Die größten europäischen Rechenzentrumsmärkte verzeichnen ein beschleunigtes Wachstum, das vor allem von der Nachfrage nach Künstlicher Intelligenz (KI) und Hyperscale-Infrastrukturen getrieben wird. Laut einer aktuellen Studie des internationalen Immobiliendienstleisters CBRE stieg das Angebot in den Märkten London, Frankfurt, Paris und Amsterdam im ersten Quartal 2026 gegenüber dem Vorjahr um 18,9 Prozent.
Frankfurt verzeichnete mit einem Angebotswachstum von 23 Prozent gegenüber dem Vorjahr den stärksten Zuwachs, gefolgt von London mit 21 Prozent. Die Nachfrage konzentriert sich weiterhin stark auf diese beiden Märkte. Die Nettoabsorption, also die neu vermietete minus der freigewordenen Kapazität, belief sich in Frankfurt auf 218 MW und in London auf 208 MW. Wesentliche Treiber dieser Entwicklung sind Hyperscaler (zb: Amazon, Microsoft, Google etc…) und Unternehmen, die speziell auf die enormen Rechenanforderungen von KI, Machine Learning und High-Performance Computing ausgerichtet sind – so genannten Neocloud-Anbietern. Gemeinsam stellen diese beiden Märkte einen bedeutenden Anteil der europäischen Gesamtkapazität und -nachfrage und festigen damit ihre Position als führende Rechenzentrumsstandorte Europas.
Insgesamt stieg die Nettoabsorption in den europäischen Kernmärkten um 90 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf mehr als 572 MW. Trotz des starken Ausbaus bleibt die Verfügbarkeit von Flächen eingeschränkt. Frankfurt weist weiterhin mit 5 Prozent die niedrigste Leerstandsquote auf. In London erhöhte sich die Leerstandsquote leicht auf 8,6 Prozent gegenüber acht Prozent im ersten Quartal 2025. Das ist auf neu geschaffene Kapazitäten zurückzuführen, die jedoch rasch vom Markt aufgenommen werden.
Aufgrund des anhaltenden Ungleichgewichts zwischen Angebot und Nachfrage steigen die Mietpreise in den Kernmärkten weiter. Für Anforderungen zwischen 250 und 500 kW verlangen Anbieter in Frankfurt mittlerweile bis zu 225 Euro pro kW und Monat. In London liegen die Spitzenmieten bei rund 170 Pfund pro kW und Monat. Amsterdam verzeichnete mit etwas mehr als elf Prozent das geringste Angebotswachstum unter den Kernmärkten. Gründe dafür sind Einschränkungen bei der Stromversorgung sowie Beschränkungen für Entwicklungen mit einer Leistung von mehr als 70 MW. Dies hat dazu beigetragen, dass sich die Marktaktivität zunehmend außerhalb der etablierten Standorte der Stadt verlagert.
Ein ähnlicher Trend zeigt sich auch in anderen Kernmärkten. In Frankfurt und Paris dehnt sich die Entwicklung verstärkt auf umliegende Regionen aus, wo Grundstücke und Stromkapazitäten leichter verfügbar sind. Dies spiegelt den zunehmenden Druck auf die Infrastruktur in den Primärstandorten wider.
Auch aufstrebende Rechenzentrumsmärkte gewinnen an Bedeutung. Lissabon verfügt derzeit zwar erst über etwas mehr als 50 MW an Kapazität, zieht jedoch zunehmend das Interesse von Nutzern und Entwicklern auf sich. Unterstützt durch wettbewerbsfähige Kosten für erneuerbare Energien und eine bessere Stromverfügbarkeit besitzt der Markt erhebliches Wachstumspotenzial. Bis 2030 könnte die Kapazität auf bis zu 500 MW steigen.
Österreich entwickelt sich zunehmend zu einem attraktiven Standort für Rechenzentren. Diese Entwicklung wird insbesondere durch das strategische Engagement internationaler Hyperscaler unterstrichen: Microsoft hat im August 2025 im Großraum Wien drei neue Rechenzentren eröffnet und dabei rund eine Milliarde Euro investiert. Auch Google forciert seine Präsenz in Österreich und hat mit dem Bau eines etwa 50 Hektar umfassenden Rechenzentrums in Kronstorf begonnen, dessen Fertigstellung für 2027 geplant ist. Bis 2030 könnte sich der Energieverbrauch von Rechenzentren in Österreich auf das Drei- bis Fünffache erhöhen.
„In ganz Europa beobachten wir einen Wandel bei der Standortwahl von Nutzern. Der Zugang zu Strom, Skalierbarkeit und eine schnelle Umsetzung sind mittlerweile ebenso entscheidend wie die Konnektivität. Während London und Frankfurt weiterhin zentrale Märkte bleiben, beschleunigen Infrastrukturengpässe die Expansion in umliegende Regionen und neue Standorte. Märkte wie Lissabon gewinnen zunehmend an Bedeutung, um die zukünftige Nachfrage – insbesondere für großskalige und KI-getriebene Anwendungen – zu decken“, sagt Andrew Jay, Head of Data Centre Solutions Europe bei CBRE.
Wien zählt zwar zu den kleineren Märkten in Europa, hat jedoch in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen. Die aktuell installierte Rechenzentrumsleistung der österreichischen Hauptstadt liegt bei rund 53 MW und hat sich damit seit 2016 mehr als verdoppelt. Bis Ende 2026 erwarten die Analysten von CBRE einen weiteren Anstieg auf etwa 65 MW.