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10 Jahre MASSIV! INSIDE: Wie ein Baustoff-Magazin zum Architektur-Almanach wurde
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10 Jahre MASSIV! INSIDE: Wie ein Baustoff-Magazin zum Architektur-Almanach wurde

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Es klang vor zehn Jahren nach keiner besonders guten Idee. Ein Magazin über mineralische Baustoffe? „Das interessiert doch keinen“, hieß es. Heuer feiert genau dieses Heft – MASSIV! INSIDE – sein zehnjähriges Jubiläum und bekommt zum Fest einen neuen Namen: MINERALISCH MASSIV! INSIDE. Zum Jubiläum von MASSIV! INSIDE lud der Fachverband der Stein- und keramischen Industrie am 29. Juni nach Wien, unter dem Motto „Visionär bauen, Zukunft gestalten“. Mit dabei: Caroline Rodlauer (Rosa Architektur), Burghauptmann Reinhold Sahl (Burghauptmannschaft Österreich) und Armin Mohsen Daneshgar (Daneshgar Architects).

Was MASSIV! INSIDE anders macht

Der Kniff, der MASSIV! INSIDE trägt, ist ein einfacher: Nicht das Material steht im Mittelpunkt, sondern das Gebäude. Erst das visionäre Projekt, dann der Baustoff. „Mineralische Baustoffe und massive Architektur waren der Inbegriff der Moderne, sie waren immer zeitgemäß und sind es auch heute“, sagte Andreas Pfeiler, Geschäftsführer des Fachverbands Steine-Keramik, zum Auftakt. Sein Argument ist kein ästhetisches, sondern ein nüchternes: langlebig, widerstandsfähig, ressourcenschonend.

Vom Heft zum Almanach: zehn Ausgaben MASSIV! INSIDE

Über die Jahre hat sich MASSIV! INSIDE – und mit ihm die Begrifflichkeit – weiterentwickelt. Das Magazin für Architektur, Baukultur und Design erscheint als Almanach in Print und digital. „Wir freuen uns, die Erfolgsserie künftig als ‚MINERALISCH MASSIV! INSIDE‘ fortzusetzen“, kündigte Pfeiler an. Aus dem Heft, das angeblich keinen interessieren sollte, sind zehn Ausgaben geworden, die man nicht wegwirft.

Historisches in die Zukunft denken

Inhaltlich liefert die Jubiläumsausgabe von MASSIV! INSIDE die Vorlage für den Abend. Caroline Rodlauer nahm auf ein Beispiel aus dem Heft Bezug: die Villa Beer in Hietzing, nach aufwändiger Restaurierung heuer im März wieder öffentlich zugänglich – ein Bau, der zeigt, wie menschenfreundlich Architektur schon vor fast hundert Jahren gedacht wurde. „Umbauen statt neu bauen gehört zu den nachhaltigsten Formen des Bauens“, so die Ortsbildsachverständige. Bei Erweiterungen aber gelte es, „das Stadtbild zu wahren und auf einen stimmigen Dialog zwischen Alt und Neu zu achten“. Stimmige Nachverdichtung, ergänzte sie, vermeide zugleich Bodenversiegelung.

Bestand pflegen, nicht abreißen

Reinhold Sahl knüpfte dort an, wo er täglich arbeitet: im historischen Bestand. „Sanierung und neue Nutzungen von Bestand werden immer mehr zu einer reizvollen Perspektive“, sagte der Burghauptmann, dessen Behörde zahlreiche historische Gebäude der Republik betreut. Viele davon hätten Qualitäten, „die man heute nur mit großem Aufwand reproduzieren könnte“. Es gelte, diese zu erkennen, zu nutzen und mit neuer Technologie zu verbinden. Und nebenbei führten gerade diese Bauten vor, wie leistungsfähig mineralische Baustoffe sind – ihr Vorteil liege im langen Lebenszyklus und in der robusten Statik.

Bauen ohne Boden

Armin Mohsen Daneshgar schließlich richtete den Blick nach oben. Seine Expertise sind Aufstockung und Verdichtung – das Bauen auf dem, was schon steht. „Die Zukunft des Bauens liegt nicht im Gegensatz zwischen Bestand und Neubau, sondern in der intelligenten Weiterentwicklung dessen, was bereits vorhanden ist“, sagte er. Städte besäßen große Potenziale in bestehenden Gebäuden, auf Dächern und in ungenutzten Ressourcen. Gute Architektur verbinde diese mit Technologie und Kreislaufwirtschaft – und schaffe so „langfristige Werte für Menschen, Städte und kommende Generationen“.

Was nach zehn Jahren MASSIV! INSIDE bleibt

Ein letztes Beispiel aus dem Heft führte der Abend als Beleg an, dass das Prinzip über Österreich hinausreicht: ein sozialer Wohnbau in Platja d’en Bossa südlich von Ibiza, wo massive Baustoffe die Struktur selbst kühlen – Luftströme statt Klimaanlage. „Unsere mineralischen Baustoffe tragen wesentlich dazu bei, solche Konzepte umzusetzen“, fasste Pfeiler zusammen und verwies auf regionale Wertschöpfung, kurze Transportwege und gestärkte ländliche Strukturen.

Zehn Jahre, zehn Hefte, ein neuer Name. Was als zweifelhafte Idee begann, ist mit MASSIV! INSIDE zu einer festen Größe in der heimischen Baukultur geworden – und geht als MINERALISCH MASSIV! INSIDE in die nächste Dekade. Die eigentliche Botschaft des Abends war dabei weniger das Jubiläum als das, worüber man feierte: dass die Zukunft des Bauens nicht aus Einzelideen entsteht, sondern aus gemeinschaftlichem Denken, langfristigen Entscheidungen – und der Bereitschaft, Bestehendes weiterzuentwickeln.

Transkript

0:18 Zehn Jahre Massiv Inside. Was vor zehn Jahren als Idee begann, ein Magazin, das nicht über Baustoffe spricht, sondern über Visionen, ist heute eine feste Größe in der heimischen Baukultur. Wien, 29. Juni 2026. Der Fachverband Steine Keramik der WKO lädt zum Jubiläum. Das Motto: Visionär bauen, Zukunft gestalten. Und genau darum geht es an diesem Nachmittag: um die Menschen, die Ideen und die Frage, wie wir morgen bauen. Auf dem Podium treffen Perspektiven aufeinander, die selten an einem Tisch sitzen: Denkmalpflege und Neubau, Stadt und Land, Handwerk und

0:59 Hightech. So unterschiedlich der Blick, so klar die gemeinsame Überzeugung: Die Zukunft des Bauens liegt im Bestand, in Substanz, die bleibt, in Gebäuden, die mehr können als eine Nutzung, und in mineralischen Baustoffen, die seit jeher dafür stehen. Langlebig, robust, ressourcenschonend. Ein Nachmittag über das Bauen mit Haltung auf die nächsten zehn Jahre. Neben mir steht der Geschäftsführer des Fachverbands Steine Keramik und ihm möchte ich gleich die Frage stellen: Was bedeutet visionär bauen für Sie? Ich glaube, visionär bauen bedeutet, dass wir, wie es heute am Podium mehrfach erwähnt wurde,

Vollständiges Transkript anzeigen

1:38 die Vielfältigkeit nutzen und entsprechende Grundrisse und Gebäude planen und bauen, die wir später adaptieren können. Es muss für jede Lebenslage eine Nutzungsmöglichkeit bestehen. Die mag für eine Jungfamilie eine andere sein wie für ein älteres Ehepaar im letzten Lebensdrittel. Das ist, glaube ich, das große Ziel und dasselbe kann man umlegen für den gewerblichen Bau. Wir brauchen Nachnutzungsmöglichkeiten für alte gewerbliche Anlagen, die möglicherweise in der jetzigen Form nicht mehr passend sind, die wir aber vielleicht adaptieren können zu Wohnraum oder anderen Möglichkeiten. Wichtig ist Adaptierbarkeit.

2:16 Sie als Sprecher der Gruppe Bau Massiv. Mich würde interessieren, was bedeutet denn für Sie visionäres Bauen? Ja, es ist eine spannende Frage, die sich in der ganzen Veranstaltung widergespiegelt hat. Das Thema ist sehr vielschichtig. Ich denke, beim visionären Bauen muss man einfach wahnsinnig viele Aspekte berücksichtigen. Das fängt an von sozialen Aspekten, geht hin zur nachhaltigen Bauweise, Klimaschutz, alle Themen. Heute zum Beispiel ist draußen 40 Grad. All diese Themen muss man berücksichtigen. Auch die Frage: Soll man stärker die Sanierung forcieren oder

2:59 soll man doch den Neubau stärker forcieren? Da gibt es eine Latte von Themen, die man alle unter einen Hut bringen muss und noch dazu ist sozusagen auch ein Kostendruck, den wir alle haben und insbesondere in der Bauwirtschaft. Visionär bauen bedeutet für uns, die Dinge, die die Vergangenheit schon entwickelt hat – das sind Bauphysik, das sind natürliche Kühlungen, alles Dinge, die wir schon einmal hatten, geht zurück bis zu den Römern – zu lernen, zu begreifen, welche Möglichkeiten es uns gibt und die in die Zukunft zu transferieren. Und das ist durchaus ein innovativer Ansatz. Visionäres Bauen ist für mich etwas, das wir für die nächste

3:41 Generation bauen sollen, müssen und etwas machen, dass die auch in 50, 100 Jahren nicht uns schimpfen, wie wir teilweise über die alte Generation schimpfen und sagen: „Okay, die haben das richtige Schritte gemacht.“ Und eine davon ist definitiv, wie ich heute auch gesagt habe, einfach auf Bestand weiterbauen. Beim Thema visionär bauen denkt man oft an visionäre, moderne Baustoffe, neue Energietaktiken, recycelbare Materialien, aber ich als Architektin denke beim visionären zukunftsfitten Bauen eigentlich an die Nutzung des Bestandes. Wir haben in Österreich wahnsinnig viel Leerstand, also extrem viel Potenzial für uns Planer und Planerinnen, dass man sich dem

4:22 Bestand widmet und da nicht nur saniert, sondern allenfalls auch aufbaut, dazu baut, nachverdichtet. Da sehe ich eigentlich die Vision des Bauens und ich glaube, anders wird es auch nicht gehen.

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