Schindler Low Carbon Service: TÜV-zertifizierte Dekarbonisierung in der Aufzugswartung
Der erste und oft unterschätzte Hebel der Aufzugs-Dekarbonisierung liegt nicht im Gerät selbst, sondern in seiner Wartung und Störungsbehebung. Schindler Österreich betreibt am Wienerberg in Wien ein Technical Operations Center, das digital angebundene Aufzugsanlagen rund um die Uhr digital überwacht. Zustandsdaten werden kontinuierlich übertragen; einige Störungen lassen sich per Fernzugriff beheben, noch bevor der Facility Manager davon erfährt.
Wenn ein Servicetechniker physisch ausrücken muss, fährt er mit einem Fahrzeug – und weiß vorab genau, welches Ersatzmaterial er braucht. Mehrfachfahrten und Leerfahrten entfallen weitgehend. Das Ergebnis dieser Remote-First-Methodik hat der TÜV Rheinland für den österreichischen Markt zertifiziert – Zertifizierungsbericht datiert vom 17. Februar 2025, öffentlich kommuniziert im September 2025: Der Schindler Low Carbon Service erreicht eine CO₂-Reduktion von bis zu 86 Prozent im Vergleich zur konventionellen Vor-Ort-Wartung.
„Der TÜV Rheinland verfügt über umfangreiche Erfahrung mit der Zertifizierung von Wartungen bei Schindler Deutschland. Aufgrund der Ähnlichkeit der Wartungsmethoden haben wir uns für eine Analyse und Zertifizierung durch den TÜV Rheinland entschieden.“ — Janine Schwabe-Häder, Vorsitzende der Geschäftsleitung, Schindler Österreich
Die Zertifizierung macht die CO₂-Einsparung von Adaptive Maintenance im Vergleich zur herkömmlichen Wartung entsprechend transparent – und damit bilanzierbar.
Aufzug Energieverbrauch: Von 10 Megawattstunden auf 1,7 MWh
In einem typischen Wiener Wohngebäude steht der Aufzug rund 80 Prozent der Zeit still. Trotzdem verbraucht er dauerhaft Strom: Steuerung, Beleuchtung, Standby-Betrieb. Moderne Schindler-Aufzüge benötigen pro Jahr in etwa so viel Strom wie eine Haushaltswaschmaschine. Ältere Hydraulikanlagen der 1970er und 1980er liegen bei zehn Megawattstunden pro Anlage und Jahr oder darüber; aktuelle Referenzanlagen nach einer Schindler-Modernisierung kommen auf 1,7 MWh. Eine Modernisierung des Hydraulik Antrieb resultiert ebenso in einer merkbaren Effizienzsteigerung.
Schindler Energierückspeisung. Beim Bremsen entsteht kinetische Energie, die ältere Anlagen als Wärme vernichten. Schindler baut Energierückspeisung seit 2020 serienmäßig und ohne Aufpreis in alle neuen Personenaufzüge ein. Für Bestandsanlagen aller Hersteller gibt es ein Nachrüstmodul von Schindler: Es speichert Bremsenergie in einem Ultrakondensator und nutzt sie bei der nächsten Anfahrt wieder. Schindler gibt bis zu 70 Prozent Stromersparnis für dieses Modul an; konkrete Messungen am Telefunken-Hochhaus Berlin belegen 5,441 MWh Einsparung pro Jahr.
Intelligente Schachtentlüftung Schindler HVS. Bauordnungsrechtlich ist in jedem Aufzugsschacht eine Lüftungsöffnung vorgeschrieben. Im Normalbetrieb wirkt diese wie ein dauerhaft geöffnetes Fenster: Der Kamineffekt zieht kontinuierlich Wärme aus dem Gebäude. Die intelligente Schachtentlüftung HVS (Hoistway Ventilation System) ist eine motorisierte Klappe, die den Schacht im Regelbetrieb schließt und nur bei Bedarf, bei Wartung oder im Brandfall automatisch öffnet. Für einen Wohnhausschacht mit 27 Metern Höhe beziffert Schindler Österreich die vermiedene Wärmemenge auf rund 9 MWh pro Jahr; bei einem Krankenhausschacht mit 2,5 × 2,5 Metern Querschnitt steigt der Wert auf über 42 MWh. Die Amortisationszeit liegt nach Unternehmensangaben bei wenigen Jahren – ab sieben Stockwerken oft deutlich darunter. In Ergänzung zu einem energieeffizienten Aufzug hat man eine attraktive Kombination, die die Energiebilanz des gesamten Gebäudes optimiert.
Schindler PORT Zielrufsteuerung. In Gebäuden mit mehreren Aufzügen in einer Gruppe bündelt das Schindler PORT-System Fahrten mit identischem Zielgeschoss in einer Kabine. Das reduziert Leerfahrten, Zwischenstopps und damit Betriebsstunden. Im PORT ECO Mode – der das Fahrtangebot automatisch an die tatsächliche Verkehrsnachfrage anpasst und Aufzüge in Schwachlastzeiten gezielt abschaltet – beziffert Schindler die Energieeinsparung in großen Aufzugsgruppen auf bis zu 40 Prozent.
Aufzug-Modernisierung in der Praxis: AKH Wien spart 80 Prozent Strom
Am konkretesten zeigt sich die Wirkung kombinierter Schindler-Dekarbonisierungsmaßnahmen am Roten Bettenturm des Allgemeinen Krankenhauses Wien. Schindler hat dort eine Aufzugsgruppe vollständig modernisiert, Schindler PORT nachgerüstet und die Schachtentlüftung erneuert. Nach Unternehmensangaben sank der Energieverbrauch der Aufzugsanlage um 80 Prozent.
Das AKH Wien ist Österreichs größtes Krankenhaus mit 1.691 Betten, 66 klinischen Einheiten und 397 Ambulanzen. Bei den entsprechenden Betriebszeiten, Fahrtfrequenzen und Stromkosten eines Großkrankenhauses ist eine 80-prozentige Reduktion keine rein ökologische, sondern eine substanzielle betriebswirtschaftliche Aussage.
„Eine Modernisierung des Aufzugs kann man auch unabhängig von beispielsweise der Modernisierung eines Gebäudes machen. Man kann sich hier die Technik des Aufzugs, eine Schachtentlüftung nachrüsten. Das sind alles Dinge, die man ganz universell einsetzen kann und die ganz oft Sinn machen.“ — Janine Schwabe-Häder
Net-Zero bis 2040: SBTi-validiertes Netto-Null-Ziel
Auf Konzernebene hat Schindler im Juni 2022 ein vollumfängliches Netto-Null-Ziel bis 2040 verabschiedet – validiert durch die Science Based Targets initiative (SBTi) nach dem 1,5-Grad-Pfad. Das Ziel umfasst alle Emissionsscopes: minus 90 Prozent absolut gegenüber dem Basisjahr 2020, einschließlich der Emissionen aus dem Betrieb aller weltweit installierten Schindler-Anlagen.
Der aktuelle Stand laut Schindler Nonfinancial Report 2025: Scope 1 und 2 liegen auf market-based Basis – also unter Anrechnung des vollständigen Bezugs erneuerbaren Stroms nach RE100-Kriterien – 31 Prozent unter dem Basisjahr 2020; Scope 3 – der größte Posten, dominiert vom Stromverbrauch der Kundenanlagen – ist um 50 Prozent gesunken. Der Scope-3-Rückgang ist unter anderem auf den gestiegenen Anteil von Verkäufen von Aufzügen mit der höchsten Energie-Efffizienzklasse aber auch durch methodische Anpassungen und Verbesserungen der Datengrundlage zurückzuführen; der Prüfstein für das Ziel 2040 bleibt der absolute Rückgang der Emissionen aus dem Betrieb der installierten Basis.
Schindler wird für diese Klimastrategie zum dritten Mal in Folge in der CDP A List geführt – einer von 877 Unternehmen unter rund 20.000 bewerteten Unternehmen weltweit, also den oberen vier Prozent. EcoVadis bewertet Schindler mit Platinum, dem höchsten Rating, das die oberen ein Prozent von über 150.000 bewerteten Unternehmen kennzeichnet.
„Da steckt ganz viel ernstgemeinte Ambition dahinter. Deswegen auch ein realistisches Ziel mit 2040 – wo wir wirklich an unseren Kernthemen so arbeiten wollen, dass es bis 2040 realisierbar ist, sowohl von unseren Produkten her als auch von der Art und Weise, wie wir uns als Unternehmen verhalten.“ — Janine Schwabe-Häder
Neben Energie- und Mobilitätsmaßnahmen präsentierte Schindler im Rahmen eines Pilotprojekts Anfang 2026 einem Aufzug mit Low-Carbon-Emissionsstahl – einem der größten Materialposten im Produkt und einer wesentlichen Quelle der Scope-3-Emissionen in der Kategorie eingekaufter Güter.
EU-Gebäuderichtlinie EPBD 2026: Aufzugsdekarbonisierung wird zur Pflicht
Die EU-Gebäuderichtlinie (EPBD, Richtlinie 2024/1275) ist seit Mai 2024 in Kraft. Die Umsetzungsfrist ins österreichische Recht endet am 29. Mai 2026. Die Richtlinie verändert den Handlungsrahmen für Gebäudeeigentümer grundlegend:
Nichtwohngebäude mit Heizungs- und Klimaanlagen über 290 Kilowatt müssen bereits seit Ende 2024 über Gebäudeautomationssysteme mit kontinuierlichem Energiemonitoring verfügen; die Schwelle sinkt bis Ende 2029 auf 70 Kilowatt. Ab 2030 gelten für Neubauten Nullemissionsstandards, für öffentliche Gebäude ab 2028. Der Bestand unterliegt einer schrittweisen Pflicht zur Sanierung der energetisch schlechtesten Gebäude.
Für Aufzugsbetreiber und Eigentümer bedeutet das konkret: Wer die Modernisierung bislang aufgeschoben hat, verliert schrittweise den strategischen Spielraum. Digital überwachte, rekuperationsfähige Aufzugsanlagen mit offenen Schnittstellen zur Gebäudeautomation werden vom optionalen Upgrade zur Compliance-Anforderung.
Schindler Österreich positioniert sich mit dem Low Carbon Service, den Nachrüstlösungen zur Energierückgewinnung und HVS sowie dem Schindler PORT-System als Partner für genau diese Umstellungsphase.
„Als Aufzugbetreiber kann man die Chance nutzen, die Aufzugsmöglichkeiten ins Gebäude einzubinden. Hier stehen wir gerne zur Verfügung, auch um unseren Input für das Gesamtgebäude zu geben.“ — Janine Schwabe-Häder
FAQ: Schindler und Dekarbonisierung
Was ist der Schindler Low Carbon Service?
Der Schindler Low Carbon Service ist ein Wartungsvertrag, der auf permanenter digitaler Vernetzung der Aufzugsanlage mit dem Schindler Technical Operations Center basiert. Die Aufzugsanlagen werden laufend digital überwacht, damit werden die physischen Wartungseinsätze auf das technisch Notwendige reduziert und die Fahrten darüber hinaus mit Elektrofahrzeugen durchgeführt. Der TÜV Rheinland hat die österreichische Methodik mit Zertifizierungsbericht vom 17. Februar 2025 geprüft und bescheinigt eine CO₂-Reduktion von bis zu 86 Prozent gegenüber konventioneller Wartung.
Wie viel Strom verbraucht ein moderner Schindler-Aufzug?
Moderne Schindler-Personenaufzüge verbrauchen nach Unternehmensangaben etwa so viel Strom pro Jahr wie eine Waschmaschine in einem Mehrfamilienhaus für die gleiche Zeitperiode. Ältere Hydraulikanlagen kommen auf bis zu 10 MWh pro Jahr; nach einer Schindler-Modernisierung mit Rekuperation, LED-Beleuchtung und Schachtentlüftung sinkt der Wert auf rund 1,7 MWh.
Was ist das Klimaziel Net-Zero bis 2040 ?
Schindler hat sich im Juni 2022 verpflichtet, ein Netto-Null-Ziel bis 2040 über alle Scopes (1, 2 und 3) zu erreichen – das entspricht einer absoluten Reduktion von 90 Prozent gegenüber dem Basisjahr 2020. Das Ziel ist von der Science Based Targets initiative (SBTi) nach dem 1,5-Grad-Pfad validiert.
Wie funktioniert die Energierückspeisung bei Schindler-Aufzügen?
Beim Bremsen der Aufzugskabine erzeugt der Antrieb elektrische Energie, die über einen Wechselrichter in das Hausnetz zurückgespeist wird. Schindler baut diese Funktion seit 2020 serienmäßig in alle neuen Personenaufzüge ein. Das Nachrüstmodul von Schindler ermöglicht Vergleichbares für Bestandsanlagen aller Hersteller – durch Zwischenspeicherung in einem Ultrakondensator – und spart laut Herstellerangaben bis zu 70 Prozent des Aufzug-Stromverbrauchs.
Was ist Schindler PORT und wie spart es Energie?
Schindler PORT ist ein Destination-Dispatch-System (Zielrufsteuerung), bei dem Fahrgäste ihr Zielgeschoss bereits im Eingangsbereich wählen. Algorithmen bündeln Fahrten mit gleichem Ziel in derselben Kabine und reduzieren so Leerfahrten und Zwischenstopps. Der Schindler PORT ECO Mode passt das Fahrtangebot zusätzlich dynamisch an die Verkehrsnachfrage an und kann laut Schindler in großen Aufzugsgruppen bis zu 40 Prozent Energie einsparen. Am Roten Bettenturm des AKH Wien erzielte die Kombination aus PORT und Aufzugsmodernisierung nach Schindler-Angaben 80 Prozent Energieeinsparung.
Welche Schindler-Lösungen sind ohne vollständige Aufzugsmodernisierung nachrüstbar?
Das Verkehrsmanagementsystem Schindler-PORT, die intelligente Schachtentlüftung HVS, das Energierückgewinnungsmodul und die digitalen Dienstleistungen im Bereich Service & Instandhaltung lassen sich an Bestandsanlagen aller Hersteller nachrüsten – unabhängig von einer vollständigen Aufzugsmodernisierung oder Gebäudesanierung.