Der Untertitel des Formats ist Programm: „The REAL Pain“ richtet sich an alle, die wissen, dass Immobilien mehr mit Schweiß, guten Nerven und Finanzamt zu tun haben als mit „finanzieller Freiheit in 3 Monaten“. Was am 22. Juli 2025 mit einer Folge über die Lehren aus der Finanzkrise 2008/2009 begann, hat sich binnen eines Jahres zu einem bemerkenswert dichten Gesprächsarchiv der österreichischen Immobilienwirtschaft entwickelt. Ehrlich, unzensiert und ohne Skript — so das Selbstverständnis der beiden Hosts.
Zwei, die wissen, wovon sie reden
Dass die Gespräche Tiefgang haben, liegt an der Herkunft der Gastgeberin und des Gastgebers: Beide kommen aus der Immobilienbewertung und dem Investmentbereich — jener Ecke der Branche also, in der sich die Verwerfungen der vergangenen Jahre am unbarmherzigsten in Zahlen niederschlagen. Sandra Hochleitner, Gründerin und Geschäftsführerin der RESH Advisory GmbH, wurde im September 2025 mit dem Immobilienpreis Cäsar in der Kategorie „Small Diamond“ ausgezeichnet. Alexander Budasch führt die Budasch GmbH und blickt auf leitende Funktionen in Immobilieninvestments und -bewertung zurück.
Die Gästeliste des ersten Jahres liest sich entsprechend: Peter Ulm über die Transformation der Branche, Claudia Brey (ÖBB Immobilienmanagement) über den Nordwestbahnhof, Dr. Manfred Wiltschnigg (GalCap Europe) — bei derselben Cäsar-Gala übrigens mit dem „Cäsar International“ ausgezeichnet — über regulatorische Eingriffe, Insolvenzverwalterin Ute Toifl über NPL-Quoten von 8,4 Prozent im gewerblichen Bereich, Louis Obrowsky (VIIÖ) über Rechtsunsicherheit als neues Normal. Dazwischen: Datencenter, Hotelimmobilien, Logistik, gemeinnütziger Wohnbau — und immer wieder Künstliche Intelligenz.
Die neue Folge: Wenn die KI mitplant
Genau dort setzt die kommende Folge an, die am 28. Juli erscheint. Zu Gast ist Matthias Köck, der seit Anfang Juli Head of Sales beim Wiener DeepTech-Startup OPTIMUSE ist - die Rolle übernahm er nach seinem Einstieg als Sales Team Lead im Jänner 2026. OPTIMUSE hat im Herbst 2025 eine Seed-Finanzierung über vier Millionen Euro abgeschlossen, angeführt von Carsten Maschmeyers seed + speed Ventures und Blum Ventures. Zuvor hatte Köck den Markt für das Schweizer PropTech smino in Österreich und Deutschland aufgebaut; nebenbei unterrichtet er als Lektor an der Hochschule Wien. Die OPTIMUSE-Plattform bildet den gesamten technischen Gebäudelebenszyklus ab - von der Technical Due Diligence über Vorplanung und Value Engineering bis in den laufenden Betrieb, im Neubau wie im Bestand. Aus vorhandenen Plänen erzeugt sie einen raumgenauen digitalen Zwilling, simuliert Tausende technischer Varianten für Heizung, Kühlung, Lüftung und Gebäudehülle und macht deren Wirkung auf Investitions- und Betriebskosten, CO₂ und Komfort sichtbar. Nach eigenen Angaben wurden bereits über 5.000 Gebäude durchsimuliert, vom Einfamilienhaus bis zu einem Krankenhausprojekt in Portugal mit knapp 200.000 Quadratmetern Geschossfläche.
Die Zahl, die im Gespräch hängen bleibt: Bei den simulierten Projekten seien technische Anlagen im Durchschnitt um 30 bis 40 Prozent überdimensioniert — mit entsprechenden Folgekosten bei Investment und Wartung. Hier sieht Köck den eigentlichen Nutzen der KI: nicht als Ersatz, sondern als Qualitätskontrolle der Fachplanung.
Und wer haftet?
Sandra Hochleitner setzt sich im Gespräch den „Hut des Verhinderers“ auf und stellt die Frage, die sich jede Bewerterin und jeder Bewerter stellen muss: Wer übernimmt die Haftung, wenn die KI knapper dimensioniert — und es schiefgeht? Köcks Antwort fällt differenzierter aus, als es der markige Einstiegssatz vermuten ließe: OPTIMUSE gebe Empfehlungen ab, die von Ingenieurinnen und Ingenieuren freigegeben werden müssen. Rund 80 Prozent der Dienstleistung liefen zwar über KI, dennoch prüfe ein Team von 25 Ingenieurinnen und Ingenieuren jeden Output. „Das Thema Haftung wird immer beim Faktor Mensch bleiben“, so Köck. Der Ingenieurberuf werde auch in 15 bis 20 Jahren bestehen.
Bemerkenswert offen wird es bei der Frage, wo das eigene Unternehmen langfristig steht: Köck räumt ein, nicht zu wissen, wie viele Mitarbeitende OPTIMUSE in drei bis vier Jahren beschäftigen wird. Denkbar sei ein Unternehmen mit fünf Mitarbeitenden und mehreren hundert Millionen Umsatz. Eine Antwort, die Budasch trocken kommentiert: Damit sei bestätigt, dass sich mit KI langfristig schwer planen lasse.
Von der Ausbildung bis zur Robotik
Das Gespräch streift zwei weitere Schmerzpunkte, die weit über das einzelne Produkt hinausweisen. Erstens die Ausbildung: Wenn KI plus wenige haftende Fachleute genügen — wer bildet dann das nachkommende Know-how aus? Und zweitens die Kreislaufwirtschaft: OPTIMUSE arbeitet nach eigenen Angaben an einer Schnittstelle zu Madaster, um Gebäudedaten und Materialinformationen zu verknüpfen — perspektivisch mit der Idee eines österreichweiten Katalogs für wiederverwendbare Bauteile.
Zum Abschluss wagt die Runde den Blick in die fernere Zukunft: Robotik am Bau, erste Piloten in den USA, die Klimageräte montieren und Rohre verlegen. Budasch bleibt skeptisch — auf der grünen Wiese vorstellbar, im Altbau eine andere Geschichte. Hochleitners Wunsch steht am Ende trotzdem im Raum: eine eigene Robotics-Folge. Man darf gespannt sein.
Zum Nachhören: Alle Folgen des ersten Jahres
1. Krisen und Learnings (22. Juli 2025)
2. Kapitalmarkt & Immobilien – Wie hängt das zusammen? (22. Juli 2025)
3. Peter Ulm über Transformation in der Immobilienwirtschaft (22. Juli 2025)
4. Barbara Freiler über Resilienz in der Baubranche (5. August 2025)
5. Christoph Urbanek über Chancen am Zinshausmarkt (19. August 2025)
6. Michael Oberweger über die Pains des stationären Handels (2. September 2025)
7. Sonderfolge: Mut, Erfolg & der Immobilien-Cäsar – Interview mit Sandra Hochleitner (16. September 2025)
8. Daniela Unterholzner über Wohnungslosigkeit und unbequeme Wahrheiten (30. September 2025)
9. Sonderfolge EXPO REAL 2025 – Die Wahrheit liegt zwischen den Hallen (8. Oktober 2025)
10. Peter Fischer: „Vom ESG-Evangelisten zum Totengräber“ (14. Oktober 2025)
11. Andreas Liebsch über die Pains im Logistikimmobilienmarkt (28. Oktober 2025)
12. Ex-Radprofi Matthias Brändle über die Pains der Tour de France und der Projektentwicklung (11. November 2025)
13. Stefan Neubauer darüber, ob die Banken wirklich an allem Schuld sind (25. November 2025)
14. Phillip Wallner über Chancen und Bottlenecks bei der Spezial-Assetklasse „Datencenter“ (9. Dezember 2025)
15. Die Weihnachtsfolge mit positivem Ausblick (und Outtakes) (23. Dezember 2025)
16. Neujahrsfolge mit Claudia Brey über Stadtentwicklung und langfristige Projekte (13. Jänner 2026)
17. Martin Luptacik im Deep Dive über Arbeitswelten (27. Jänner 2026)
18. Asset Management im Fokus mit Markus Kuttner (10. Februar 2026)
19. Hotelimmobilien – zwischen Rekord und Krise: Martina Maly im Deep Dive (24. Februar 2026)
20. „Immobilien lernen zu sehen“ – Deep Dive mit Georg Stampfl und Julian Meninger (10. März 2026)
21. Architekt:innen und Bewerter:innen in Gefahr? – Niki Stadler über KI in der Immobilienbranche (24. März 2026)
22. Insolvenzverwalterin Ute Toifl über Transformation statt Krise (7. April 2026)
23. Wie lässt sich die Insolvenz verhindern? – Christoph Schäffer im Talk (21. April 2026)
24. Ist die Gemeinnützigkeit das Rückgrat der Wohnungswirtschaft? – Kerstin Robausch-Löffelmann im Gespräch (5. Mai 2026)
25. Manfred Wiltschnigg im Deep Dive über Immobilieninvestments damals und heute (19. Mai 2026)
26. „Wer bin ich – und was werfe ich über Bord?“: Resilienz-Experte Harald Felgenhauer im Deep Dive (2. Juni 2026)
27. Rechtsunsicherheit und Markteingriffe als neues Normal? – Louis Obrowsky im Deep Dive (16. Juni 2026)
28. Nadja Hafez-Hofmair über Chancen und Optimismus in Krisenzeiten (30. Juni 2026)
Die neue Folge von „The REAL Pain“ erscheint am 28. Juli überall, wo es Podcasts gibt.