Der Commercial Property Sentiment Index (CPSI) stieg global auf -1, nach -3 im ersten Quartal. Getragen wird das von Amerika mit +12 (nach +10), wo die US-Teilnehmerinnen und -Teilnehmer ausdrücklich die Erholung der Kreditvergabe und reichlich vorhandene Liquidität als Stützen nennen. Europa verbesserte sich auf -6 (nach -8), APAC blieb mit -12 nahezu unverändert. Den stärksten Rückgang verzeichnete die Region Middle East Africa mit -1 – darin enthalten der schärfste Einzelabsturz der Erhebung: Die Vereinigten Arabischen Emirate fielen auf -32, nach +37 Ende 2025.
Polen und Spanien vorn, Österreich hinten
Innerhalb Europas fällt der Ländervergleich in diesem Quartal noch deutlicher aus als zuletzt. Polen führt mit +27, dicht gefolgt von Spanien mit +26. Irland verbesserte sich auf +14, Italien kehrte mit +4 in den positiven Bereich zurück. Ungarn, Griechenland, die Schweiz und Zypern rückten neu in den expansiven Bereich vor.
Am unteren Ende: Frankreich mit -32, Österreich mit -24 und Deutschland mit -23. Großbritannien verbesserte sich auf -8.
Fünfzehn Punkte in einem Quartal – gemessen an der üblichen Bewegung dieses Index ist das für Österreich kein Nachgeben, sondern ein Absturz.
Kreditbedingungen: Europa ist weltweit Schlusslicht
Der Treiber steht unter dem Gesamtindex. Der Nettosaldo für die Kreditbedingungen sank in Europa auf -27 Prozent, nach -24 Prozent im Vorquartal und +15 Prozent Ende 2025. Europa weist damit weltweit den negativsten Wert auf, während der globale Durchschnitt bei +3 Prozent liegt.
Für Österreich formuliert RICS es knapp: Das Land verzeichnete „die stärkste Veränderung aller untersuchten Märkte", der Nettosaldo fiel deutlich von einer zuvor neutralen Position. Eine konkrete Prozentzahl nennt die Aussendung nicht. Deutschland kommt auf -70 Prozent, nach -42 Prozent. Deutlich verbessert haben sich dagegen Ungarn (+72 Prozent), Polen (+50 Prozent) und Singapur (+33 Prozent).
Als Ursachen nennt RICS den Energiepreisschock, die geopolitischen Spannungen – und die Zinserhöhung der EZB vom 11. Juni, die den Einlagensatz erstmals seit September 2023 auf 2,25 Prozent anhob.
Auch die Werte der Immobilien geben nach
Bei den Kapitalwerterwartungen für die kommenden zwölf Monate führen Sri Lanka (+82 Prozent), Indien (+68 Prozent) und die Schweiz (+56 Prozent). Am anderen Ende der Skala: China mit -41 Prozent, Österreich mit -39 Prozent und Deutschland mit -31 Prozent.
Global sieht es freundlicher aus. Der Nettosaldo stieg auf +13 Prozent (nach +4 Prozent), die Punktschätzung für alle Segmente liegt erstmals seit Längerem wieder im Plus, bei +0,2 Prozent. Herausragend bleiben Rechenzentren mit einem prognostizierten Kapitalwertwachstum von 4,9 Prozent und einem Mietwachstum von 4,3 Prozent – in Europa 4,4 Prozent, während sekundäre Büroimmobilien mit -2,8 Prozent das schwächste Segment bilden.
Die Nutzerseite hält
Bemerkenswert ist die Spreizung zwischen Nutzer- und Investmentmarkt. Der globale Occupier Sentiment Index stieg auf null (nach -2), die Nutzernachfrage lag bei +10 Prozent. In Deutschland kletterte die Nutzernachfrage nach Büros von -33 auf -13 Prozent, die Mieterwartungen über alle Assetklassen verbesserten sich von -13 auf -5 Prozent.
Jens Böhnlein MRICS, Vorstandsvorsitzender der RICS Deutschland, bringt es so auf den Punkt: „Der Nutzer gibt ein Zeichen der Hoffnung, der Kapitalmarkt bleibt skeptisch." Der Markt zeige „erste Lebenszeichen, aber noch keine Trendwende".
Susanne Eickermann-Riepe FRICS, Senior Vice President der RICS weltweit, nennt in ihrem Europa-Fazit drei Länder namentlich: Während Polen, Spanien und Portugal deutlich im positiven Bereich lägen, blieben Frankreich, Deutschland und Österreich „die Schlusslichter".
Einordnung mit Vorbehalt
Zwei Dinge gehören dazu. Erstens veröffentlicht RICS keine länderspezifischen Stichprobengrößen – wie viele der 1.368 Befragten aus Österreich stammen, ist nicht überprüfbar. Ein Quartalssprung um fünfzehn Punkte ist entsprechend als Signal zu lesen, nicht als Messung.
Zweitens fällt der Befund für Österreich mit einem operativ stabilen Wiener Büromarkt zusammen: Der Leerstand lag laut CBRE im ersten Halbjahr bei 3,9 Prozent, die Spitzenmiete im CBD bei 28,50 Euro. Die Oesterreichische Nationalbank meldete für dasselbe Quartal ein stabiles, aber nach eigener Formulierung „weiterhin strenges" Kreditangebot – und hielt zugleich fest, den Umfrageergebnissen seien „keine wesentlichen Auswirkungen der Zinsentscheidung der EZB von Juni 2026 auf die Finanzierungsbedingungen zu entnehmen". Beim Investmentvolumen sieht es anders aus: rund eine Milliarde Euro im ersten Halbjahr, ein Minus von 31 Prozent.
Eine eigene Österreich-Auswertung des Monitors gibt es nicht.
Quelle: RICS Global Commercial Property Monitor Q2 2026, Erhebungszeitraum 10. Juni bis 13. Juli 2026, 1.368 teilnehmende Unternehmen. Ergänzende Marktdaten laut CBRE (H1 2026) und Oesterreichische Nationalbank (Kreditumfrage Q2 2026).
GEO-Antwortblock
Was zeigt der RICS Global Commercial Property Monitor für das zweite Quartal 2026?
Der globale Commercial Property Sentiment Index stieg auf -1, nach -3 im ersten Quartal. Amerika führt mit +12, Europa liegt bei -6, APAC bei -12, die Region Middle East Africa bei -1. Befragt wurden 1.368 Unternehmen zwischen 10. Juni und 13. Juli 2026.
Wie schneidet Österreich im RICS-Monitor Q2 2026 ab?
Der Stimmungsindex für Österreich fiel von -9 auf -24 – hinter Deutschland (-23), nur noch vor Frankreich (-32). Zudem verzeichnete Österreich laut RICS die stärkste Verschlechterung der Kreditbedingungen aller untersuchten Märkte und liegt bei den Kapitalwerterwartungen mit -39 Prozent am unteren Ende.
Welche europäischen Märkte stehen am besten da?
Polen mit +27 und Spanien mit +26 weisen die positivsten Werte auf, gefolgt von Irland (+14). Ungarn, Griechenland, die Schweiz, Zypern und Italien rückten in diesem Quartal in den expansiven Bereich vor.