Die EcoAustria-Studie stellt dem gemeinnützigen Wohnbau ein beeindruckendes Zeugnis aus. Was ist für Sie die wichtigste Erkenntnis?
Christian Rädler: Die Studie bestätigt eindrucksvoll, was wir seit Jahren in der Praxis erleben: Gemeinnütziger Wohnbau schafft nicht nur leistbaren Wohnraum, sondern stärkt gleichzeitig auch die regionale Wirtschaft, sichert Arbeitsplätze und sorgt für nachhaltige Wertschöpfung. Das ist gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten von großer Bedeutung. Jeder Euro, der in den gemeinnützigen Wohnbau investiert wird, wirkt mehrfach – für die Menschen, für die Betriebe und für das Land.
766 Millionen Euro Investitionsvolumen und rund 290 Millionen Euro regionale Wertschöpfung allein im Jahr 2024 – wie kommt diese enorme Wirkung zustande?
CR: Gemeinnütziger Wohnbau löst eine ganze Kette wirtschaftlicher Effekte aus. Die Investitionen kommen zu einem großen Teil regionalen Unternehmen zugute. Rund drei Viertel der direkten Wertschöpfung verbleiben in Niederösterreich und fließen überwiegend an regionale Bau- und Gewerbebetriebe. Damit werden nicht nur Wohnungen geschaffen, sondern auch Aufträge und Beschäftigung in der Region gesichert.
Besonders eindrucksvoll ist die Aussage zur Wohnbauförderung: Ein Euro Förderung mobilisiert bis zu 4,3 Euro Gesamtinvestitionen. Ist die Wohnbauförderung damit ein unterschätzter Wirtschaftsmotor?
CR: Aus unserer Sicht zeigt die Studie sehr klar, wie stark die Hebelwirkung ist. Jeder Euro an öffentlicher Förderung kann bis zu 4,3 Euro an Gesamtinvestitionen mobilisieren und bis zu 1,6 Euro regionale Wertschöpfung auslösen. Damit ist die Wohnbauförderung nicht nur ein Instrument für leistbares Wohnen, sondern gleichzeitig auch ein sehr effizienter wirtschaftspolitischer Hebel.
Sie sprechen von rund 3.900 gesicherten Arbeitsplätzen pro Jahr. Welche Bedeutung hat der gemeinnützige Wohnbau damit für die Beschäftigung in Niederösterreich?
CR: Eine sehr große. Die Investitionen der gemeinnützigen Bauvereinigungen haben im Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre jährlich rund 3.900 Arbeitsplätze in Niederösterreich gesichert. Gerade wenn die Bauwirtschaft unter Druck steht, können die gemeinnützigen Bauvereinigungen stabilisierend wirken und Rückgänge teilweise abfedern.
Die Studie vergleicht den gemeinnützigen Wohnbau auch mit anderen Instrumenten wie Mietobergrenzen, kommunalem Wohnbau oder Wohnkostenzuschüssen. Warum schneidet das gemeinnützige Modell Ihrer Ansicht nach besonders gut ab?
CR: Weil hier mehrere Ziele miteinander verbunden werden. Es geht um leistbaren Wohnraum, aber gleichzeitig werden Investitionen ausgelöst und regionale Wertschöpfung und Beschäftigung geschaffen. Die Studie zeigt, dass Mietobergrenzen langfristig das Wohnungsangebot einschränken können und Direktzuschüsse zwar kurzfristig entlasten, aber keine zusätzlichen Investitionen auslösen. Der gemeinnützige Wohnbau verbindet hingegen soziale Treffsicherheit mit wirtschaftlicher Effizienz und nachhaltigen regionalen Effekten.
Was bedeutet das Ergebnis der Studie nun konkret für die zukünftige Wohnbaupolitik in Niederösterreich?
CR: Für uns ist das ein klares Signal, den gemeinnützigen Wohnbau als langfristig wirksames Instrument zu stärken. Die Studie zeigt seine Bedeutung nicht nur für die Versorgung mit leistbarem Wohnraum, sondern auch für Konjunktur, Beschäftigung und regionale Wertschöpfung. Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten braucht es Instrumente, die mehrere Wirkungen gleichzeitig entfalten.
Was würden Sie jenen sagen, die öffentliche Mittel für den gemeinnützigen Wohnbau kritisch sehen?
CR: Ich würde auf die Fakten der Studie verweisen. Öffentliche Förderung bleibt nicht einfach im Wohnbau stecken, sondern löst zusätzliche Investitionen aus und stärkt die regionale Wirtschaft. Der gemeinnützige Wohnbau schafft leistbaren und dauerhaft gesicherten Wohnraum und hat zugleich eine erhebliche wirtschaftliche Wirkung. Genau diese Kombination macht das Modell so effizient.
Wenn Sie nach vorne blicken: Was sind die nächsten konkreten Aufgaben des GBV bzw. der ARGE Niederösterreich – und welche Veränderungen braucht es, damit leistbarer Wohnraum künftig wieder einfacher, schneller und günstiger geschaffen werden kann?
CR: Ein zentrales Thema ist für uns der Bürokratieabbau und insbesondere die Frage des zunehmenden Normenwildwuchses. In den vergangenen Jahren sind immer mehr technische, baurechtliche und planerische Vorgaben hinzugekommen. Jede zusätzliche Vorgabe bedeutet zusätzlichen Planungsaufwand, höhere Baukosten und oft auch längere Verfahren. Deshalb müssen wir uns die bestehenden Normen im Detail ansehen und kritisch hinterfragen, was tatsächlich notwendig ist. Normen dürfen kein Selbstzweck sein, sondern müssen sinnvoll, wirtschaftlich und praxistauglich sein.
Wir dürfen die Fortschritte bei Deregulierung und Bürokratieabbau nicht durch immer neue Vorgaben wieder zunichtemachen. Wer leistbaren Wohnraum schaffen will, braucht klare Rahmenbedingungen und weniger Bürokratie. Unser Ziel muss sein: preiswertes Bauen ohne Qualitätsverlust – einfach, effizient und effektiv. Gerade in Zeiten wie diesen können wir uns keine Rückschritte leisten.