Die Einschätzungen von Karin Schmidt-Mitscher (Banking Partnerin für Immobilienkunden), Weronik Pilus (Vertriebsleiterin Österreich bei Attensam) und Daniela Unterholzner (Geschäftsführerin Schwarzatal) zeigen klar: Gefragt sind integrierte Ansätze, die Planung, Finanzierung, Bau und Betrieb konsequent zusammendenken – flankiert von stabilen und verlässlichen politischen Rahmenbedingungen.
Nachhaltigkeit: Zwischen Kostendruck und langfristigem Mehrwert
Ein zentrales Spannungsfeld der Branche bleibt die Balance zwischen steigenden Nachhaltigkeitsanforderungen und Leistbarkeit. Regulatorische Vorgaben wie EU-Taxonomie oder strengere Energiestandards erhöhen kurzfristig die Baukosten, rücken aber gleichzeitig die langfristige Wirtschaftlichkeit stärker in den Fokus.
„Nachhaltigkeit und Leistbarkeit dürfen keinesfalls gegeneinander ausgespielt werden“, betont Daniela Unterholzner. „Energieeffiziente Gebäude senken Betriebs- und Energiekosten und schaffen nachhaltigen Mehrwert.“ Auch Karin Schmidt-Mitscherunterstreicht diesen Zusammenhang: „Während Nachhaltigkeitsvorgaben die Errichtungskosten zunächst erhöhen, sichern sie langfristig niedrigere Betriebsaufwendungen und den Werterhalt von Immobilien.“ Entscheidend seien dabei verlässliche Fördermodelle und planbare Rahmenbedingungen.
Aus Sicht des Immobilienmanagements ergänzt Weronik Pilus: „Nachhaltigkeit entscheidet sich nicht nur beim Bau, sondern vor allem im laufenden Betrieb. Professionelle Bewirtschaftung und gezielte Energieoptimierung bieten enormes Einsparpotenzial.“
Effizienz als Schlüssel zum Erfolg
Neben Nachhaltigkeit rückt Effizienz immer stärker in den Mittelpunkt – allerdings nicht als Einzelmaßnahme, sondern im Zusammenspiel aller Prozessschritte entlang des Lebenszyklus. „Das größte Potenzial liegt in der Verzahnung von Planung, Bau und Bewirtschaftung“, sagt Unterholzner. Digitale Gebäudemodelle, standardisierte Bauteile und modulare Bauweisen könnten Prozesse beschleunigen und Kosten spürbar senken.
Auch aus Finanzierungssicht bestätigt sich dieser Trend: „Serielle Bauweisen und digitale Planung ermöglichen kürzere Bauzeiten und reduzieren Fehlerquoten deutlich“, so Schmidt-Mitscher.
Im laufenden Betrieb sieht Pilus besonders großes Potenzial: „Digitalisierung ist der entscheidende Hebel. Monitoring-Systeme und Sensorik machen Verbräuche transparent, während vorausschauende Wartung Kosten reduziert und Schäden frühzeitig vermeidet.“
Nutzerbedürfnisse als Schlüssel für leistbares Wohnen
Ein weiterer zentraler Faktor ist die konsequente Ausrichtung auf die Bedürfnisse der Nutzerinnen und Nutzer. Leistbarer Wohnraum entsteht vor allem dort, wo reale Lebenssituationen frühzeitig berücksichtigt werden. „Wohnprojekte müssen sich stärker an tatsächlichen Bedürfnissen orientieren“, erklärt Unterholzner. „Flexible Grundrisse und funktionierende Infrastruktur seien dabei essenziell. Beispielsweise sind vermehrte großzügige Flächen mit 100m² und darüber zwar durchaus gefragt, dürfen dann aber nicht nur 3 Zimmer haben, um für eine breite Zielgruppe auch realistisch bewohnbar zu sein. Der Zimmer-Flächen-Quotient muss hier stimmig sein.“
Schmidt-Mitscher beobachtet zudem eine klare Verschiebung in der Nachfrage: „Der Trend geht zu kleineren, flächeneffizienten und lebenszyklusorientierten Wohnformen. Partizipation erhöht dabei sowohl Akzeptanz als auch Effizienz.“
Pilus ergänzt eine oft unterschätzte Dimension: „Leistbarkeit hängt auch vom Verhalten der Bewohner ab. Gut informierte Nutzerinnen und Nutzer können ihre Wohnkosten aktiv beeinflussen.
Conclusio
Einigkeit besteht bei den Expertinnen des SALON REAL darüber, dass in herausfordernden Zeiten schon im Vorfeld alle Rahmenbedingungen ganzheitlich gedacht werden müssen. Es darf keine Scheu bestehen, die geforderte Komplexität und Vereinbarkeit dieser Rahmenbedingungen im Vorfeld zu analysieren – denn daran entscheidet sich letztlich der Unterschied zwischen Leerstand und Verwertungserfolg.