Es ist eine eigenartige EXPO REAL, so viel kann man jetzt schon sagen. Die Stimmung ist irgendwie nicht greifbar, und die Rechtsanwältin Daniela Witt-Dörring, WEBER & Co, meint: „Das wird vermutlich auch die ganze Zeit so bleiben.“ Vielleicht ist es tatsächlich eine Art „Erschöpfung“ mit der die österreichische und auch die deutsche Immobilienbranche zu kämpfen haben. Der Umgang der Politik mit den laufenden Problemen tut ein Übriges. Man fühlt sich als „Immobilienteilnehmer irgendwie auch hin- und hergestoßen. Es fehlt die Orientierung, und das bedeutet eine gewisse Perspektivenlosigkeit“, sagt ein österreichischer Marktteilnehmer: „Zumindest bei einem guten Teil der Unternehmen. Und das drückt auf die Stimmung.“ Da passt die Beobachtung von Frank Brün, Phorus Management, ganz gut ins Bild: „Die Stände haben weniger Sitzmöglichkeiten. Die AusstellerInnen und die BesucherInnen wollen ihre Termine schnell abhaken und dann wieder weiter.“
Erschöpfung
Wobei sich die Frage stellt, ob die Erschöpfung ein europäisches oder ein mitteleuropäisches Phänomen ist, denn in CEE/SEE tut sich viel. Blickt man auf die Wirtschaftsdaten, so zeigt sich ein positiver Trend. Reinhard Winiwarter, ACROSS Magazine: „In Osteuropa ist sehr viel los – da gehört der Westbalkan auch dazu. Es gibt Projekte, Investments, und die Leute wollen investieren.“ Evgeni Gerginski, HAWLIK GERGINSKI Architekten, stellt fest, dass „die zentral- und osteuropäischen Länder viel stärker vertreten sind als in den letzten Jahren. Diese Region ist wieder im Kommen.“ Außerdem arbeiten die Länder dieser Region verstärkt daran, ihre Attraktivität als Wirtschaftsstandorte zu erhöhen und Investoren bzw. Unternehmen für sich zu gewinnen. So ist die Stadt Prag politisch stark vertreten – bis hin zum Bürgermeister. Da könnte sich auch Wien etwas abschauen, wie man für Aufmerksamkeit in der internationalen Immobilienbranche sorgt. Gerade im derzeit schwierigen Umfeld wäre ein solcher Auftritt ein wichtiges Signal – nicht nur an potenzielle Investoren, sondern an die gesamte Branche.
Wachstum
Warum die Situation in CEE/SEE anders ist, führt Reinhard Winiwarter insbesondere auf die Mentalität zurück: „Die Leute im Osten sind durch viel mehr Krisen gegangen als wir, das macht sie stark, und sie lassen sich von den Umständen nicht beunruhigen.“ Einen massiven Unterschied sieht er auch in der Investitionsstrategie: „In diesem Inflationsumfeld legen sie das Geld in Immobilien an, während wir es auf die Bank tragen.“
Andreas Liebsch, GO ASSET: „In Slowenien und Kroatien ist die Nachfrage nach Logistikimmobilien sehr stark, und solche Projekte lassen sich auch leicht umsetzen.“ Es tut sich in diesem Segment aber auch etwas in Österreich und Deutschland. Solche Immobilien werden zwar „Gewerbeparks“ genannt, aber mit dem verstaubten Image von früher haben sie nichts zu tun. Liebsch: „Gewerbeparks sind mittlerweile attraktive Wirtschaftsparks.“ Mit kleinen Hallen für Produktion, Logistik oder Light Industrial und Standorten in der Nähe zur Stadt oder in der Stadt sprechen sie einen breiten Mieterkreis an. „Das wird in den nächsten Jahren kommen“, ist Andreas Liebsch überzeugt.
Optimismus
Was weiterhin ein zumindest besseres Geschäft verspricht, ist Hospitality. Peter Ulm, allora, fühlt sich an die alten Zeiten erinnert, als man sich noch an allen Ausstellerständen kannte. Davon scheint sich in diesem Segment etwas erhalten zu haben: „Bei den Ständen rund um Hospitality shoppt sich alles zusammen. Man kennt sich untereinander.“
Positiv sieht Wolfgang Kradischnig, DELTA Gruppe, die Situation und kann der Unsicherheit auf dem Markt etwas abgewinnen: „Da die InvestorInnen so unsicher sind, versuchen sie extrem zu diversifizieren. Europa ist nach wie vor für Investoren interessant, weil es viel leichter einzuschätzen ist als die USA und auch gesellschaftlich stabiler. Long-Term-Investments stehen an erster Stelle.“