstecken könne.
Gerade deshalb beschäftigt ihn die Frage, wie sich der Arbeitsalltag besser organisieren lässt. Künstliche Intelligenz spielt dabei für ihn eine zentrale Rolle. be real Immobilien richtet sich bereits verstärkt darauf aus, KI in die täglichen Abläufe zu integrieren. Nicht aus Technikbegeisterung um ihrer selbst willen, sondern aus einer nüchternen Überlegung: Ohne neue Werkzeuge werde es künftig kaum möglich sein, die wachsende Menge an Aufgaben und Anfragen zu bewältigen. Datenschutz und europäische Regeln müssten dabei selbstverständlich berücksichtigt werden. Die Technologie aus Angst zu ignorieren, hält er jedoch für den falschen Weg.
Auch privat und beruflich gibt es bei Lukas Eybel keine scharfe Trennlinie. Seine Frau und er führen be real Immobilien gemeinsam. Sie verantwortet vor allem den Maklerbereich, er überwiegend die Hausverwaltung. Dazu arbeiten weitere Familienmitglieder, Freunde und langjährige Wegbegleiter im Unternehmen. Das schafft Vertrauen und ein besonderes Zusammengehörigkeitsgefühl, bringt aber naturgemäß auch Spannungen mit sich. Die Arbeit landet manchmal am Frühstückstisch, familiäre Themen gelegentlich im Büro. Für Eybel gehört beides zusammen – und genau das macht ihm Freude.
Seinem jüngeren Ich würde er heute raten, nicht alles ausprobieren zu müssen, aber über den Tellerrand hinauszublicken und sich nicht vom Denken früherer Generationen einschränken zu lassen. Vor allem solle man etwas tun, das einem Spaß macht. Ein Rat, der recht gut zu seinem eigenen Weg passt.
Und was bleibt irgendwann? Im besten Fall ein florierendes, gut funktionierendes Unternehmen, das weitergeführt werden kann. Vielleicht einmal von seinem Sohn, falls dieser das möchte. Vielleicht von jemand anderem. Wichtiger als die Frage der Nachfolge ist Eybel, etwas Nachhaltiges aufgebaut zu haben. Seinem Sohn wünscht er trotz technischer und gesellschaftlicher Veränderungen vor allem eines: ein bodenständiges Aufwachsen in einer Gesellschaft, in der ein vernünftiger Umgang miteinander weiterhin zählt.
Nur bei der Frage nach seiner Traumimmobilie muss Lukas Eybel nicht lange überlegen: Wenn Geld keine Rolle spielte, wäre es ein prachtvolles Palais am Wiener Ring. Bescheiden darf schließlich der Mensch sein. Die Immobilie muss es nicht unbedingt.