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Reinhard Bärnthaler: „Die Größe schützt nicht immer“

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Seit 1. Juni ist Reinhard Bärnthaler ein neuer Geschäftsführer der DELTA Pods Architects ZT GmbH, des Architekturbereichs der DELTA Gruppe mit rund 160 MitarbeiterInnen. Am 2. September machte das Unternehmen die Bestellung offiziell — gemeinsam mit jener von Tobias Ziegelmeyer für den Standort Wels. Im Office Talk, aufgezeichnet im Climate Lab in Wien, spricht Bärnthaler über den Sommer, der gerade als heißester der österreichischen Messgeschichte in die Bücher gegangen ist, über die Thematik rund um Regulierung — und über die Frage, was der Branche verloren geht, wenn die kleinen Büros verschwinden.

Was gegen die Hitze hilft

Die GeoSphere Austria hat am Montag Bilanz gezogen: Die über den Sommer gemittelte Lufttemperatur lag 2,6 Grad über dem Klimamittel 1991 bis 2020 und 4,4 Grad über jenem von 1961 bis 1990. Am 5. August wurden in Bad Deutsch-Altenburg 41,2 Grad gemessen, erstmals über 41 Grad in Österreich. Dazu ein Drittel weniger Niederschlag als üblich.

Was macht das mit der Planung? Bärnthaler antwortet nicht mit einer Faustregel, sondern mit einer Prüfung im Einzelfall. Beschattung, Speichermasse, Energieträger am Standort — welche Kombination greift, entscheide sich am Gebäude selbst. Auch beim Nachweis gegen sommerliche Überwärmung nennt er keinen Standardweg: „Wir prüfen beide Wege.“ Bewertet werde das Ganze über eine Gebäudesimulation im eigenen Haus, daraus leite man die passenden Maßnahmen ab — wie z.B. begrünte Fassade, Beschattung, Wärmepumpe.

Der Vorteil liege bei DELTA in der Struktur: Fachbereiche wie z.B. Generalplanung, TGA, Statik, Bauphysik und Gutachten sitzen unter einem Dach. DELTA Pods Architects ist Teil einer Unternehmensgruppe, die Bärnthaler mit drei Buchstaben erklärt — Architektur, Baumanagement, Consulting. „Also in Wahrheit sind wir ein One Stop Shop für den Bauherren.“

Und der Widerspruch, dass der Kühlbedarf steigt, während Neubauten ab 2030 Nullemissionsgebäude sein sollen? Bärnthaler sieht darin eine Reihenfolge, keinen Konflikt: „Das eine schafft auch das andere.“ Photovoltaik, Wärmepumpe, im Winter Wärme, im Sommer Kälte aus derselben Anlage, dazu Bauteilaktivierung als Speicher.

Puffertage, wie im Winter

Der zweite Punkt, an dem die Hitze in die Planung durchschlägt, ist der Bauzeitplan. Seit Jänner gilt die Hitzeschutzverordnung, die ab der zweiten Hitzewarnstufe Schutzmaßnahmen verlangt. Am Bau kommt die Regelung der Bauarbeiter-Urlaubs- und Abfertigungskasse dazu: Überschreitet die gemessene Temperatur 32,5 Grad, gilt die Stunde als Schlechtwetterstunde, die Arbeit im Freien kann eingestellt werden. Ein individueller Rechtsanspruch ist das nicht — die Entscheidung liegt beim Arbeitgeber.

Genutzt wurde sie heuer so stark wie nie. Nach den ersten beiden Sommermonaten hatten laut BUAK 1.792 Betriebe 40.718 BauarbeiterInnen Hitzefrei gegeben — mehr als in jedem gesamten Jahr seit Einführung der Regelung 2013.

Bärnthaler trennt zwei Ebenen. In der Terminplanung werde bewusst vorgesorgt: „Das heißt, wir bauen zeitliche Puffer, so wie es im Winter üblich ist, auch im Sommer als Puffertage ein.“ Auf der Baustelle selbst gehe es um Wasser, Sonnenschutz und Maßnahmen nach dem Bauarbeitenkoordinationsgesetz. Drei, vier Wochen bei 30 bis 40 Grad halte niemand in der Sonne aus, sagt er. Sein Blick geht dabei nach Süden: ItalienerInnen und SpanierInnen wüssten mit der Mittagshitze längst umzugehen. „Und das wird bei uns auch immer mehr Thema sein.“

Beim Wasser ist die Sorge inzwischen eine doppelte. Trockenheit ja — aber das größere planerische Thema sei der Starkregen. Retention, Speichermassen im Flachdach, Begrünung. „Und wichtig ist immer aus unserer Sicht, dass das Wasser auf dem Grundstück rieseln und versickern kann.“

Die andere Seite des Tisches

Bärnthaler kommt nicht ausschließlich aus der Entwurfsarchitektur. Laut Aussendung verantwortet er Business Development, Marktpositionierung und Projektakquise, dazu Internationalisierung und Prozessoptimierung. Sein Weg führte vom Studium über mehrere Planungsbüros, darunter ATP, in die AV-Holding — ein Haus, das im Kern ein Verlagsunternehmen war und in dem er Hausverwaltung, Projektentwicklung und Bauträgergeschäft aufbaute. Im Firmenbuch ist er dort ab Juli 2020 als Prokurist, ab Dezember 2023 als Geschäftsführer eingetragen.

Das ist der Punkt, an dem sein Werdegang für die Branche interessant wird: Er kennt die Bestandsseite. Bei renditeorientierten BauherrInnen argumentiere er über die Lebenszykluskosten, „weil gerade in diesen Betriebskosten ein irrsinniges Potenzial dahinter steckt“. Klimafit zu bauen ist in dieser Logik kein Zusatzwunsch, sondern eine Rechnung.

Übrigens: Wäre es nicht die Immobilie geworden, dann die Luftfahrt. „Ich wäre eventuell Pilot geworden. Aber das geht ja wegen der Brille nicht. Schon zu Hauptschul-Zeiten war jedoch die Architektur ein Thema.“

Die Größe schützt nicht immer

Auf die deutsche Konjunkturbefragung der Kammern und Verbände angesprochen — Ein-Personen-Büros haben demnach 7,7 Monate Auftragsbestand, Büros mit zehn bis 25 Beschäftigten 13,8 — antwortet Bärnthaler nicht mit dem Verweis auf die eigene Größe. Im Gegenteil: „Die Größe schützt nicht immer, muss man ganz ehrlich sagen.“ Große Büros hätten größere Projekte und so längere Planungs- und Bauzeiten und damit mehr Sicherheit. Kleinere hätten den kürzeren Ausblick, aber den größeren Vorteil: Flexibilität und Spezialisierung.

Und wenn diese Kleinen wegkonsolidiert werden — verliert die Branche dann Kreativität? Da zögert er nicht. Natürlich verliere man Kreativität, gerade weil die kleinen Büros im ländlichen Raum stark verankert seien und dort eine gute Baukultur einbrächten. „Mit wirklich spannenden architektonischen Ideen.“ Der kleine Trost: Die Leute docken woanders an und bringen ihre Ideen dort ein.

Einen Satz, den ihm die Recherche im Vorfeld zugeschrieben hatte, weist er dabei zurück. „More people in the right place“ stehe nicht auf seinem LinkedIn-Profil, könnte aber von ihm sein — er würde ihn allerdings ändern: „The right people in the right place.“ Ein kleiner Unterschied, der bei einem Geschäftsführer, den man auf Personalfragen anspricht, kein kleiner ist.

Nicht synchronisiert

41 Prozent der befragten Büros nennen die Regulierung als größtes Hemmnis — noch vor dem Abschwung mit 40 Prozent. Bärnthaler stimmt zu, aber mit einer Präzisierung, die es in sich hat. Das Problem sind nicht die Anforderungen an sich; Barrierefreiheit und Nachhaltigkeit nennt er ausdrücklich als Zukunftsthemen. Das Problem ist das Verhältnis der Regelwerke zueinander. Vergleiche man Arbeitsschutz, Bauordnung und Richtlinien, so seine Diagnose: „die sind nicht immer synchronisiert.“

Genau das mache die Planungsaufgabe schwer: übersetzen, mit den Behörden ausdiskutieren, Schleifen drehen, bis der Bescheid da ist. Würden die Regelwerke aufeinander abgestimmt, käme auch die Schnelligkeit zurück, die BauherrInnen wie PlanerInnen brauchen.

Wer nach schnellerem Bauen ruft, bekommt hier eine Antwort, die weder ins Deregulierungslager noch zu dessen GegnerInnen passt. Es ist ein drittes Argument: nicht weniger Regeln, sondern koordinierte und anschlussfähige.

Was bleibt

Woran er in zwei Jahren gemessen werden will? Am holistischen Planungsansatz, international vertieft. Und an etwas, das sich schwerer messen lässt: Partnerschaftlichkeit und Wertschätzung — vom Projektteam zur Zusammenarbeit mit AuftraggeberInnen und PartnerInnen bis auf die Baustelle. Damit aus einer Bauaufgabe ein Partnerschaftsprojekt werde.

Ob die Regelwerke bis dahin synchroner sind, steht auf einem anderen Blatt.

Transkript

0:10 Herzlich willkommen zur Immobilienredaktion Office Talk. Es gibt eine Personalveränderung in der Planerbranche. Bei Deltapots gibt es einen neuen Geschäftsführer. Bei mir ist der Reinhard. Reinhard, hallo und danke, dass du dir Zeit nimmst für unser Gespräch. Hallo Gerald, freut mich, da zu sein. Wo wir das Gespräch heute aufzeichnen, das seht ihr jetzt. Wir drehen heute im Climate Lab, dem Coworking und Event Space in der Spittelau. Das Climate Lab bietet Raum und eine Community für Start-ups, die sich mit der nachhaltigen Wirtschaftswende und Kreislaufwirtschaft beschäftigen. Weitere Infos findet ihr auf www.climatelab.at.

0:47 Reinhard, du bist jetzt seit Juni Geschäftsführer bei Deltapots. Wenn du nach Hause kommst und deine Frau fragt dich: „Was hast du den ganzen Tag gemacht?“, was antwortest du ihr? Viel gearbeitet . Einmal zu ihr. Aber was mache ich den ganzen Tag? Der Kernpunkt ist, dass wir die guten Ideen der Bauherrenschaft, die an uns herangetragen werden, in gute Projekte umsetzen, in einer Planungsphase bis zum Ende der Übergabe. Und wesentlich ist für uns, dass wir mit unserem holistischen Planungsansatz über unsere drei Teilbereiche

Vollständiges Transkript anzeigen

1:28 Architektur, Baumanagement und Consulting, das in ein gesamtheitliches, lebensorientiertes Gebäude bringen. Und das ist unser Anspruch. Hat deine Frau dich eigentlich auch gefragt, Deltagruppe, Deltapots, da bist du jetzt Geschäftsführer. Wo ist denn da der Unterschied oder was umfasst denn die ganze Deltagruppe? Ich starte jetzt einmal mit der Deltagruppe. Wir unterscheiden drei Gruppen: Architektur, Baumanagement und Consulting. A, B, C ergibt D, Delta. Und ich komme von der Architekturseite, Deltapots Architekten mit 160 Mitarbeitern,

2:09 Architekten, Ingenieure, örtliche Bauaufsicht. Diesen Bereich decke ich als Geschäftsführer gemeinsam mit meinem Geschäftsführer ab und sind spezialisiert auf die Generalplanung und haben hier auch natürlich unterschiedliche Schwerpunkte der Planungsdisziplinen, Planungskompetenzfelder wie die Pharma, wie Krankenhaus, Industrie, Bildungsbau, Hotellerie. Darf ich da jetzt das vielleicht dann leidenschaftlich so sagen, wenn man die Delta als Architekturbüro kennt, du vertrittst das Kerngeschäft. Wir haben drei Kerngeschäfte. Das ist eben die Architektur als einen Teil, das

2:50 Baumanagement als zweiten Teil und die Consulting als dritten Teil. Und die Idee dahinter ist, dass diese drei Teilbereiche von Beginn der ersten Idee bis weit über die Übergabe hinaus, des Lebenszyklus des Gebäudes, wir eigentlich den holistischen Planungsansatz überall tragen können. Also der Vorteil für den Bauherrn ist eigentlich, wenn er eine Projektidee hat, ein Grundstück hat, er dockt an bei uns. Wir können über die Consulting-Bereiche Machbarkeitsstudien machen. Wir können die Nachhaltigkeit schon vorweg prüfen. Welche Maßnahmen sind zu treffen in der Projektentwicklung, damit das richtig

3:31 aufgebaut worden ist. Wir können dann von der Architekturseite entsprechend den Vorentwurf, Entwurf aufbauen bis zur Einreichung, können parallel dazu die ganze Baustelle managen für den Bauherrn, Projektsteuerung, begleitende Kontrolle und zusätzlich parallel dazu auch noch die ganze Zertifizierung, Bauphysik, Statik et cetera abbilden. Also in Wahrheit sind wir ein One-Stop-Shop für den Bauherrn. Reinhard, du bringst viel Erfahrung in der Planerbranche oder aus der Planerbranche mit. Du warst bei ATB in verschiedenen Funktionen, aber du hast auch Erfahrung von der anderen Seite des Tisches. Du warst acht Jahre lang bei der AV Holding, das ist

4:14 ein Bestandshalter und Projektentwickler. Was fließt denn da jetzt in deine Arbeit mit ein an Erfahrungsschatz? Ich war sehr lange in der Planerbranche, vom Studium heraus über verschiedene Planungsbüros, inklusive ATB Architekten und Ingenieure, wo ich sehr viel Erfahrung gesammelt habe und habe das Glück gehabt, bei der AV Holding anzudocken. Der Punkt ist der, dass das eigentlich im Kern ein Verlagsunternehmen war und ich parallel dazu mit dem damaligen Geschäftsführer die Firma verkauft habe an eine Bank und zusätzlich habe ich parallel dazu die Hausverwaltung, die Projektentwicklung und

4:56 das Bauträger aufgebaut und habe dort natürlich einen sehr wesentlichen und anderen Blick bekommen, was ich als Planer vorher nicht gehabt habe und habe dort sehr viel Erfahrung, vor allem mit dem Thema Betriebskosten. Wie gehe ich mit dem Bau im Bestand um? Welche Themen poppen auf, die der Planer vorher nicht lösen kann oder konnte? Wie gehe ich damit um? Und das ist in Wahrheit, wenn man das vom Gesamten her jetzt nimmt, eigentlich eine schöne Abrundung, wo ich für die Delta eigentlich einen Gesamtblick, eine Immobilie, lebenszyklusorientiert in Einwirkung habe.

5:36 Gerade die Schnittstelle zwischen fertigen Planung und der Übergabe, aber der ganze Lebenszyklus, wo zwischen 20, 100 Jahre eigentlich abgebildet wird von einer Immobilie, der kommt eigentlich in der Planung mit wenig Schnittstelle herein, diese Erfahrung. Du hast eigentlich dann Immobilien dein ganzes Leben und über den ganzen Lebenszyklus die Immobilie selber. Kurze Zwischenfrage: Wenn es nicht Immobilien gewesen wären, was hättest du denn dann beruflich gemacht? Ich wäre Pilot geworden. Das geht eben mit Brille nicht, aber es war immer die Leidenschaft schon die Architektur, schon von klein auf.

6:17 Beim letzten Treffen, Hauptschultreffen war das, haben sie mich gefragt, ob ich je Architekt geworden bin und ich konnte das mit einem „Ja, ja“ beantworten. Pilot, vielleicht auch gleich unser nächstes Stichwort, da ist die Arbeitssprache Englisch. Auf deinem LinkedIn-Profil habe ich einen Satz gefunden: „More people in the right place.“ Das ist nicht auf meinem LinkedIn-Profil, aber könnte von mir sein. Ich würde es aber abändern: „The right people in the right place“. Warum? Wichtig ist und das betrifft eigentlich alle Branchen, nicht nur die Planungsbranche, dass man entsprechend die richtigen Personen mit ihrem Know-how,

6:57 mit ihren Kompetenzen, mit ihrer Leidenschaft dort miteinander spricht, wo sie für das Projekt bei uns zum Beispiel am meisten Wirksamkeit haben. Und dort bringen sie die meiste Energie und die meiste Leidenschaft ein. Und das ist der Mehrwert eigentlich für jedes Projekt, was sich über die Grenzen hinaus für das Projekt unterscheidet. Und das hilft natürlich dem Bauherrn, dem Gebäude und auch daraus entsteht aus meiner Sicht immer dann die hervorragendste Architektur. Jetzt könnte the right people in the right place aber auch bedeuten, dass ich insgesamt less people brauche. Wenn man ein bisschen sich so umschaut, die aktuelle

7:33 geopolitische, wirtschaftliche Lage, auch das Fortschreiten der Digitalisierung. Hast du da vielleicht auch Sorge, dass du dich in deiner Tätigkeit als Geschäftsführer mit Personalersparungen beschassen werden musst? Grundsätzlich bin ich ja Optimist. Jede Zeit hat seine Herausforderung und natürlich sind wir in einer sehr herausfordernden Zeit, wobei wir als Delta sehr differenziert aufgestellt sind. Eh schon wie vorhin angesprochen, die Architektur-Generalplanersparte, das Baumanagement, wo wir Bauprojekte aus der Managementsicht begleiten beziehungsweise auch von der

8:14 Consulting-Seite her mit Nachhaltigkeit, Zertifizierung et cetera. Hier haben wir natürlich den Vorteil, dass wir solche Marktvolatilitäten gut ausgleichen können und können aber auch europaweit wirken, weil wir sind ja international tätig im C-Raum und hier gibt es interessanterweise unterschiedliche Entwicklungen und die gleichen sich relativ gut aus. Zur Digitalisierung selbst hin, natürlich überall künstliche Intelligenz ist überall da. Wir beschäftigen uns sehr intensiv schon mit diesem Thema, vor allem Ablaufprozesse innerhalb der Planung. Wie können wir diese optimieren?

8:56 Hier ist vor allem der Anspruch, die Qualität zu steigern und damit, dass die Qualität im Projekt besser wird. Genauso wie auch, gibt es unterschiedliche Formen, wie können wir KI mit BIM verbinden anfangen, dass wir sozusagen den nächsten Schritt gehen mit Building Information Modeling, eben dort die Planqualität und den Planungsprozess weiter zu optimieren. Unser Weg, wenn man in die Richtung Personalentscheidungen geht, mir ist wichtig, dass wir mit dieser Stärke herausgehen und Mitarbeiter gewinnen können und noch intensiver den Markt bearbeiten können. Europa ist groß und hier liegen viele Chancen.

9:36 Da gibt es eine aktuelle Studie, die ist zwar aus Deutschland von der deutschen Architektenkammer. Die sagen, dass Ein-Personen-Büros in der Auftragslage aktuell bei 7,7 Monaten im Voraus sind, während die größeren Büros ab 25 Leuten schon bei 13,8 Monaten sind. Ist dann die Größe der Delta, siehst du das auch als Schutz, um sicherer zu fahren? Die Größe schützt nicht immer, muss man ganz ehrlich sagen. Die großen Büros haben natürlich den einen Vorteil, dass sehr große Planungsaufträge, die über längere Bauzeiten, über längere Planungszeiten haben.

10:18 Dadurch haben wir in dieser Hinsicht mehr Sicherheit. Kleinere Büros haben kleinere Aufträge, dann ist der Ausblick schwerer, haben aber den großen Vorteil, dass sie einfach flexibel sind und spezialisiert in verschiedenen Branchen sind. Wir haben das Glück und die Größe, die Stärke von Delta ist natürlich die Diversifikation über den Länder hinaus, über die Planungsdisziplinen, über die Planungskompetenzen und über den ganzen Lebenszyklus der Immobilie, wo wir überall Dienstleistungen anbieten können. Dadurch entsteht, eine Branche schwächelt ein wenig, dafür zieht die andere stark

11:03 an. Ein Markt ist stärker, ein Markt ist schwächer und wir können das relativ gut über die Gruppe dann abbilden und uns weiterentwickeln. Da muss ich jetzt aus reiner Neugierde auch noch mal fragen, weil wir über die Struktur der Delta auch gesprochen haben: Sind eigentlich kleine Aufträge für euch überhaupt interessant? Kann ich als einzelner Häuslbauer zu euch kommen? Ja, wir haben ein sehr schickes Büro in Bratislava oder auch in Gleisdorf, die solche Projekte, die mit sehr viel Emotionalität, mit einem Einfamilienhaus verbunden sind, abbilden können.

11:43 Weil wir haben auch den Vorteil, dass wir sehr regional wirken. Zum Beispiel mit dem Standort in Gleisdorf, wo auch Architekten sitzen, aber hauptsächlich eine Statikmannschaft ist, mit Bauphysik und Schwerpunkte im Holzbereich und wir können auch das abbilden. Jetzt passiert es ja auch gerade durch diese Auftragslage, dass viele kleinere Büros aktuell wegkonsolidiert werden. Ein-Personen-Büros suchen vielleicht wieder eine Fixanstellung. Verliert da die Branche aktuell vielleicht auch ein bisschen an Kreativität, wenn diese Kleinen wegbrechen? Natürlich verlieren wir da eine Kreativität aus dem Grund, weil gerade die kleinen

12:24 Büros, vor allem im ländlichen Raum oder sehr stark verankert sind, dort eine gute Baukultur einbringen mit wirklich spannenden architektonischen Ideen. Der Vorteil ist aber auf der anderen Seite, wenn natürlich diese wegbrechen, versuchen sie auf der anderen Seite wieder anzudocken und können das in andere Firmen wieder einbringen. Und diese Herausforderungen müssen wir uns alle stellen eigentlich. In derselben Studie sagen 41 % der Büros in Deutschland – und ich glaube, dass Österreich durchaus vergleichbar ist – dass das größte Hemmnis die Überregulierung ist. Würdest du dem zustimmen? Siehst du das auch?

13:02 Ja, Regulierung ist immer ein großes Thema. Das begleitet uns, glaube ich, schon sehr lange. Natürlich ist die Regulierung ein sehr herausforderndes Thema aus dem Grund, weil wenn man Arbeitsschutz mit Bauordnung, mit OIB-Richtlinien etc. vergleicht, die sind nicht synchronisiert. Und das ist in der Planungsaufgabe immer die große Herausforderung, diese zu übersetzen und mit den Behörden auszusprechen und auszudiskutieren, dass man letztendlich eine Einreichplanung-Bescheid bekommt, damit wir dann ein Projekt umsetzen können. Und das verlängert eben die Planfreigaben, den

13:45 Freigabeprozess, den Genehmigungsprozess etc. und das bringt viel Schleifen. Wichtiger wären diese Regularien, die auch sehr wesentliche Vorteile haben, wie die Barrierefreiheit, die Nachhaltigkeit. In Wahrheit sind das Zukunftsthemen, die aber sehr wesentlich sind. Die müssen auf der anderen Seite viel mehr synchronisiert werden und mit dieser Synchronisation bekommen wir auch die Schnelligkeit wieder, die wir eigentlich von der Bauherrenschaft als auch von der Planungsseite brauchen, um auch ein Gebäude planungssicher zu bauen. Lass uns einen kurzen Themenwechsel machen. Wir sitzen hier in einem klimatisierten Gebäude.

14:22 Wir haben den heißesten Sommer der Messgeschichte hinter uns. Es ist Anfang September, immer noch über 30 Grad. Wir haben auch das erste Mal heuer im Juni 14 Hitzetage am Stück gehabt. Diese Erfahrungen aus diesem Sommer, also der heißeste Sommer in 260 Jahren Messgeschichte, was verändert denn das in eurer Arbeit, in eurer Denkweise, bei euch im Täglichen? Wir von Delta sind ein Unternehmen, das schon sehr traditionell auf die Nachhaltigkeit immer den wesentlichen Blick hat, vor allem in der Planung, im Consulting-Bereich und im Baumanagement-Bereich.

15:06 Und wir gehen sehr früh hinein in diese Themen beim Bauherrn und sensibilisieren ihn auch auf diese Themen, weil das ist eigentlich uns sehr wichtig und versuchen, diese Themen auch im Rahmen der Kosten einzubringen. Und vor allem das Thema Hitze geht dann in Richtung: Welche Beschattung machen wir? Welche Speichermasse verwenden wir? Welche Energieträger liegen vor Ort in Grundstücken? Welche Kombination aus diesen Rahmenbedingungen auf dem Grundstück, in einem Bestandsgebäude, in einem Neugebäude können wir übersetzen in eine Planung, um dort wirklich eigentlich ein Gebäude klimafit und zukunftsfit zu bauen?

15:46 Es gibt da jetzt auch seit Jänner ein Update der Hitzeschutzverordnung. Sobald es über 32,5 Grad geht, ist es ein Schlechtwettertag und die Baumitarbeiter bekommen hitzefrei. Ist das schon auch bei euch Bestandteil der Kalkulation, dass man solche Hitzetage mit einrechnet in der Baudauer? Man muss da eigentlich zwei Ebenen trennen. Grundsätzlich in der Terminplanung berücksichtigen wir diese Teile bewusst über Pufferzeiten in den Arbeitsabläufen. Das heißt, wir bauen Puffer, so wie es im Winter ist, auch im Sommer Puffertage ein, damit das Projekt entsprechend der Planungszeiten, der

16:27 Bauzeit eingehalten werden kann. Wesentlich ist aber auch die Schwierigkeiten eigentlich auf der Baustelle, was sich ergibt, weil wenn drei, vier Wochen über 30 Grad bis 40 Grad ist, kein Mensch kann das aushalten, bei 40 Grad in der Sonne zu arbeiten. Und jetzt, vor allem weil wir auch im Bau KG tätig sind, geht es darum, Bereitstellung von genügend Wasser, Sonnenschutzmittel etc., damit die Bauarbeiter dort entsprechend auch Maßnahmen haben, um sich zu schützen. Und die Italiener, sagen wir es mal so, oder die Spanier wissen damit besser umzugehen,

17:07 weil die kommen eigentlich aus so heißen Ländern und dort ist auch die Zeit, die Mittagszeit, wo die stärkste Sonne ist, müssen sie sich schützen. Das wird bei uns auch immer mehr Thema sein und wir müssen damit umgehen. In der neuen OIB 6 habe ich beim Wohnbau den verpflichtenden Nachweis wegen der sommerlichen Überwärmung drinnen. Bei Nichtwohnbau, so wie die Delta sich am meisten, denke ich, damit befasst, kann ich wählen zwischen diesem Nachweis der Überhitzung und dem zulässigen Kühlbedarf. In welche Richtung tendiert ihr da bei euren Planungen? Das ist immer so, dass wir auch beide Wege prüfen.

17:47 Wir betrachten eigentlich immer das Gesamtheitlich über eine Gebäudesimulation, in der wir schauen, welche Maßnahmen am besten eigentlich anzutreffen wären. Und daraus leiten wir dann die Maßnahmen tatsächlich ab. Sei es jetzt eine begrünte Fassade, sei es ein Nachhaltigkeitsaspekt, sei es entsprechend die Versickerung zu berücksichtigen, sei es Wärmepumpe etc. Das sind verschiedene Bausteine, die zu einem Gesamtbild führen. Und das ist eben wesentlich, wenn wir jetzt zurückblicken auf die Delta, dass dieser Vorteil ist, dass wir von der Architekturseite her unterschiedliche Fachdisziplinen haben, Haustechnik, Elektrotechnik inklusive des

18:29 Consulting-Bereichs. Hier können wir im Haus für den Bauherrn ein entsprechendes Paket mit Fachexperten zur Verfügung stellen und- Das beste Gebäude eben anbieten mit den besten Maßnahmen. Jetzt haben wir in diesem Sommer auch viele politische Diskussionen gehabt: Klimaanlagen brauchen wir in Schulen, in Krankenhäusern, überall. Das heißt, der Kühlbedarf steigt, der Energiebedarf steigt. Gleichzeitig sollen bis 2030 alle Neubauten Null-Emissions-Gebäude sein. Wie kriegen wir denn das hin? Das eine schafft auch das andere und wesentlich ist, dass wir mit diesem holistischen Planungsansatz entsprechende Lösungen

19:13 aufbauen anfangen, die wir eigentlich schon haben. Wir müssen schrittweise mit der Kombination aus Photovoltaikanlage, aus Wärmepumpen, auf der anderen Seite mit der Kühlung – genauso gibt es die Wärmebereitstellung im Winter, genauso die Kältebereitstellung im Sommer, teilweise in Wien, wenn wir von Wien reden. Genauso, wenn wir in andere Räumlichkeiten gehen am Land, dass wir andere Speicheraktivitäten generieren mit der Bauteilaktivierung et cetera, wo wir Kühlung als auch Wärmeentwicklungen heranziehen und das ist der

19:55 springende Punkt dabei. Ein Thema, das der Sommer jetzt auch zum ersten Mal wirklich drastisch gezeigt hat, ist dann eben Trockenheit und Wassermangel. Spielt das in euren Planungen auch schon eine Rolle? Denkt ihr solche Szenarien, Niedrigwasser in der Donau oder Ähnliches, schon mit? Ja, absolut. Das ist eigentlich ein wesentlicher Bestandteil der Planung. Wir beschäftigen uns mit der Begrünung von Flachdächern, mit Speichermassen in den Flachdächern, damit das Wasser gesammelt wird im Boden. Das größere Thema ist eigentlich auf der Seite, wenn es jetzt zu starken Regenfällen kommt: Wie plane ich jetzt zukünftig die Regenwassersickerschicht et

20:39 cetera? Sie müsste redimensioniert werden, weil diese hohen Wassermassen eigentlich nicht mehr gefangen werden können und es kommt zu Überflutungen. Hier müssen wir in der Planung weiterdenken, weil wir greifen dann auch auf historische Daten zurück, auch wie bei den Klimadaten, damit dass wir eher einen Schritt nach vorne gehen und diese Kapazitäten eigentlich fassen können. Und wichtig ist immer aus unserer Sicht, dass das Wasser auf dem Grundstück verheseln kann, versickern kann, um dort langfristig auch drinnen zu bleiben und diese Überflutungen vor der Hand nicht zu entstehen lassen. Sind diese Themen der, ich nenne es jetzt mal neuen Klimaresilienz, eigentlich in

21:20 Gesprächen mit Bauherren, die mit neuen Projekten zu euch kommen? Kommt das schon von Bauherrenseite, dass sie sagen: „Wir müssen darauf achten“, oder ist das immer noch ein hoher Aufklärungsbedarf von eurer Seite? Bauherren kommen mit unterschiedlichen Themenschwerpunkten zu uns. Je nachdem, mit welchem Schwerpunkt der Bauherr startet, sensibilisieren wir ihn auf die anderen Teile des Gebäudes, wo wir sehen, dass der Bauherr noch sensibilisiert ist und hoffentlich auch diese Themen aufnimmt. Es gibt Bauherren, die sind sehr nachhaltigkeitsaffin, wo wir natürlich diese

22:04 ganzen Aspekte in der Planung einfließen lassen. Natürlich gibt es auch renditeorientierte Bauherren, wo wir natürlich das auch abbilden und aber auch darauf sensibilisieren: Wir müssen auch die Lebenszykluskosten des Gebäudes anschauen, weil gerade in diesen Betriebskosten ein irrsinniges Potenzial dahintersteckt, wo wir klimafit, zukunftsfit ein Haus bauen können. Fühlt man sich da als Planer vielleicht auch ab und zu zwischen den Stühlen, wenn man sagt: „Okay, wir wollen schneller bauen, wir wollen weniger Regulierungen, aber gleichzeitig schießen da gerade die Anforderungen durch die Decke?“

22:44 Ja, aber wir Architekten sind ja auch insofern immer wieder auf einer Mission und wir denken schon sehr zukunftsweit, sehr nachhaltig. Wir sind eigentlich von der Denkweise, haben den Anspruch, dass wir Gebäude weiterentwickeln wollen und versuchen den Bauherren immer wieder in dem Spannungsverhältnis zwischen Kosten, Terminen und Qualität mitzunehmen und ihn zu überzeugen: Gehen wir einen Schritt weiter? Und der schönste Erfolg ist immer jener, dass der Bauherr die Ideen aufnimmt, mitträgt und am Ende der Projektübergabe wirklich

23:25 glücklich ist und das Erlebnis haben wir ja auch sehr oft. Bleibt mir eigentlich nur noch zu sagen: Noch einmal danke für deine Zeit und vielleicht eine Schlussfrage: Wenn wir in zwei Jahren vielleicht wieder hier sitzen, woran würdest du gemessen haben wollen, dass die Zeit eine Erfolg war bei delta? Dass wir den holistischen Planungsansatz weiter vertiefen innerhalb der delta-Gruppe international, dass wir Menschen innerhalb der delta unsere Werte nach außen transportieren – da geht es um Partnerschaftlichkeit, da geht es um Wertschätzung – auf die Baustelle tragen, damit das eine Bauaufgabe, ein Partnerschaftsprojekt wird.

24:05 Danke dir. Danke. Und euch danke fürs Zuschauen und wenn ihr keine Folge unseres Office Talk mehr verpassen wollt, dann folgt unserer LinkedIn-Seite die unabhängige Immobilienredaktion oder registriert euch gleich direkt auf immobilien-redaktion.com.

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