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Ein Rundgang durch Europa, 1. Teil

vor 2 Tagen

5 Minuten

Teilnehmer am ArchitekturMorgen
Teilnehmer am ArchitekturMorgen
© Ivalu
Ivona Meissner (BWH Hotels Central Europe), Andreas Hawlik (HAWLIK GERGINSKI Architekten)
Ivona Meissner (BWH Hotels Central Europe), Andreas Hawlik (HAWLIK GERGINSKI Architekten)
© Ivalu
Ivona Meissner (BWH Hotels Central Europe), Andreas Hawlik (HAWLIK GERGINSKI Architekten)
Filip Rosa (ATL Immoinvest)
Filip Rosa (ATL Immoinvest)
© Ivalu
Filip Rosa (ATL Immoinvest)
Michael Sandriesser (WSF Group)
Michael Sandriesser (WSF Group)
© Ivalu
Michael Sandriesser (WSF Group)
Evgeni Gerginski (HAWLIK GERGINSKI Architekten)
Evgeni Gerginski (HAWLIK GERGINSKI Architekten)
© Ivalu
Evgeni Gerginski (HAWLIK GERGINSKI Architekten)
Teilnehmer am ArchitekturMorgen
Ivona Meissner (BWH Hotels Central Europe), Andreas Hawlik (HAWLIK GERGINSKI Architekten)
Filip Rosa (ATL Immoinvest)
Michael Sandriesser (WSF Group)
Evgeni Gerginski (HAWLIK GERGINSKI Architekten)

Kreditstau, langsame Behörden, schwierige Kalkulationen – wenn die Lage in Österreich stagniert, dann werfen Projektentwickler schon einmal gerne einen Blick in andere europäische Länder. Lassen sich dort Projekte realisieren und wenn ja, welche? Aber ist es im Ausland so viel leichter und besser als in Österreich? Wo liegen die Unterschiede? Diesen Fragen gehen die Gastgeber Andreas Hawlik und Evgeni Gerginski (beide HAWLIK GERGINSKI Architekten) im ArchitekturMorgen mit ihren Gästen nach. Gemeinsam mit Ivona Meissner, BWH Hotels Central Europe, Filip Rosa, ATL Immoinvest, und Michael Sandriesser, WSF Group, geben sie einen Einblick in die anderen europäischen Länder, in ihre Assetklassen und den Alltag im Bau oder die Arbeit mit den Behörden – ein Erfahrungsbericht abseits von Zahlen und Renditen in zwei Teilen.

Abseits von Österreich

„In Österreich stockt es derzeit ein wenig, und wir stellen fest, dass Unternehmen wieder beginnen, sich im Ausland umzusehen“, eröffnet Evgeni Gerginski eine entspannte Runde des ArchitekturMorgen im „Guest House“ im 1. Wiener Gemeindebezirk. Er gibt einen kurzen Überblick über die Tätigkeit von HAWLIK GERGINSKI Architekten in Europa: „Aktuell haben wir unter anderem in Deutschland ein großes Projekt, in Sofia betreuen wir einige Kunden in der Sanierung.“ In Griechenland gibt es die ersten Erfahrungen, und in Bukarest hat man bereits die ersten Runden absolviert, „ist aber preislich noch nicht zusammengekommen“.

„Unser Fokus liegt auf bestehenden Hotels, gleichzeitig engagieren wir uns auch bei Konversions- und Neubauprojekten“, umreißt Ivona Meissner die Strategie von BWH Hotels. Das Portfolio des Unternehmens umfasst rund 4.300 Hotels.

„Die WSF Group hat sich auf Hotels von Westeuropa bis Osteuropa spezialisiert, vor allem auf Luxushotels in sehr guten Lagen, sehr zentral im Altstadtbereich“, skizziert Michael Sandriesser, Head of Construction & Project Management bei der WSF Group, die Assetklasse. Allerdings kommt bei der WSF Group als Family-Office noch ein spezieller Aspekt zum Tragen: „Die Kalkulation steht natürlich immer im Vordergrund, aber die Geschäftsführer wollen sich in das Projekt hineinversetzen, um zu sehen, ob sie sich damit auch identifizieren können. Ob sie als Gast selbst darin wohnen wollen. Die Handschrift der Besitzer ist bei allen Hotels erkennbar.“ Trotz des persönlichen Blickwinkels sind die Eigentümer offen für neue und interessante Architekturideen und „wollen den Prozess lediglich mitbegleiten“. Die individuelle Note ist zweifellos ein Vorteil dieser Hotels. Auch die großen Hotelketten beginnen diese Individualität in ihren Häusern umzusetzen – denn Massenware interessiert die Gäste immer weniger. Während man vor ein paar Jahren noch auf Standard fokussiert war, „zählt jetzt Individualität. Das Hotel braucht eine eigene Signatur und Lokalkolorit“, bestätigt Ivona Meissner: „Die Gäste sind erlebnisgetrieben und suchen neue Lifestyle-Konzepte.“

Partnerschaften und Kooperationen

„Wir sind im CEE-Raum vertreten, und unser Fokus liegt ganz klar auf Office und Logistik“, meint Filip Rosa, CEO der ATL Immoinvest Group: „Hier sehen wir derzeit im Vergleich zum DACH-Raum bessere Chancen.“ In jedem Land setzt die ATL Immoinvest Group auf lokale Partner, die bestens vernetzt sind. Selbst das Nachbarland Slowenien „kann man nicht ausschließlich von Österreich aus bearbeiten“, so Filip Rosa. „Man muss die Leute kennen, mit denen man zusammenarbeitet“, bestätigt Evgeni Gerginski, und auch HAWLIK GERGINSKI Architekten greifen bei ihren Projekten auf Partner vor Ort zurück. Die regionalen Ansprechpartner haben auch noch einen weiteren Vorteil, wie Filip Rosa anmerkt: „Wenn etwas nicht funktioniert, weiß man, wen man anrufen muss.“ Eine andere Möglichkeit der Zusammenarbeit erörtert Andreas Hawlik: „Ein holländischer Unternehmer, den wir kennen, nimmt nicht einfach Geschäftsführer in seine Auslandsprojekte, sondern setzt sie mit lokalen Partnern um. Diese sind mitbeteiligt und haben daher ein größeres Interesse, dass das Projekt funktioniert.“ Motto: lieber zwei Projekte, die einem zur Hälfte gehören und funktionieren, als ein Projekt, das man allein besitzt, aber nicht klappt.

Denkmalschutz und Bauordnung

Denkmalschutz gibt es de facto in allen europäischen Ländern – wobei die Abläufe und der Komplexitätsgrad in den einzelnen Staaten unterschiedlich, aber vergleichbar sind. Denkmalgeschützte Häuser stellen nicht nur in Österreich eine Herausforderung dar, wie Andreas Hawlik meint: „Wir haben in Griechenland zwei kleine Projekte, und die lokalen Partner entschuldigen sich, dass die Behörden so kompliziert sind.“

„Unsere Arbeit ist natürlich kostenintensiver“, sagt Michael Sandriesser, da die WSF Group hauptsächlich im Altbestand hochwertige Hotels renoviert: „Aber wir können nicht einfach ein Hotel wegreißen. Daher müssen wir neue Ideen und Zugänge finden.“ Filip Rosa ist als Geschäftsführer ebenfalls mit der Komplexität vertraut: „Auch in anderen Ländern, wie etwa der Tschechischen Republik, gibt es einen Gestaltungsbeirat, und der gibt erst vor Ort frei. So ein Prozess kann sehr lange dauern. Und wenn die Behörden den Prozess nicht anleiten, macht es das noch schwieriger.“

Europa ist Weltmeister

In Kroatien sind die Verantwortlichen des Department for Architectural Heritage teilweise direkt auf der Baustelle und geben die einzelnen Bauteile frei. Michael Sandriesser bricht aber eine Lanze für die Behörden: „Vonseiten der Stadt und des Tourismusboards besteht großes Interesse, dass in der Altstadt renoviert wird – damit haben wir auch einen entsprechenden Rückhalt bei den Behörden.“ Ivona Meissner bestätigt: „Wenn die Stadt, in der wir Projekte verwirklichen, Tourismus hat, dann ist sie beweglicher. Bei einer Industriestadt spürt man weniger den Zug zum Tor.“

Aber nicht nur wegen des Tourismus werden die Genehmigungen schneller erteilt. Der Hauptgrund ist ein anderer. Evgeni Gerginski: „Es muss den Verantwortlichen politisch etwas bringen, damit die Dinge schneller laufen.“ In einigen Städten fällt auch das knappe Gut Wohnbau darunter. „Unser größtes Projekt haben wir derzeit in Dortmund mit 450 Wohnungen“, erklärt Andreas Hawlik: „Da ist die Politik stark dahinter, dass alles funktioniert.“ Mit dem Bauamt wurde sogar abgestimmt, in welchen Zeitabständen die Anträge eingereicht werden, damit sie zeitnah geprüft werden können. „Die Verantwortlichen sind intrinsisch motiviert, das Projekt über die Bühne zu bringen“, so Andreas Hawlik.

Kurz und gut: In der Bürokratie sind wir in Europa bereits Weltmeister. „Die Mechanismen der Politik, der Behörden und des Apparates dahinter scheinen europaweit ziemlich ähnlich zu sein, es sind nur Nuancen, die sie unterscheiden“, analysiert Filip Rosa. Länderspezifika sind das eine, aber auch stadtspezifisch gibt es Unterschiede, weshalb die Netzwerke und die lokalen Partner in den Regionen, in denen die österreichischen Unternehmen arbeiten, zentrale Faktoren sind.

Zweiter Teil am 7.1.26

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