Die Wirtschaftskammer muss sich verändern. Umso wichtiger ist es, dass diese Veränderung nicht nur angekündigt, sondern auch professionell durchgeführt wird. Mit Thomas Spann wurde hier einer der Besten eingesetzt, tauschen möchte ich aber ganz ehrlich nicht mit ihm. Seine Aufgabe, den vorgegebenen Reformprozess zu begleiten und als Schnittstelle zu den Ländern zu fungieren, ist bitte nicht die einfachste und angenehmste.
Fakt ist: Die WKO steht enorm unter Druck und wird mit Argusaugen beobachtet. Der jetzt von unserer Präsidentin angekündigte Schritt eines tiefgreifenden Personalabbaus auch. Mitglieder sehen darin sicher einen Apparatschik-Abbau und sich in ihrem Unmut darüber, dass die Kammer „nix tut“, durchaus bestätigt. Selbst habe ich ja schon vor Monaten eingebracht, man möge dringend auf der Spartenebene einsparen – dass zum Beispiel Spartenobleute ordentliche Stellvertreter und bis zu fünf weitere kooptierte Stellvertreter haben, ist jedenfalls zu hinterfragen.
Aber ich glaube, das Grundproblem der WKO liegt noch woanders, Sparkurs und Personalabbau hin oder her.
Die eigenen Strukturen sind so überbordend und vielschichtig, dass es schwierig ist, sie in den Griff zu bekommen.
„Mein“ Fachverband der Immobilien- und Vermögenstreuhänder hat kürzlich die Grundumlage um einen zweistelligen Prozentbereich erhöht und am Bundesimmobilientag ein Bild der „Verzweiflung“ gezeichnet. Man kann nicht einerseits erklären, wie dramatisch die Lage ist, und andererseits bei den Mitgliedern zumindest indirekt stärker zugreifen. Das erzeugt kein Vertrauen, sondern Unverständnis.
Eine Reform der Wirtschaftskammer darf sich nicht nur in Zahlen niederschlagen, sie muss auch die Glaubwürdigkeit wiederherstellen und stärken. Dazu gehört, dass man ehrlich bei sich selbst beginnt. Bei den Strukturen, den Doppelgleisigkeiten und dem Fakt, dass Glaubwürdigkeit rein durch konsequentes Handeln entsteht, nicht durch Sonntagsreden etwa auf Bundestagsbühnen.
Der Reformerfolg wird nämlich von den Mitgliedern nicht anhand von Zahlen und vorgelegten Bilanzen bewertet, sondern am tatsächlichen Einsatz der Interessensvertretung (gemessen. Stark ist nicht, wer immer erklärt, sondern wer fair handelt.
Ob das bei allen Ländern und Fachverbänden ankommt, bezweifle ich leider sehr.
Umso mehr wünsche ich dem Reformteam viel Kraft!