Untersucht wurden 85 Gruppen mit relevanter Größe je Bundesland. Sie haben zusammen 2,9 Millionen Mitglieder und rund 5.000 Beiträge pro Monat. „Entscheidend ist nicht allein die Größe einer Gruppe, sondern die Anzahl der Beiträge“, erklärt Baidinger – viele Personen sind in mehreren Gruppen aktiv oder bleiben auch nach beendeter Suche Mitglied. „Der große Hype an Gruppengründungen ist vorbei, aber die Mitgliederzahlen nehmen laufend stark zu“, so Baidinger weiter.
Unstrukturierter Marktplatz
Die Gruppen sind für Suchende wie Anbieter eine relevante Ergänzung zu klassischen Immobilienplattformen, funktionieren aber deutlich unübersichtlicher, als ihre Namen vermuten lassen: Angebot und Nachfrage, Miete und Eigentum sowie private und gewerbliche Inserate vermischen sich. Die Qualität hängt stark von der Moderation ab.
Kein Markt für Schnäppchen
Günstige Ausnahmeangebote sind selten. Zuletzt werden vermehrt hochpreisige Miet- und Kaufobjekte privater Anbieter eingestellt, die oft wenig Resonanz erhalten. „Facebook-Gruppen sind kein günstiger Alternativmarkt, sondern ein zusätzlicher, meist ungefilterter Verbreitungskanal“, resümiert Baidinger.
Viele Nachmietersuchen
Seit Einführung des Bestellerprinzips bei Mietwohnungen, suchen Ausziehende mit Zustimmung des Vermieters zunehmend selbst Nachmieter um Möbel gegen Ablöse in der Wohnung zu lassen. „Soweit dies aus den Postings beurteilbar ist, wirken die meisten Ablösen preislich nachvollziehbar“, so Baidinger. Überzogene Forderungen sind die Ausnahme und werden von Usern besonders kritisch kommentiert.
Wien: Fokus auf Entwicklungsgebiete
Die Angebote für Wien konzentrieren sich auf den 10., 21. und 22. Bezirk, wo in den letzten Jahren besonders viel Neubau entstanden ist. Auffällig sind die große Anzahl an Kauf- und Mietangeboten internationaler Eigentümerinnen und Eigentümer. „Es liegt nahe, dass darunter Wohnungen sind, die während der Corona-Jahre gekauft wurden und nun vermietet oder wieder verkauft werden“, so Baidinger.
WG-Zimmersuche von internationalen Studenten
Facebook dient als niedrigschwelliger Zugang für Studierende, eine mobile, internationale und preissensible Zielgruppe. Baidinger: „Angeboten werden vornehmlich große, sanierungsbedürftige Wohnungen. Diese lassen sich über WG-Zimmer besonders ertragreich vermieten.“
Ambivalenz der Gruppen und Community-Strukturen
Neben privaten Anbietern mischen sich regelmäßig Makler, Vermittlungsplattformen und andere gewerbliche Akteure unter die Postings. Manche Gruppen wurden von Portalen oder Maklern selbst aufgebaut, um den Eindruck privater Angebote zu erzeugen. Zum Teil prägen auch sprachliche, kulturelle oder unternehmerische Netzwerke einzelne Gruppen – die Wohnungssuche wird stark über bestehende Communities und Vertrauensräume organisiert.
Fazit
Facebook kann für Suchende ein sinnvoller Zusatzkanal sein, ersetzt aber keine strukturierte Suche über Immobilienplattformen, Genossenschaften, Hausverwaltungen oder offizielle Vormerkstellen. Anbietern schafft Facebook Reichweite, aber wenig qualifizierte Nachfrage. Entscheidend sind Beitragsqualität, Moderation, rechtliche Transparenz und die tatsächliche Vermittlungswahrscheinlichkeit.