62 Prozent. So hoch ist im Schnitt die Belegung der Arbeitsplätze in den Büros Österreichs und Deutschlands. Am stärksten Tag, meist Dienstag oder Mittwoch, sind es 78 Prozent, am schwächsten gerade einmal 34 Prozent. Die Mietfläche pro MitarbeiterIn hat sich davon wenig beeindrucken lassen: Sie ist seit Jahren nahezu unverändert und liegt aktuell bei 18,3 m².
Bereits zum sechsten Mal in Folge legen teamgnesda und Bertram ZT gemeinsam mit den Umfragepartnern pro m² und neudoerfler den Office Report vor. Zwischen Mai und September 2026 wurden Daten von 164 Organisationen mit 225.300 MitarbeiterInnen, 186.000 Arbeitsplätzen und 5,48 Millionen m² Bürofläche erhoben – fast fünfmal so viele MitarbeiterInnen wie bei der ersten Erhebung 2021. Damit zählt der Report zu den größten datenbasierten Marktanalysen zu Arbeitswelten und New Work im deutschsprachigen Raum.
„Gute Entscheidungen über Arbeitswelten sollten nicht aus dem Bauch kommen, sondern aus Evidenz. Sechs Erhebungen in Folge machen aus Momentaufnahmen einen Trend, den man lesen kann. Unser Anspruch: nicht Mythen bedienen, sondern Fakten liefern", sagt Oliver Bertram, Geschäftsführer von Bertram ZT.
Fläche, die nicht arbeitet
Rechnerisch ließen sich allein bei den teilnehmenden Organisationen rund 1,6 Millionen m² einsparen. Hochgerechnet auf den Gesamtmarkt wären es rund 38 Prozent der Bürofläche: 13,7 Millionen m² in Österreich und 194 Millionen m² in Deutschland, zusammen rund 29.000 Fußballfelder. Das entspricht laut Report 2,77 Millionen Wohnungen mit Wohnraum für 4,2 Millionen Menschen – doppelt so viele, wie in Wien leben. Allein in Österreich wären es rund 182.000 Wohnungen, genug für eine Stadt in der Größe von Graz.
Rein rechnerisch, wohlgemerkt. Zwischen Büroetage und Wohnung liegen in der Praxis noch Widmung, Bauordnung und Haustechnik.
Andreas Gnesda, Gründer und CEO von teamgnesda, bringt es auf den Punkt: „Jeder dritte Schreibtisch steht leer, und allein die Teilnehmenden des Office Reports zahlen dafür rund eine halbe Milliarde Euro Miete im Jahr. Flächenreduktion ist kein Verlust von Raum, sondern ein Gewinn an Handlungsspielraum: Fläche, die als halbleeres Büro Geld kostet, könnte anderswo längst ein Zuhause sein. Wer effizient mit Fläche umgeht, entlastet die eigene Bilanz und ein Stück weit auch den Wohnungsmarkt."
Der Küchentisch als Konkurrenz
Die viel zitierte Rückkehr ins Büro findet laut den Daten nicht statt. Bei 54 Prozent der Organisationen hat sich die Präsenz in den letzten zwei Jahren nicht verändert, Home-Office wird im Schnitt an 2,4 Tagen pro Woche genutzt. Nur 0,1 Prozent der Beschäftigten dürfen gar nicht mobil arbeiten. Und die 4 Prozent der Organisationen ohne Home-Office-Angebot sind ausschließlich kleine Unternehmen.
Wer ins Büro kommt, kommt vor allem wegen der Teamarbeit (34 Prozent). Karriere und Sichtbarkeit nennen nur 1,3 Prozent. Das Büro als Bühne fürs Weiterkommen hat offenbar ausgedient. Entsprechend wünschen sich 32 Prozent der Organisationen mehr Kollaborations- und Projekträume, nur 5 Prozent mehr Einzelarbeitsplätze.
„Die totale Rückkehr ins Büro ist ein Mythos. Das Büro konkurriert heute mit dem Küchentisch, und es gewinnt nur dort, wo es mehr bietet: Begegnung, Austausch und echte Zusammenarbeit", so Bertram.
Vorreiter brauchen weniger
Zum zweiten Mal misst der Office Report mit dem New Work Score, wie weit neue Arbeitswelten in Organisationen tatsächlich umgesetzt sind – also nicht, was Unternehmen über sich sagen, sondern was sie tun. Der Schnitt liegt bei 45 Prozent, die Spannweite reicht von 5 bis 90 Prozent. An der Spitze stehen Beratung und Dienstleistungen (55,4 Prozent), IT und Telekommunikation (55,3 Prozent) sowie Energie (55,1 Prozent).
Am deutlichsten zeigt sich der Unterschied in der Fläche: Vorreiter kommen mit 13,2 m² Mietfläche pro MitarbeiterIn aus, die Besten mit unter 10 m². Nachzügler brauchen 36,6 m². Fast das Dreifache. Zugleich berichten die Vorreiter häufiger von steigender Produktivität, stärkerem Zusammenhalt und intensiverer KI-Nutzung.
„New Work heißt nicht weniger Büro, sondern anderes Büro: eines, das Zusammenarbeit ermöglicht, statt leere Schreibtische zu verwalten", sagt Gnesda: „Die Vorreiter haben nicht wegrationalisiert, sondern umgeschichtet, von der Fläche für den Einzelnen hin zu Räumen für das Miteinander."
Umbau statt Neubau
Für viele Unternehmen wird der Kostendruck erst 2027 voll spürbar. Schon heute ist Kostenreduktion mit 44 Prozent das wichtigste Motiv für einen Standortwechsel, reine Flächenreduktion nennen nur 10 Prozent. Man zieht also nicht um, um zu schrumpfen, sondern um besser zu werden. Die Zukunft sehen die Studienautoren im Umbau des Bestands statt im Neubau, Desk-Sharing wird zum neuen Normal.
Das Büro wird also nicht abgeschafft, aber es wird kleiner und anders genutzt. Die Daten zeigen eine stabile hybride Arbeitswelt, in der das Büro vor allem als Ort der Zusammenarbeit gebraucht wird. Wer seine Fläche danach ausrichtet, spart Miete – wer weiter Einzelarbeitsplätze für alle vorhält, zahlt für Leerstand. Ob die EigentümerInnen der Büroflächen diese Entwicklung ebenso gelassen sehen wie ihre MieterInnen, wird sich spätestens bei den nächsten Vertragsverlängerungen zeigen.
Der vollständige Office Report 2026/27 steht unter https://bit.ly/OfficeReport2627 zum Download bereit.