Roots Hamburg: Wer baute Deutschlands höchstes Holzhochhaus?

vor 1 Tag

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Rund 65 Meter, 19 Geschoße, Deutschlands höchstes Holzhochhaus: Roots in der Hamburger HafenCity wurde von Störmer Murphy and Partners geplant und von Rubner Holzbau errichtet. Bauherr ist Garbe Immobilien-Projekte – die Eigentumswohnungen wurden 2024 übergeben.

Im Elbbrückenquartier der Hamburger HafenCity steht mit dem Roots das – zum Zeitpunkt der Fertigstellung – höchste Holzhochhaus Deutschlands. Rund 65 Meter, 19 Geschoße, 181 Wohnungen, davon 53 öffentlich gefördert, dazu Ausstellungs- und Büroflächen der Deutschen Wildtier Stiftung. Der Arbeitstitel lautete einst „Wildspitze”; vermarktet wird der Turm als Roots.

Konstruktiv ist es ein Hybrid: Untergeschoß, Gründung und Erschließungskerne bestehen aus Stahlbeton, ab dem dritten Obergeschoß folgt durchgehend Holz – Decken wie Wände. Eine zweite, bewegliche Glashaut liegt vor der Holzfassade und schützt die Loggien vor Wind und die Holzoberflächen vor Witterung. Das Warftgeschoß aus Stahlbeton dient dem Hochwasserschutz an der Elbe.

Die Eigentumswohnungen wurden ab Juli 2024 übergeben, die geförderten Einheiten ab Anfang 2024 bezogen. Architektur: Störmer Murphy and Partners, Hamburg.

Eckdaten im Überblick:

•     Standort: Lucy-Borchardt-Straße, Elbbrückenquartier, HafenCity Hamburg

•     Typ: Holz-Hybrid-Wohnhochhaus, höchstes Holzgebäude Deutschlands

•     Höhe / Geschoße: rund 65 m / 19

•     Wohnungen: 181 (128 Eigentum + 53 gefördert) + 4.000 m² Wildtier Stiftung

•     Holz: über 5.500 m³ Nadelholz (4.430 m³ BSP + 820 m³ Spezialhölzer)

•     Fertigstellung: 2024 · HafenCity-Umweltzeichen Platin

•     Architektur: Störmer Murphy and Partners, Hamburg

Bauherr: Garbe Immobilien-Projekte

Bauherr und Eigentümer ist die Garbe Immobilien-Projekte GmbH, die das Konzept gemeinsam mit der Deutschen Wildtier Stiftung entwickelte. Gefördert wurde das Vorhaben unter anderem von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt und der Hamburgischen Investitions- und Förderbank. Für Garbe war Roots ein Pionierprojekt mit erheblichem Forschungsanteil – und entsprechendem Risiko.

Wer hat Roots geplant? Störmer Murphy and Partners

Den architektonischen Entwurf lieferte das Hamburger Büro Störmer Murphy and Partners. Die Architekten entwickelten aus dem Wunsch nach einem hohen Holzhaus eine Figur mit umlaufenden Loggien und einer vorgelagerten, beweglichen Glashaut, die zugleich Witterungsschutz, Windschutz und gestalterisches Thema ist. Für ein Gebäude dieser Höhe gab es kaum Vorbilder; die Architektur musste den Spagat leisten, das Naturmaterial Holz sichtbar zu halten und es zugleich vor Wetter und Brandlast zu schützen – sichtbar etwa an den Lärchenoberflächen hinter dem Glas.

Wer hat Roots gebaut? Rubner Holzbau

Die konstruktive Umsetzung des Holzbaus übernahm Rubner Holzbau, vorgefertigt im Werk Ober-Grafendorf in Niederösterreich. Über 5.500 Kubikmeter Nadelholz wurden auf rund 16.200 Quadratmetern vorgefertigter Wandelemente verbaut; bis zu 14 Meter lange und über sechs Tonnen schwere Raummodule mit Lärchenschalung wurden angeliefert und montiert. Die Tragwerksplanung lag bei Assmann Beraten + Planen, den Brandschutz verantwortete Hahn Consult.

Bemerkenswert ist die Vorgeschichte: Mehrere Holzbaufirmen hatten abgesagt, ehe der Tiroler Spezialist die Aufgabe übernahm. Die massiven, verschraubten Brettsperrholz-Decken sind demontierbar ausgeführt – kein Holz-Beton-Verbund –, was die spätere Rückbaubarkeit erhöht. Roots ist damit nicht nur hoch, sondern auch konsequent als Holzkonstruktion gedacht.

Umwelt und Energie: Wärme, Kälte und CO₂-Bilanz

Die Klimabilanz ist der Kern der Roots-Geschichte. Nach Angaben der Deutschen Bundesstiftung Umwelt ergeben sich gegenüber konventioneller Bauweise Einsparungen von rund 31 Prozent, das sind etwa 3.520 Tonnen CO2; betrachtet man nur die Ebenen ab dem dritten Obergeschoß, sind es sogar rund 70 Prozent. Der Bau trägt das HafenCity-Umweltzeichen in Platin.

Beim Betrieb setzt Roots auf die Hamburger Fernwärme – die zunehmend dekarbonisiert wird – in Kombination mit den sehr guten Dämmeigenschaften des Holzbaus. Eine eigene Geothermie gibt es nicht; aktive Kühlung spielt bei der Wohnnutzung eine untergeordnete Rolle. Der ökologische Hebel liegt damit klar im verbauten Material, nicht in der Anlagentechnik.

Was war schwierig?

Schwierig war an Roots vor allem das, was Holzhochhäuser generell schwierig macht: Es gibt für viele Bauaufgaben noch keine Musterlösungen. Die Planungs-, Genehmigungs- und Brandschutzphasen waren lang und kostenintensiv, die Fertigstellung verschob sich von ursprünglich 2023 auf 2024. Der Brandschutzaufwand war erheblich – Sprinkler über der Norm, eine zweite Glashaut, enge Abstimmung mit Prüfingenieuren –, und unterm Strich kostete das Projekt nach Angaben der Beteiligten rund zehn bis zwölf Prozent mehr als ein konventioneller Bau. Klagen oder Insolvenzen sind hingegen nicht bekannt; die Schwierigkeiten lagen im Pioniercharakter, nicht im Scheitern.

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