Als die vier größten Bauunternehmen Österreichs gelten die STRABAG SE, die PORR AG, die Swietelsky AG und die HABAU GROUP. Zwei davon sind börsenotiert und legen zum 30. Juni Zahlen vor. Zwei bilanzieren per 31. März — die eine legt einen vollständigen Konzernabschluss vor, die andere eine Umsatzzahl. Schon dieser Unterschied sagt einiges.
STRABAG SE | PORR AG | Swietelsky AG | HABAU GROUP | |
Berichtsperiode | H1 2026 (30.6.) | H1 2026 (30.6.) | GJ 2025/26 (31.3.) | GJ 2025/26 (31.3.) |
Leistung | 9.982,67 Mio. € (+12 %) | 3.167 Mio. € (stabil) | 4.010,6 Mio. € (+9,3 %) | rund 2,2 Mrd. €* |
EBIT | 174,43 Mio. € (+35 %) | 56,3 Mio. € (+15,6 %) | 165,2 Mio. € (+0,8 %) | nicht veröffentlicht |
EBIT-Marge | 1,9 % (H1) | 1,9 % (H1) | 4,4 % (GJ) | — |
Auftragsbestand | 35.985 Mio. € (+27 %) | 9.839 Mio. € (+4,4 %) | 4.721,0 Mio. € (+14,3 %) | nicht beziffert |
MitarbeiterInnen | 80.923 (FTE) | 20.801 | 12.650 (Ø) | 7.200 |
Guidance | Leistung nahe 23 Mrd. €, EBIT-Marge 5,5–6 % (2026) | Leistung/Umsatz +2–4 %, EBIT-Marge 3,2–3,3 % (2026) | moderates Leistungsplus, stetige Rentabilität (2026/27) | keine bezifferte Guidance |
* Bauleistung laut Unternehmensangabe; die HABAU GROUP veröffentlicht keine Ergebniszahlen. EBIT-Margen jeweils bezogen auf den Umsatz.
Ein Halbjahr, wie es im Buch steht
Die Zahlen der STRABAG SE per 30. Juni 2026 lesen sich wie eine Auflistung von Bestmarken. Die Leistung erreichte mit 9.982,67 Millionen Euro erstmals zur Jahresmitte die Marke von rund zehn Milliarden, der Umsatz legte um 15 Prozent zu, das EBIT um 35 Prozent auf 174,43 Millionen Euro. Die EBITDA-Marge stieg von 5,4 auf 6,1 Prozent. Der Auftragsbestand erreichte 35.985,22 Millionen Euro — ein Plus von 27 Prozent gegenüber dem Vorjahr und von 15 Prozent seit Jahresende. Das Konzernergebnis nach Minderheiten stieg auf 119,06 Millionen Euro.
Vorstandsvorsitzender Stefan Kratochwill im Halbjahresbericht 2026: „Wir erwarten eine Leistung von nahe 23 Mrd. Euro, nachdem wir bisher von rund 22 Mrd. Euro ausgegangen waren – für die EBIT-Marge rechnen wir mit 5,5 Prozent bis 6 Prozent, nach zuvor 5 Prozent bis 5,5 Prozent."
Die Börse reagierte prompt. Die STRABAG-Aktie legte am 28. August im frühen Handel um rund zehn bis zwölf Prozent zu, auf etwa 94,60 Euro. Raiffeisen Research hatte das Kursziel bereits im Mai auf 102 Euro angehoben, das Bankhaus Metzler die Coverage im März mit einem Kursziel von 120 Euro aufgenommen.
Bemerkenswert an dieser Anhebung ist der Ausgangspunkt. Die ursprüngliche Prognose vom April enthielt bewusst einen Rückschritt: Nach einer EBIT-Marge von 6,7 Prozent im Ausnahmejahr 2025 hatte der Konzern für heuer 5 bis 5,5 Prozent angesetzt. Man rechnete mit Normalisierung. Sie kam nicht.
Fünfzig Millionen auf einen Firmenwert
Eine Position im Zahlenwerk fällt aus dem Rahmen. Die Abschreibungen stiegen auf 385,66 Millionen Euro, nach 301,44 Millionen im Vorjahr. Enthalten ist darin eine Wertminderung auf einen Firmenwert von 50 Millionen Euro im Zusammenhang mit einer Akquisition. Steuerlich ist sie nicht abzugsfähig, was die effektive Steuerquote auf 41 Prozent trieb.
Die Einzelheiten dazu führt die STRABAG in den Erläuterungen zu den Firmenwerten im Halbjahresbericht aus. Es bleibt die einzige Position in einem Halbjahr voller Bestmarken, die in die andere Richtung zeigt.
Ebenfalls im Bericht, ebenfalls unauffällig platziert: Das Segment South + East blieb ergebnisseitig negativ, wenn auch weniger stark als im Vorjahr. Die Eigenkapitalquote sank von 35,9 auf 32,7 Prozent, die Netto-Cash-Position von 3,52 auf 2,61 Milliarden Euro. Beides erklärt der Konzern mit der Dividendenauszahlung, dem saisonalen Aufbau des Working Capital und den Investitionen.
PORR: weniger Umsatz, mehr Ergebnis
Die PORR AG hat einen Tag früher berichtet, und ihre Zahlen erzählen eine andere Geschichte. Der Umsatz ging um 1,1 Prozent auf 2.925 Millionen Euro zurück — der lange Winter verzögerte den Hochbaustart. Das Ergebnis vor Steuern stieg trotzdem um 26,8 Prozent auf 49,2 Millionen Euro, das Periodenergebnis um 23,9 Prozent auf 36,4 Millionen. Der Auftragsbestand liegt bei 9.839 Millionen Euro.
Das ist die Fortsetzung dessen, was CEO Karl-Heinz Strauss seit Jahren betreibt: Nicht mehr bauen, sondern besser bauen. Das langfristige Margenziel von 3,5 bis 4 Prozent bis 2030 bleibt unverändert. Und ein Vergleich, der überrascht: Auf Halbjahressicht liegen beide Konzerne bei einer EBIT-Marge von 1,9 Prozent. Im Bauwesen fällt das erste Halbjahr saisonbedingt schwach aus; der Abstand entsteht erst über das Gesamtjahr, wo die STRABAG 5,5 bis 6 Prozent anpeilt und die PORR 3,2 bis 3,3.
Die Börse dankte es nicht. Die PORR-Aktie gab am Meldetag nach — der Auftragseingang lag mit 3.466 Millionen Euro unter dem sehr starken Vorjahreswert, und nach dem Allzeithoch von über 45 Euro im Juni saß die Gewinnmitnahme locker. Ein Detail am Rande, das in keiner Schlagzeile stand: Die PORR zeichnete Hybridkapital der UBM über 56,4 Millionen Euro, verzinst mit 9,0 Prozent.
Zwei Familienunternehmen, zwei Arten von Offenheit
Bei Swietelsky und der HABAU GROUP verschiebt sich der Vergleich zeitlich, denn beide bilanzieren per 31. März. Bei der Swietelsky AG ist er inhaltlich trotzdem möglich: Der Geschäftsbericht für das Geschäftsjahr 2025/26 liegt seit Ende Juli vor. Die Bauleistung stieg um 9,3 Prozent auf 4.010,6 Millionen Euro, der Auftragsstand erreichte mit 4.721,0 Millionen Euro einen Rekord — ein Plus von 14,3 Prozent. Im Durchschnitt beschäftigte der Konzern 12.650 Menschen in 21 Ländern.
Interessanter als das Wachstum ist, was darunter passiert. Das EBITDA legte auf 303,8 Millionen Euro zu, das EBT ging mit 173,5 Millionen Euro um 0,3 Prozent zurück. Gut neun Prozent mehr Leistung, ein Vorsteuerergebnis auf der Stelle. Das Ergebnis nach Steuern lag mit 129,3 Millionen Euro geringfügig über dem Vorjahr. Für 2026/27 erwartet der Vorstand um Peter Krammer eine moderate Steigerung der Bauleistung bei stetigem Rentabilitätsniveau; als Treiber nennt er den Infrastrukturbau, die Energie- und Wasserwirtschaft sowie den Holz- und Holz-Hybridbau.
Die HABAU GROUP kam im Geschäftsjahr 2025/26 auf eine Bauleistung von rund 2,2 Milliarden Euro. Ergebniszahlen und Auftragsbestand veröffentlicht das Unternehmen nicht. Bekannt ist die Struktur: Schwerpunkt Tiefbau, 7.200 Beschäftigte in 18 Ländern. CEO Hubert Wetschnig erwartet nach eigenen Angaben eine Erholung des Wohnbaus erst in einigen Jahren; kompensiert wird sie durch Infrastrukturaufträge von ASFINAG und ÖBB, etwa die Sanierung der Weströhre des Karawankentunnels über rund 123 Millionen Euro.
Damit legen drei der vier größten Bauunternehmen des Landes ihre Ertragslage offen. Beim vierten bleibt sie eine Frage des Vertrauens.
Der Markt, an dem alle vorbeiwachsen
Und jetzt die Zahl, die alles einordnet. Die realen Bauinvestitionen in Österreich sind laut WIFO-Monatsberichten 2/2026 im Jahr 2024 um 5,2 Prozent gesunken, 2025 um 0,8 Prozent, und wachsen heuer um 0,2 Prozent. Eine Seitwärtsbewegung. Auch mittelfristig bis 2028 dürfte die Expansion die Ein-Prozent-Marke kaum überschreiten. Der Wohnbau kommt 2026 auf plus 0,5 Prozent. Die budgetäre Konsolidierung bremst ab heuer zunehmend den Tiefbau.
Europaweit sieht es anders aus: Für die 19 Euroconstruct-Länder werden 2026 plus 2,4 Prozent erwartet, getrieben vom Tiefbau. Österreich liegt deutlich darunter.
Dazu die Preise. Der Baupreisindex der Statistik Austria stand im zweiten Quartal 2026 bei 104,9 Punkten, ein Plus von 4,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im Tiefbau waren es 7,0 Prozent, im Straßenbau 7,5. Und die Insolvenzstatistik: Der KSV1870 zählte im ersten Halbjahr 2026 rund 3.449 Unternehmensinsolvenzen, davon etwa 495 im Baugewerbe mit rund 226 Millionen Euro Passiva. Insolvenzexperte Karl-Heinz Götze sieht die Talsohle bei den Bauinsolvenzen möglicherweise durchschritten, warnt aber weiter vor dem Druck auf Projektentwickler.
Das passt auf den ersten Blick nicht zusammen: Rekordbilanzen bei den Konzernen, Stillstand am Markt, hohe Insolvenzzahlen. Auf den zweiten Blick schon. Die vier Großen wachsen nicht mit dem österreichischen Markt, sie wachsen an ihm vorbei. Bei der STRABAG entfallen rund 47 Prozent von Leistung und Auftragsbestand auf Deutschland, wo das Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität zu wirken beginnt. Die PORR baut in Polen, Rumänien und Deutschland. Swietelsky erwirtschaftet 47 Prozent der Bauleistung außerhalb Österreichs. Die HABAU GROUP verschiebt sich Richtung Infrastruktur und Deutschland.
Wer dagegen im heimischen Wohnbau hängt und keine Auslandsstandbeine hat, taucht nicht in den Halbjahresberichten auf, sondern in der Ediktsdatei.
Was offen bleibt
Offen bleibt der Umgang mit der Beteiligung der sanktionierten Aktionärin Rasperia Trading. Die österreichischen Kernaktionäre hatten im Oktober 2024 in enger Abstimmung mit der STRABAG SE Klage auf Ausübung der Vorkaufsrechte aus dem ehemaligen Syndikatsvertrag eingebracht. Im Juni 2025 beantragte Rasperia beim Handelsgericht Kaliningrad eine Unterlassungsverfügung, die Verfahren außerhalb Russlands untersagen sollte; bei Verstoß hätte ein pauschaler Schadenersatz von 1,09 Milliarden Euro gedroht, der mangels russischer Vermögenswerte der Kernaktionäre bei der russischen Tochterbank der Raiffeisen Bank International eingehoben worden wäre.
Vor diesem Hintergrund zogen die HPH-Gruppe und die übrigen Kernaktionäre ihre Klage beim Schiedsgericht in Amsterdam Ende September 2025 zurück. An der Lage selbst ändert das nichts: Die von Rasperia gehaltenen STRABAG-Aktien bleiben eingefroren, alle Optionen im Zusammenhang mit der russischen Aktionärin werden laut Unternehmen weiter geprüft. Den aktuellen Stand führt der Halbjahresbericht 2026 aus.
Offen bleibt daneben, welche Akquisition hinter der Firmenwertabschreibung der STRABAG steht.
Erst dann lässt sich der Vierervergleich sauber ziehen. Bis dahin gilt: Drei Rekorde, eine Anhebung, ein Markt, der sich nicht bewegt. Das ist kein Widerspruch. Das ist eine Standortbestimmung.
Häufige Fragen
Hat die STRABAG ihre Prognose für 2026 gesenkt?
Nein. Die STRABAG SE hat ihre Prognose am 28. August 2026 angehoben. Die erwartete Leistung stieg von rund 22 auf nahe 23 Milliarden Euro, die EBIT-Marge von 5 bis 5,5 auf 5,5 bis 6 Prozent. Grundlage ist das Halbjahresergebnis per 30. Juni 2026.
Wie lautet die aktuelle STRABAG-Guidance für 2026?
Die STRABAG SE erwartet für 2026 eine Leistung von nahe 23 Milliarden Euro und eine EBIT-Marge von 5,5 bis 6 Prozent. Die Netto-Investitionen bleiben mit maximal 1,5 Milliarden Euro unverändert. Der Auftragsbestand lag per 30. Juni 2026 bei 35,99 Milliarden Euro.
Welche sind die vier größten Bauunternehmen Österreichs?
Als die vier größten Bauunternehmen Österreichs gelten die STRABAG SE, die PORR AG, die Swietelsky AG und die HABAU GROUP. STRABAG und PORR sind börsenotiert und berichten halbjährlich zum 30. Juni. Swietelsky und die HABAU GROUP bilanzieren als Familienunternehmen per 31. März; Swietelsky veröffentlicht einen vollständigen Konzernabschluss, die HABAU GROUP keine Ergebniszahlen.
Wie profitabel sind STRABAG und PORR im Vergleich?
Auf Halbjahressicht liegen beide gleichauf: Die STRABAG SE und die PORR AG erreichten im ersten Halbjahr 2026 jeweils eine EBIT-Marge von 1,9 Prozent, bezogen auf den Umsatz. Für das Gesamtjahr 2026 peilt die STRABAG 5,5 bis 6 Prozent an, die PORR 3,2 bis 3,3 Prozent. Der Unterschied liegt in Geschäftsmix und Marktzuschnitt.
Warum wachsen die Baukonzerne, während die österreichische Bauwirtschaft stagniert?
Die realen Bauinvestitionen in Österreich wachsen laut WIFO 2026 nur um 0,2 Prozent. Die großen Konzerne erwirtschaften jedoch einen erheblichen Teil ihrer Leistung im Ausland, vor allem in Deutschland und Mittelosteuropa, und im Infrastrukturbereich statt im schwachen heimischen Wohnbau.
Was steckt hinter der Goodwill-Abschreibung von 50 Millionen Euro?
Die STRABAG SE hat im ersten Halbjahr 2026 einen Firmenwert im Zusammenhang mit einer Akquisition um 50 Millionen Euro wertberichtigt. Die Abschreibung ist steuerlich nicht abzugsfähig und hob die effektive Steuerquote auf 41 Prozent. Die Einzelheiten dazu erläutert der Halbjahresbericht in den Anhangangaben zu den Firmenwerten.