1:33
Ich kann das ganz klar sagen: Ich war immer ganz sicher, nicht in die Immobilienbranche zu gehen. Der Papa hat, wenn er zu Hause etwas erzählt hat, nur von Streitereien mit Wohnungseigentümern erzählt, Nachbarn, die gegen seine Baubewilligungen Einspruch erhoben haben. Eigentlich nur Ärger und ich habe gesagt: „In diese Branche möchte ich überhaupt nicht gehen.“ Und ja, da war noch die eine oder andere Sache dazwischen, die ich jetzt auslasse, aber wie ich dann 28 war, hat der Papa einen Herzinfarkt gehabt und ich musste Montag früh die Firma übernehmen und bin gleich auf die Baustelle gekommen, Baubesprechung in einem
2:09
Wohnbau, der, ich glaube, im zweiten Stock von fünf war oder so, ein Neubau. Und Gott sei Dank hat der Papa ein richtig gutes Team um sich versammelt gehabt. Das heißt, wenn irgendeiner gekommen ist mit einem Problem, dann konnte ich natürlich die versammelten Architekten und Bauingenieure und so weiter fragen: „Was sagt ihr dazu?“ Und dann konnte ich mir entweder, wenn sie alle einer Meinung waren, habe ich gesagt: „Was? Das machen wir.“ Wenn sie verschiedener Meinungen waren, habe ich mir das Beste ausgesucht. Okay. Und schon war ich drin in der Immobilienbranche und heute würde ich keine andere Branche wollen.
2:39
Wie war das Gefühl damals? Kannst du dich daran erinnern? Ich meine, es ist ja schon so quasi: „Ich will nicht und dann muss ich.“ Gibt es da einen Widerstreit im Kopf? Man muss sagen, der Moment, wo ich gesagt habe, ich gehe da nie hin und der Moment, wo ich übernommen habe, die waren schon ein paar Jahre auseinander. Dazwischen war ein Jus-Studium, dazwischen war ein Wirtschaftsstudium. Ich habe damals verstanden, was ich ursprünglich nicht verstanden hatte, dass zum Beispiel einer der Vorteile von der Immobilienbranche ist, dass dir Banken Geld borgen. Das heißt, anders als in fast allen anderen Branchen musst du nicht alles selber zahlen.
3:13
Das borgt dir jemand. Ja, du musst es wieder zurückzahlen, aber du kannst schon durch diese Hebelwirkung viel mehr erreichen, als du in einer anderen Branche mit gleichen Mitteln erreichen kannst. Das fand ich schon cool. Gibt es eine Entscheidung in deinem Leben, wo du sagst, das hat alles geprägt, wo du sagst, das war so ein, meinetwegen Wendepunkt oder ein wichtiger Punkt in deinem Leben? Na ja, also ich bin Unternehmergekind. Insofern war für mich immer irgendwie klar, ich will Unternehmer werden. Ich war ein paar Mal angestellt. Da war es für mich noch klarer, ich will Unternehmer werden.
3:53
Eine Entscheidung gibt es nicht. Wenn überhaupt, muss man sagen, vielleicht wirklich eben jener Herzinfarkt, weil ich war davor total unentschlossen, in welcher Branche ich mich selbstständig machen möchte. Man muss auch dazu sagen, der Tag, wo der Herzinfarkt war, war ich schon vier Jahre Makler. Also ich war da nicht von null in der Immobilienbranche und es hat mir ganz gut gefallen. Ich habe, wie gesagt, die Sachen, die du da machen kannst, die du gestalten kannst. Als 28-Jähriger borgst du dir sonst nicht so viel Geld sonst. Eine Entscheidung, die mich geprägt hat. Die zweite ganz wichtige Entscheidung ist mir natürlich, den
4:33
Markus als Kompagnon auszusuchen. Oder wir haben einander ausgesucht. Es hat sich gut ergeben. Ich hatte daneben ja die Firma vom Papa und das habe ich dann alles in das hinein verschmolzen. Also das war sicher eine prägende Entscheidung. Ich bereue sie auch nicht. Also es wäre sicher das Leben anders gelaufen ohne ihn. Wahrscheinlich nicht so gut. Also mein Vater hatte auch einen Herzinfarkt und für mich als Kind war das quasi, ihn zu sehen im Bett, da kommt dann dieses „Bip, bip, bip“. Das war eine sehr prägende Erfahrung. Ich muss aber ganz ehrlich zugeben, ich habe nicht viel daraus gelernt.
5:11
Wie ist das bei dir? Gesundheit, welchen Stellenwert hat das alles für dich? Doch, das hat mich schon geprägt, weil es war auch nicht so ein Moment. Der Papa hat vorher schon viel Magenschmerzen gehabt. Heute würde ich sagen, wegen den Sorgen, die er hatte. Ich weiß, das ist sehr metaphysisch. Und das andere ist, er war damals Mitte, Ende 50. Das heißt, auch da habe ich schon gelernt: Leb das Leben, nutz die Zeit, weil niemand sagt, dass man bis 90 eine gute Phase hat und daher kann man alles aufschieben.
5:51
Also ich bin nicht einer, der sagt, ich kann quasi mein ganzes Geld schon in meinen 40ern verblasen, weil dann bin ich eh tot. Also das ist das andere Extrem, das ich nicht angenommen habe. Aber Sachen Jahrzehnte aufzuschieben und dann, wenn ich in Pension bin, dann werde ich reisen oder so, das sehe ich nicht so. Ich finde, man kann jetzt gleichzeitig Beruf, Familie, Reisen unter einen Hut bringen. Welchen Stellenwert hat Genuss für dich? Einen sehr großen. Das ist natürlich, gerade wenn man in einer frustrierenden Branche ist, braucht man da einen Ausgleich und ich grille gern und ich esse gern, ich trinke auch gern,
6:31
wobei ich trinke fast keinen Alkohol. Ich kann auch Spaß haben und blödeln ohne Alkohol, aber Genuss ist für mich was ganz Wichtiges und ich habe lernen können seit der Kindheit, der Weg ist das Ziel. Also nicht immer nur, wenn man was Tolles erreicht hat, nun was Tolles erreicht, auch der Weg hin kann ganz toll sein. Was würdest du sagen, genießt du am meisten? Also beruflich bin ich natürlich einer, der gerne Erfolg hat. Das sind kleine Siege, das sind große Siege. Das sind, wenn langfristige Pläne, auf die man lang hin gearbeitet hat, aufgehen. Privat genieße ich
7:13
tatsächlich neue Erfahrungen. Ich fahre in irgendwelche Länder, ob exotisch oder ob es nur ein anderes Bundesland ist. Und ich will auf jeden Fall, wie man heutzutage so schön sagt, like the locals. Wenn ich habe ein Nobelrestaurant und irgendein Street Food, einen echten Mann oder junge Frau, die auf der Straße was Echtes kocht, dann esse ich ganz sicher das Street Food, weil ich da das Gefühl habe, dass es echter ist, dass es authentischer ist. Das heißt, wenn du reist, dann tauchst du auch in die Kulturen ein. Du hast vorher erzählt, du bist italophil.
7:53
Sprichst du auch Italienisch? Ich spreche auch Italienisch und Französisch und Englisch, also lauter westeuropäische Sprachen. Das heißt natürlich tue ich mir schwerer, wenn man über diese Sprachräume hinausgeht. Aber heutzutage kommst du mit Englisch überall weiter und ein bisschen Lächeln und wenn nicht, gibt es noch Google Translate. Das stimmt. Vielleicht noch einmal zurück zu deiner Jugend. Wenn du so an dein 20-jähriges Ich zurückdenkst, welchen Rat würdest du ihm aus heutiger Perspektive geben? Du musst wissen, mein 20-jähriges Ich war relativ schüchtern und introvertiert. Das kann man sich heute schwer vorstellen, aber das war tatsächlich
8:34
so. Das heißt, natürlich würde ich mir diese typischen Ratschläge geben wie „Trau dich" und „Die anderen merken gar nicht, dass es dir peinlich ist" und solche Dinge. Und ansonsten muss ich sagen, als 20-Jähriger noch nicht, aber als 23- oder 24-Jähriger gegen Ende des Studiums, ich habe ein bisschen länger studiert, wollte ich eh selbstständig werden. Insofern auch da nur: Trau dich. Weil bis ich wirklich selbstständig war, hat es dann noch drei, vier Jahre gedauert. Also das hätte man ruhig schneller machen können. Ich erinnere mich an eine Zeit, da bin ich abends frustriert von einem Angestelltenjob nach Hause gekommen, habe mich neben meine damalige
9:06
Freundin und heutige Frau ins Bett gelegt und habe ihr erzählt von den vielen tollen Unternehmerideen, die ich habe. Jeden Tag neue, die ich alle nicht durchgezogen habe und bei denen ich alle am nächsten Tag wieder Zweifel gekriegt habe, ob der Chef eines weltweiten Hundesitter-Services wirklich eine gute Idee ist oder ... Es war sehr kreativ alles. Okay. Thema peinlich: Gibt es etwas? Was ist dir peinlich heute? Na ja, tief drinnen ist immer noch ein Introvert. Tief drinnen bin ich immer noch schüchtern. Das heißt, genauso wie ich zum Beispiel Höhenangst habe, aber ich kämpfe dagegen an.
9:47
Also es ist nicht so, dass ich sage, ich gehe nicht auf die Seilbrücke, sondern ich gehe auf die Seilbrücke und habe feuchte Hände, aber ich ziehe es durch. Und genauso ist bei Dingen, die mir eigentlich peinlich wären, auch so, dass ich sage: „Nicht wahr, da muss ich trotzdem durch." Also ich glaube schon sehr an eine Form der Selbstdisziplin, wo du deine eigenen Gedanken kontrollierst und nicht wild schweifen lasst, was da jetzt alles passieren könnte oder was die anderen alles denken könnten oder so. Meine Töchter finden mir überhaupt nichts peinlich, aber das ist, wenn ich wieder mal in der Unterhose durch die Gegend gehe.
10:20
Im Haus. Wichtiger Zusatz. Welche Rolle spielt für dich Spaß haben in deinem Leben? Ist ein sehr guter Ausgleich. Ich mag Spaß. Ich liebe zum Beispiel auch Comedy, also gute Comedians. Kabarettisten hat man früher gesagt. Wer ist dein Lieblingskabarettist? Oh, das kann ich gar nicht auf eine Person einschränken. Oder zwei oder drei. Ich mag die amerikanischen Late-Night-Leute, ich mag amerikanische Kabarettisten. Da gibt es eigentlich zahllose, aber ich habe auch wirklich viele österreichische. Nein, ich möchte eigentlich gar keine
11:03
einzelnen Namen nennen, denn ich finde die meisten lustig. Um vielleicht ein Spektrum zu sagen, ich habe den Gunkl auf der intellektuellen Seite und dann hast du aber auch Brachialhumor von ... Weiß ich gar nicht, wen ich da nennen kann. Ich finde sogar Humor aus den 50ern und 60ern, der wahnsinnig schüchtern war und eigentlich überhaupt keiner der witzig durfte. Ja, und der Peter Alexander, das war auch Humor, aber das finde ich auch nett, weil sie mich auch ein bisschen ablenken. Und insofern muss ich auch eine Kritik üben an denjenigen Kabarettistinnen und Kabarettisten, die dann irgendwann in ihrer Karriere darauf kommen: „Jetzt müssen
11:37
wir aber auch was mitgeben und jetzt müssen wir an die Leute erinnern, wie ernst das Leben denn wirklich ist." Und da muss ich sagen, dafür zahle ich nicht. Das habe ich schon im realen Leben. Ich möchte das bewusst. Ich lache gerne. Humor ist mir sehr wichtig. Ich mache auch selbst gerne Witze. Meine Töchter leiden auch darunter. Dad Jokes. Dad Jokes, genau so ist es. Jetzt haben sie mir zum Geburtstag ein Buch geschenkt mit Dad Jokes und ich zitiere daraus. Aber das macht sie auch härter. Das war eigentlich wie ein Backfire Geburtstagsgeschenk. Nein, auch meine Töchter haben Selbstironie. Okay, alles klar.
12:17
Thema Buch: Liest du gerne? Und wenn ja, was liest du aktuell? Und Dann die Anschlussfrage: Gibt es einen Buchtitel, den du deinem Leben gerne geben würdest? Okay, ich fange mit dem anderen an. Ich lese gerne. Ich habe im Alltag wenig Zeit zu lesen. Insofern bin ich viel auf Hörbücher umgestiegen, weil eine Autofahrt wird immer interessanter durch Hörbücher. Ich bin relativ konzentriert auf Sachbücher, leider. Aber Sachbücher, aus denen hole ich so viel heraus. Man würde fast sagen Persönlichkeitsbildungsbücher. Ich lese Bücher von erfolgreichen Gründern, ich lese Bücher von
12:58
Life Coaches, auch klassischere Sachbücher, aber Sachbücher. Leider habe ich zu wenig Zeit, dass ich echte Literatur auch noch lese, weil ich finde, man kann auch aus echter Literatur etwas lernen. Auch klassische Literatur hat oft viel Weisheit drinnen. Und der Titel für mein Leben, da müsst ihr jetzt schneiden, weil das fällt mir nicht so schnell ein, einen Satz. Egal. Es gibt ja diesen netten Satz: Im Leben muss man einen Baum pflanzen, ein Kind, Haus bauen und so weiter und so fort. Was steht noch auf deiner Bucket List, was du auf jeden Fall noch in diesem Leben erledigen möchtest?
13:40
Ehrlich gesagt, ich bin zufrieden. Wenn ich wirklich morgen sterben müsste, hätte ich schon einiges an unerledigten Sachen, aber ich würde nicht sagen: „Mist.“ Also ganz im Gegenteil, ich lebe mein Leben so, dass ich zu keinem Zeitpunkt sage: „Mist, zu dem bin ich nie gekommen und damit ist mein Leben nicht vollständig." Ja, ich war noch nie in Australien und ich werde einmal hinkommen und ich finde das toll, aber dass jetzt mein Leben nicht vollständig ist, weil ich noch nie in Australien war. Eigentlich bin ich zufrieden mit meinem Leben, mit dem, was ich erreicht habe. Meine Firma könnte immer eine Null mehr in der
14:11
Bilanzsumme haben und daran arbeite ich auch, aber es ist auch so okay. Danke dir. War großartig.