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Benko vor Gericht, Signa im Ausverkauf: Was aus den Immobilien wurde

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Park Hyatt Vienna im ehemaligen Länderbank-Gebäude Am Hof in Wien
© Foto: Dguendel, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons
Park Hyatt Am Hof: Über den Verkauf an die Privatstiftung von Josef Rainer wird seit dem Frühjahr verhandelt – bestätigt ist er nicht.

Am 4. und 5. November steht René Benko erneut vor dem Landesgericht Innsbruck – wegen schweren Betrugs und betrügerischer Krida, Strafrahmen bis zehn Jahre. Parallel verwerten die Insolvenzverwalter die letzten großen Wiener Signa-Objekte: Park Hyatt, Goldenes Quartier, Postsparkasse. Bei der Signa Prime sind 5,56 Milliarden Euro an Forderungen anerkannt, in die Masse flossen bisher rund 92 Millionen. Die Justiz verhandelt Einzelposten, der Markt die Milliarden.

„Ich und wir alle haben es damals nicht für möglich gehalten, dass die Sanierung der Signa-Gruppe nicht gelingen wird“, sagte René Benko am 22. September im Landesgericht Innsbruck. Der Schöffensenat unter Vorsitz von Richter Norbert Hofer sah das anders und verurteilte ihn wegen betrügerischer Krida zu insgesamt 30 Monaten unbedingt, sechs Monate mehr als im ersten Rechtsgang. Die Mietvorauszahlung von rund 360.000 Euro für eine Villa auf der Hungerburg sei „wirtschaftlich nicht notwendig“ gewesen, so Hofer laut ORF, der „Mietvertrag als Konstrukt dahinter erfolgte mit Kalkül“. Vom Vorwurf rund um die Vorauszahlung von Betriebskosten wurde Benko freigesprochen. Da weder er noch die WKStA Rechtsmittel einlegten, ist das Urteil rechtskräftig, wie das Landesgericht am 24. September mitteilte.

Am 4. und 5. November sitzt Benko wieder in Innsbruck auf der Anklagebank. Für die Immobilienbranche ist das der Anlass, nachzusehen, was aus dem Portfolio geworden ist, das einmal die Innenstädte von Wien, Innsbruck, Berlin und Hamburg geprägt hat.

Der Prozess: Haselsteiner und ein Jagdgewehr

Die Anklage der WKStA vom Juni hat zwei Teile. Schwerer Betrug: Benko soll Hans Peter Haselsteiner bzw. Vertretern von dessen Privatstiftung eine „wahrheitswidrige Garantie“ gegeben haben. Die Stiftung habe rund 3,3 Millionen Euro an die Signa Holding überwiesen und auf die Rückforderung weiterer 1,7 Millionen Euro verzichtet, die bis 30. Juni 2024 zugesagte Zahlung sei ausgeblieben. Dazu kommt betrügerische Krida: Ein Jagdgewehr im Wert von 80.000 Euro soll den GläubigerInnen vorenthalten worden sein. Der Strafrahmen reicht bis zu zehn Jahren, geladen sind 13 ZeugInnen, darunter Haselsteiner. Wer den Vorsitz führt, hat das Landesgericht bisher nicht bekanntgegeben.

„Wir können die Vorwürfe in der Anklageschrift bereits in rechtlicher Hinsicht nicht nachvollziehen“, so Verteidiger Norbert Wess. Die Forderung gegenüber der Haselsteiner Privatstiftung sei schon vor der Garantieerklärung überfällig gewesen, das Gewehr sei zu keinem Zeitpunkt im Eigentum Benkos gestanden. Benko sitzt seit Jänner 2025 in U-Haft. Rechtskräftig ist neben den 30 Monaten auch ein Schuldspruch vom Dezember 2025 wegen vorenthaltener Uhren und Manschettenknöpfe: 15 Monate bedingt und eine unbedingte Geldstrafe von 4.320 Euro. Insgesamt ermittelt die WKStA laut APA in 17 Sachverhalten, nicht in allen ist Benko beschuldigt.

Die Justiz arbeitet in Einzelpositionen: Schenkung, Mietvorauszahlung, Uhren, Manschettenknöpfe, ein Gewehr. Die Insolvenzverwalter dagegen haben es mit Milliarden zu tun.

Signa Prime: Milliarden angemeldet, Millionen eingenommen

Beide Treuhand-Sanierungspläne sind gescheitert, Signa Prime Selection und Signa Development Selection werden im Konkurs verwertet. Bei der Signa Prime waren laut drittem Bericht der Insolvenzverwalterin Abel Rechtsanwälte Forderungen von 12,35 Milliarden Euro angemeldet, 5,56 Milliarden davon anerkannt. Eine Quote gibt es noch nicht.

Laut viertem Zwischenbericht, über den der „Kurier“ im Juli berichtete, flossen bisher rund 25,2 Millionen Euro aus strukturierten Immobilienverkäufen in die Masse, aus gerichtlichen und außergerichtlichen Vergleichen rund 67,2 Millionen. Das ist ein Zwischenstand vor Kosten, keine Quote: Weitere bis zu 28 Millionen Euro aus dem Verkauf des Wehrhahn 1 in Düsseldorf werden bis Jahresende erwartet, die großen Wiener Objekte sind noch gar nicht enthalten. Und Kaufpreis ist nicht gleich Masse: Zuerst werden die besicherten Objektfinanzierungen bedient.

Die Verwertung soll laut Bericht „bis Ende 2026 weitgehend abgeschlossen“ sein, das Handelsgericht Wien hat den Fortbetrieb bis 30. November 2026 genehmigt. Über 20 Anfechtungsklagen laufen, unter anderem gegen die Hamburg Commercial Bank (24 Millionen Euro), die Kühne Immobilia Austria (16,5 Millionen) und die RAG-Stiftung (8,3 Millionen). Haftungsklagen gegen frühere Organe und Berater sollen eingebracht werden, falls keine Einigung gelingt.

Park Hyatt: verhandelt, nicht bestätigt

Das Hotel Am Hof ist das Paradebeispiel für die Zähigkeit des Prozesses. Ein Verkauf an die spanische Medcap scheiterte, kolportiert waren 330 bis 335 Millionen Euro. Seit dem Frühjahr verhandelt die Insolvenzverwaltung mit der JR Investment GmbH, hinter der die Privatstiftung des oberösterreichischen Industriellen Josef Rainer steht. Laut viertem Zwischenbericht wurde Verhandlungs- und Abschlussexklusivität vereinbart, der Abschluss war bis Ende September geplant, Insider nennen rund 330 Millionen Euro. Bis Redaktionsschluss am 9. Oktober hat die Insolvenzverwaltung weder Signing noch Closing bestätigt. „Sobald ein Verkaufsprozess abgeschlossen ist, werden wir Gläubiger und die Öffentlichkeit darüber informieren“, hieß es im Juni seitens der Kanzlei.

Goldenes Quartier: Der größte Brocken

Seit Mai ist das Goldene Quartier an der Tuchlauben am Markt, CBRE hat das Exklusivmandat. Der Verkehrswert liegt laut Schätzung bei 458 Millionen Euro, die Mieteinnahmen bei rund 18 Millionen Euro pro Jahr. Signa Prime hält mittelbar 75,31 Prozent, eine Gesellschaft der deutschen RAG-Stiftung den Rest. „Eine einmalige Chance für Investoren, ein solches Asset zu erwerben“, sagte Lukas Schwarz, Managing Director von CBRE Österreich, zum Start.

Einmalig ist die Gelegenheit tatsächlich – auch deshalb, weil Core-Assets dieser Größe in Wien selten auf den Markt kommen. Dass es dauert, überrascht dennoch niemanden. CBRE-Investmentchef Manuel Bugl sprach im Juli mit Blick auf den Gesamtmarkt von „länger dauernden Transaktionszeiträumen“ und erwartete „signifikante Abschlüsse in der zweiten Jahreshälfte“. Ein Käufer für das Goldene Quartier ist noch nicht bekannt.

Postsparkasse: Verkauft wird der Boden

Das Otto-Wagner-Gebäude am Georg-Coch-Platz ließ sich nicht mehr solvent verkaufen. Seit April ist die Eigentümergesellschaft im Konkurs, angemeldet wurden rund 324 Millionen Euro, mehr als die Hälfte davon vorerst bestritten, wie Stephan Mazal vom Gläubigerschutzverband Creditreform im Juni mitteilte. Drei weitere Georg-Coch-Platz-Gesellschaften folgten nach einem gescheiterten Share Deal.

Seit 24. August vermarktet EHL Investment Consulting im exklusiven Auftrag von Masseverwalter Stephan Riel die Liegenschaft. Verkauft wird allerdings der Grund: Das Gebäude ist per Baurecht bis Ende 2118 an die Bundesimmobiliengesellschaft vergeben. Wer kauft, erwirbt also vor allem Zeit. Viel Zeit.

Was schon den Besitzer gewechselt hat

  • Lamarr, Mariahilfer Straße: 2024 an eine Gesellschaft der Stumpf-Gruppe von Georg Stumpf. Die Baubewilligung für das geänderte Projekt liegt seit Februar 2026 vor, geplant sind rund 12.000 Quadratmeter Handel, rund 200 Wohnungen, ein Hotel und eine öffentliche Dachterrasse, Fertigstellung im ersten Quartal 2028.

  • Kaufhaus Tyrol, Innsbruck: 2025 an die KHT AcquiCo aus dem Umfeld von Patrick Cloppenburg (Peek & Cloppenburg), laut Tiroler Tageszeitung um rund 140 Millionen Euro.

  • Hotel Andaz am Belvedere: heuer im Frühjahr um 92 Millionen Euro verkauft, an die Signa Development flossen davon laut Bericht der Masseverwalterin rund 25 Millionen Euro.

  • Innsbruck, Laura Privatstiftung: Objekte in der Museumstraße, Adamgasse und Meraner Straße gingen zwischen dem Schiedsspruch Ende Jänner und dem Insolvenzantrag Mitte März 2026 um zusammen über 30 Millionen Euro an Tiroler UnternehmerInnen.

  • Deutschland: Die KaDeWe-Immobilie ging 2024 an die Central Group, Upper West in Berlin 2025 an die Schoeller Group, das Alsterhaus in Hamburg an deren Family Office gemeinsam mit einer Pensionskasse. Der Elbtower in Hamburg steht seit dem Baustopp Ende Oktober 2023 still, einen verbindlichen Termin für den Weiterbau gibt es nicht.

Das Andaz ist die lehrreichste Zahl in dieser Liste. 92 Millionen Kaufpreis, 25 Millionen für die Masse. Wohin der Rest floss, schlüsselt der Bericht nicht auf.

Signa Development: Die Quote bleibt offen

Bei der Signa Development sind laut achtem Bericht von Masseverwalterin Andrea Fruhstorfer (August 2026) Forderungen von 2,59 Milliarden Euro angemeldet und knapp 1,7 Milliarden anerkannt. Eine Quote lässt sich laut Bericht noch nicht beziffern, sie hängt von Anfechtungen, Haftungsansprüchen und Verkaufserlösen ab. Aus Anfechtungen kamen bisher rund 13 Millionen Euro, weitere 24 Millionen sind in neun Klagen geltend gemacht. Für die Muthgasse 1a in Wien liegt ein unverbindliches Angebot der Stadt Wien über 9,7 Millionen Euro vor, der Gemeinderat muss noch zustimmen. Kommt mit früheren Organen bis Oktober keine außergerichtliche Einigung zustande, will Fruhstorfer klagen.

Was bleibt

Im November wird in Innsbruck über ein Gewehr und eine Garantie verhandelt. In Wien geht es gleichzeitig um ein Hotel um rund 330 Millionen Euro, ein Quartier um fast eine halbe Milliarde und den Boden unter einem Otto-Wagner-Bau. Für den Markt ist das zweite die wichtigere Nachricht. Wer kauft, zu welchem Preis und wie lange es dauert, sagt mehr über den Zustand des Wiener Investmentmarkts als jedes Urteil.

Stand: 9. Oktober 2026. Angaben zu Verkäufen beruhen, wo nicht anders angegeben, auf Berichten der Insolvenzverwalter und APA-Meldungen.

Der Artikel enthält KI generierte Elemente.

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