Die Welt wird fragmentierter. Handelswege verändern sich, geopolitische Spannungen nehmen zu, und wirtschaftliche Abhängigkeiten, die jahrzehntelang als effizient galten, werden plötzlich zum Risiko. In diesem Rahmen werden sich Wirtschaft, Immobilienmärkte und Investments in den kommenden Jahren bewegen. Und in diesem Rahmen hat Mario Herger beim Immobilien Investment Kongress des DMV Verlages im Park Hyatt seine These vorgestellt: Wir leben im „Zeitalter der Unendlichkeiten“. Ob wir es schon merken oder nicht.
Unendlich viel von allem
Unendlich viel Arbeitskraft, durch Roboter und künstliche Intelligenz. Unendlich viel Rechenkraft, durch neue Technologien, neue Energien und Quantencomputer. Herger lebt seit 20 Jahren im Silicon Valley, also dort, wo diese Zukunft gerade gebaut wird. Seine Beispiele dafür, wie schnell sie sich entwickelt, waren beeindruckend. Er begann mit einem Blick in die Vergangenheit und führte über die Gegenwart in die Zukunft: vom autonom fahrenden Pkw bis zum Roboter, der im eigenen Arbeitsbereich mitarbeitet.
Der Tag ohne Arbeit
Dann stellt Herger die eigentliche Frage: Was machen wir, wenn wir unseren Tag nicht mehr rund um die Arbeit strukturieren? Genau das tun wir nämlich heute. Aufstehen, pendeln, arbeiten, Mittagspause, heimfahren. Unser Alltag ist um die Arbeit herum gebaut. Unsere Städte sind es auch. Anders gesagt: Das Büro, der Speckgürtel, die Pendlerstrecke und das Fachmarktzentrum an der Autobahnabfahrt sind gebaute Arbeitsstruktur. Fällt die Struktur weg, wackelt das Gebäude. Und zwar im wörtlichen Sinn.
Die Grenzen der Vorstellung
Wie weit können wir überhaupt in die Zukunft denken? Ist unser Verstand in der Lage, sich etwas vorzustellen, das es noch nicht gibt und erst im Entstehen ist? Die Erfahrung sagt: nur bedingt. Wir schreiben gern das Bekannte fort und wünschen uns ein schnelleres Pferd statt eines Autos. Zukunftsprognosen sind daher ein wenig wie ein Bauplan ohne Maßstab. Man erkennt die Form, aber nicht, wie groß das Ganze wird. Müssen wir deshalb Angst vor der Zukunft haben? Ich glaube nicht. Die Zukunft wird vermutlich in unserem Geist entstehen und nicht im Computer. Das ist der entscheidende Punkt. Die Rechenkraft mag unendlich werden. Die Vorstellung davon, wie wir leben wollen, bleibt Menschensache.
Endlich oder unendlich?
Und die Immobilien? Grund und Boden sind endlich, das lernt man in der ersten Stunde jeder Immobilienausbildung. Ist es die Immobilie deshalb auch? Wenn nicht mehr die Arbeit den Tag strukturiert, braucht es andere Räume: zum Lernen, zum Treffen, zum Gestalten, vielleicht auch einfach zum Nichtstun. Welche Immobilien werden wir brauchen? Und was bedeutet das für eine Immobilienwirtschaft, die heute in sauber getrennten Assetklassen denkt, in Büro, Wohnen, Logistik und Retail? Es ist ganz schwer zu sagen. Ehrlicherweise.
Langer Blick
Eines lässt sich aber festhalten. Wer heute ein Gebäude plant, plant es für eine Welt, die er sich noch nicht vorstellen kann. Das Gebäude steht 50 oder 80 Jahre. Die Technologie, von der Herger erzählt, verändert sich in fünf.
Unendlich ist nur die Rechenkraft. Die Fantasie, was wir damit anfangen, müssen wir schon selbst mitbringen.