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Zersiedelung stoppen, Ortskerne stärken – nachhaltiges Bauen braucht Bestand

vor 3 Tagen

2 Minuten

Herrlicher Blick auf den zentralen Platz des berühmten Hallstätter Bergdorfs.
Herrlicher Blick auf den zentralen Platz des berühmten Hallstätter Bergdorfs.
© Pilat666

Österreich ist nach wie vor „Europameister im Bodenverbrauch“. Jahr für Jahr werden wertvolle Flächen verbaut – mit Folgen für Umwelt, Klima und Lebensqualität. Laut einer Gallup-Studie im Auftrag von Raiffeisen Immobilien Österreich halten 70 Prozent der Befragten den Bodenverbrauch für ein sehr dringliches oder dringliches Problem, beim Ortskernsterben sehen sogar 82 Prozent akuten Handlungsbedarf. Besonders ältere Befragte beurteilen die Entwicklung kritisch.

Sanieren statt versiegeln

Gefragt nach den besten Maßnahmen gegen Bodenverbrauch und Leerstand, werden laut Studie mehr Förderungen für die Sanierung gebrauchter Immobilien am stärksten befürwortet, gefolgt von der Überbauung bestehender Flächen – etwa von Supermärkten – und einem Verbot von Fachmarktzentren auf der grünen Wiese. „Gerade in einer Zeit, in der der Neubau stagniert wäre es wichtig, einen Fokus auf die Nutzung bestehender Substanz zu lenken“, sagt Ing. Mag. (FH) Peter Weinberger, Sprecher von Raiffeisen Immobilien Österreich. Sanierung, Verdichtung und intelligente Nachnutzung seien die Schlüssel, um Flächenverbrauch zu bremsen und gleichzeitig dringend benötigen Wohnraum zu schaffen. „Jede Sanierung spart Fläche, schont Ressourcen und stärkt die Lebensqualität in unseren Gemeinden.“

Der Trend zur Zersiedelung verschärft nicht nur ökologische Probleme, sondern auch infrastrukturelle. Immer längere Wege, steigende Kosten für Gemeinden und leere Ortskerne sind die Folge. Laut Gallup geben 46 Prozent der Befragten an, selbst in einer Gemeinde mit sterbendem Ortskern zu leben – also dort, wo Geschäfte und Gastronomie geschlossen haben und nichts Neues entsteht. In kleineren bis mittleren Gemeinden bis 50.000 Einwohner:innen fühlen sich sogar 62 Prozent betroffen.

Weinberger sieht darin ein strukturelles Warnsignal: „Wenn Geschäfte, Arztpraxen und Gastronomie verschwinden, verliert ein Ort seine Seele. Durch die Sanierung von Bestandsgebäuden und die Ansiedlung neuer Betriebe sollte man diesem Trend wirksam entgegensteuern.“

Bauen im Bestand hat Zukunft

Auch Prok. Peter Mayr, Co-Sprecher von Raiffeisen Immobilien Österreich, fordert ein Umdenken bei Bau- und Förderpolitik. „Bauen im Bestand hat Zukunft“, so Mayr. „Jede Sanierung spart Fläche, reduziert Energieverbrauch und schafft lokale Wertschöpfung. Förderprogramme sollten künftig gezielt jene unterstützen, die bestehende Immobilien revitalisieren.“

Mayr betont, dass nachhaltiges Bauen auch ökonomisch Sinn ergibt. „Sanierungen erhalten das kulturelle Erbe, schaffen Arbeit vor Ort und steigern den Immobilienwert. Das ist gelebte Nachhaltigkeit – ökologisch, sozial und wirtschaftlich.“

Konsens in der Bevölkerung

Gallup-Daten zeigen eine breite Zustimmung zu Maßnahmen gegen Flächenverbrauch und Leerstand:

• 73 Prozent befürworten mehr Förderungen für Sanierungen und Revitalisierung

• 68 Prozent unterstützen die Überbauung bestehender Flächen

• 62 Prozent sprechen sich gegen Fachmarktzentren auf der grünen Wiese aus

• Aber weniger als 50 Prozent würden ein Verbot neuer Einfamilienhäuser in Randlagen akzeptieren

Die Bevölkerung ist damit klar für eine Wende im Umgang mit Boden und Bestand – sie wünscht sich Lösungen, die Ökologie, Ökonomie und Lebensqualität verbinden.

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