Werbung
Anzeige
Überspringen in  s

3SI Immogroup kauft saniertes Eckzinshaus am Karmelitermarkt

377

 Artikel

5

 Erwähnungen

5 Follower folgen
5 Minuten Lesezeit

Die 3SI Immogroup hat ein saniertes Eckzinshaus in der Großen Pfarrgasse im Wiener Karmeliterviertel erworben. Vermittelt hat Colliers Österreich – off market, im Exklusivmandat des Verkäufers, ohne öffentliche Vermarktung. Das vollvermietete Gründerzeithaus umfasst mehr als 2.300 Quadratmeter Nutzfläche und 25 Wohneinheiten. Ein Kaufpreis wurde nicht kommuniziert. Ein Rangordnungsbeschluss liegt vor, die Verbücherung läuft.

Es ist einer jener Deals, die man in keinem Exposé findet. Kein Bieterverfahren, kein Inserat, keine Roadshow – ein Eigentümer, der seit Jahrzehnten hält, ein Makler mit Exklusivmandat, ein Käufer, der in diesem Grätzl ohnehin schon zuhause ist. Und am Ende eine Aussendung, die den wichtigsten Wert verschweigt.

25 Wohnungen, ein Restaurant und ein Dachgeschoß von 2023

Das Objekt ist kein Rohdiamant, sondern ein fertiges Ertragshaus. Laut Colliers-Aussendung verfügt das Eckzinshaus über mehr als 2.300 Quadratmeter Nutzfläche, verteilt auf 25 Wohneinheiten, die zum Zeitpunkt des Verkaufs vollständig vermietet waren. Im Erdgeschoß ist ein Fine-Dining-Restaurant eingemietet. Das Dachgeschoß wurde 2023 ausgebaut – samt Luftwärmepumpe, was im Gründerzeitbestand noch immer die Ausnahme und nicht die Regel ist.

Der interessanteste Wert steht ein wenig versteckt: Knapp 60 Prozent der Mietverträge sind befristet. Für einen Bestandshalter ist das die eigentliche Währung. Befristete Verträge laufen aus, und was ausläuft, lässt sich neu vermieten.

Womit man beim Lagezuschlag wäre. In Gründerzeitvierteln im Sinne des Richtwertgesetzes ist er unzulässig. Ob die Große Pfarrgasse im Verzeichnis der MA 25 aufscheint, ist adressscharf zu prüfen – die Kernstraßen rund um den Karmelitermarkt dürften nach derzeitigem Stand nicht erfasst sein, anders als Teile des Stuwer- und Volkertviertels. Das klingt nach Kleingedrucktem. Es entscheidet aber über einen erheblichen Teil der erzielbaren Miete.

Off market: der Deal, den niemand ausgeschrieben hat

Colliers war vom bisherigen Eigentümer exklusiv beauftragt und wickelte den Verkauf ohne öffentliche Vermarktung ab. Christian Grascher, Consultant Capital Markets bei Colliers, nennt als ausschlaggebende Faktoren die innerstädtische Wohnlage nahe dem Karmelitermarkt, die stabilen Erträge aus der Vollvermietung, den hohen Befristungsanteil im Dachgeschoß sowie den gehobenen technischen Ausführungsstandard – in Summe, so Grascher, die „Attraktivität des Investments“.

Es ist nicht die erste gemeinsame Transaktion der beiden Häuser. Colliers vermittelte bereits den ersten 3SI-Showroom am Graben und im Vorjahr das Eckzinshaus Taborstraße 30 im zweiten Bezirk. Off-Market-Prozesse sind in diesem Segment längst kein Nischenphänomen mehr, sondern für viele langjährige PrivateigentümerInnen der bevorzugte Weg: kein Besichtigungstourismus, keine Verunsicherung der MieterInnen, kein Preis im Schaufenster.

Ein Käufer, der in der Leopoldstadt längst zuhause ist

Die 3SI Immogroup ist ein Wiener Familienunternehmen in dritter Generation mit Sitz in der Tegetthoffstraße. Geschäftsführer ist Michael Schmidt. Nach eigenen Angaben hält das Unternehmen über 100 Zinshäuser beziehungsweise mehr als 3.000 Wohnungen an rund 250 Adressen mit über 120.000 Quadratmetern Fläche und beschäftigt mehr als 50 MitarbeiterInnen.

Der Ankauf passt ins Muster. In der Jahresbilanz für 2025 berichtete das Unternehmen, über 25 Zinshäuser und Zinshausanteile in innerstädtischen Lagen neu in den Bestand aufgenommen zu haben, bei – laut Michael Schmidt – „über 300 verkauften Wohnungen“ und damit einem Rekordjahr. Die erklärte Linie für 2026: Bestand statt Neubau. Erhalt und behutsame Sanierung statt Abriss.

Das ist, nebenbei bemerkt, nicht nur Philosophie, sondern auch Baurecht. Seit der Wiener Bauordnungsnovelle 2018 ist der Abbruch von Gebäuden, die vor dem 1. Jänner 1945 errichtet wurden, bewilligungspflichtig – auch außerhalb von Schutzzonen. Wer Gründerzeit kauft, kauft sie mit.

Im Karmeliterviertel ist die 3SI ohnehin keine Unbekannte: Das Projekt „Karmelita“ in der Nachbarschaft wurde ab 2020 revitalisiert und 2021 in den Abverkauf gebracht, dazu kommen „The Pearl“ nahe dem Markt und ein Ankauf in der Schüttelstraße. Der Neuzugang schließt eine Lücke, er eröffnet keine neue Front.

Zurück über der Milliarde

Der Zeitpunkt ist kein Zufall. Der Wiener Zinshausmarkt hat 2025 erstmals seit 2022 wieder die Milliardenschwelle überschritten. Laut dem Zinshaus-Marktbericht Frühjahr 2026 von Otto Immobilien lag das Transaktionsvolumen bei rund 1,04 Milliarden Euro, ein Plus von 19 Prozent gegenüber 2024, bei 348 Transaktionen – der höchsten Zahl seit drei Jahren. Geschäftsführer Eugen Otto spricht von einem „klaren Erholungszeichen“.

Die weiteren Kennzahlen: eine Durchschnittsrendite von 3,15 Prozent, ein Minimalpreis von rund 1.540 Euro pro Quadratmeter, in Toplagen bis zu 10.557 Euro. Und ein Bestand, der weiter schrumpft: 13.346 Gründerzeit-Zinshäuser zählt Otto noch, rund 14 Prozent weniger als 2009. Hauptursache ist nicht der Abriss, sondern die Parifizierung.

Wer kauft, ist ebenso aufschlussreich wie was: Im zweiten Halbjahr 2025 entfielen rund 90 Prozent des Volumens auf juristische Personen als Käufer und 72 Prozent als Verkäufer. Otto-Investmentleiter Philipp Maisel verweist auf die „Rückkehr der Zinshausentwickler“. Für 2026 prognostiziert das Haus rund 1,3 Milliarden Euro – eine Prognose, wohlgemerkt, kein Ist-Wert.

Dahinter stehen zwei Entwicklungen: das Auslaufen der KIM-Verordnung Mitte 2025 und die Zinssenkungen der EZB. Beides hat Finanzierungen wieder darstellbar gemacht. Die FMA-Kennzahlen wirken als Empfehlung weiter, aber der Deckel ist weg.

Warum ausgerechnet dieses Grätzl

Das Karmeliterviertel ist das Lehrbuchbeispiel der Wiener Aufwertung. Vor dreißig Jahren galt der Bezirksteil rund um den Markt – dessen Privileg auf 1671 zurückgeht – als vernachlässigt und günstig. Heute liegen die Angebotspreise für Eigentum je nach Quelle grob zwischen 5.500 und 8.500 Euro pro Quadratmeter, in Premiumlagen Richtung Augarten und Donaukanal deutlich darüber. Angebotsmieten bewegen sich im Bereich von 18 bis 24 Euro.

Die Treiber sind bekannt: die sanfte Stadterneuerung, die Revitalisierung des Marktes, die U2-Station Taborstraße seit Mai 2008, die Gastronomie- und Kreativszene – und, im weiteren Umfeld, das Nordbahnviertel mit rund 10.000 Wohnungen.

Für InvestorInnen ist das eine gute Nachricht, für die Gentrifizierungsforschung eine ambivalente. Der Stadtsoziologe Florian Huber hat das Viertel bereits 2011 als Fallstudie untersucht und die Aufwertung wegen des Wiener Mieterschutzes als vergleichsweise „sanft“ beschrieben. Die stadtweite Untersuchung von Kadi, Banabak und Schneider ordnete das Karmeliterviertel 2022 hingegen dem Typ „zunehmender Verdrängungsdruck“ zu.

Häufige Fragen

Wer hat das Zinshaus in der Großen Pfarrgasse gekauft?

Die 3SI Immogroup, ein Wiener Familienunternehmen unter Geschäftsführer Michael Schmidt.

Was hat das Zinshaus gekostet?

Ein Kaufpreis wurde nicht kommuniziert. Die Verbücherung war zum Zeitpunkt der Aussendung noch nicht abgeschlossen.

Wer hat den Verkauf vermittelt?

Colliers Österreich, im Off-Market-Verfahren mit Exklusivmandat des Verkäufers.

Wie groß ist das Objekt?

Mehr als 2.300 Quadratmeter Nutzfläche, 25 Wohneinheiten, vollvermietet, mit einem Fine-Dining-Restaurant im Erdgeschoß und einem 2023 ausgebauten Dachgeschoß.

Wie steht der Wiener Zinshausmarkt aktuell da?

2025 lag das Transaktionsvolumen laut Otto Immobilien bei rund 1,04 Milliarden Euro (plus 19 Prozent) bei 348 Transaktionen – erstmals seit 2022 wieder über einer Milliarde.

Transkript

0:10 Herzlich willkommen zur ersten Office-Talk-Folge nach der Sommerpause. Wir fangen mit einem Thema an, aktueller geht es fast gar nicht: Die 3SI hat ein Zinshaus gekauft, wieder im Karmeliterviertel. Bei mir heute ist Markus Scholz von der 3SI. Markus, hallo und danke, dass du dir so kurzfristig Zeit genommen hast für unser Interview. Sehr gerne. Markus, du bist Head of Real Estate, quasi der Herr der Häuser. Sozusagen. Oder alles, was mit unseren Häusern zu tun hat, im erweiterten Sinn. Ihr habt im Karmeliterviertel ein neues Haus zugekauft. Das ist schon das dritte Projekt, glaube ich, jetzt in der Gegend,

0:47 richtig? Mindestens, ja. Also zumindest seit ich bei der 3SI bin, ist es das dritte Objekt in dieser Gegend. Das Karmeliterviertel ist einfach eine Gegend, die uns sehr gut gefällt. Das ist ein urbanes, über die Zeit gewachsenes Grätzel mit einer hervorragenden Infrastruktur und auch bei unseren Wohnungskäufern einfach sehr nachgefragt. Also ein spannendes Gentrifizierungsgebiet, kann man sagen. Kann man so sagen, ja. Bleiben wir gleich bei dem Thema Gentrifizierung. Glaubst du, dass da langsam auch die Möglichkeiten ausgereizt sind in dem Viertel oder wird da noch mehr kommen? Grundsätzlich glaube ich, dass dieses Viertel schon sehr aufgewertet wurde in den

Vollständiges Transkript anzeigen

1:26 vergangenen Jahren. Verbesserungspotenzial gibt es, so wie überall im Leben, immer. Im Karmeliterviertel sehe ich es fast mehr schon auf Objektebene, dass einfach die Qualität des Gebäudes, der Grundrisse mittlerweile eine größere Rolle spielt, weil das Viertel ohnehin sehr nachgefragt ist. Wo siehst du denn da gerade im Gründerzeithaus-Bestand die größten Hürden aktuell? Altbau ist immer sehr herausfordernd. Wir haben hier eine Mischung aus mietrechtlich relevanten Themen, die Gebäudesubstanz. Das heißt, die Erfahrung ist schon sehr wichtig im Altbaubereich. Da haben wir mittlerweile mit 25 Jahren

2:07 Firmengeschichte uns einen Vorsprung vielen anderen gegenüber aufgebaut und das hilft uns natürlich sehr. Gleich daneben ist das Nordbahnviertel, das auch einige Sanierungen und Aufwertungen hat. Da werden 10.000 Wohnungen fertig. Siehst du das eher als Konkurrenz oder als Sog, der euch auch Vorteile bringt für die Projekte im Karmeliterviertel? Ich sehe es eher als Sog. Je mehr Wohnungen in einem Bezirk fertiggestellt werden, umso mehr Bewohner wird es letztendlich geben. Das kann für den Bezirk natürlich gut sein. Ich sehe sowieso aber auch die Zielgruppen eher unterschiedlich. Im Nordbahnviertel ist es wahrscheinlich eher der moderne Neubau, der gefragt ist

2:47 momentan dort. Im Karmeliterviertel eher der Altbau. Von dem her sehe ich da jetzt keine unmittelbare Konkurrenz. Ihr habt ein weiteres Haus in der großen Karlgasse gekauft. Das ist jetzt ein bereits saniertes und vollvermietetes Haus. 3SI ist eigentlich eher bekannt dafür, Sanierungsobjekte zu kaufen und dann quasi in die Premiumqualität anzuheben. Warum habt ihr euch für dieses Objekt entschieden? Also grundsätzlich sind für uns entscheidend für einen Kauf die Lage und die Verwertbarkeit des Objekts. Das ist in diesem Fall aufgrund des hohen Befristungsanteils für uns gegeben. Also wir kaufen nicht reine Baustellen, sondern wenn wir ein fertiges Produkt

3:27 sozusagen mehr oder weniger bekommen, dann freuen wir uns genauso. In dem Fall ist der Befristungsanteil sehr hoch. Das heißt, wir können unser Ziel, die Wohnungen einzeln abverkaufen, über sukzessive Abwicklung sozusagen und freuen uns, dass wir dieses qualitativ hochwertig sanierte Gebäude kaufen konnten. Gibt es da noch Pläne für eine Qualitätssteigerung, vielleicht auch von euch? Absolut. Also wir werden natürlich die allgemeinen Teile des Hauses noch ein wenig aufwerten. Es ist zwar grundsätzlich ein schönes Haus, aber entspricht noch nicht ganz dem 3SI-Stil sozusagen. Und die Wohnungen in den Regelgeschossen brauchen auch noch ein paar

4:06 Sanierungsarbeiten. Nachverdichtung, Aufstockung, auch ein Thema bei dem Haus? Dachgeschoss ist bereits ausgebaut, ebenfalls sehr hochwertig. Auch erst vor drei, vier Jahren wurde das ausgebaut. Also noch höher geht es nicht. Der ganze Kauf war ein Off-Market-Deal. Welchen Anteil haben denn solche Deals bei euch im Ankauf und wie wichtig ist euch denn, da auch gut vernetzt zu sein? Also grundsätzlich ist der Zinshausmarkt momentan sowieso ein eher kleiner. Das heißt, die Maklerunternehmen kennen die handlungsfähigen Unternehmen, die Zinshäuser kaufen, bestens und sprechen die oft direkt an. Ist da dann die Preisfindung ungleich schwerer, wenn es kein

4:47 Bieterverfahren gibt? Ich glaube, die Schwierigkeit beim Bieterverfahren ist momentan eher, genügend Bieter zu finden. Off-Market-Deal heißt jetzt für uns auch nicht unbedingt, einen Preisvorteil zu haben, sondern die Makler kennen einfach die Unternehmen, die momentan Zinshäuser kaufen, sehr gut und sprechen die halt direkt an, weil es ohnehin fast sinnlos ist, das jetzt groß am Markt zu streuen, wenn fast kein Markt sozusagen existiert. Jetzt hast du es auch vorher schon gesagt: Karmeliterviertel hat sicher noch Potenzial. Wenn du in fünf Jahren durch das Viertel gehst, was wünschst du dir, dass sich noch verändert hat, außer dass noch drei Häuser von

5:21 3SI aufgewertet wurden? Was wünsche ich mir? Grundsätzlich würde ich mir allgemein für Wien wünschen, noch mehr Grün zu sehen, also weitere Bepflanzungen von Bäumen, einfach ein bisschen auch das Thema Klima weiter zu bearbeiten im Sinne von für natürliche Beschattung zu sorgen und so die Grätzel weiter aufzuwerten. Gut. Allgemein vielleicht noch zum Abschluss: Zinshausmarkt hast du schon angesprochen, Wohnungsmarkt in Wien aktuell sehr schwierig. Was würdest du dir wünschen, dass sich da vielleicht auch von den Regeln her in den kommenden Jahren noch ändert und verbessert? Da muss man ein bisschen unterscheiden, glaube ich.

5:59 Zinshausmarkt ist momentan natürlich noch ein bisschen schwierig. Wohnungsmarkt sehe ich eigentlich nicht so. Also aus unserer Erfahrung kann ich sagen, dass wir Wohnungen sehr gut verkaufen momentan, dass die Nachfrage sehr hoch ist. Was würde ich mir wünschen für den Markt? Niedrigere Zinsen. Das ist eine schöne Schlusswort. Danke dir für deine Zeit. Sehr gern. Und danke euch fürs Zuschauen. Und wenn ihr keine Folge unserer Office-Talk-Serie mehr verpassen wollt, dann folgt uns auf LinkedIn, die unabhängige Immobilienredaktion, oder abonniert direkt auf unserer Seite den Newsletter.

Hat ihnen dieses Video gefallen?

Diskussion zum Artikel

Sei der/die Erste, der/die diesen Artikel diskutiert.

Logo

In einem sich stetig wandelnden Immobilienmarkt ist zeitnahe und präzise Information von unschätzbarem Wert für strategische Entscheidungen und nachhaltige Investitionen.

Kategorien

Quicklinks

Rechtliches

© 2026 Die unabhängige Immobilien Redaktion. Made with ♥️ by  Gerhard Popp