Immobilien waren bei Mühlhofer schon in der Kindheit präsent. Allerdings nicht unbedingt so, dass man als junger Mensch sofort sagt: Genau das will ich später einmal machen. Wenn sein Vater zu Hause von der Arbeit erzählte, ging es häufig um Streit mit Wohnungseigentümern, Einsprüche von Nachbarn und Probleme mit Baubewilligungen. Für den Sohn war die Sache daher zunächst klar: Diese Branche wird es sicher nicht.
Es kam anders.
Nach einem Jus- und Wirtschaftsstudium arbeitete Mühlhofer bereits einige Jahre als Makler. Dann erlitt sein Vater einen Herzinfarkt. Mit 28 Jahren musste der Sohn praktisch über Nacht das Unternehmen übernehmen. Am Montagmorgen ging es zur Baubesprechung auf eine Baustelle – und plötzlich war aus dem Immobilienmakler ein Unternehmer mit ziemlich viel Verantwortung geworden. Dass sein Vater ein gutes Team aufgebaut hatte, half. Wenn Mühlhofer selbst etwas nicht wusste, fragte er eben Architekten und Bauingenieure. Waren alle einer Meinung, war die Sache einfach. Waren sie unterschiedlicher Meinung, suchte er sich, wie er im Gespräch erzählt, „das Beste“ aus. Und schon war er endgültig in der Immobilienbranche gelandet.
Heute ist Mühlhofer Vorstand der Immobilienrendite AG, die er 2008 mit Markus Kitz-Augenhammer gegründet hat. Dass Mühlhofer aktuell dem Vorstand angehört, bestätigt auch das österreichische Firmenbuch.
Unternehmertum mit Umwegen
Dass er Unternehmer werden wollte, war Mühlhofer dagegen früh klar. Einige Ausflüge ins Angestelltendasein hätten diesen Wunsch eher verstärkt als gebremst. Nur mit der Umsetzung ließ er sich Zeit.
Im Rückblick würde er seinem jüngeren Ich deshalb vor allem eines sagen: Trau dich früher. Mühlhofer beschreibt sich selbst mit 20 als schüchtern und introvertiert. Gegen Ende seines Studiums hatte er bereits laufend Ideen für die Selbstständigkeit – setzte sie aber zunächst nicht um. Abends erzählte er seiner damaligen Freundin und heutigen Frau von neuen Geschäftsideen, um am nächsten Tag wieder daran zu zweifeln. Darunter befand sich übrigens auch die Idee eines weltweiten Hundesitter-Services. Nicht alles, was nicht umgesetzt wird, muss also zwingend ein Fehler gewesen sein.
Eine der Entscheidungen, die tatsächlich prägend wurde, war die Zusammenarbeit mit Markus Kitz-Augenhammer. Mühlhofer bezeichnet die Wahl seines Kompagnons – oder vielmehr das gegenseitige Finden – als eine der wichtigen Weichenstellungen seines Berufslebens.
Das Leben nicht für später aufheben
Der Herzinfarkt seines Vaters hatte aber noch eine andere Wirkung. Mühlhofer zog daraus die Erkenntnis, dass es keine besonders gute Idee ist, das Leben jahrzehntelang auf später zu verschieben. Reisen, Familie, Beruf und Genuss müssen für ihn nicht nacheinander stattfinden. Sie dürfen gleichzeitig Platz haben.
Genuss hat dementsprechend einen hohen Stellenwert. Mühlhofer grillt gerne, isst gerne und reist gerne. Wobei ihn auf Reisen weniger das Nobelrestaurant interessiert als das Street Food, das tatsächlich von Einheimischen gegessen wird. Authentizität schlägt Inszenierung. Neue Länder, andere Kulturen und neue Erfahrungen gehören zu den Dingen, die er privat besonders schätzt.
Und dann ist da noch der Humor. Mühlhofer liebt Comedy, von intellektuellem Kabarett bis zum ziemlich brachialen Schmäh. Nur eines möchte er dabei nicht unbedingt: dafür bezahlen, dass ihm ein Kabarettist erklärt, wie ernst das Leben ist. Das bekomme er schließlich im wirklichen Leben gratis. Seine eigenen Witze wiederum müssen vor allem seine Töchter ertragen. Sie schenkten ihm sogar ein Buch mit Dad Jokes – mit dem zweifelhaften Erfolg, dass ihr Vater nun zusätzliches Material besitzt.
Und was fehlt noch?
Gegen Ende des Gesprächs kommt eine jener Fragen, bei denen normalerweise große Ziele ausgepackt werden: Was steht noch auf der Bucket List?
Mühlhofers Antwort fällt überraschend unspektakulär aus. Er sei zufrieden. Natürlich gibt es noch Dinge, die er machen möchte. Australien zum Beispiel fehlt noch auf seiner Reiseliste. Und selbstverständlich könne seine Firma „immer eine Null mehr in der Bilanzsumme haben“. Daran werde auch gearbeitet. Aber das bisherige Leben wäre nicht unvollständig, wenn nicht mehr jeder Punkt abgehakt werden könnte.