Am westlichen Rand des Münchner Olympiaparks, an der Stelle des 2015 abgerissenen Olympia-Radstadions, steht seit September 2024 der SAP Garden – die Multifunktionsarena für den EHC Red Bull München und die Basketballer des FC Bayern. Die Kapazität reicht von 10.796 ZuschauerInnen beim Eishockey bis rund 11.500 beim Basketball; der Aushub begann im Jänner 2020.
Die Architektur von 3XN fügt sich bewusst in das denkmalgeschützte Ensemble ein: Eine Höhenbegrenzung von 21,5 Metern schützt die Sichtachsen zur Behnisch-Olympiahalle, die Technik liegt unter statt auf dem Dach, rund zwei Drittel des Komplexes sind unterirdisch. Drei zusätzliche Eisflächen mit gut 5.400 Quadratmetern dienen Training und Breitensport.
Eröffnet wurde die Halle am 27. September 2024 mit einem Spiel gegen die Buffalo Sabres; den millionsten Besucher zählte sie im Dezember 2025. Das Betriebsmodell ist eng gefasst: Konzerte bleiben der Olympiahalle vorbehalten, der SAP Garden bespielt nur Sport und sportnahe Formate.
Eckdaten im Überblick:
• Standort: westlicher Olympiapark, München
• Typ: Multifunktionsarena (Eishockey, Basketball, sportnahe Events)
• Kapazität: 10.796 (Eishockey) bis rund 11.500 (Basketball), elf Logen
• Material: Stahldach rund 3.000 t aus 18 Fachwerkträgern; Elementfassade 716 Zellen, 4.938 m²
• Dach: 13.094 m², davon fast 8.000 m² Blumenwiese; PV 808 Module, rund 2.000 m²
• Eröffnung: 27. September 2024 · Architektur: 3XN, Kopenhagen, mit CL MAP
• Ausführung: Rohbau Ed. Züblin AG; Stahlbau Unger; Fassade Frener & Reifer
• Tragwerk/Engineering: Buro Happold
Bauherr: Red Bull
Bauherr und Betreiber ist die Red Bull Stadion München GmbH; der Getränkekonzern trägt die Baukosten weitgehend allein, die Namensrechte sicherte sich SAP. Wie hoch diese Kosten waren, ist nicht bekannt: Der Bauherr hat sie nie kommuniziert und bestätigt auch die kursierende Größenordnung nicht. Der FC Bayern Basketball ist nach Klubangaben über 15 Jahre gebunden, die Stadt München erhält 7.907 Stunden Eiszeit pro Jahr auf den drei Trainingsflächen. Bemerkenswert ist die Vergabestrategie: Red Bull beauftragte keinen Totalunternehmer, sondern vergab nach dem Rohbau Gewerk für Gewerk selbst – mit voller Steuerung und vollem Schnittstellenrisiko. Eines der wenigen großen Arenaprojekte im DACH-Raum, das vollständig privat finanziert und selbst gesteuert wurde.
Wer hat den SAP Garden geplant? 3XN
Den Entwurf lieferte das dänische Büro 3XN aus Kopenhagen mit den Landschaftsarchitekten Latz + Partner aus Kranzberg. Das Preisgericht entschied im November 2018, die Beauftragung folgte im Februar 2019; die Leistungsphasen 1 bis 8 bearbeitete 3XN mit dem Münchner Büro CL MAP. Die Leitidee war die Einfügung in das denkmalgeschützte Ensemble: eine organische, niedrig gehaltene Form innerhalb der 21,5-Meter-Grenze. 3XN verlegte einen Großteil des Volumens unter die Erde und überzog das Dach mit einer Blumenwiese – Architektur, die sich dem Erbe von Frei Otto und Günter Behnisch unterordnet, statt es zu überbieten.
Wer hat den SAP Garden gebaut? Ed. Züblin AG
Den Rohbau errichtete die Ed. Züblin AG, die STRABAG-Marke für Hoch- und Ingenieurbau, als Generalunternehmen im Auftrag der Red Bull Stadion München GmbH. Nach Baustart im Oktober 2020 stand er Ende 2022: rund 70.000 Quadratmeter Bruttogeschoßfläche, knapp 500 Mikropfähle, 54.800 Kubikmeter Beton und 8.600 Tonnen Betonstahl. Beteiligt waren auch Züblin Spezialtiefbau und Züblin Stahlbau. Ein Generalunternehmer für das fertige Gebäude ist in den öffentlichen Quellen nicht dokumentiert – die Folgegewerke wurden einzeln vergeben: das Stahldach an Unger Stahlbau aus Oberwart, die Elementfassade an Frener & Reifer aus Brixen, den Elektroausbau an Claus Heinemann Elektroanlagen mit Siemens.
Die statische Hauptaufgabe steckt im Dach. Achtzehn geschraubte Fachwerkträger überspannen mit rund 3.000 Tonnen Stahl die Hauptspielfläche; der längste misst 87 Meter bei 120 Tonnen, der kürzeste 34 Meter bei 50 Tonnen. Für die gesamte Stahldachkonstruktion nennt der Bauherr über 5.000 Tonnen. Erschwerend liegen die Untergeschoße unter dem Grundwasserspiegel. Dass die gesamte Haustechnik unter statt über dem Dach liegen musste, war die prägende Randbedingung des Entwurfs. Eine Randnotiz: Züblin ist seit dem Rohbauauftrag zugleich „Official Partner” von Red Bull München.
Umwelt und Energie: Wärme, Kälte und CO₂-Bilanz
Das energetische Kernstück ist die Wärmerückgewinnung aus der Eiserzeugung: Die Abwärme aus Eisbereitung, Entfeuchtung und Klimatisierung beheizt die Halle und erwärmt über eine Wärmepumpe das Duschwasser; eine Gasleitung gibt es nicht, Fernwärme ergänzt nur. Grundwasser und Dachbegrünung sorgen für passive Kühlung, der Betrieb läuft mit 100 Prozent Ökostrom.
Bemerkenswert ist die Photovoltaik: 808 Module auf rund 2.000 Quadratmetern bilden die erste PV-Anlage im denkmalgeschützten Olympiapark überhaupt – möglich erst nach der Lockerung der Ensembleschutz-Richtlinie 2023. Leistung und Jahresertrag hat der Bauherr allerdings nie beziffert. Auch eine Gebäude-Ökobilanz wurde nicht veröffentlicht, eine Zertifizierung nach DGNB, LEED oder BREEAM ist nicht dokumentiert; die Nachhaltigkeit orientiert sich am Leitfaden nachhaltiger Sportstättenbau des Bundesinstituts für Sportwissenschaft. Für ein Haus dieser Größenordnung eine auffällige Leerstelle.
Was war schwierig?
Schwierig war zuerst der Terminplan: Er verschob sich viermal, von der Saison 2021/22 bis zum Frühjahr 2024, bevor es der 27. September 2024 wurde. Den Auftakt machte kontaminiertes Grundwasser auf dem Areal, das den für Sommer 2019 geplanten Spatenstich um Monate verzögerte. Im Sommer 2022 brannte es binnen zweieinhalb Monaten sechsmal auf der Baustelle; die Polizei ging von Brandstiftung aus. Dazu kam der jahrelange Streit mit dem Denkmal- und Ensembleschutz um die Photovoltaik. Offen bleibt, was das alles gekostet hat. FC-Bayern-Ehrenpräsident Uli Hoeneß sagte im Februar 2025 gegenüber dem kicker: „Wir sind ursprünglich von 120 Millionen Euro ausgegangen, am Ende waren es 320” – Hoeneß ist allerdings nicht der Bauherr. Die Red Bull Stadion München GmbH hat die Kosten nie veröffentlicht und bestätigt die Zahl nicht; eine belastbare Endkostenangabe liegt damit nicht vor.