Der Sanierungszyklus einer Immobilie liegt bei 30 bis 40 Jahren. Gebäude ab 1990 kommen also jetzt in ihren ersten Sanierungszyklus. Bei älteren Gebäuden steht bereits die zweite Runde an – und die wird kein gemütlicher Spaziergang mit frisch gestrichener Fassade. Rund 80 Prozent der Wohnungen müssten in dieser zweiten Welle thermisch saniert werden.
Etwa 80 Prozent der Gebäude wurden vor dem Jahr 2000 errichtet – also bevor wirksame Energieeffizienzstandards überhaupt ernsthaft eine Rolle spielten. Genau diese Bausubstanz muss jetzt richtig klimafit werden. Nur: Unter den derzeitigen Rahmenbedingungen wird die notwendige Transformation des Gebäudebestands bis 2040 nicht gelingen. Man kann das Ziel zwar auf Plakate drucken, aber davon wird noch keine einzige Fassade gedämmt.
Was dazukommt …
Thermische Sanierungen werden teurer, komplexer und in vielen Fällen aufwendiger als Neubau. Gleichzeitig fehlen der Bauwirtschaft rund 20.000 Facharbeiter. Die Aufgabe wird also immer größer, während die Ressourcen schrumpfen. Oder wie es Isabella Stickler, Bundesobfrau der ARGE Eigenheim und Vorstandsvorsitzende Alpenland, formuliert: „Das spielt der Sanierung nicht gerade in die Hände.“ Man könnte auch sagen: Schlechter hätte man die Ausgangslage kaum bestellen können.
Isabella Stickler nennt ein drastisches Beispiel: „Wenn wir in unserem Unternehmen eine Sanierung im ländlichen Raum ausgeschrieben haben, dann haben wir teilweise kein Angebot bekommen, weil es für die Unternehmen zu aufwendig war. Jetzt ist die Situation besser, aber von wirtschaftlicher Umsetzbarkeit sind wir weit weg.“ Dass Sanierungen politisch gewünscht sind, hilft eben wenig, wenn am Ende niemand ein Angebot legt.
Planungssicherheit
Bei den Sanierungsförderungen bräuchten Unternehmen vor allem eines: Planungssicherheit. Stattdessen wurde die Bundesförderung 2026 überraschend gestoppt, geplante Sanierungen sind auf Eis gelegt. Eine neue Förderung ist zwar angekündigt. Warum man die alte nicht zumindest übergangsweise weiterlaufen ließ, weiß aber offenbar niemand. Für einen Bereich, der langfristige Investitionen braucht, ist das ungefähr so hilfreich wie ein Bauplan ohne Maßstab.
„Wir erhalten die Gebäude in dem Zustand, in dem sie sind. Wenn wir ein Klimaziel vor Augen haben, müssen wir in eine Verbesserung der Gebäude gehen“, sagt Stickler. Jetzt sollten endlich die Rahmenbedingungen geschaffen werden. Für die Bewohnerinnen und Bewohner mag ein Klimagerät kurzfristig verlockend wirken, doch es ist nicht die erste Maßnahme. Vorrang haben die Gebäudehülle und Lösungen, die allen zugutekommen – nicht nur jenen, die sich im Sommer mit Einzelmaßnahmen irgendwie über die Hitze retten.
Aber wir haben ein grundsätzliches Problem, meint Isabella Stickler: „Die ständigen Diskussionen in Österreich führen zu großer Unsicherheit für Investoren und Eigentümer.“ Und sie wird noch deutlicher: „Zeit ist bei der Sanierung mehr als ein Kostenfaktor. Jeder Förderstopp, jede fehlende wohnrechtliche Regelung und jedes zu lange Zuwarten vergrößert die Finanzierungslücke und verunmöglicht Sanierungen. Wir brauchen faire und klare Regelungen, die für alle Bewohnerinnen und Bewohner funktionieren und gleichzeitig Sanierungen ermöglichen. Wir können uns bei der Transformation des Gebäudebestands keine weiteren verlorenen Jahre leisten.“ Anders gesagt: Wer weiter wartet, saniert nicht günstiger – er verschiebt nur die Rechnung und macht sie größer.
Dem ist nichts hinzuzufügen – außer vielleicht: Wenn die politisch „Verantwortlichen“ glauben, das Problem erledige sich mit ein paar zusätzlichen Förderformularen, dann unterschätzen sie die Dimension des Problems gründlich. Da bisher wenig bis gar nichts weitergegangen ist, gibt es wenig Anlass zu der Annahme, dass sich daran künftig etwas ändern wird.
Und dann?