Frischer Wind im Burgenland

Der Norden blüht auf und hebt sich preislich ab, weil Pendeln gut möglich ist und Immobilien relativ günstig sind.
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Für das gesamte Burgenland ist in diesem Jahr die Rekordfertigstellung von 1.400 Bauträgerwohnungen zu erwarten. Im kommenden Jahr sollen dann nur noch 900 Wohneinheiten bei den Bauträgern dazukommen. Dies hat der Marktanalyst EXPLOREAL erhoben, laut dem es längerfristig zu einem Einbruch bei den Fertigstellungen kommen dürfte, der vor allem auf die Zurückhaltung der gemeinnützigen Bauträger zurückzuführen ist. 

Neue Wohnbaugesellschaft

Vonseiten des Landes ist man mit der Gründung von „So wohnt Burgenland“ (SOWO) im August aktiv geworden, um gegenzusteuern, und in dieser Wohnbaugesellschaft wird Mietkauf propagiert. „Im Zentrum unserer Bemühungen stehen insbesondere jene Bevölkerungsschichten, die über ein Einkommen, aber nicht über Eigenmittel in entsprechendem Ausmaß verfügen“, lässt Wohnbaulandesrat Heinrich Dorner wissen. Pilotprojekte in sieben Bezirken wurden angekündigt.

Land der Mieter

„In keinem anderen Bundesland ist der Anteil der gemeinnützigen Bauträger an der Bautätigkeit so hoch wie im Burgenland, nämlich insgesamt 83 Prozent“, sagt der Fachgruppenobmann der Immobilien- und Vermögenstreuhänder der WK Burgenland, Ludwig Bresich, wobei er gleichzeitig auf den hohen Mietanteil von 74 Prozent im Land verweist. Im Bezirk Güssing sind mit zwölf eher klein strukturierten Projekten überhaupt nur gemeinnützige Bauträger am Markt. Gegen Norden sinkt der Gemeinnützigenanteil, während die Bautätigkeit insgesamt steigt.

Neusiedler See als Plus

Genau 103 Projekte sind im Burgenland aktuell in Vermarktung, und rund die Hälfte davon befindet sich im Norden – mit Schwerpunkten in der Landeshauptstadt Eisenstadt und ihrer Umgebung sowie in der Nähe des Neusiedler Sees. Wenn, dann befinden sich kommerziellere Bauprojekte vor allem in diesen Bereichen, und es lassen sich Preise von 6.000 bis 9.500 Euro pro Quadratmeter erzielen. Neben dem Schloss entstehen sogar Wohnungen der Luxusklasse. Im Mittelburgenland hingegen liegen die Preise auf einem um die Hälfte niedrigerem Niveau. In den Bezirkszentren Oberwart, Oberpullendorf und Mattersburg sind bei eher stagnierenden Bevölkerungsprognosen derzeit trotzdem in Summe 52 Projekte mit insgesamt 405 Wohneinheiten in Vermarktung.

Zentralität muss sein

Die Anbindung an die Zentralräume bzw. an Bezirkshauptorte gilt im stellenweise doch dünn besiedelten Burgenland als wesentliches Kriterium für gewerbliche Wohnprojekte. Im Norden hat das Burgenland laut Landesspartenobmann Bresich von deutlichen Verbesserungen der Erreichbarkeit per Bahn oder Autobahn profitiert. Pendeln gehe auch mit dem öffentlichen Verkehr gut, zum Beispiel von Neusiedl am See, Jois oder vom Seewinkel aus. Die Preise für Bauland und Häuser hätten daher angezogen. Der Suchradius der Wiener würde sich mittlerweile durchaus auch auf das Nordburgenland erstrecken, allerdings gebe es hier auch Nachfrage aus der slowakischen Hauptstadt Bratislava, zumindest entlang der Grenze in Gemeinden wie Kittsee oder Pama. 

Reihenhausmodell beliebt

Eisenstadt (Stadt) hat sich mit 15 neuen Wohneinheiten pro tausend Einwohner in den letzten beiden Jahren am dynamischsten entwickelt, wobei der Bezirk Neusiedl am See in absoluten Zahlen die meisten Wohnbauaktivitäten aufweist. Der Preis für eine Bauträgerwohnung liegt laut EXPLOREAL im Burgenland aktuell bei rund 370.000 Euro, wobei zuletzt ein Preiszuwachs um sechs Prozent erfolgt ist. Die Fläche einer neuen Wohnung beträgt durchschnittlich 66 Quadratmeter. Doppel- und Reihenhäuser erfreuen sich im Burgenland mit einem Anteil von einem Viertel besonderer Beliebtheit. Kein Wunder, denn sie sind hier gegenüber Wohnungen nur geringfügig teurer oder je nach Lage sogar billiger und bieten neben dem Eigengarten im Schnitt auch 40 bis 50 Quadratmeter mehr Wohnraum.

 

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  • 05.12.2022
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Geschrieben von:

Matzanetz Peter

Medien und Digitale Medien für die Bau- und Immobilienwirtschaft sind die Welt des Peter Matzanetz. Im Bereich Stadt- und Regionalforschung in Europa und Lateinamerika hat er akademische Abschlüsse. Nicht nur was die Brancheninformationen betrifft ist er stets am Puls der Zeit, sondern auch technologisch. Auf die Transformation von Stadt und Region am technologischen Weg hat er sich seit langem fokussiert. 2019 hat hat er die PlaceQu GmbH gegründet. Das Proptech-Startup  kann als erster Anbieter einer Lagesuchmaschine gelten. Seit 2016 ist er im Rahmen des Lehrganges der Immobilienwirtschaft außerdem als Lehrender an der FH-Wien tätig.

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