Am Donnerstag, dem 5. November, stand René Benko wieder vor dem Landesgericht Innsbruck. Auch diesmal ging es nicht gut für ihn aus. Der Schöffensenat sprach den Signa-Gründer des schweren Betrugs zulasten der Privatstiftung von Hans Peter Haselsteiner schuldig. Kurz vor der Signa-Insolvenz im November 2023 soll Benko eine unwahre Garantie abgegeben haben. Der Schaden für die Stiftung liegt laut Anklage bei rund fünf Millionen Euro. Benko bekam dafür eine unbedingte Zusatzstrafe von zwei Jahren.
Schon Ende September war Benko wegen betrügerischer Krida zu 30 Monaten unbedingter Haft verurteilt worden, auf die seine Zeit in Untersuchungshaft angerechnet wird. Jetzt kommen zwei Jahre dazu. Das neue Urteil ist nicht rechtskräftig, es gilt die Unschuldsvermutung. Benko hat alle Vorwürfe stets bestritten, und in weiteren Verdachtsmomenten wird ermittelt. Die U-Haft verbringt er inzwischen mit Fußfessel in einer Wohnung in Innsbruck. Kein Palais, aber immerhin.
Die Antwort ist eindeutig
Und da stellt sich die Frage: War es das wert? Ich habe zuletzt beim Investment-Kongress des DMV mit zahlreichen Akteurinnen und Akteuren der Immobilienbranche gesprochen. Die Antwort war eindeutig: Nein. Das war es nicht wert. Nicht der Luxus und nicht die Jahre an der Spitze.
Ohne ihn lief nichts
Benko war einige Jahre lang der Tonangeber in der heimischen Immobilienbranche. „Ohne ihn läuft nichts“, hieß es damals. Bei jedem Deal, der groß genug war, saß er mit am Tisch, und wer in den Toplagen mitbieten wollte, musste mit Signa rechnen. Ich erinnere mich noch gut an mein Interview mit ihm im Jahr 2012 („Rene Benko – Projektentwickler und Investor“, hier auf der Immobilien-Redaktion nachzulesen). Damals erschien er mir als durchaus vernünftiger Gesprächspartner, mit G'spür fürs G'schäft und Ideen, die weit über Österreich hinausreichten. Ab wann er die Bodenhaftung verloren hat, ist schwer zu sagen. Vermutlich hat er es selbst als Letzter bemerkt.
Die stärkste aller Drogen
Natürlich gab es viele, die gern mit ihm getauscht hätten. Der Architekt und Ökonom Georg Franck hat das in seiner „Ökonomie der Aufmerksamkeit“ auf den Punkt gebracht: „Die Aufmerksamkeit anderer Menschen ist die unwiderstehlichste aller Drogen. Ihr Bezug sticht jedes andere Einkommen aus. Darum steht der Ruhm über der Macht, darum verblasst der Reichtum neben der Prominenz.“
René Benko hatte das alles, und zwar im Übermaß: Aufmerksamkeit, Macht, Reichtum, Prominenz. Was ist davon geblieben? Gerichtstermine, Kosten und Unsicherheit, und das für die nächsten Jahre, wenn nicht Jahrzehnte. Man könnte auch sagen: Die Fassade hat so geglänzt, dass lange niemand nach dem Fundament gefragt hat.
Es geht um die Ehre
Die Gerichtstermine dürften dabei gar nicht das Schlimmste sein. Ein Marktteilnehmer hat mich kürzlich an Mubadala erinnert. Dem Staatsfonds aus Abu Dhabi hat ein Schiedsgericht in Genf im Februar 2026 rund 713 Millionen Euro an Forderungen gegen das Umfeld der insolventen Signa und gegen René Benko zugesprochen. Die 700 Millionen seien ihnen egal, meinte damals ein Verantwortlicher des Geldgebers, es gehe um die Ehre.
Ich will nicht schwarzmalen, aber das sagt einiges. Wer 700 Millionen Euro unter „egal“ verbucht, hat einen langen Atem. Einen sehr langen.
Was die Gerichte am Ende entscheiden, ist offen. Fest steht nur, dass der Preis hoch ist, und zwar nicht nur in Euro. Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen, außer der Frage: War es das wert?