Ich möchte zu diesem Thema nur zwei Beispiele bringen. In einem Fall war ich selbst dabei, das andere habe ich aus einer für mich sehr verlässlichen Quelle gehört.
Bei einer Diskussion über den Wiener Wohnungsmarkt zeigte eine Nationalratsabgeordnete klare Unkenntnis, was den Immobilienmarkt betrifft, und auch bei wirtschaftlichen Belangen war die Anwältin nicht ganz auf der Höhe. Sie entscheidet aber im Nationalrat über wesentliche Themen rund um Immobilien mit. „Der Mietendeckel ist eh nur befristet und die Inflation jetzt gebremst“, sagte sie. Sie meinte damit, die Mietpreisbremse (Indexierung nur bis drei Prozent bzw. im Altbau ein Prozent) sei nur temporär für 2026 eingeführt. „Was ein Blödsinn ist, das gilt, bis sie sich etwas Neues einbilden“, kommentierte eine rechtsaffine Anwältin.
Wenn ich mir jetzt aber überlege, dass diese Abgeordnete jemand ist, der zumindest Grundkenntnisse des Marktes hat, dann frage ich mich schon, wie das Grundverständnis anderer Abstimmungsberechtigter aussieht. Wobei: Vielleicht ist es eh egal, da in vielen Fällen ein „politisches Abgleichen“ stattfindet, wie es der Geschäftsführer eines heimischen Immobilienverbands einmal treffend bezeichnet hat.
Das ist so das durchschnittliche Verständnis.
Aber es wird noch besser: Politiker sind in ihren Heimatstädten noch oft anzutreffen und ansprechbar. So kam es, dass der Vizekanzler bei einem Heurigenbesuch von einem mir bekannten Immobilienprofi auf die aktuelle Misere im Wohnbau angesprochen wurde. Der Immobilienexperte kennt den besagten Politiker, der in Österreich für den Wohnbau zuständig ist, schon seit Jahrzehnten, ist mit ihm auch per Du.
Auf die aktuelle Situation und die Dringlichkeit raschen Handelns angesprochen, erschöpfte sich die Reaktion der politischen Seite in Anschuldigungen gegen die SIGNA-Vorstände und deren verheerendes Wirken für Österreich. Unterschieden wurde zwischen René Benko und einem „durchschnittlichen“ Marktteilnehmer oder Projektentwickler (egal, ob gewerblicher oder sozialer Wohnbau) allerdings nicht. Alles die Gleichen, könnte man meinen. Damit war auch das politische Weltbild des Politikers einzementiert – und vermutlich auch seine Agenda gegen das Großkapital und somit gegen die Immobilienbranche, die – siehe Fall Benko – zum Feindbild wird. Die Rolle und das Wirken des Vorstandsvorsitzenden von SIGNA aus der eigenen Partei zu hinterfragen, darauf wurde kein Gedanken verschwendet. Auch nicht darauf, wie ein Konstrukt wie SIGNA eigentlich ohne jegliche politische Unterstützung (egal, von welcher Partei) möglich sein konnte. Auf die eigentlichen Probleme, die der Immobilienprofi angesprochen hat, wurde nicht eingegangen.
Das ist zwar traurig, aber … man kann ja nicht alles wissen. Wirklich problematisch ist jedoch, dass bei dieser heiklen Thematik (immerhin gehört ein Dach über dem Kopf zu den elementarsten Bedürfnissen des Menschen) keine Profis zu Rate gezogen werden, sondern ideologiegetrieben durchagiert wird.