Die Politik hat es verabsäumt, Weichen zu stellen, die es den Bauträgern ermöglichen, Wohnbauten zu errichten – unabhängig davon, ob für Miete oder Eigentum. Ich gehe davon aus, dass die erteilten Baugenehmigungen nur zu einem gewissen Teil in tatsächliche Projekte münden werden. Während die Bevölkerung in Wien wächst, ist der Wohnbau also derzeit reduziert. Die Folgen davon sind schon spürbar. Der Mietenmarkt ist aktuell überlastet, die gefragten Mietwohnungen werden den Unternehmen gleichsam aus der Hand gerissen – und es wird nicht besser werden. In den nächsten Jahren dürfte auch der Eigentumsmarkt von dieser Entwicklung erfasst werden.
Kennen Sie die Maslow’sche Bedürfnispyramide? Stufe 2 ist Geborgenheit und Schutz, also ein Dach über dem Kopf. Wird die Erfüllung dieser elementaren Bedürfnisse eingeschränkt, ist das für den Einzelnen fatal und in weiterer Folge für die Gesellschaft hochproblematisch. Auch wenn der Mensch nicht dazu neigt, so weit vorauszudenken, fällt es mir wirklich schwer, eine andere Konsequenz dieser Entwicklung zu sehen. Nach meiner Wahrnehmung hat sich seit dem Artikel https://immobilien-redaktion.com/artikel/weiter-gedacht-die-wohnungsnot-wird-realitat nicht viel geändert. Also schon etwas, aber nicht zum Besseren.
Ich bin zwar grundsätzlich ein Optimist, aber auch ein Realist. Der Optimist sagt: „Es wird trotzdem gut ausgehen.“ Der Realist sagt: „Aber die kommenden Jahre können sehr ungewöhnlich werden.“ Dass die Wohnungssuchenden bereits ihre Wünsche und Vorstellungen zurückschrauben, ist eine Tatsache – das kann jedes Maklerunternehmen bestätigen.
Je länger diese Situation anhält – und man darf durchaus annehmen, dass sie bis Ende 2028 andauern wird –, desto „dynamischer“ wird der Markt. Ich kann mir gut vorstellen, dass in einem derart überlaufenen Markt auch wieder viele unseriöse Anbieter auftreten werden. Betrügereien sind damit Tür und Tor geöffnet. Denn wegen der Aussicht auf ein Dach über dem Kopf übersieht man gern das Risiko, von Gaunern über den Tisch gezogen zu werden. Besonders verwerflich sind dabei Personen, die die Not der anderen ausnützen und Wohnungen anbieten, die sie gar nicht haben. Der menschliche Erfindergeist kennt leider kaum Grenzen, was solche Praktiken betrifft, und ich bin gespannt, welche Ideen da noch auf uns zukommen.
Eine ist schon da: die Ablöse! Dieses Übel, das lange von der WKO bis zum ÖVI bekämpft wurde, hat neuerlich im Markt Einzug gehalten. Wohnungen mit einem günstigen Mietvertrag werden gegen Entgelt weitergegeben.
Jetzt fehlt nur noch, dass die Bettgeher wieder auftauchen. Für die jüngeren Leserinnen und Leser hier ein Interview, in dem der Ausdruck „Bettgeher“ erklärt wird. https://immobilien-redaktion.com/artikel/geboren-1923-so-wohnten-wir-damals
Wenn Sie die Entwicklung anders sehen oder Vorschläge für Lösungen haben, freue ich mich über Ihren Kommentar. Ich bin für jeden Austausch offen.