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Immobilienbranche: unterschätzter Wirtschaftsfaktor für Österreich

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Bauarbeiter mit Architekten auf einem Bild
© mstandret

Die Bau- und Immobilienbranche ist weit mehr als ein Sektor unter vielen. Sie ist ein zentraler Wirtschaftsfaktor für Österreich, sichert Wertschöpfung, Beschäftigung und regionale Stabilität – und wird in ihrer tatsächlichen Bedeutung dennoch häufig unterschätzt. Das zeigt eine aktuelle Studie des Instituts für Österreichs Wirtschaft (iföw), die im Auftrag von Pro Bauen und Sanieren, einer Initiative der WKO Fachgruppe Wien der Immobilien- und Vermögenstreuhänder, des Forschungsverbands der österreichischen Baustoffindustrie sowie des Verbands der Baustoffhändler Österreichs erstellt wurde.

Die zentrale Aussage der Untersuchung: Jeder fünfte Euro in Österreich steht direkt oder indirekt mit der Bau- und Immobilienwirtschaft in Verbindung. Im Jahr 2023 entsprach das einer Wirtschaftsleistung von 84,8 Milliarden Euro. Direkt erwirtschaftete die Branche 52,1 Milliarden Euro Wertschöpfung. Rechnet man Zuliefer-, Verflechtungs- und Konsumeffekte hinzu, wird sichtbar, wie breit die Branche in die gesamte Volkswirtschaft hineinwirkt. Auch die Umsätze der Bauwirtschaft liegen mit 154,3 Milliarden Euro deutlich höher, als es die bisherige amtliche Erfassung nahelegte.

Neu an der Studie ist vor allem der methodische Ansatz. Erstmals wurde die Bauwirtschaft mithilfe eines Satellitenkontos betrachtet, einer von Eurostat empfohlenen Methode für Querschnittsmaterien. Dadurch werden nicht nur Hochbau, Tiefbau und Baunebengewerbe erfasst, sondern insgesamt 30 Sektoren, die mit Bauen, Wohnen, Sanieren und Immobilien verbunden sind. Dazu zählen unter anderem Baustoffe, Maschinen, Architektur, Handel, Ausbildung und öffentliche Hand.

„Erstmals erfasst eine Studie in Österreich die Bauwirtschaft mithilfe der von Eurostat empfohlenen Methode des Satellitenkontos und betrachtet damit alle baurelevanten Sektoren“, erklärt iföw-Studienautorin Anna Kleissner. Die Branche generiere 12 Prozent der Wertschöpfung in Österreich, unter Einbeziehung mittelbarer Effekte sogar rund 20 Prozent. Als Wirtschaftsmotor werde sie daher „systematisch unterschätzt“.

Jobmotor mit regionaler Wirkung

Besonders sichtbar wird die Bedeutung der Branche am Arbeitsmarkt. Rund 624.000 Beschäftigte arbeiteten im Referenzjahr 2023 unmittelbar in der Bau- und Immobilienwirtschaft. Das entspricht nahezu jeder siebten erwerbstätigen Person in Österreich. Zählt man die vor- und nachgelagerten Bereiche hinzu, hängen knapp 1,1 Millionen Arbeitsplätze an diesem Wirtschaftsnetzwerk. Dazu kommen rund 27 Milliarden Euro an Steuern und Abgaben, die der Sektor zur Finanzierung des Gemeinwesens beiträgt.

Die Branche ist damit nicht nur ein Wachstumstreiber, sondern auch ein Stabilitätsanker. Viele Betriebe sind kleine und mittlere Unternehmen, die in den Regionen verwurzelt sind, Arbeitsplätze sichern und lokale Wirtschaftskreisläufe stärken. Gerade diese Struktur macht die Immobilien- und Bauwirtschaft für den Standort Österreich besonders relevant: Investitionen kommen nicht nur großen Zentren zugute, sondern wirken bis in Gemeinden, Zulieferbetriebe, Handel und Handwerk hinein.

Auf die besondere Rolle des Wohnbaus verweist KommRat Michael Pisecky, Fachgruppenobmann Immobilien- und Vermögenstreuhänder der Wirtschaftskammer Wien. Der Wohnbau sichere österreichweit unmittelbar mehr als 40.000 Arbeitsplätze, stärke heimische Betriebe und schaffe dringend benötigten, leistbaren und hochwertigen Wohnraum. Gleichzeitig stehe der Sektor stark unter Druck: Von 12.600 für 2026 geplanten Wohneinheiten würden in Wien laut Prognose nur 9.600 fertiggestellt, nach seiner Einschätzung sogar höchstens 8.000. Damit fehle mindestens jede vierte geplante Wohnung. Verlässliche gesetzliche Rahmenbedingungen, ausreichende Finanzierungen und Planungssicherheit seien daher entscheidend.

Investitionen wirken weit über die Branche hinaus

Die Studie macht zugleich deutlich, welche volkswirtschaftlichen Kosten entstehen, wenn Bau- und Sanierungsprojekte verschoben oder estoppt werden. Zinswende, steigende Kosten, regulatorische Hürden und fehlende Planungssicherheit bremsen die Branche. Von 2022 bis 2025 schrumpfte der Bau vier Jahre in Folge, 2024 besonders deutlich. Auch für 2026 wird keine kräftige Trendwende erwartet. Erst 2027 sollen die Bauinvestitionen wieder leicht wachsen.

Wie groß das ungenutzte Potenzial ist, zeigt ein Szenario der Studie: Hätte sich der Bau zwischen 2022 und 2027 im Gleichschritt mit der Gesamtwirtschaft entwickelt, wären über sechs Jahre hinweg 25,3 Milliarden Euro zusätzliche Wertschöpfung im Bau und 60,3 Milliarden Euro in ganz Österreich möglich gewesen. Rund 54.000 Arbeitsplätze im Bau und etwa 130.000 Arbeitsplätze österreichweit hätten gesichert oder geschaffen werden können. Zugleich wären Bund, Länder, Gemeinden und Sozialversicherungsträger um 28,9 Milliarden Euro höhere Einnahmen zugeflossen.

Auch Georg Bursik, Vorstandsvorsitzender des Forschungsverbands der österreichischen Baustoffindustrie, sieht in regulatorischen Impulsen einen wesentlichen Hebel. Neben Neubau und Nachverdichtung sei vor allem die Sanierung von Bestandsgebäuden entscheidend. Die Gebäudesanierung generiere jährlich eine Bruttowertschöpfung von 5,5 Milliarden Euro. Damit aus Potenzial tatsächliche Wertschöpfung werde, brauche es ein Regulierungs- und Fördersystem, „das planbar, finanzierbar, sozial umsetzbar und rechtlich praktikabel ist“.

Sanierung und Wohnbau als Zukunftsaufgaben

Besonders stark wäre der Effekt einer höheren Sanierungsrate. Eine Verdopplung von 1,5 auf 3 Prozent zwischen 2026 und 2040 könnte laut Studie eine gesamte Bruttowertschöpfung von rund 124 Milliarden Euro auslösen und rund 130.500 Arbeitsplätze sichern oder schaffen. Auch das Schließen der Wohnbaulücke hätte volkswirtschaftliche Relevanz: Eine Rückkehr auf das Fertigstellungsniveau der Jahre 2021/22 würde zusätzliche Investitionen von 7,8 Milliarden Euro jährlich erfordern und könnte eine zusätzliche Bruttowertschöpfung von 4,6 Milliarden Euro in Österreich bewirken.

Andreas Fetter, Vizepräsident des Verbands der Baustoffhändler Österreichs, betont die Bedeutung der kleineren Betriebe: Rund ein Viertel der Beschäftigten arbeite in Unternehmen mit weniger als zehn Personen. Diese Betriebe seien regional verankert und zugleich besonders stark von wirtschaftlichen Schwankungen betroffen. Der Baustoffhandel stehe in enger Wechselwirkung mit Bauhaupt- und Baunebengewerbe und sichere stabile Lieferketten. Eine starke Bauwirtschaft stärke daher sämtliche Teilsektoren.

Die Grundaussage der Studie ist damit eindeutig: Die Immobilien- und Bauwirtschaft ist kein nachgelagerter Begleiter wirtschaftlicher Entwicklung, sondern ein eigenständiger Standortmotor. Wer in Wohnbau, Sanierung und Infrastruktur investiert, schafft nicht nur Gebäude, sondern Wertschöpfung, Beschäftigung, Steuereinnahmen und soziale Stabilität. Gerade in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit zeigt sich: Stillstand in der Bau- und Immobilienbranche kostet weit mehr als verzögerte Projekte. Er schwächt einen jener Wirtschaftsfaktoren, von denen Österreich in besonderem Maß lebt.

Artikel erstellt in Kooperation mit KI

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