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Hotelimmobilien Österreich: Wien dominiert das Volumen, nicht den Preis

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Der österreichische Hotelinvestmentmarkt ist zurück – getragen von wenigen großen Wiener Deals. Doch hinter dem Rekordvolumen liegen zu niedrige Zimmerpreise, eine Welle an Betreiberinsolvenzen und ein Strukturwandel bei Marken und Verträgen. Vier Befunde aus dem ImmoLive.

Das Hotelsegment hat sich in der Gunst der Investoren nach vorne geschoben. Im ersten Quartal 2026 entfielen laut CBRE 27 Prozent des österreichischen Immobilien-Transaktionsvolumens auf Hotels – nach dem Einzelhandel die zweitstärkste Assetklasse. Für das Gesamtjahr 2025 weist Christie & Co rund 480 Millionen Euro aus, ein Plus von 43 Prozent gegenüber 2024. Rund vier Fünftel davon entfielen auf Wien.

In der von Walter Senk moderierten ImmoLive-Runde diskutierten Herwig M. Peham (EHL), Daan Bakkenes (Colliers), Wolfgang Mader (BDO) und Birgit Kraml (DLA Piper) über die Lage. Vier Aussagen markieren die Bruchlinien des Marktes.

Die Assetklasse ist gefragt – aber konzentriert

Für Peham ist die Sache eindeutig: Das Hotel ist in den vergangenen Jahren für Investoren deutlich interessanter geworden, die Nachfrage trägt den Markt. Die Zahlen stützen das. Nach dem Tiefpunkt 2023 mit rund 270 Millionen Euro folgte eine V-förmige Erholung – 350 Millionen 2024, 480 Millionen 2025. Die Spitzenrenditen für Core-Objekte lagen zuletzt bei 5,0 bis 5,5 Prozent.

Bemerkenswert ist die Verschiebung bei den Käufern. 2024 dominierten noch österreichische Investoren mit 71 Prozent, 2025 stammten rund drei Viertel des Volumens aus dem Ausland, vor allem aus Deutschland und der Schweiz. Getragen wurde das Jahr von zwei Transaktionen jenseits der 100-Millionen-Marke: dem Vienna Marriott Hotel und dem Ritz-Carlton Vienna.

Ein Vorbehalt gehört zur Einordnung. Die Zahlen hängen an der Methodik. Während Christie & Co die großvolumigen Stadthotel-Deals erfasst und auf 480 Millionen Euro kommt, weist der auf Ferienhotellerie spezialisierte Makler Austria Real für 2025 nur rund 142 Millionen Euro aus – mit Tirol als stärkstem Bundesland. Beide Reihen sind in sich konsistent, aber nicht vergleichbar. Wer über „den" Hotelmarkt spricht, muss sagen, welchen er meint.

Volle Häuser, schwache Raten

Hier setzt Kraml den Kontrapunkt. Internationale Betreiber schauen sich Wien genau an – und winken oft ab. Der Grund: zu niedrige Margen. Die Zimmerpreise liegen unter jenen vergleichbarer Metropolen, der Wiener Markt gilt als weniger attraktiv als Paris oder Madrid. Das ist ein Wettbewerbsnachteil, kein Detail.

Die Daten bestätigen die Diagnose. Wiens durchschnittliche Zimmerrate stieg laut Christie & Co von 107 Euro (2019) auf rund 140 Euro (2025). Madrid lag 2025 bei 178 Euro, Amsterdam bei rund 186 Euro, Paris im Jahresschnitt jenseits der 300 Euro. Wien ist damit die preisschwächste der vergleichbaren Destinationen – bei gleichzeitig hoher Auslastung von rund 71 Prozent. Das Wachstum liegt also nicht im Volumen, sondern im Preis, der nicht durchgesetzt wird.

Operativ verschärft sich die Lage. Die Betriebskosten in der österreichischen Hotellerie sind seit 2019 um mehr als 30 Prozent gestiegen, die Personalkostenquote liegt vielerorts über 40 Prozent des Umsatzes. Dazu kommt die Wiener Ortstaxe: Sie steigt gestaffelt von 3,2 Prozent auf 5 Prozent ab Juli 2026 und auf 8 Prozent ab Juli 2027. Wer diese Erhöhung nicht an den Gast weitergeben kann, verliert weiter an Marge.

Dass Wien 2025 mit 20,07 Millionen Nächtigungen erstmals die 20-Millionen-Marke knackte und Österreich mit 157,27 Millionen einen Rekord seit Beginn der Aufzeichnungen 1974 erreichte, ändert daran wenig. Die Auslastung ist da. Der Ertrag hinkt nach.

Markenvielfalt statt Sternekategorien

Bakkenes verschiebt den Blick auf das Produkt. Jede große Kette führe heute eine Vielzahl an Marken, der Gast sei individueller geworden, Auswahl und Positionierung liefen zunehmend über die digitale Sichtbarkeit. Die Klassifizierung nach Sternen verliert an Bedeutung, an ihre Stelle tritt die Segmentierung von Budget bis Premium.

Der Markt bildet das ab. Im Lifestyle- und Budgetsegment expandieren Motel One, Ruby und Numa, im Longstay-Bereich wachsen Serviced Apartments am schnellsten – europaweit flossen 2025 laut Savills rund 1,2 Milliarden Euro in das Segment. Der Grund ist betriebswirtschaftlich: Konzepte mit geringerem Personal- und Gastronomieanteil sind dem Margendruck weniger ausgesetzt. Im Luxussegment setzten zuletzt das Mandarin Oriental und das Rosewood neue Marken, dazu gewinnen Branded Residences an Boden.

Begleitet wird die Segmentierung von einem Wandel der Vertragsmodelle. Der klassische Fixpachtvertrag mit 20- bis 30-jähriger Laufzeit verliert an Dominanz, Hybrid- und Managementverträge sowie Franchise mit White-Label-Betreibern rücken nach. Die Kette stellt die Marke, der Betreiber führt, der Eigentümer trägt mehr operatives Risiko – und braucht dafür belastbare Partner.

Wenn der Betrieb in Schieflage gerät

Mader bringt die Kehrseite ins Spiel. Sanierung im Konkurs sei eine umfassende Umstrukturierung, bei der vor allem der Betrieb aufrechterhalten werden müsse. Geht das Personal verloren, ist das Haus oft nicht mehr zu retten. Banken finanzierten in solchen Fällen nach, um den größeren Schaden abzuwenden.

Die Praxis liefert die Belege. Das Grand Hotel Wien meldete 2025 Konkurs an, anerkannte Gläubigerforderungen rund 50 Millionen Euro, Gesamtverbindlichkeiten über 100 Millionen. Neuer Eigentümer ist die spanische Hotusa-Gruppe; das OLG Wien bestätigte den Verkauf im Jänner 2026 rechtskräftig. Noch größer ist der Fall Revo Hospitality, der Anfang 2026 für rund 140 Gesellschaften Insolvenz in Eigenverwaltung beantragte – betroffen sind rund 125 Hotels mit etwa 5.500 Mitarbeitern in Deutschland und Österreich, darunter Häuser in Wien, Salzburg und Innsbruck. Binnen 15 Monaten gerieten mit Lindner, Achat und Revo drei große Betreiber in die Insolvenz.

Damit rückt die Bonität des Betreibers ins Zentrum jeder Transaktion. Eine Garantie ist nur so viel wert wie der, der sie abgibt. Für die geordnete Fortführung steht seit 2021 die Restrukturierungsordnung (ReO) zur Verfügung, ein vorinsolvenzliches Verfahren bei wahrscheinlicher Insolvenz – mit Vollstreckungssperre, klassenübergreifendem Cram-down und Anfechtungsschutz für frisches Geld. Eine einseitige Vertragsauflösung erleichtert sie nicht.

Ausblick

Die vier Befunde fügen sich zu einem Bild. Das Kapital ist da, die Nachfrage ist da, die Pipeline für 2026 ist gut gefüllt – Christie & Co erwartet ein aktives Transaktionsjahr, mit Andaz, Grand Hotel und Park Hyatt stehen weitere Wiener Häuser in Verkaufsprozessen. Was fehlt, ist der Preis. Solange Wien seine Zimmerraten nicht an das europäische Niveau heranführt und die steigenden Betriebs- und Abgabenkosten nicht weitergeben kann, bleibt die Ertragskraft das Nadelöhr. Die EZB hält ihre Zinsen seit Mitte 2025 stabil, die Swap Rates sind zuletzt wieder um rund 30 Basispunkte gestiegen. Für Developments mit hohen Eigenkapital- und Baukosten heißt das: Bestand vor Neubau, Lage vor Fläche, Bonität vor Markenname.


Transkript

0:00 Herwig, mit dir möchte ich auch gleich anfangen. Es ist ein sehr spannendes Thema, vor allem der Investmentmarkt. Dass es einen kurzen Überblick gibt, ich glaube, 2025, nein, 2030 sogar, 2025 rund 17 % des gesamten Transaktionsvolumens waren Hotelimmobilien. Wie schaut es aktuell aus? Es ist wirklich so: Das Thema Hotel ist gerade in den letzten Jahren noch stärker interessant geworden für Investoren. Investoren sind immer auf der Suche nach interessanten Produkten und das sehen wir auch aktuell gerade, dass einfach der

0:41 österreichische Hotel- und Tourismusmarkt sich sehr gut entwickelt hat. Vor allem natürlich die City-Hotellerie, aber eben auch natürlich die Leisure-Hotellerie, die sich gut etabliert hat und weiter stabilisiert und gefestigt hat, gerade in Österreich. Und im Investmentmarkt die gute Nachricht: Im ersten Quartal haben wir jetzt schon 27 % an Transaktionsvolumen festgestellt, was auf das Hotel sich bezieht. Das zeigt einfach diese Tendenz. Natürlich ist das auch immer eine gewisse Momentaufnahme, weil sich das natürlich von Quartal zu Quartal wieder verschieben kann, aber tendenziell sind wieder größere Hoteltransaktionen am Markt,

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1:22 sind auch abgeschlossen worden und deshalb kommt natürlich auch ein entsprechend großer Anteil dann zustande. Wir sehen generell, das Investmentvolumen ist wieder im Anstieg und davon eben ein großer Teil im Hotel- und Hospitality-Bereich. Herwig, danke. Wir kommen auch noch ein bisschen darauf zu sprechen, was die Verträge betrifft. Ist eigentlich Wien, Österreich interessant für internationale Betreiber? Birgit? Kommt darauf an, würde ich jetzt sagen. Typische Anwaltsantwort. Nein, wenn man so spricht mit internationalen Betreibern, die schauen sich den österreichischen Markt schon an und vor allem Wien.

2:04 Aber was ich schon immer wieder höre, ist, dass sie sagen, die Margen sind hier zu niedrig und da ist der Wiener Markt weitaus weniger interessant als jetzt Paris oder Madrid et cetera. Also das ist, glaube ich, schon, wo wir einen gewissen Wettbewerbsnachteil haben, weil anscheinend die Zimmerpreise in Wien nach wie vor weitaus niedriger sind als in anderen Städten. Seht ihr eigentlich, weil das die Birgit gerade angesprochen hat: Seht ihr eigentlich auch, dass sich das immer mehr segmentiert von Budgethotels zu,

2:45 was auch immer, Premium Residenz ist, was es auch immer da gibt? Ich glaube, jede Hotelkette hat heutzutage sehr viele Marken. Ich glaube auch, dass der Gast individueller geworden ist. Das heißt, auch durch Social Media und so weiter ist der Gast individueller in der Auswahl. Die Frage ist: Welchen Mehrwert hat die Marke oder ist die Positionierung online? Das heißt, welche Fotos stelle ich auf Booking.com? Aber auch: Wie ist meine Social-Media-Online-Strategie

3:27 im Verkauf von meinem Hotel? Ich glaube auch, dass die ganze Guest Journey, das heißt, auch schon anfängt bei der Vermarktung eines Standortes. Das heißt, die Begegnung in deinem Social-Media-Scroll, wo du dann siehst: „Sleeping Dog sein. Cool, da möchte ich mal hin." Du klickst darauf und generierst so automatisch mehr Content für diesen spezifischen Standort. Das heißt, ich glaube, da gibt es generell eine Individualisierung in dieser

4:07 Segmentation. In Österreich braucht man keine Klassifizierung. Das ist etwas Gutes, finde ich persönlich. Das heißt, man braucht nicht unbedingt vier oder fünf, sechs Sterne. Es gibt natürlich Marken, die Luxus sind, oder es gibt eine Moxy oder ein Hampton by Hilton oder Holiday Inn Express, Drei-Sterne-Marke, Vier-Sterne-Marke, Holiday Inn, aber man verbindet das auch oft eher, wir auf jeden Fall in der Branche, mit der Marke. Ich glaube, dass es eher individueller wird im Endeffekt. Und grundsätzlich, wenn jetzt ein Hotel in Schieflage kommt,

4:49 Sanierungen und Umwidmungen zu neuen Hotels, wo liegen da jetzt die rechtlichen Herausforderungen? Das ist ja eigentlich alles im Großen und Ganzen eine riesige Umstrukturierung. Man muss unterscheiden zwischen einer rein finanziellen Umstrukturierung. Was bei Hotels immer relevant ist, dass darauf geschaut werden sollte, auch in einem Konkurs, dass der Betrieb aufrechterhalten wird, weil das Schlimmste, was passieren kann, ist, dass sozusagen die Mitarbeiter weg sind. Das Hotel ist einmal geschlossen. Kann auch Sinn machen, wenn ich sage, ich will es sowieso komplett refurbishen, sanieren, dann macht die Schließung vielleicht auch Sinn,

5:30 aber oft wird versucht, den Betrieb aufrechtzuerhalten, um eben auch keinen zusätzlichen Wertverlust zu generieren, wo dann auch die Banken oft, die eh schon wissen, dass sie einen Teil ihres Geldes verlieren werden, jetzt in dem Konkurs und in der späteren Versteigerung dann zum Beispiel, hier dann auch Zwischenfinanzierungen geben, um einen noch größeren Schaden abzuwenden. Also da wird oft geschaut, dass wirklich der Betrieb so weiterläuft wie bisher und, bis auf das, was man in den Medien nachlesen kann, der Kunde, der Gast eigentlich gar nicht merkt, dass das Ganze im Konkurs ist.

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