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OfficeTalk Sommergespräch: ESG-Gesetz und nachhaltige Immobilienentwicklung

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In der vierten Episode unserer vierteiligen Reihe "OfficeTalk Sommergespräch" sprechen wir mit Silvia Wustinger-Renezeder über das ESG-Gesetz und nachhaltige Immobilienentwicklung. Hier sind die wichtigsten Erkenntnisse aus unserem Gespräch:

Der Übergang ins Jahr 2024 und das Inkrafttreten des ESG-Gesetzes

Das Jahr 2023 neigt sich dem Ende zu, und wir blicken gespannt auf das Jahr 2024. Ein bedeutendes Ereignis wird das Inkrafttreten des ESG-Gesetzes sein, zumindest teilweise und für große Unternehmen. Dieses Gesetz wird von vielen als notwendig erachtet, um faire Regeln für das Erreichen der Klimaziele zu etablieren. Es gibt jedoch auch kritische Stimmen, die den administrativen Aufwand bemängeln.

Die Komplexität von Immobilien und der administrative Aufwand

Angesichts der steigenden Komplexität im Immobilienbereich stellt sich die Frage, ob der administrative
Aufwand des ESG-Gesetzes gerechtfertigt ist. Silvia Wustinger-Renezeder gibt zu, dass sie nicht tief genug in den Gesetzestext eingetaucht ist, um eine fundierte Meinung dazu zu haben. Sie betont jedoch die grundsätzliche Wichtigkeit des Klimaschutzes, wie er auch in der Taxonomieverordnung und anderen EU-Regulierungen verankert ist.

Bewusstsein für Klimaschutz in der Immobilienbranche

Wustinger-Renezeder unterstreicht die Bedeutung eines branchenweiten und europaweiten Bewusstseins für den Klimaschutz. Sie sieht es als eminent wichtig an, dass Gebäude besser eingehaust, geschützt und energieeffizienter gestaltet werden, um niedrigere Energiezahlen zu erreichen. Auch wenn manche Bereiche möglicherweise überbordend reguliert sind, kann sie zu einzelnen Themen keine spezifische Aussage treffen.

ESG als vorübergehendes Thema?

Ein interessanter Aspekt, der in Gesprächen immer wieder auftaucht, ist die Idee, dass ESG in gewisser Weise ein endliches Thema sein könnte. Das Ziel ist es, dass klimaneutrales und klimafittes Bauen irgendwann selbstverständlich wird und in Fleisch und Blut übergeht. Auf die Frage, wie lange dieser Prozess dauern wird, ist Wustinger-Renezeder optimistisch: Sie glaubt nicht, dass es Generationen brauchen wird, sondern eher eine Frage der nächsten zehn Jahre ist.

Die Herausforderung der Bestandsimmobilien

Ein wichtiger Einwand ist die lange Halbwertszeit von Immobilien. Gebäude, die vor zehn Jahren errichtet wurden, gelten heute noch als neu und werden oft nicht angefasst. Wustinger-Renezeder sieht hier zwei treibende Kräfte: Einerseits wird die EU uns dazu zwingen, früher zu handeln, andererseits wird das Klima selbst uns dazu drängen.

Praktische Erfahrungen mit nachhaltigen Baukonzepten

Wustinger-Renezeder teilt ihre persönlichen Erfahrungen mit einem kürzlich fertiggestellten Haus, das mit Bauteilaktivierung und Deckenkühlung ausgestattet ist. Drei ihrer Mieter haben ihr mitgeteilt, dass die Deckenkühlung ein entscheidender Grund für die Wahl der Wohnung war. Diese positive Resonanz sieht sie als Zeichen dafür, dass solche Lösungen angesichts der klimatischen Verhältnisse zunehmend gefragt sein werden.

Photovoltaik und New Work

Ähnliches beobachtet sie bei Photovoltaikanlagen, die verstärkt nachgerüstet werden und bei Neubauten bereits zum Standard gehören. Dies zeigt, wie schnell sich nachhaltige Technologien durchsetzen können. Auch im Kontext von New Work und Homeoffice gewinnen energieeffiziente und komfortable Wohnlösungen an Bedeutung.

Herausforderungen in dicht bebauten Gebieten

Eine besondere Herausforderung sieht Wustinger-Renezeder in der Umrüstung innerhalb dicht bebauter Gebiete wie Wien. Sie ist gespannt darauf, welche technischen Lösungen gefunden werden, um alle Häuser ohne Gas zu versorgen. Dies wird ihrer Meinung nach noch eine spannende Aufgabe sein.

Klimaneutralität in Wien bis 2030?

Auf die Frage, ob das Ziel der Stadt Wien, bis 2030 klimaneutral zu sein, realistisch ist, antwortet Wustinger-Renezeder mit einem klaren Nein. Sie hält es für gut, wenn dieses Ziel bis 2040 oder 2050 erreicht wird, sieht 2030 jedoch als absolut nicht machbar an.

Nachverdichtung und Bauordnungsnovelle

Eine mögliche Lösung könnte eine Bauordnungsnovelle sein, die eine stärkere Nachverdichtung nach oben und mehr Begrünung unten ermöglicht. Wustinger-Renezeder würde eine solche Entwicklung sehr begrüßen. Sie sieht es als sinnvoll an, in gut erschlossenen Gebieten wie Wien nachzuverdichten, anstatt am Stadtrand oder auf dem Land neue Infrastruktur schaffen zu müssen.

Flächenwidmung und Zersiedelung

In diesem Zusammenhang betont sie die Notwendigkeit, über die Flächenwidmung nachzudenken. Die Nachverdichtung in den Kerngebieten sieht sie als wichtige Aufgabe für die nächsten 10 bis 20 Jahre, um der Zersiedelung entgegenzuwirken.

Grüne Anreizmodelle

Ein interessanter Vorschlag sind grüne Anreizmodelle, wie beispielsweise die Möglichkeit, für jeden gepflanzten Straßenbaum 50 Zentimeter über die Firsthöhe hinaus bauen zu dürfen. Wustinger-Renezeder zeigt sich von solchen Ideen begeistert und lobt die Bemühungen Wiens zur Begrünung der Stadt, wie etwa das Ziel, Millionen von Bäumen zu pflanzen.

Ausblick und Fazit

Abschließend betont Wustinger-Renezeder die Vorreiterrolle Wiens im Vergleich zu anderen europäischen Städten in Bezug auf Begrünung und nachhaltige Stadtentwicklung. Sie sieht die Herausforderungen, die der EU Green Deal und die damit verbundenen Regulierungen wie die KIM-Verordnung mit sich bringen, als Chance für Innovation und nachhaltige Entwicklung im Immobiliensektor.

Die Immobilienbranche steht vor großen Herausforderungen, aber auch vor spannenden Möglichkeiten. Die Auswirkungen des EZB-Leitzinses auf Immobilieninvestitionen, die Anforderungen des ESG-Gesetzes und die Notwendigkeit nachhaltiger Bauweisen werden die Branche in den kommenden Jahren prägen. Es wird darauf ankommen, innovative Lösungen zu finden, die sowohl den Klimaschutz als auch die Bedürfnisse der Bewohner berücksichtigen.

Mit dem Fokus auf Nachverdichtung, energieeffiziente Gebäude und grüne Technologien kann die Immobilienbranche einen wesentlichen Beitrag zur Erreichung der Klimaziele leisten. Dabei wird es entscheidend sein, den administrativen Aufwand in einem vertretbaren Rahmen zu halten und gleichzeitig effektive Maßnahmen umzusetzen. Die nächsten Jahre werden zeigen, wie schnell und erfolgreich dieser Wandel vollzogen werden kann.


Transkript

0:07 Das war dann 2023 und dann kommen wir zum Schluss noch in 2024 an. ESG tritt in Kraft. Zumindest mal teilweise und für die großen Unternehmen. Ein Gesetz, wo viele sagen, ja, brauchen wir, ist gut, wir brauchen faire Regeln, um die Klimaziele zu erreichen. Ein Gesetz, ich genauso von vielen Stimmen schon gehört habe, hätte man vielleicht besser machen können mit weniger administrativen Aufwand. Glaubst du, dass es aufgrund, gerade für dich als Entwickler, aufgrund der Komplexität von Immobilien und die steigt ja, notwendig ist dieser administrativen Aufwand oder hätte man es wirklich auch anders machen können?

0:47 Da bin ich viel zu wenig, ehrlich gesagt, in dem Gesetzes-Text drinnen, um deine Meinung zu haben. Ich finde nur grundsätzlich sehr wichtig, so wie auch bei der Taxonomieverordnung und bei all den anderen EU-Regulatorien, dass wir auf den Klimaschutz schauen. Und ich glaube, ist ganz ganz wichtig, dass in der ganzen Branche das Bewusstsein ist und in ganz Europa das Bewusstsein ist, dass wir unsere Gebäude, um eben einen Klimaschutz zu machen, besser einhausen, besser schützen und niedrigere Energiezahlen bekommen. Das finde ich eminent wichtig.

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1:28 Dass wir manchmal überbordend sind in manchen Bereichen das kann schon sein, aber speziell zu einzelnen Themen kann ich jetzt keine Aussage machen. Was ich jetzt immer wieder auch auf Anstellungen gehört habe,, dass dieses ganze Thema ESG ein in gewisser Weise endliches Thema ist, weil irgendwann wird uns klimaneutrales, klimafittes Bauen einfach in Fleisch und Blut übergegangen sein. Das ist das Ziel. Ja Was dauern wird? Wie viele Generationen werden wir brauchen? Ich glaube nicht, dass wir Generationen brauchen. Ich glaube eher, dass das eine Frage ist, die die nächsten zehn Jahre betrifft und dann ist

2:02 es da und bleibt. Wirklich? Eine Immobilie hat ja eine viel längere Halbwertszeit und Immobilien die ich vielleicht vor zehn Jahren gebaut habe, die werden ja jetzt noch als neu angesehen, die greife ich ja noch gar nicht an. Nein. Oder? Also einerseits wird uns die EU dazu zwingen, dass wir früher die Sachen angreifen und auf der anderen Seite wird das Klima uns dazu zwingen. Ich merke es jetzt, ich habe ein Haus gebaut, ist Ende des Jahres fertig geworden und da habe ich eine Bauteilaktivierung und eine Deckenkühlung. Meine Mieter sind eingezogen und drei von denen haben mir gesagt, das war dezidierter Grund,

2:41 warum sie sich für diese Wohnung entschieden haben, wegen der Deckenkühlung. Und jetzt ist es voll im Gange und es funktioniert und alle Bewohner sind total happy. Das ist für mich so ein Zeichen, bei dem klimatischen Verhältnis werden diese Sachen viel viel mehr gewünscht sein. Genauso, man sieht es auch bei den Photovoltaikanlagen, wie stark die Leute das jetzt nachrüsten und wie natürlich bei neuen Sachen das selbstverständlich ist. wenn wir von Rheinhausbauten oder von verdichteten Flachbau reden, da ist in neue Normal geworden und ich glaube, das wird jetzt viel schneller gehen. Das, was sicher ein riesengroßer Brocken sein wird und lange

3:21 dauern wird, ist das Umrüsten innerhalb des dicht verbauten Gebietes in Wien. Auf das bin ich schon sehr sehr gespannt, wie wir da technisch darauf antworten können, dass wir alle Häuser ohne Gas versorgen werden. Das wird noch spannend. Glaubst du dass das Ziel 2030 klimaneutral in Wien das die Stadt Wien ausgegeben Hat, absolut nicht. Also wenn wir da jetzt Richtung 2040, 2050 kommen, dann ist das gut, aber 2030 ist absolut nicht machbar. Braucht es da vielleicht auch dringend noch einmal eine Bauordnungsnovelle, um noch mehr nach oben nachzuverdichten und unten begrüßen zu können? Das würde ich wahnsinnig begrüßen.

4:01 Ich fände es toll, wenn wir im dicht verbauten Gebiet, so wie es unsere Branchen vertreten auch immer wieder sagen, wenn wir da in diesem dicht verbauten Gebiet das so gut angeschlossen ist, noch nachverdichten könnten. Das wäre sinnvoll gegen die Zersiedelung. Ob wir da eine Novelle brauchen? Ich glaube wir müssen in der Flächenbindung nachdenken. Also da ist viel möglich. Und das zweite ist, ich finde es viel viel sinnvoller, einem gut erschlossenen Gebiet wie Wien nachzuverdichten als draußen am Land, wo man noch alle Infrastruktur hintragen muss, neu zu verdichten. Also ich glaube, ist, die Kerne sind sicher etwas,

4:43 was die Aufgabe für die nächsten 10 15 20 Jahre Ist. Was würdest du von grünen Anreizmodellen halten? Zum Beispiel für jeden Straßenbaum, den du pflanzt, darfst du 50 Zentimeter über die Fürsthöhe gehen? Ich bin sofort verbleibend. Ich finde es auch wirklich bemerkenswert und toll, was Wien alles für die Begrünung macht, wie die Millionen Bäume da in die Stadt bringen wollen. finde ich ganz ganz toll. Ich glaube, sind wir bisschen gegenüber anderen europäischen Städten ein Vorreiter. Und auf das sollten wir auch stolz sein. ich kann es jetzt nur sagen, Projekt, das ich mache, ist in der wird

5:27 gerade eine Einbahnregelung gemacht. heißt, Straßenkörper für die Straßenbahn wird erweitert. Es gibt dann nur mehr eine Einbahnregelung vom Westbahnhof Richtung Stadt auswärts. Und in die Stadt einwärts Richtung gibt es nur mehr eine Fahrbahnspur für Räder, alles andere ist Gehsteig. Und es werden 80 neue Bäume gepflanzt und es werden viele, viele Die Bevölkerung

6:18 das sind die Bobos aus dem 6. und 7. die jetzt in den 15. kommen. Die haben aus Prätisch kein Auto. Und Damit War das auch für den Bezirk und für die Bewohner kein Thema. Hätten wir die selbe Frage im 13. Bezirk gestellt, hätte da was anderes rausgekommen. Ein Ruhrbeamter von der Bauaufsicht mal gesagt, wie einen Straßenzug umgebaut haben und dort glaube ich, fünf Parkplätze weggenommen haben, hatte er an die 90 Morddrohungen in seinem Postfach. Wird wahrscheinlich der 15. gewesen sein.

7:00 Also wie gesagt, dort in der Gegend kein Thema und die Leute freuen sich wahnsinnig, das kam auch so heraus, über jeden Baum, Schatten spendet, über jede Parkbank die gemacht wird und schöner wird und dann über diese ganzen Sprüher, die auf der Straße jetzt aufgestellt werden die auch so ein bisschen eine Verdunstung ermöglichen. Das heißt, wenn ich das jetzt so zusammenfassen kann, die Stadt tut genug für mehr Grün, aber sie könnte für die Nachverdichtung noch mehr tun. Absolut, sollte doch viel mehr tun. Das nehmen wir als Schlusssatz. Gerne. Danke dir. Gerne. Und euch vielen Dank fürs Zuschauen und wenn ihr

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