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HORTUS Allschwil: Wer baute das Holz-Lehm-Bürohaus?

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HORTUS Holz & Lehm Bürobau
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Ein Bürohaus, das seine graue Energie in 31 Jahren zurückzahlen soll: HORTUS in Allschwil bei Basel wurde von Herzog & de Meuron geplant und von Blumer Lehmann gemeinsam mit Lehm Ton Erde in Holz und Stampflehm errichtet. Bauherrin ist die Senn Resources AG aus St. Gallen. Bei der Eröffnung am 19. Juni 2025 war das Haus vollvermietet.

Im Switzerland Innovation Park Basel Area in Allschwil, direkt an der Grenze zu Frankreich, hat die Entwicklerin SENN mit dem HORTUS eines der konsequentesten Nachhaltigkeitsprojekte des deutschsprachigen Raums realisiert. Ein fünfgeschoßiger Holzskelettbau mit rund 10.000 Quadratmetern Nutzfläche und etwa 600 Arbeitsplätzen, gruppiert um einen Innenhof, den der niederländische Gartengestalter Piet Oudolf bepflanzt hat.

Das technische Herzstück ist eine eigens entwickelte Holz-Lehm-Verbunddecke: Massivholzbalken aus Fichte mit dazwischenliegenden, maschinell gestampften Lehmgewölben. Die Decke ist sortenrein trennbar, dient zugleich als thermische Masse und als Brandschutz – und verursacht nach Angaben der Planer rund zehnmal weniger CO₂ als eine konventionelle Flachdecke aus Beton. 810 dieser Elemente entstanden in einer Feldfabrik auf dem Nachbargrundstück und wurden 200 Meter weiter versetzt.

Bei der Eröffnung im Juni 2025 war das Gebäude vollständig vermietet; zu den ersten Mietern zählen Swiss Aviation Software und der US-Medizintechnikkonzern Becton Dickinson. Das Mietmodell setzt auf vollausgebaute Flächen – „access over ownership” statt Rohbau zum Selberausbauen. Die Fachwelt honorierte das Ergebnis mit dem Swiss Arc Award 2025, dem Publikumspreis „Hochparterre – Die Besten 2025” und der Jury-Shortlist des Prix SIA 2026.

Eckdaten im Überblick:

•             Standort: Switzerland Innovation Park Basel Area, Allschwil bei Basel (CH)

•             Typ: Bürogebäude, Plusenergiestandard

•             Umfang: rund 10.000 m² Nutzfläche, ca. 600 Arbeitsplätze, fünf Geschoße

•             Material: 3.000 m³ Holz, 3.000 t Lehmmischung, 810 Holz-Lehm-Deckenelemente

•             Energie: rund 5.000 m² Photovoltaik auf Dach und Fassade, ca. 800.000 kWh im Jahr

•             Klimabilanz: 6,8 kg CO₂-eq/m²a (SIA-Zielwert: 9); graue Energie nach 31 Jahren amortisiert

•             Eröffnung: 19. Juni 2025, bei Eröffnung vollvermietet

•             Architektur: Herzog & de Meuron; Tragwerk ZPF Ingenieure; Generalplanung SENN Construction

Bauherr: SENN

Bauherrin ist die Senn Resources AG aus St. Gallen, die Herzog & de Meuron mit einem „radikal nachhaltigen” Bürogebäude aus erneuerbaren und recycelbaren Materialien beauftragte. Die Vorgabe: wenig graue Energie im Bau, ein energieoptimierter Betrieb, ein Überschuss an selbst erzeugter Energie – und eine Erstellungshypothek, die in höchstens 40 Jahren getilgt ist. Die Generalplanung lag bei SENN Construction, das Energiekonzept bei der Senn Technology AG. SENN trug damit ein Entwicklungsrisiko, das weit über das eines konventionellen Bürobaus hinausgeht.

Wer hat HORTUS geplant? Herzog & de Meuron

Die Architektur stammt von Herzog & de Meuron aus Basel, die Tragwerksplanung von ZPF Ingenieure. Für das international gefeierte Büro war HORTUS ein bewusst zurückgenommener Entwurf: kein spektakuläres Zeichen, sondern ein präzises Zusammenspiel aus Material, Energie und Konstruktion. Bemerkenswert ist die Umkehrung des Planungsablaufs – nicht das Tragwerk folgte dem Architekturentwurf, sondern der Entwurf dem zuvor optimierten Decken- und Stützenraster. Die horizontale Bänderung der Fassade und die offen gelassenen Ecken sind die gestalterische Antwort darauf, ein breites Volumen leicht erscheinen zu lassen – Form, die hier konsequent den Zahlen folgt.

Wer hat HORTUS gebaut? Blumer Lehmann

Den Rohbau und die Tragstruktur übernahm das Holzbauunternehmen Blumer Lehmann aus Gossau im Kanton St. Gallen; die Holz-Lehm-Decke entstand in einer Arbeitsgemeinschaft mit Lehm Ton Erde Baukunst, dem Vorarlberger Betrieb von Martin Rauch. Die Holzkästen wurden im Werk in Gossau vorgefertigt; befüllt wurden sie in der Feldfabrik, vier Zelten auf dem Nachbargrundstück: 3.000 Tonnen mineralische Mischung, davon nach Angaben von Lignum 76 Prozent aus dem Aushub der eigenen Baugrube. Nach acht Monaten Produktion war im März 2024 das letzte der 810 Elemente fertig, eine Woche später stand der Rohbau.

Bemerkenswert ist die Materialdisziplin. Das Primärtragwerk besteht aus verleimtem Buchenholz, die Deckenbalken aus Fichte, die Verbindungen sind gesteckt und geschraubt statt verleimt, gedämmt wird mit Zellulose aus Altpapier. Es gibt kein Untergeschoß; statt einer durchgehenden Bodenplatte tragen Punktfundamente, Beton kommt nur dort zum Einsatz, wo er statisch unverzichtbar ist. Der Lehm spart zusätzlich Holz, weil das Tragwerk dank seines Brandschutzes nicht auf Abbrand dimensioniert werden musste. HORTUS ist damit weniger ein Holzbau mit Lehmakzent als ein konsequent kreislauffähig gedachtes Gebäude.

Umwelt und Energie: Wärme, Kälte und CO₂-Bilanz

HORTUS ist ein Plusenergiegebäude: Eine rund 5.000 Quadratmeter große Photovoltaik-Anlage auf Dach und Fassade mit etwa 3.600 Modulen erzeugt jährlich rund 800.000 Kilowattstunden – deutlich mehr, als das Haus selbst benötigt. Wärme und Kälte bezieht HORTUS aus der Energiezentrale des Areals: Die Wärme liefert eine Erdsonden-Wärmepumpenanlage mit dem natürlichen Kältemittel Ammoniak, die Kälte ein Freecooling-System. Der Betrieb ist vollständig fossilfrei.

Die Klimabilanz ist mit konkreten Werten unterlegt: 6,8 Kilogramm CO₂-Äquivalent pro Quadratmeter und Jahr, deutlich unter dem SIA-Zielwert von 9. Die im Bau gebundene graue Energie beziffern die Planer auf rund 11,5 Gigawattstunden. Diese Hypothek soll die Photovoltaik-Anlage in 31 Jahren zurückzahlen – zusätzlich zur laufenden Betriebsenergie. Das Gebäude ist als Cradle-to-Cradle-Projekt angelegt: Sämtliche Bauteile sind katalogisiert und demontierbar.

Was war schwierig?

Klagen, Insolvenzen oder Bürgerproteste sind bei HORTUS nicht dokumentiert; das Gebäude war bei Eröffnung vollvermietet. Schwierig war die Planung selbst. Der Aufwand lag nach Angaben von Johannes Eisenhut, Geschäftsführer der Senn Development AG, deutlich über dem eines konventionellen Bürokomplexes; allein die Recherche nach einer Alternative zur Betondecke dauerte sieben Monate, zwischen Planungsbeginn und Eröffnung vergingen fünf Jahre. Ob die neue Konstruktion überhaupt zulassungsfähig war, entschied sich spät: Ein Mock-up aus Leimbinder-Stützen und Deckenelementen musste einem einstündigen Brandversuch standhalten, zu einem Zeitpunkt, an dem bereits erheblicher Aufwand und Kapital im Projekt steckten. ZPF-Bauingenieur Nico Ros beschreibt den Moment im Rückblick als nervös; das Element wurde als REI 60 zertifiziert. Die relevante Debatte bleibt damit eine fachliche: Die Fachzeitschrift TEC21 fragte „Was bleibt nach dem Hype?” und diskutierte, wie viel des Konzepts sich auf Projekte mit knappem Budget übertragen lässt. Die konzeptionelle Komplexität und die Spezialgewerke machen HORTUS zum Vorbild, aber nicht ohne Weiteres zur Blaupause.

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