Österreichs Gastronomielandschaft befindet sich seit Jahren in einem strukturellen Wandel. Nach einem langfristigen Wachstum erreichte die Zahl der Gastronomiebetriebe im Jahr 2015 mit rund 41.200 Standorten ihren bisherigen Höchststand. 2026 sind österreichweit nur noch etwa 38.600 Gastronomiebetriebe aktiv.
Die aktuellen RegioData Research-Analysen zeigen zudem: Nicht nur die Zahl der Betriebe verändert sich. Auch der Mix der gastronomischen Konzepte verschiebt sich. Für die weitere Entwicklung spielen standardisierte Prozesse, starke Marken, hohe Kundenfrequenzen und professionelle Standortentscheidungen eine immer größere Rolle.
Nach jahrzehntelangem Wachstum folgt eine Phase der Konsolidierung
Zwischen 2000 und 2015 stieg die Zahl der Gastronomiestandorte in Österreich von rund 33.200 auf mehr als 41.000. Danach setzte eine Trendwende ein. Besonders seit 2018 ist ein deutlicher Rückgang erkennbar. Im Jahr 2023 sank die Zahl auf etwa 38.100 und damit auf den niedrigsten Wert seit mehr als einem Jahrzehnt. 2024 und 2025 folgte eine leichte Erholung, 2026 liegt der Bestand wieder bei rund 38.600 Standorten.
Die Entwicklung verdeutlicht, dass sich die Branche nicht mehr in einer flächendeckenden Wachstumsphase befindet – obwohl die Konsumausgaben der Einwohner und Touristen weiter steigen. Vielmehr kommt es zu einer Neuordnung des Marktes: Betriebe verschwinden, neue Konzepte entstehen und bestehende Anbieter verändern ihre Formate. Die aktuell zu beobachtende wieder leichte Zunahme ist vor allem auf kleine, „schnelle“ Konzepte wie Imbissstände und Take-Away-Standorte zurückzuführen.
Fast jeder dritte Betrieb ist ein klassisches Gasthaus
Trotz des strukturellen Wandels bleibt das einfache Gasthaus/Restaurant die größte Gastronomiekategorie Österreichs. Rund 29 Prozent aller Betriebe entfallen auf diese Kategorie. An zweiter Stelle folgt die Hotelgastronomie mit 21,2 Prozent. Gemeinsam repräsentieren diese beiden Kategorien damit etwas mehr als die Hälfte des gesamten gastronomischen Bestandes. Besonders relevant ist der hohe Anteil von Imbiss- und Fast-Food-Konzepten. Mit 12,1 Prozent bilden sie bereits die drittgrößte Einzelkategorie des österreichischen Gastronomiemarktes.
Systemgastronomie wird zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor
Systemgastronomie ist nicht mit Fast Food gleichzusetzen. Sie umfasst gastronomische Konzepte, die an mehreren Standorten nach weitgehend einheitlichen Vorgaben arbeiten. Dazu zählen unter anderem Burger- und Pizzaanbieter, Coffee-Shops, Bäckerei-Cafés, internationale Restaurantketten, Lieferkonzepte und zunehmend auch höherwertige Fast-Casual-Restaurants.
Der Vorteil dieser Konzepte liegt in ihrer Standardisierung. Einkauf, Speisekarten, Zubereitung, Personalplanung, Marketing und digitale Bestellprozesse können zentral organisiert werden. Dadurch lassen sich neue Standorte schneller eröffnen und bestehende Betriebe effizienter steuern.
Nach RegioData-Berechnungen betreiben systemgastronomische Unternehmen in Österreich aktuell etwa 1.100 Standorte, also bloß knapp 3 %. Umsatzmäßig erreichen jedoch McDonalds, Interspar-Restaurants & Co. fast 17 % des Gesamtmarktes.
Wachstum konzentriert sich auf frequenzstarke Standorte
Systemgastronomische Konzepte expandieren nicht gleichmäßig über Österreich. Besonders attraktiv sind Standorte, an denen hohe Besucherfrequenzen, gute Erreichbarkeit und ein passendes Nachfragepotenzial zusammentreffen. Dazu gehören insbesondere Einkaufszentren und Fachmarktzentren, Bahnhöfe und Verkehrsknotenpunkte, stark frequentierte Innenstadtlagen und touristische Zentren.
Fazit: Weniger Betriebe, professionellerer Wettbewerb
Österreich verfügt weiterhin über eine vielfältige und regional stark verankerte Gastronomielandschaft. Die Zahl der Betriebe liegt jedoch deutlich unter dem Höchststand von 2015. Der Markt wird dadurch nicht kleiner, aber selektiver. Konzepte mit klarer Positionierung, effizienten Abläufen und geeigneten Standorten haben gute Wachstumschancen. Systemgastronomie profitiert von dieser Entwicklung, weil sie standardisierte Prozesse mit professioneller Expansion verbinden kann.
Die zentrale Veränderung lautet daher nicht einfach „Ketten ersetzen Wirtshäuser“. Vielmehr entwickelt sich die österreichische Gastronomie von einem flächendeckend wachsenden Markt zu einem stärker professionalisierten Standortwettbewerb. Welche Betriebe sich durchsetzen, hängt zunehmend davon ab, wie gut Konzept, Zielgruppe und Standort zusammenpassen.