Der Weitblick wird mit 120 Metern und 35 Etagen einer der markantesten Türme im Stadtentwicklungsgebiet Viertel Zwei am Wiener Prater. Direkt an der U2-Station Stadion gelegen, vereint er auf rund 55.000 Quadratmetern Büro- und Konferenzflächen, ein Lifestyle-Hotel mit etwa 298 Zimmern und – als öffentliches Aushängeschild – eine rund 500 Quadratmeter große Skybar samt 700-Quadratmeter-Terrasse in der obersten Etage, mit Rundumblick über Donau, Kahlenberg, Prater und City.
Die Architektur stammt aus einem internationalen Wettbewerb: Den Entwurf lieferte das Büro Mario Cucinella Architects aus Bologna, die Ausführungs- und Einreichplanung übernahm Zechner & Zechner aus Wien. Auffälligstes Merkmal ist die durchgehende Glasfassade. Der Turm versteht sich als Landmark im autofreien Viertel Zwei – mit dem Anspruch, sich über begrünte Außenanlagen in die Nähe des Praters einzufügen.
Bemerkenswert ist die Eigentümergeschichte: STRABAG Real Estate erwarb das fertig geplante Projekt mit 19. Dezember 2024 vom bisherigen Entwickler Value One. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Mit dem Aushub der Baugrube wurde im Anschluss begonnen, die Fertigstellung ist für 2028 geplant, die Hoteleröffnung für Anfang 2029.
Eckdaten im Überblick:
• Standort: Meiereistraße / Viertel Zwei, nahe Ernst-Happel-Stadion, 1020 Wien
• Typ: Mixed-Use-Hochhaus (Büro, Hotel, Skybar)
• Höhe / Etagen: 120 m / 35
• Fläche: rund 55.000 m²; Dorint-Hotel mit 298 Zimmern
• Baubeginn: 2025 · Fertigstellung: 2028 (Hotel Q1 2029)
• Architektur: Mario Cucinella Architects (Bologna) + Zechner & Zechner (Wien)
• Entwickler: STRABAG Real Estate (Erwerb 12/2024 von Value One)
Bauherr: STRABAG Real Estate
Bauherr und Eigentümer ist seit Ende 2024 die STRABAG Real Estate (SRE), die Immobilienentwicklungs-Tochter des größten österreichischen Baukonzerns. Verkäufer war die Value One, treibende Kraft hinter der Entwicklung des Viertel Zwei. SRE-Geschäftsführer Erwin Größ betonte, man setze „auch in herausfordernden Zeiten starke Impulse auf dem Wiener Immobilienmarkt” – eine Formulierung, die viel über die aktuelle Marktlage verrät.
Wer hat den Weitblick geplant? Mario Cucinella Architects
Der architektonische Entwurf stammt vom italienischen Büro Mario Cucinella Architects aus Bologna, das den internationalen Wettbewerb gewann; die Ausführungs- und Partnerplanung übernahm Zechner & Zechner aus Wien. Cucinella, international für seine konsequent energieorientierte Architektur bekannt, legte den Turm als gläsernes Landmark mit öffentlich zugänglicher Dachebene an. Die Doppelung aus internationalem Entwurfsbüro und heimischem Ausführungsarchitekten ist typisch für Hochhausprojekte dieser Größenordnung – sie verbindet gestalterische Handschrift mit der Detailkenntnis des lokalen Baurechts.
Wer hat den Weitblick gebaut?
Als ausführender Generalunternehmer ist der STRABAG-Konzern naheliegend – bei der Schwesterimmobilie, dem benachbarten Wohnturm Grünblick, war STRABAG bereits in dieser Rolle. Ein wörtlich belegtes Bekenntnis zum Generalunternehmer für den Weitblick liegt zum Redaktionszeitpunkt allerdings nicht vor; das gehört vor einer Veröffentlichung verifiziert.
Mit dem Erwerb durch einen Baukonzern verschiebt sich die übliche Rollenteilung: Entwickler, Eigentümer und – sehr wahrscheinlich – ausführendes Unternehmen liegen hier in einer Konzernhand. Das verspricht kurze Wege zwischen Planung und Baustelle, macht den Turm aber auch zu einem Projekt, dessen Wirtschaftlichkeit eng mit der Bilanz eines einzigen Konzerns verknüpft ist.
Umwelt und Energie: Wärme, Kälte und CO₂-Bilanz
Das Energiekonzept ist einer der stärksten Punkte des Projekts: Versorgt wird der Turm über das Kraftwerk Krieau, das nach Angaben der STRABAG Real Estate Teil des größten Anergienetzes Österreichs ist. Eine gebäudeintegrierte Energiezentrale nutzt Erdsonden und Brunnen für CO2-freie Wärme und Kälte; ergänzt wird das System durch Bauteilaktivierung, Brunnenwasser, Solarenergie und sensorgestütztes Monitoring.
Angestrebt werden eine ÖGNI-Gold-Zertifizierung und die Konformität mit der EU-Taxonomie. Konkrete Emissionstonnen oder Materialmengen sind für den Turm bislang nicht veröffentlicht – das Projekt ist im Bau, viele Werte bleiben damit Plan- und Zielgrößen.
Was war schwierig?
Schwierig ist beim Weitblick weniger das Gebäude als sein Umfeld. Dass ein fertig geplanter 120-Meter-Turm noch vor dem Aushub den Eigentümer wechselte, ist ein Signal der angespannten Marktlage: Forward-Verkäufe an kapitalstarke Konzerne sind in der aktuellen Phase oft ein Zeichen, dass Entwickler Großprojekte nicht mehr allein stemmen wollen. Beim Verkäufer Value One musste im März 2024 zudem eine – vom Weitblick unabhängige – Projektgesellschaft Insolvenz anmelden, ausgelöst durch einen Rechtsstreit um einen Grundstückskaufvertrag, dessen 2021 vereinbarter Preis 2024 „wirtschaftlich nicht mehr darstellbar” gewesen sei. Hinzu kommt ein Klumpenrisiko: Mit einem 298-Zimmer-Hotel als Ankermieter hängt ein gewichtiger Teil der Auslastung an einem einzigen Betreiber.