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Energienetz im Quartier: Wie sich ARE und Wien Energie die Energie teilen

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Im VILLAGE IM DRITTEN liefert nicht der Versorger und kauft der Entwickler – beide betreiben gemeinsam eine Gesellschaft. DI Gerd Pichler (Head of ARE Development) und Dipl.-Ing. Michaela Deutsch (Geschäftsbereichsleiterin Energiedienstleistungen, Wien Energie) führen sie gemeinsam. Im OfficeTalk sprechen sie über Eigentum, Servitute, die erste Heizsaison – und darüber, warum ausgerechnet die vorhandene Fernwärme das Erdsondenfeld kleiner gemacht hat.

Es gibt Projekte, bei denen das Interessanteste unter der Erde liegt. Das VILLAGE IM DRITTEN ist so eines. Rund elf Hektar, rund 250.000 Quadratmeter Bruttogeschoßfläche, rund 2.000 Wohnungen samt Büros und Bildungseinrichtungen rund um einen zwei Hektar großen Park – und darunter 500 Erdwärmesonden mit je 150 Metern Tiefe, die das Quartier heizen und im Sommer temperieren. Gebohrt wurde ab Anfang 2023, fertiggestellt war das Feld im April 2025. Endgültig abgeschlossen ist es trotzdem nicht: „Wobei jetzt auch noch die eine oder andere Sonde dazukommt“, sagt Deutsch. Oben wohnen längst Menschen.

Spannender als die Zahl ist aber die Konstruktion dahinter. Denn gebaut hat das System keiner der beiden Partner allein.

Aus der Kür ist die Pflicht geworden

„Wir haben uns als ARE und Wien Energie zusammengetan und haben gesagt: Was können wir aus dem Standort VILLAGE IM DRITTEN Gutes machen?“, erzählt Deutsch. Herausgekommen ist die VID Energie Infrastruktur GmbH & Co KG – „VID“ steht für VILLAGE IM DRITTEN –, eine eigene Gesellschaft, je zur Hälfte in der Hand von ARE und Wien Energie, zuständig für die Energieversorgung am Standort. Geführt wird sie über die Komplementärin VID Energie Infrastruktur GmbH, deren Geschäftsführung Pichler und Deutsch paritätisch bilden.

Pichler ordnet das zeitlich ein. Die Anfänge reichen bis zum Masterplan-Wettbewerb 2016 zurück: „Mit dem VILLAGE-Energiesystem haben wir damals begonnen, da waren wir nicht das erste, aber für die damaligen Verhältnisse – und das sind wir nach wie vor noch – das wahrscheinlich das Größte.“ Inzwischen sei es State of the Art, neue Projekte mit möglichst lokalen, erneuerbaren Energieressourcen zu entwickeln. Aus der Kür sei die Pflicht geworden? „Ja, für uns als Konzern definitiv.“

Bemerkenswert offen ist dabei die Selbsteinschätzung der Versorgerseite. „Wir haben aktuell einen relativ hohen Anteil an Fossilen in unserer Wärmeaufbringung für unser Fernwärmesystem“, sagt Deutsch. „Wir haben eines der größten Fernwärmesysteme in ganz Europa, in Wien. Das ist natürlich sehr bequem, dass wir das haben. Aber wir haben auch eine große Herausforderung in der Dekarbonisierung des Ganzen.“

Wem gehören eigentlich die Sonden?

Es ist die Frage, die in keiner Presseaussendung steht – und die für jede Projektentwicklerin und jeden Projektentwickler die eigentlich relevante ist. Wer investiert, wem gehört was, und wie sichert man Bohrungen ab, die unter fremden Bodenplatten liegen?

Deutsch antwortet ohne Umschweife: Die Partnerschaft zwischen Wien Energie und ARE sei fifty-fifty umgesetzt worden. „Die Sonden unter den Baufeldern befinden sich im Eigentum der VILLAGE.“ Nach Angaben der beiden liegt das Netz damit im Eigentum der gemeinsamen Gesellschaft, die Sonden auf den einzelnen Bauplätzen sind über Servitute abgesichert.

Damit ist auch die Frage beantwortet, was passiert, wenn ein Bauplatz später den Eigentümer wechselt: Das Dienstbarkeitsrecht bleibt. Die Investitionssumme nennen die beiden nicht.

Warum die Fernwärme das Sondenfeld kleiner gemacht hat

Ein Detail aus dem Gespräch dürfte Planende am meisten interessieren. Das VILLAGE hängt nämlich nicht nur an der Erdwärme – alle Gebäude sind zusätzlich an die Fernwärme angebunden. Und das aus einem sehr pragmatischen Grund.

„Wir haben beim VILLAGE den Vorteil gehabt, dass die Fernwärme-Infrastruktur vor Ort schon vorhanden war“, erklärt Deutsch – nach ihren Worten vom Nachbarquartier Eurogate. „Wir konnten diese als Standortressource ins Konzept mit einbauen und haben uns dadurch, was die Investition in das Geothermiesystem betrifft, etwas kleiner halten können.“

Ausbalanciert betrieben werden muss allerdings jedes Sondenfeld, ganz gleich wie groß – und genau daran entscheidet sich bei Erdspeichern alles. „Die Wärmeentnahme des Winters muss im Sommer wieder zurückgeführt werden, und das sollte ausbalanciert passieren“, sagt Deutsch. „Wird da im Winter über Jahre zu viel entnommen, kann es passieren, dass diese Speicherkapazität weniger wird.“ Ein Bedrohungsszenario nennt sie das – in Anführungszeichen, und nur dann, wenn nicht ordentlich Betrieb geführt werde. Im VILLAGE habe man genau darauf hin ausgelegt.

Es ist eine erfrischend unmarketinghafte Antwort auf eine Kritik, die Anergienetze seit Jahren begleitet.

„Temperierung ist keine aktive Kühlung“

Nach dem Sommer liegt die Frage nahe, was das System in der warmen Jahreszeit leistet. Pichler spricht dafür vom „kostenlosen Abfallprodukt“: Die Wohnungen werden über die Flächenheizungen temperiert, weil dem Erdreich ohnehin jene Wärme zugeführt werden muss, die im Winter entnommen wurde. Ein Mehrwert, den man in klassischen Systemen so nicht hat.

Deutsch bremst die Erwartungen allerdings deutlich: „Temperierung ist keine aktive Kühlung. Das ist jetzt auch nichts, was man regeln kann.“ Wie viele Grad tatsächlich herausgeholt werden, hänge von Lage, Sonneneinstrahlung und inneren Lasten ab – von Kühlschrank, Computer, Fernseher. „Deswegen kann man es nicht pauschal sagen.“ Extra Kosten entstehen den Bewohnerinnen und Bewohnern dafür keine.

Was über der Erde passiert ist

Ein Quartier dieser Größe ist auch eine Ansammlung von Baustellen. Die Hochbauten haben unter anderem die HABAU (Baufelder 5, 9A und 9B), die PORR (Baufeld 2), die Swietelsky (Baufelder 4A und 4B), die Rhomberg Bau (Baufelder 1 und 3), die GERSTL BAU (Baufelder 12B und 13), die STRABAG (Baufelder 14A und 14B) und die HAZET (Bauplätze 15 und 16) errichtet. Die Haustechnik- und Elektroplanung lag je nach Baufeld bei unterschiedlichen Büros, darunter die Allplan GmbH; auf dem gemeinnützigen Baufeld 7 planten Gebäudetechnik Krainer und Elektrotechnik Wunderl.

Die 500 Bohrungen für das Erdsondenfeld haben PORR und Werner Consult niedergebracht. Die Sonden selbst stammen von der Schweizer HakaGerodur, die Wärmepumpen in den Energiezentralen der Gebäude von Viessmann. In einem der Gebäude wird zusätzlich Wärme aus dem Abwasser zurückgewonnen – umgesetzt mit FEKA und Friedrich Neidhart.

Wer das Erdsondenfeld gebaut hat, beleuchtet die am Montag erschienene Folge der Serie „Wer hat’s gebaut …?“ auf poppgerhard.at. Alle Projekte der Serie zeigt die Projektkarte unter poppgerhard.at/bauprojekte.

Dieselbe Qualität für alle Bauplätze

Nach der Learnings-Frage kommt von beiden dieselbe Antwort, und sie hat mit Technik wenig zu tun. „Jeder Bauplatz bekommt dieselbe Lösung und dieselbe Qualität der Leistung“, sagt Deutsch. „Völlig unabhängig davon, ob es ein freifinanzierter Bau ist, ob es ein gemeinnütziger Bau ist.“

Selbstverständlich war das nicht. „Wir haben in den Verhandlungen mit dem Bauträger schon sehr viele Diskussionen geführt: Kann man da nicht, kann man dort nicht?“, erinnert sich Deutsch. „Wir haben uns dann dazu entschlossen: Nein. Davon lebt die Effizienz in diesem Gesamtsystem.“ Auch die Überzeugungsarbeit war Thema: „Die Leute waren unsicher, man hat nicht genau gewusst, was das ist, wie sicher das ist“, sagt Pichler. Am Ende seien alle dankbar gewesen, dass es ein Konzept gab, an das sie sich anhängen konnten.

Nach der ersten Heizsaison

Seit Ende Juni 2025 wird bewohnt, die erste Heiz- und Kühlperiode ist durch. Große Überraschungen? „Wirkliche konkrete Anlassfälle haben wir keine“, heißt es im Gespräch. Deutsch präzisiert: Bei Regelungstechnik und Sensorik seien einzelne Aspekte in der Ausführung adaptiert worden. „Wir haben auch jetzt im Betrieb gesehen, dass die eine oder andere Sensorik falsch platziert ist oder besser anders platziert wird.“ Das Grundkonzept stehe, das Feintuning sei „quasi dann die lebenslange Aufgabe in so einem Quartier“.

Und die Zeitpläne? „Es ist nie so, wie man es fünf Jahre vor Baubeginn plant“, sagt Pichler.

Fürs nächste Quartier hat Wien Energie jedenfalls keine Einstiegshürde. „Jederzeit“, antwortet Deutsch auf die Frage, ab welcher Größe ein Projekt interessant wird. In der Meischlgasse in Liesing, wo keine Fernwärme liegt, setzt Wien Energie auf 565 Tiefensonden mit je 80 Metern, ergänzt um Luft-Wasser-Wärmetauscher, Solarthermie und Power-to-Heat. Im Oberen Hausfeld in der Donaustadt dienen Grundwasser und der Rücklauf des Fernwärmenetzes als Wärmequelle. „Es kommt aber wirklich immer darauf an, welche Standortressourcen habe ich tatsächlich?“

Das gesamte Gespräch gibt es im OfficeTalk.

Dieser Inhalt enthält KI-generierte Elemente.

Transkript

0:10 Herzlich willkommen zur Immobilienredaktion Office Talk. Wir sind in einem Office, da waren wir schon einmal, aber jetzt wieder bei der ARE und BIG an der Trakrenstraße. Und wir sprechen über eine Quartiersentwicklung. Bei mir ist Gerd Pichler, Head of Development bei der ARE und Michaela Deutsch, Geschäftsleiterin der Energiedienstleistungen der Wien Energie. Hallo ihr beiden und danke, dass ihr euch Zeit nehmt für unser Gespräch. Danke für die Einladung. Danke für die Einladung. Michaela, Gerd, ihr habt nicht nur diese beiden Funktionen bei der Wien Energie und bei der ARE. Ihr seid auch beide Geschäftsführer der VID Energie Infrastruktur

0:52 GmbH. Und was diese Unternehmung macht, warum es sie gibt, genau darüber wollen wir uns heute ein bisschen unterhalten. Vielleicht kurz die erste Erklärung dazu von euch. Die Erklärung dazu: Wir haben als ARE und Wien Energie uns quasi zusammengetan und haben gesagt, was kann man auf dem Standort Village im Dritten Gutes machen, nämlich tatsächlich moderne Wohnungen entwickeln, Wohnraum schaffen und das Ganze so nachhaltig und standortoptimiert wie möglich. Das war das Ansinnen der ARE, das war auch das Ansinnen der Wien Energie, wirklich standortoptimierte, ökologische Energieversorgungskonzepte zu machen.

Vollständiges Transkript anzeigen

1:28 Und so sind wir dazu gekommen, dass wir gemeinsam diese Unternehmung gegründet haben, Village im Dritten, Energie und Infrastruktur GmbH und Co KG, die hier quasi am Standort für die Energieversorgung verantwortlich ist. Gerd, ich gehe jetzt einmal grundsätzlich davon aus, dass unsere Zuseher der Immobilienredaktion wissen, was das Village im Dritten ist, aber vielleicht kannst du uns doch noch einmal kurz so ein bisschen die Eckdaten dieser Quartiersentwicklung geben. Gerne. Das Village im Dritten ist, wie es der Name schon sagt, eine der größten innerstädtischen Quartiersentwicklungen in Wien im dritten Bezirk.

2:04 Wir bauen dort auf ungefähr elf Hektar Grundstücksfläche, 250.000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche. Es entsteht dort ein gemischt genutztes Quartier aus Wohnungen, Büros, Bildungseinrichtungen. Die ganzen Gebäude ordnen sich dort um einen zwei Hektar großen Park an. Also wir haben uns das ja auch schon in der Städtebaukonzeptionsphase sehr viel überlegt, wie ein zeitgemäßer, moderner und auch nachhaltiger Städtebau ausschauen kann und sind jetzt schon relativ weit in der Umsetzung. Wir werden nächstes Jahr mit den letzten Bauplätzen fertig und freuen uns sehr auf das Ergebnis. Das ist wirklich ein tolles Projekt.

2:44 Ich glaube, jeder, der dorthin kommt, ist an sich begeistert. Man kann auch schon sehr schön durchgehen, der Park ist schon eröffnet. Muss aber auch dazu sagen, dass wir das alles nicht alleine machen. Also wir haben schon die Quartiersentwicklung gemeinsam mit der Stadt Wien eigentlich umgesetzt, aber die Bauplätze werden auch durch andere Bauträger umgesetzt. Das sind gemeinnützige Bauträger dort. Wir arbeiten teilweise mit Partnern, aber der Großteil passiert dort durch uns selber. Und es ist das größte Erdsonnenfeld Österreichs. Aktuell ist es das größte Erdsonnenfeld Österreichs mit knapp 500 Sonden, wobei

3:20 jetzt auch noch die eine oder andere Sonde dazukommen wird. Wir haben heute den ersten kühlen Tag nach einem Rekordhitze-Sommer. Wir haben aktuell auch versorgungstechnisch eine nicht ganz so leichte geopolitische Lage. Der Planungsbeginn dieses Versorgungssystems war 2016. Da steht man ja immer auch ein bisschen im Spannungsfeld Kosten, Zeit und quasi Innovation, neue Technik. Alle, die damals so zwischen 2016 und 2020 in der Planung den Kopf geschüttelt haben, was würdet ihr denen denn heute mit den heutigen Erfahrungen sagen? Generell zum Energiekonzept, das wir im Village im Dritten umsetzen: Ich würde an

4:04 dem Konzept nichts ändern, weil das Konzept, das im Village im Dritten umgesetzt wird, ein sehr nachhaltiges, standortoptimiertes Konzept ist. Und wir haben sehr viel miteinander diskutiert, welche Möglichkeiten der Energieversorgung wirklich mit sehr hohem Komfort haben wir dort am Standort? Welche Ressourcen haben wir zur Verfügung? Was können wir dort wirklich optimiert machen? Und wir haben alle vorhandenen Ressourcen wirklich auf ein Optimum miteinander verbunden, sodass wir dort sowohl ein ökologisches Optimum schaffen, aber auch ein kaufmännisches Optimum schaffen. Das heißt, wir investieren in eine Energieversorgungsanlage, die sowohl für

4:42 moderat temperierte Wohnungen sorgt, als auch für Warmwasser und ausreichend Wärme sorgt, ohne dass es überbordend dimensioniert werden muss. Vielleicht noch ergänzend: Ich glaube, was sich in den letzten zehn Jahren dann schon getan hat, ist, mit dem Village haben wir damals begonnen und wir waren nicht das erste, aber eben für die damaligen Verhältnisse und da sind wir nach wie vor noch wahrscheinlich das größte, ich sage mal, weitgehend autarke Energieversorgungssystem. Aber in der Zwischenzeit ist das fast State of the Art, dass man beginnt, neue Projekte, zumindest soweit das am Standort möglich ist, mit autarken

5:18 Energieressourcen sozusagen zu entwickeln und damit auch in einer gewissen Weise die städtische Energieinfrastruktur ein bisschen entlastet und natürlich auch wirtschaftliche und ökologische Mehrwerte schafft. Das heißt, das ist ein bisschen aus der Kür die Pflicht geworden. Ja, definitiv. Also für uns als Konzern definitiv. Wir haben uns da schon sehr ambitionierte Ziele gesetzt, dass wir den Bestand weitgehend dekarbonisieren wollen, also soweit es möglich ist, beziehungsweise wir haben ein sehr ambitioniertes Dekarbonisierungsziel und da geht es halt auch sehr stark um fossile

5:58 Energieträger, von denen wir uns so weit wie möglich verabschieden wollen. Wie weit ist es denn für die Wien Energie auch wichtig, dass Projektentwickler da zu euch kommen und vielleicht auch weitere solche Kooperationen anstoßen? Sehr wichtig, weil genau darum geht es, auch zu schauen, in welchen Partnerschaften und in welchen Ausformungen schaut denn diese Energieversorgung der Zukunft tatsächlich auch aus. Auch wir als Energieversorger haben natürlich große Herausforderungen, was das Thema Dekarbonisierung betrifft. Wir haben aktuell einen relativ hohen Anteil an Fossilen in unserer Wärmeaufbringung für unser Fernwärmesystem.

6:33 Wir haben eines der größten Fernwärmesysteme in ganz Europa, in Wien. Das ist natürlich sehr bequem, dass wir das haben, aber wir haben natürlich auch eine große Herausforderung in der Dekarbonisierung des Ganzen. Und da kommen Projekte wie das Village tatsächlich ins Spiel, weil wir haben beim Village den Vorteil gehabt, dass die Fernwärme-Infrastruktur vor Ort schon vorhanden war. Das heißt, wir konnten diese als Standortressource ins Konzept mit einbauen und haben uns dadurch natürlich, was die Investition in das Erdwärme-, in das Geothermiesystem betrifft, natürlich etwas kleiner halten können.

7:06 So haben wir es geschafft, dieses Energiekonzept im Village sehr optimiert zu dimensionieren, nämlich auf eine Last zu dimensionieren, wo wir dieses Erdsondenfeld sehr ausbalanciert betreiben können. Und nur so schaffen wir es auch nachhaltig, diese Leistungskapazität dieses Erdsondenfelds auch optimiert zu nutzen, ohne dass es über die Jahre abnimmt. Und das ist ein wesentlicher Punkt bei so Erdspeichern, dass sie einfach, so wie sie entladen werden im Winter, durch die Wärmeentnahme im Sommer wieder beladen werden. Das heißt, die Wärmeentnahme des Winters muss im Sommer wieder rückgeführt werden und das sollte ausbalanciert passieren.

7:43 Wird da im Winter über Jahre zu viel entnommen, kann es natürlich passieren, dass diese Speicherkapazität weniger wird. Das heißt, dass ich über die Jahre weniger Wärmeenergie entnehmen kann. Und das heißt dann natürlich, dass ich über kurz oder lang weniger Wärme zur Verfügung habe. Das ist beispielsweise Bedrohungsszenario in Anführungsstrichen, wenn da nicht ordentlich Betrieb geführt wird, was wir im Village so nicht haben, weil wir das sehr optimiert eben genau auf diesen Fall ausgelegt haben. Spitzen, die eventuell kommen oder Mehrverbräuche, die kommen, die von diesem System nicht getragen werden können, können dann über eine Fernwärme abgedeckt

8:14 werden, weil die sowieso schon da war. Und das ist der Vorteil, wenn man wirklich so standortoptimiert wie im Village plant, dass man wirklich schaut, welche Ressourcen sind vorhanden, was habe ich denn hier wirklich alles und wie kann ich das jetzt wirklich optimiert miteinander verbinden? Und das ist das, was ARE und Wien Energie am Standort Village im Dritten gemeinsam gemacht hat. Das heißt, die Rolle der Wien Energie ist da in gewisser Weise auch im Wandel vom reinen Lieferanten hin zum Projektpartner. Absolut und auch zum Projektentwickler, weil wir natürlich auch schauen, welche Möglichkeiten gibt es tatsächlich hier energieversorgungstechnisch, auch was

8:47 Geschäftsmodelle beispielsweise betrifft. Wie kann man da flexibler werden? Wie kann man sich da auch stärker nach der Decke strecken und hier auch das Gesamtsystem mit verändern? Wie sehr hat denn das Projekt von dieser Partnerschaft profitiert? Das Projekt hat sehr stark davon profitiert, weil zum einen, ich glaube, so ein- So ein Energiesystem mit 500 Erdsonden baut man auch nicht jeden Tag. Das war Neuland für uns. Wir haben uns da sehr dankbar an einen erfahrenen Partner gewendet und gemeinsam die jeweiligen Qualitäten optimal genutzt und ich finde, das hat sehr gut funktioniert und funktioniert immer

9:26 noch sehr gut. Und wir haben einfach einen Energieversorger, nachdem auch die Fernwärme im Gebiet ist, ist es auch naheliegend, dass man sich da zusammenschließt und ein gemeinsames System baut. Also insofern, wir haben da die Vorteile definitiv überwogen beziehungsweise gibt es eigentlich keine Nachteile. Warum habt ihr euch denn da auch entschieden, diese Versorgung auf Quartiersebene, also baufeldübergreifend zu denken und nicht zu sagen: „Okay, das muss jetzt jeder Bauherr auf seinem Feld einzeln irgendwie entwickeln"? Einfach dadurch, dass wir dort die Möglichkeit haben und erstens waren wir von

10:03 Anfang an an der Quartiersentwicklung schon beteiligt und eine Quartiersentwicklung funktioniert halt nur, wenn man bauplatzübergreifend denkt und arbeitet. Und es gibt einfach aus dem Betrieb heraus im Energienetz, also bei einem bauplatzübergreifenden System, Vorteile für die einzelnen Bauplätze, die durch unterschiedliche Nutzungen und unterschiedliche Nutzungsprofile auch unterschiedliche Bedürfnisse haben und sich quasi gegenseitig aus den Niveaus ausschwären können. Das war einfach auch eine Effizienzentscheidung sozusagen. Das würde ich genau unterstreichen. Es ist einfach wesentlich effizienter, größere übergreifende Systeme zu bauen als

10:43 lauter kleine Einzelversorgungen. Das ist ein bisschen wieder vergleichbar zu Individualverkehr. Es gibt einfach schon Situationen und Objekte, da macht es einfach Sinn, eine Einzelversorgung zu machen und dann im dicht verbauten Gebiet, wie wir es hier im Village haben, wie wir es in der dicht verbauten Stadt haben, sind einfach übergeordnete Energieversorgungslösungen wesentlich effizienter. Wenn ich eine Einzelversorgung mache, dann muss ich diese Einzelversorgung auf eine mögliche Spitzenlast dimensionieren, die selten bis nie eintritt. Aber ich habe das Ding dann trotzdem dastehen. Ich muss es betreiben, ich muss es finanzieren und ich muss es vor allem anschaffen

11:16 und es braucht auch den Platz. Und genau diese Herausforderung habe ich bei der übergreifenden Lösung nicht, weil „one fits all" geplant wird und nie alle gleichzeitig die maximale Last brauchen. Genau da profitiert die Effizienz bei übergeordneten Lösungen massiv. Das ist der große Vorteil von übergeordneten Wärmelösungen. Wie hat sich denn das dann auch von der Investitionsseite her aufgeteilt? Wer hat wie viel investiert? Wem gehört jetzt was? Wenn ich da auch Bohrungen und Sonden unter fremden Bodenplatten habe. Wir haben das im Village fifty-fifty umgesetzt, was die Partnerschaft Wien Energie

11:54 und AREB betrifft. Das heißt, wir sind auch zu 50 % im Eigentum der Village, im dritten Energie- und Infrastruktur GmbH und Co. KG und die Sonden unter den Baufeldern befinden sich im Eigentum der Village. Also die Gesellschaft ist Eigentümerin des Energienetzes sozusagen und hat Servitute auf den einzelnen Bauplätzen für die Sonden. Wie gut ist denn das dann auch bei den einzelnen Bauträgern und Entwicklern angekommen, dass das schon da ist, dass sie sich um das nicht mehr kümmern müssen? Es ist auf der einen Seite, hat es natürlich eine gewisse Überzeugungsarbeit gebraucht, weil es ein neues System war. Die Leute waren unsicher.

12:34 Man hat nicht genau gewusst, was das ist, wie sicher das ist. Auf der anderen Seite ist es natürlich schon so, dass alle dankbar waren, dass es ein Konzept gegeben hat, an dem sie sich anhängen konnten. Es hat im Vorfeld einen gewissen höheren Vorbereitungsaufwand, einen höheren Koordinationsaufwand gebraucht. Wir haben auch gewisse baulogistische Maßnahmen setzen müssen, um das in den Baubetrieb richtig eintakten zu können, aber im Prinzip ist es gut angenommen worden und war auch früh genug sozusagen so weit entwickelt, dass man es einfach schon den Bauträgern auch als weitgehend

13:14 fertiges Konzept hinlegen hat können. Das heißt auch im Hinblick auf neue Projekte, weitere Quartiersentwicklungen und Kooperationen mit anderen Projektentwicklern würdet ihr es vielleicht sogar wieder so machen? Das muss man sich immer im Detail anschauen, im Einzelfall, aber grundsätzlich liegt es einfach auf der Hand, dass man das weiterbetreibt bei größeren Entwicklungen. Wir haben alle sehr viel gelernt durch dieses Projekt, weil es doch ein Leuchtturmprojekt jetzt vor allem in dem Bereich war, weil es wirklich ein sehr großes innerstädtisches Quartier einfach ist. Und ich glaube, die gesamte Immobilienbranche hat ein bisschen was davon gelernt.

13:52 Bauträger haben gelernt, wir als Energieversorger haben gelernt. Ich glaube, ihr habt es gelernt und das ist natürlich auch immer sehr wichtig, damit sich was auch weiterentwickeln kann. Und da merkt man, da hat das Village schon einen großen Anstoß gegeben, weil es wie der Gerd gerade schon gesagt hat, das, was wir da als sehr neu gemacht haben, ist jetzt schon so ein bisschen Status quo geworden. Und da ist natürlich das Learning aus dem Village heraus für die gesamte Branche ein sehr, sehr wichtiges gewesen. So auch für uns auch in der gesamten Ablaufplanung haben wir eben auch durch diese Richtung, wie der Gerd auch schon gesagt hat, sehr viel Koordinationsaufwand, sehr

14:23 viel Abstimmungsaufwand, das eine oder andere Learning mitgenommen. Das wird man in Zukunft vielleicht ein bisschen anders angehen, was müssen wir vielleicht früher machen und so weiter. Aber das sind genau diese Projekte, die notwendig sind, um diese Learnings zu machen, auch diese Weiterentwicklungsschritte machen zu können. Und da war das Village, glaube ich, für die gesamte Branche in Wien ein sehr wichtiges Projekt. Da möchte ich auch dazu sagen, dass unsere Kollegen, die das umgesetzt haben, wirklich tolle Arbeit geleistet haben. Also die haben sich da wirklich reingekämpft voll und das war wirklich gut.

14:52 Und natürlich lernt man dazu, aber es war alles mit Begeisterung und sehr viel Aufwand drinnen. Ja, das würde ich auch unterstreichen und das ist, glaube ich, auch ein Thema. Die Menschen, die da agiert haben, die haben wirklich an das Ding unter Anführungsstrichen geglaubt und waren mit sehr viel Leidenschaft dabei. Es braucht auch sehr viel Vertrauen in der Zusammenarbeit. Man hat so in dieser Form noch nicht zusammengearbeitet, auch in dieser Intensität nicht. Und das hängt schon von den agierenden Menschen ab. Und das hat einfach super funktioniert, funktioniert nach wie vor sehr gut, weil es

15:22 einfach eine Vertrauensbasis da ist, dass man miteinander tun kann und arbeiten kann, dass man auch Herausforderungen konstruktiv lösen kann. Und das ist schon auch für persönliche Weiterentwicklung ein spannendes und großartiges Projekt. Gott sei Dank mache ich es nicht, aber nehmen wir mal an, ich würde jetzt auch ein Projekt entwickeln. Was wären denn aus diesen ganzen Learnings, die du angesprochen hast, dieses eine Key Learning für dich und für dich Gerd eventuell, das ihr mir mitgeben wollt? Worauf muss ich achten? Das eine, die eine große Reise. Mach das auf gar keinen Fall oder mach das unbedingt. Was würdet ihr mir sagen?

15:58 Ich glaube, der wichtigste Punkt war tatsächlich, womit wir uns auch sehr schwergetan haben, aber das dann auch durchgehalten haben, war tatsächlich: Es ist ein Quartier mit sehr vielen Bauplätzen, aber jeder Bauplatz bekommt dieselbe Lösung und dieselbe Qualität der Leistung. Das heißt, völlig unabhängig davon, ob es ein freifinanzieter Bau ist, ob es ein gemeinnütziger Bau ist, alle kriegen dasselbe Produkt. Es gibt keinen Unterschied zum gemeinnützigen Wohnbauträger, zum Freifinanzierten und so weiter, was da tatsächlich an Wärme und Kälte oder Temperatur, wie auch immer, geliefert wird. Das ist tatsächlich ein one fits all Konzept.

16:34 Alle kriegen die gleiche hohe Qualität. Es gibt da keine Unterschiede. Und wir haben in den Verhandlungen mit den Bauträgern schon sehr viele Diskussionen geführt. Kann man nicht da? Wir haben oft auch diskutiert: Soll man nicht, machen wir nicht? Haben uns dann dazu entschlossen: Nein, es ist one fits all, weil davon lebt die Effizienz in diesem Gesamtsystem. Und genau davon lebt auch das Quartier. Und das war, glaube ich, schon ein wesentlicher Punkt, da auch darauf zu bleiben und nicht in einem Quartier dann lauter Individuallösungen miteinander zu verbinden, sondern zu sagen: Das ist die Quartiersversorgung und da stehen jetzt

17:08 dann quasi alle Häuser drauf, unter Anführungsstrichen. Gerd, weil es Betriebsgeheimnis. Traust du mir als Projektentwickler das? Ich glaube zum einen, dass man sich wirklich ausreichend Zeit für die Vorbereitung nimmt. Also gerade diese Anlaufphase, die war intensiv, die war lange. Wir haben da auch was die Vertragsausgestaltung angeht, was die ganzen rechtlichen Themen angeht, was baulogistische Aufgaben angeht. Da haben wir sehr viel Zeit reingesteckt, investiert, viel gelernt. Gleichzeitig braucht es dann trotzdem einen klaren Plan, aber gleichzeitig eben auch eine gewisse Flexibilität. Man hat dann gesehen, die Bauplätze, die Zeitpläne

17:48 halten alle. Also es ist nie so, wie man es fünf Jahre vorher plant. Also Zeitpläne halten nicht, es verschieben sich vielleicht die Etappen. Da muss man eine gewisse Flexibilität auch zulassen, damit das System dann wirklich weiterhin funktioniert, auch in der Bauphase schon. Also eine Mischung aus guter Vorbereitung, aber trotzdem Bereitschaft, gewisse Veränderungen zuzulassen. Hoher Planungsgrad und eine hohe Effektivität der Projektentwicklung. Danke fürs Lob. Jetzt ist das Ding auch schon seit einer gewissen Zeit im Teilbetrieb. Wenn man sich heute anschaut, was sind denn jetzt tatsächlich die

18:29 großen Vorteile? Ist es der Klimaschutz, den du angesprochen hast? Sind es die Betriebskosten oder ist es die Unabhängigkeit? Es ist die Kombination aus allem. Es ist wirklich ein hocheffizientes System. Wir haben das grundsätzlich auch geplant und man berechnet natürlich am Anfang: „So sollte es sein.“ Und das ist immer Theorie und Praxis, zwei verschiedene Paar Schuhe, wie wir wissen. Und es ist auch so, diese gesamte Quartierslösung soll sehr optimiert laufen. Das heißt, wir haben von Anfang an auch gesagt: „Wir stellen jetzt eine Quartierslösung hin und dann abhängig von der Außentemperatur macht sie halt

18:59 irgendetwas“, unter Anführungsstrichen, sondern das soll wirklich bedarfsorientiert, je nachdem, was von den Mietern, von den Eigentümern, von den Nutzern gerade angefordert wird, das soll geliefert werden, nicht mehr und nicht weniger. Und da sehen wir schon, dass das wunderbar funktioniert und dass wir da auch schon sehr viele Learnings drinnen haben, wie wir da auch noch besser werden können. Also da ist es schon für uns insgesamt ein sehr großes Learning, auch im geschlossenen Betrieb von solchen Quartiersversorgungen hier maximal effizient und kostengünstig unterwegs zu sein. Vielleicht noch ergänzend: Das, was hier eigentlich sozusagen unter

19:32 Anführungszeichen als Abfallprodukt anfällt. Wir haben einfach neben der Wärmeleistung, die wir dem Kunden bereitstellen, gibt es auch noch die Temperierung, also im Sommer, um die Erdsonden wieder aufzuladen, werden die Wohnungen bis zu einem gewissen Grad temperiert und das ist sozusagen ein kostenloses Abfallprodukt, wenn man das so bezeichnen will. Das ist ein Mehrwert, den man eigentlich in klassischen Systemen so nicht hat. Und das glaube ich auch, dass sich das gerade in der aktuellen Zeit durchaus als guter und schöner Mehrwert darstellt. Ist dieser Kühleffekt insgesamt, wenn man jetzt schaut, nach diesem Sommer haben

20:14 wir oft gehört, zum Beispiel, Klimaanlagen in U-Bahnen sind gar nicht dimensioniert auf diese Hitze. Ist dieses Abfallprodukt ausreichend, um das Quartier auch für kommende Sommer und Hitzerekorde fit zu machen? Es ist immer sehr schwierig, außergewöhnliche Klimaereignisse mitzuplanen. Grundsätzlich ist die Temperierung in den Nutzungsobjekten so ausgelegt, dass durch die vorhandenen Flächenheizungen in der Wohnung vorhandene sommerliche Überhitzung unter Anführungsstrichen abtransportiert wird. Diese Wärme wird durch das vorhandene System abtransportiert und im Erdspeicher in den Sonden durch die Sonden in der Erde gespeichert.

20:53 Das heißt, wir transportieren einfach Wärme aus den Nutzungsobjekten in den Erdspeicher, damit wir es im Winter wieder nützen können. Das ist das, worauf Temperierung tatsächlich ausgelegt ist. Temperierung ist keine aktive Kühlung. Das ist auch nichts, was man regeln kann und abhängig davon, wie die Wohnung auch situiert ist – das sind Windlasten, das ist Sonneneinstrahlung, das sind innere Lasten durch Abwärme von Kühlschrank, Computer, Fernseher, was auch immer – ist das sehr unterschiedlich, wie viel Grad Raumtemperatur da auch abgesenkt werden können durch diese Maßnahme. Deswegen kann man es nicht pauschal sagen, aber es ist auf

21:28 alle Fälle so, dass diese Temperierung, die für die Nutzer keine Extrakosten verursacht, auf alle Fälle zur Vermeidung der sommerlichen Überhitzung beiträgt. Gab es eigentlich auch einen Plan B für diese Zusatzversorgung durch die Erdwärme oder ein anderes Kooperationsmodell für das ganze Projekt? Es gab anfangs, glaube ich, unterschiedliche Varianten von Energiekonzepten, die umsetzbar wären, wobei wir im Gespräch miteinander relativ schnell einfach zu dem Punkt gekommen sind, wo Ari gesagt hat: „Wir möchten nachhaltig ökologisch Energieversorgung.“ Und auch wir als Wien Energie gesagt haben: „Wir

22:06 setzen auf standortoptimierte Quartierskonzepte.“ Und da war die Partnerschaft eigentlich in die Wiege gelegt unter Anführungsstrichen, weil wir einfach auch das gleiche Ziel verfolgt haben und sind auch relativ schnell genau zu dem Punkt gekommen, wo wir gesagt haben: „Die Ressourcen sind vor Ort vorhanden. So schaut die Infrastruktur aus. Wie können wir das optimal miteinander nutzen?“ Die Entwicklung vom Village geht ja schon weit über 2015 zurück oder zumindest die Überlegungen zur Entwicklung. Wir haben im Vorfeld auch andere Quartiere entwickelt. Da war eigentlich immer State of the Art, dass man schaut, dass man Fernwärmeanschluss kriegt, dass man

22:45 zumindest kein Gas oder irgendetwas anderes verwenden muss. In den Anfängen waren wir klassisch beim Fernwärmeanschluss im Village und das hat sich eigentlich dann gezeigt, dass man einfach verstärkt auf lokale und erneuerbare Ressourcen setzen will und da war es auch relativ schnell, wie es die Michaela gesagt hat, dass man in diese Lösung hineingekommen ist. Ihr habt ja jetzt auch schon erste Erfahrungen aus dem Teilbetrieb, ein Teil ist schon über ein Jahr jetzt. Das heißt, die erste Heizkosten- und die erste Heizperiode und Kühlperiode ist quasi schon abgerechnet. Seid ihr jetzt noch darauf gekommen, wo müsst ihr noch nachbessern oder

23:22 funktioniert alles gut? Es funktioniert grundsätzlich alles gut und in der Optimierung hören wir nie auf, weil ja weiter besiedelt wird. Das heißt, immer mehr Last dazukommt, immer mehr Anlagen dazukommen, das Quartier langsam weiter wächst. Das heißt, mit Optimierung werden wir als Betreiber des Energiesystems dort nie aufhören. Da gibt es immer etwas zu tun. Es verändern sich immer Bedürfnisse, es verändert sich immer Bedarf, es wird Nutzerwechsel geben und so weiter. Also Optimierung wird es dort immer geben. Also wir kriegen sehr gutes Feedback. Das ist erfreulich, ist auch sehr selten, weil normalerweise kriegt man nur

23:57 Feedback, wenn irgendetwas nicht so gut ist. Mir ist kalt. Insofern, wir arbeiten ständig daran, besser zu werden, aber aktuell so wirkliche konkrete Einlassungen haben wir keine. Also es gibt nichts, wo ihr sagt: „Daran haben wir gar nicht gedacht oder das kommt erst jetzt im Betrieb heraus.“ Wir haben, was die Planung der Energiezentralen betrifft und so weiter, schon das eine oder andere Learning, aber da würde ich jetzt ins technische Detail gehen. Klarerweise, da haben wir schon, vor allem was regelungstechnisch, was Sensorik und so weiter betrifft, haben wir anders geplant, als wir dann tatsächlich ausgeführt

24:30 haben. Wir haben auch jetzt im Betrieb gesehen, dass die eine oder andere Sensorik falsch platziert ist oder besser anders platziert wird oder zusätzliche Sensorik installiert wird und so weiter. Also haben einige Learnings mitgenommen, aber das ist das, was ich gemeint habe, auch mit der Optimierung, dieses Grundkonzept: Wie wird es gemacht? Das ist fix. Und die Feinheiten, das dann zu tunen unter Anführungsstrichen, sage ich jetzt mal, das ist dann die lebenslange Aufgabe in so einem Quartier. Inwieweit ist denn da auch Digitalisierung, KI, Predictive Maintenance bei euch ein Thema? Bei uns ein Riesenthema, ja, weil eben genau diese Logik im Village erschaffen.

25:06 Einfach dieses System, das einfach lernt. Jedes Energiesystem, jede Versorgungsanlage hat irgendwo Kinderkrankheiten. Das kennt man in der Technik, die muss man finden. Das wird vielleicht auch im Village auftauchen irgendwann. Bis jetzt ist es nicht aufgetaucht, Gott sei Dank. Es funktioniert wirklich wunderbar. Das ist großartig, aber es wird immer Verbesserungen geben. Und genau da geht es darum, dass man aus solchen Quartieren dann auch, wie soll ich sagen, gewisse Leitsätze ableiten kann, dass man sagen kann: „Wenn ein Quartier größer ist als, dann muss man auf das und das achten.“ Genau das sind die Sachen,

25:39 die wir auch im Village suchen. Das kann ich nur unterstreichen. Das ist bei uns auch im Bereich der technischen Betriebsführung, vor allem dann bei den Universitäts- und Bildungseinrichtungen, bei den Labors, wo es wirklich sehr hochtechnologische Haustechnikanlagen gibt, ein Thema, das immer mehr kommt und auf das wir ein sehr großes Augenmerk legen. Immobilienentwicklungen sind aber relativ langfristig. Das heißt, das, was wir jetzt lernen, kann man dann in ein Projekt einarbeiten, das in drei, vier, fünf Jahren dann fertiggestellt ist. Das heißt, der Zyklus ist relativ lang. Aber wir sind immer dabei, weiter zu lernen.

26:21 Jetzt vielleicht noch ein finales Gedankenspiel: Wenn ich jetzt eine Zeitmaschine hätte und wir würden zurückreisen in 2016, du kannst noch einmal von vorne anfangen, kommt wieder das Gleiche heraus? Im Großen und Ganzen, ja, denke ich schon. Ich glaube, jetzt unabhängig vom Energiesystem, also was den Städtebau betrifft, glaube ich, dass man damals schon sehr innovative Ansätze gehabt haben. Es wird vielleicht gewisse Themen wie Schwammstadtprinzip und so verstärkt eingesetzt werden, aber grundsätzlich glaube ich, dass wir mit diesem weitgehend autofreien Quartier und mit den qualitätsvollen Außenanlagen, mit der Durchmischung, mit der sozialen

27:04 Durchmischung, glaube ich, wirklich einen Meilenstein geschaffen haben. Und da spielt natürlich das Energiesystem hinein, das damals einfach ein innovatives und sehr neues Konzept war. Wie gesagt, wir haben es geschafft, das jetzt in den Regelbetrieb zu bringen und das ist jetzt eigentlich der Standard, an dem sich viele andere orientieren und man sieht es im Roten Hasel, im High Tech Hole, dass da überall in Aspern draußen in den neuen Quartieren, dass überall mit Energienetzen gearbeitet wird. Also ich glaube, wir haben alles richtig gemacht. Im Großen und Ganzen. Es hat funktioniert. Es hat gut funktioniert.

27:45 Michaela, vielleicht noch dein Schlusswort. Wir haben es vorher auch gesagt, diese partnerschaftlichen Konzepte werden immer wichtiger, auch für euch als Wien Energie. Ab wann ist denn da ein Projektentwickler für euch spannend? Ab wann soll ich denn zu euch kommen, wenn ich zehn Wohnungen baue, 50, 100? Jederzeit. Grundsätzlich haben wir keine Mindestgröße für ein Quartier. Jedes Quartier ist spannend und jedes Quartier ist anders. Wir haben das Village im Dritten, wo wir die Kombination haben. Wir haben beispielsweise in der Meißlgasse draußen ein großes Quartier, das wir gerade machen. Da war infrastrukturtechnisch keine Fernwärme da.

28:21 Da arbeiten wir ausschließlich mit Erdsonden. Da haben wir teilweise sogar Solarthermieanlagen mit dabei. Wir haben beispielsweise im oberen Hausfeld draußen ein Quartier, das gerade in der Richtung ist, wo wir mit Brunnen arbeiten und mit Fernwärmerücklauf arbeiten. Es kommt einfach wirklich immer darauf an, welche Standortressourcen habe ich tatsächlich. Und wenn wir jetzt beim Village bleiben: Das war ein sehr großes Stadtentwicklungsgebiet, genannt Eurogate. Es gab das Eurogate eins, das ist gleich gegenüber vom Village im Dritten. Das ist das Neubaugebiet dort, das ist rein fernwärmeversorgt.

28:51 Deswegen war die Fernwärmeinfrastruktur dort. Paar Jahre später, Eurogate zwei, jetzt Village im Dritten. Standortressourcen ganz anders genutzt. Es wäre sehr schade, die Ressource am Standort, dieses Erdreich unter Anführungsstrichen ungenutzt zu lassen und es zu 100 % mit Fernwärme zu versorgen. Andererseits wäre es auch nicht clever gewesen, unter Anführungsstrichen, jetzt noch viel mehr Technik in diesen Boden reinzubauen, um auf irgendwelche Spitzenlasten auszulegen, wenn ich Infrastruktur wie Fernwärme vor der Haustür habe und sie nicht extra hinbauen muss. Und so ist es einfach immer sehr spannend zu schauen: Wie schaut die Örtlichkeit

29:25 aus? Was ist an dem Standort genau das Besondere, das ich optimiert nutzen kann? Und das ist das, was wir machen und da war die Ari ein großartiger Partner, genau die Arbeit auch umzusetzen. Wunderbar. Danke schön. Danke für eure Zeit. Danke für die interessanten Einblicke. Danke für die Einladung. Danke, danke. Hat Spaß gemacht. Und euch danke fürs Zuschauen und wenn ihr keine Folge unseres Ooffice Talk mehr verpassen wollt, dann folgt unserer LinkedIn-Seite, die unabhängige Immobilienredaktion oder registriert euch gleich direkt auf immobilien-redaktion.com.

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