Im neuen Quartier Neues Landgut, nahe dem Wiener Hauptbahnhof, zeigt das Projekt B.R.I.O., dass industrieller Holzbau und geförderter Wohnbau zusammenpassen. Auf rund 16.000 Quadratmetern Nutzfläche entstehen 175 geförderte Wohneinheiten, davon 88 supergeförderte SMART-Wohnungen, dazu Gewerbeflächen und ein Kindergarten – verteilt auf drei Baukörper in modularer Holz-Hybrid-Bauweise.
Das Besondere ist der hohe Vorfertigungsgrad. Wände, Stützen und Fassadenelemente kommen aus dem Werk und werden auf der Baustelle montiert – serielles Bauen, das Zeit spart und die Qualität konstant hält. Die Holz-Hybrid-Bauweise bringt zudem speicherwirksame Massen ins Gebäude, die im Sommer als Hitzeschutz wirken. Die Architektur stammt von DTFLR und PLOV Architekten.
Die Miete ist nach Angaben der Architekt:innen auf 7,50 Euro pro Quadratmeter gedeckelt – ein bewusster Gegenentwurf zu den freifinanzierten Türmen der Stadt. B.R.I.O. ist damit weniger ein Leuchtturm der Höhe als einer der Leistbarkeit.
Eckdaten im Überblick:
• Standort: Landgutgasse 38-40, Wien-Favoriten (nahe Hauptbahnhof)
• Typ: geförderter Wohnbau, modularer Holz-Hybrid
• Umfang: 175 geförderte Einheiten (88 SMART), ca. 16.000 m² Nutzfläche
• Miete: gedeckelt auf rund 7,50 €/m²
• Holzbau: 900 Stk. BSH Innenstützen, 1.300 Stk. BSH Stützen in Wandelementen, 1.000 Stk. 2D-Wandelemente, , >9.000 m² Wandelemente (Rubner)
• Fertigstellung: Frühjahr 2026 (Holzbau seit September 2025 abgeschlossen)
• Architektur: DTFLR und PLOV Architekten
Bauherr: ÖSW
Bauherr ist das ÖSW – Österreichisches Siedlungswerk, einer der großen gemeinnützigen Bauträger des Landes. Für den gemeinnützigen Sektor ist B.R.I.O. ein Experimentierfeld: Es zeigt, ob sich industrieller Holzbau auch unter den engen Kostenrahmen des geförderten Wohnbaus rechnet – und damit für eine Bauaufgabe taugt, die sonst von Stahlbeton dominiert wird.
Wer hat B.R.I.O. geplant? DTFLR und PLOV
Die Architektur stammt von DTFLR und PLOV Architekten – ein Team, das im Holzbau seit Jahren zu den erfahrensten im deutschsprachigen Raum zählt. Die gestalterische Herausforderung lag darin, serielle und industriell vorgefertigte Außenwandelemente in Kombination mit vorgefertigten, 16cm schlanken Stahlbetonfertigteil-Decken und in einem konsequent durchgehenden Raster gesetzte BSH-Stützen zu einem Wohnquartier zu fügen, das nicht nach Baukasten aussieht, sondern Aufenthaltsqualität bietet und stadträumliche Vielfalt schafft. Das durchgehende Stützenraster mit seinen vor- und rückspringenden Fassaden schafft ein differenziertes, abwechslungsreiches Gebäudeensemble. Gemeinsam mit dem robusten, massiv ausgebildeten Gebäudesockel und der natürlichenThermokiefer-Fassade der Obergeschosse liefert B.R.I.O. eine architektonische Antwort darauf, leistbaren Wohnbau mit gestalterischem Anspruch zu verbinden.
Wer hat B.R.I.O. gebaut? PORR und Rubner
Generalunternehmer ist die PORR, den Holzbau lieferte Rubner aus dem niederösterreichischen Ober-Grafendorf. Dort wurden über 9.000 Quadratmeter Wandelemente mit Thermokiefer-Fassade samt eingebauten Fenstern und integriertem Sonnenschutz vorgefertigt, dazu 900 blockverleimte Brettschichtholzstützen für die Innenbereiche und 1.300 tragende BSH-Stützen für die Außenwände. Die Decken bestehen aus vorgefertigen, 16cm schlanken Betonfertigteilelementen.
Das Stützraster von 3,20 mal 3,20 Metern und der zweigeschoßige Massivsockel sind typisch für seriellen Holzbau: Wiederholung schafft Effizienz. Die Statik und Bauphysik verantwortete RWT Plus, die Betonfertigteile lieferte Oberndorfer. So entsteht ein Gebäude, das in weiten Teilen im Werk vormontiert und auf der Baustelle nur noch zusammengefügt wird.
Umwelt und Energie: Wärme, Kälte und CO₂-Bilanz
Das Energiekonzept ist bewusst als Low-Tech-Ansatz angelegt: Geothermie über Erdsonden versorgt das Gebäude mit Wärme und Kälte, ergänzt durch Bauteilaktivierung, eine Lüftung mit Wärmerückgewinnung und Photovoltaik. Fassaden- und Dachbegrünung wirken als sommerlicher Hitzeschutz. Die thermische Gebäudequalität liegt mit Heizwärmebedarfswerten zwischen 22,0 und 28,5 kWh/m²a in den Klassen A bis B.
Die Kombination aus Holztragwerk und minimalem Betoneinsatz senkt die CO2-Emissionen nach Angaben von Rubner um rund 20 Prozent gegenüber konventionellem Stahlbeton. Die im Holz gespeicherte CO2-Menge ist nicht eigens beziffert; die Sondenzahl und -tiefe wurden öffentlich nicht ausgewiesen – ein Detail, das für eine vollständige Energiebilanz noch fehlt.
Was war schwierig?
Schwierigkeiten im engeren Sinn sind bei B.R.I.O. kaum dokumentiert – und das ist bemerkenswert. Es gibt keine Bürgerproteste, keine Klagen, keine Insolvenz von Beteiligten, der Holzbau wurde planmäßig im September 2025 abgeschlossen. Die latenten Risiken sind branchentypisch: die allgemeinen Holzbau-Vorbehalte rund um Brandschutz und Mehrkosten, die bei einem fünf- bis sechsgeschoßigen Bau allerdings weit weniger zugespitzt sind als bei einem Hochhaus. Ein intelligentes Brandschutzkonzept in Kombination mit einer Sprühnebelanlage waren daher die logische Antwort.