Man kennt das Gefühl. Die Sommerpause ist vorbei, der Kalender bis Weihnachten voll, und irgendwo zwischen zwei Terminen fragt man sich, wie das alles zu schaffen sein soll. Genau dort setzte Wolfgang Kradischnig in seiner Begrüßung an: „Trotz dieser Hektik ist es wichtig, innezuhalten und hinzuschauen. Nämlich hinzuschauen auf das, was man schon geschafft hat, und wo man jetzt steht.“
Und das ist einiges. 1977 in Wels als Architektur- und Planungsbüro gegründet, ist DELTA heute eine Gruppe mit Standorten in Österreich, Tschechien, der Slowakei und der Ukraine. Nach eigenen Angaben arbeiten dort mehr als 400 Mitarbeitende in Architektur, Baumanagement und Consulting. Für Kradischnig ist die Größe kein Selbstzweck: „Sie dient dazu, unseren Kundinnen und Kunden bei komplexen Projekten interdisziplinäre, ganzheitliche Lösungen bieten zu können.“ Dafür brauche es Expertise, vor allem aber „Menschen, die nicht nebeneinander, sondern miteinander arbeiten“.
Fünfzig Jahre und noch lange nicht fertig
Die MathematikerInnen unter den Gästen hatten es ohnehin schon ausgerechnet: Im kommenden Jahr wird DELTA fünfzig. Gefeiert werden soll am 3. Juni 2027 in den Sofiensälen in Wien. Kradischnig gab den Termin kurzerhand als „Save the Date“ von der Bühne aus. Wer daraus eine Rückschau erwartet, wird sich aber wundern. „Das ist nicht nur ein Meilenstein für uns, das ist vor allem ein Auftrag“, so Kradischnig. Die Branche trage Verantwortung für Mensch und Umwelt, und DELTA wolle als „Wegbereiter für bessere Welten“ zur Transformation der Bau- und Immobilienwirtschaft beitragen. Sein Nachsatz: „Da sind wir noch lange nicht am Ziel.“
Brünn, gleich ums Eck
Wolfgang Gomernik übernahm und wechselte ins Englische, denn im Publikum saßen zahlreiche Gäste aus der Slowakei, der Ukraine und Deutschland. Seine Botschaft: DELTA werde europäischer und stärker vernetzt. Gerade in schwierigen Zeiten müsse man zusammenhalten und die Aktivitäten ausbauen. Konkret kündigte er ein Büro in Brünn an, sinngemäß „gleich ums Eck, aber doch ein anderes Land“. In Tschechien ist die Gruppe bisher in Třebíč, Prag und Žďár nad Sázavou vertreten, weitere Schritte sollen im kommenden Jahr folgen.
Ausdrücklich würdigte Gomernik die Teams in der Ukraine, nach seinen Worten drei Büros. Sie gingen durch harte Zeiten, seien aber mehr als resilient und dabei erfolgreich. Für KundInnen solle es künftig keine Rolle spielen, ob ein Projekt in Paris aus Gleisdorf, Bratislava oder Brünn betreut werde. Die Leistung komme von dort, wo die besten Köpfe sitzen.
Einen Teaser gab es auch: Beim nächsten Standortfest soll ein neuer Geschäftsbereich für Infrastruktur und Energie präsentiert werden. Gomernik verglich das augenzwinkernd mit einer Apple-Keynote.
Architektur für Menschen, nicht für Monumente
Die Architektur sei bis heute Teil der DNA, erinnerte Christina Lang. Delta Pods Architects, der Architekturbereich der Gruppe, zählt nach Unternehmensangaben mehr als 160 Mitarbeitende, die länderübergreifend arbeiten. Geschäftsführer Markus Hiden beschrieb den Anspruch als ganzheitlichen Ansatz mit Generalplaner-Gedanken. Der Vorteil liege im „Delta-Kosmos“, in dem alle Disziplinen im Haus sind.
Wie viel das in der Praxis ausmacht, zeigte er am Beispiel der Elisabethinen Wien-Mitte in der Landstraße, die er rund zehn Jahre lang betreut hat. Umgebaut wurde im laufenden Spitalsbetrieb, in innerstädtischer Lage und mit dem Bundesdenkmalamt am Tisch. 2023 gab es dafür die Denkmalschutzmedaille der Republik. Gelungen sei das nur, weil alle an einem Strang gezogen hätten.
Marián Kupka, CEO von DELTA in der Slowakei, formulierte es grundsätzlicher: Man entwerfe keine schönen Monumente, sondern Räume, die sich die NutzerInnen zu eigen machen. Das eigene Büro in Bratislava sei dafür der Härtetest gewesen, denn das Team war Planer und Nutzer zugleich. Ob es funktioniert habe, zeige sich erst nach Jahren: wenn sich Mitarbeitende und Gäste dort immer noch wohlfühlen.
Reinhard Bärnthaler ist seit Juni in der Geschäftsführung von Delta Pods Architects. Er brachte die Zukunft auf ein Wort: Komplexität. Die spannendste Aufgabe sei, sie gemeinsam mit KundInnen und PartnerInnen zu lösen, „auf Augenhöhe“.
Tragwerk trifft Grundbau
Die eigentliche Neuigkeit des Abends lieferte Arno Gingl, Geschäftsführer der Delta Managing & Consulting Engineers. DELTA ist bei der Wiener Dipl.-Ing. Alexander Katzkow & Partner GmbH eingestiegen, laut Gingl mit einer Mehrheitsbeteiligung. In der Tragwerksplanung sei man mit Vatter & Partner bereits stark aufgestellt. Nun kämen zusätzliche Ressourcen hinzu, dazu Kompetenz in Geotechnik und Grundbau. Für diese Aufgaben habe man bisher externe Partner gebraucht. Geschäftsführer, Team und Marke bleiben erhalten.
Alexander Katzkow erzählte, dass vom ersten Kontakt bis zur Beteiligung rund drei Monate vergangen seien. Verhandelt worden sei auf Augenhöhe. Am selben Tag hatte er erstmals am internen Kompetenztag von DELTA teilgenommen. Sein Fazit fiel offen aus: „Ich habe schon gewusst, dass die Delta Gruppe wirklich gut aufgestellt ist. Aber dass sie so gut aufgestellt ist, das habe ich mir auch nicht erwartet.“
Baumanagement: Komplexität herunterbrechen
Als Letzte auf der Bühne sprach Evelyn Parnigoni, Geschäftsführerin im Baumanagement und Leiterin des Standorts Wien. Die Anmoderation ihres Bereichs als „stärkste Sparte“ relativierte sie charmant. Projekte würden komplexer und schneller, Kosten, Termine und Qualität müssten trotzdem halten. Besonders im Gesundheitsbau, ihrem Steckenpferd, werde fast immer im Bestand und im laufenden Betrieb gebaut. Medizinische und hygienische Anforderungen kämen hinzu, „und daneben noch so ein kleines Bauprojekt, das ja eh ganz easy läuft“. Aufgabe des Baumanagements sei es, diese Komplexität herunterzubrechen, Entscheidungsgrundlagen transparent aufzubereiten und alle Beteiligten auf ein gemeinsames Ziel auszurichten. Ihr Fazit: „Unsere Stärke liegt im gemeinsamen Zusammenspiel unserer Disziplinen.“
Zwei Termine für den Kalender
Zum Schluss war vom „unbändigen Willen“ die Rede, sich weiterzuentwickeln und die Welt „ein bisserl besser“ zu hinterlassen, als wenn es DELTA nicht gäbe. Der Dank galt auch den Gästen, die trotz Schauerwetters und mehrerer Parallelveranstaltungen gekommen waren, darunter der ÖBB-Immobilien-Cocktail in den Wiener Börsensälen. Wer das Jubiläumsjahr verfolgen will, hat zwei Termine: den 3. Juni 2027 in den Sofiensälen und das nächste Standortfest, bei dem sich zeigen soll, was hinter „Infrastruktur und Energie“ steckt.
DELTA Standortfest 2026 auf einen Blick
Datum und Ort: Donnerstag, 24. September 2026, DELTA-Büro im 3. Wiener Bezirk
Gastgeber: DELTA AG, CEOs Wolfgang Kradischnig und Wolfgang Gomernik
Unternehmen: gegründet 1977 in Wels, nach eigenen Angaben mehr als 400 Mitarbeitende in Österreich, Tschechien, der Slowakei und der Ukraine
Neu: Einstieg bei der Dipl.-Ing. Alexander Katzkow & Partner GmbH, Wien (Tragwerksplanung, Geotechnik)
Angekündigt: Büro in Brünn, Geschäftsbereich Infrastruktur und Energie
Nächster Termin: 50 Jahre DELTA, 3. Juni 2027, Sofiensäle Wien