PORR: Vertikale Integration — wer alles selber kann, kauft sich alles ein

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Karl-Heinz Strauss nannte 2025 „eines der besten Jahre der Porr". Man kann ihm schwer widersprechen: Rekord-Produktionsleistung, Aufstieg in den ATX, ein um ein Viertel gestiegenes Konzernergebnis. Und mitten in diesem Rekordjahr kaufte die älteste an der Wiener Börse notierte Gesellschaft munter weiter zu — Trockenbau, Gesundheitsbau, Bahnbau, Kies. Das Muster dahinter hat einen Namen, und der lautet: vertikale Integration.

Das beste Jahr — und trotzdem hungrig

Die Eckdaten zuerst, weil sie den Hunger erklären. 6,3 Milliarden Euro Umsatz, eine Produktionsleistung von 6.818 Millionen Euro — Rekord. Das EBIT stieg um 24 Prozent auf 197 Millionen, die EBIT-Marge von 2,6 auf 3,1 Prozent, das Konzernergebnis um knapp 26 Prozent auf 136,7 Millionen Euro. Der Auftragsbestand von 9,5 Milliarden übersteigt eine ganze Jahresleistung. 98,4 Prozent dieser Leistung erbringt die Porr in ihren sieben Heimmärkten; Österreich ist mit 46,2 Prozent der größte, Deutschland mit 25,5 Prozent der zweitwichtigste.

Eine Marge von gut drei Prozent ist im Baugeschäft kein Luxus, sondern ein schmaler Grat. Genau das erklärt, warum die Porr kauft, was sie kauft: nicht Wachstum um jeden Preis, sondern Wertschöpfungstiefe. Jedes Gewerk, das im eigenen Haus erbracht wird, ist eine Marge, die nicht an Subunternehmer abfließt.

Alles für „Porr Living": industrialisierter Wohnbau aus Bausteinen

Das jüngste Stück im Puzzle ist der Trockenbauer rhtb: aus Wien und Bad Vöslau, an dem die Porr im Mai 2026 die Mehrheit von 51 Prozent übernahm. Rund 100 MitarbeiterInnen, Gründer Rainer Haubenwaller bleibt als Miteigentümer und Partner an Bord. rhtb: bringt Trockenbau, integrierte Heiz-Kühl-Systeme, Doppelböden und Systemtrennwände — also genau jene ausbaunahen Schnittstellen, die für den industrialisierten Wohnbau zählen.

Dieser Wohnbau heißt „Porr Living" und ist das strategische Zentrum, um das die Zukäufe kreisen. Die Idee: serielle, vorgefertigte Wohnungen mit Baukosten unter 2.000 Euro pro Quadratmeter. Das erste Pilotprojekt mit 50 Wohnungen soll laut Unternehmen im zweiten Quartal 2026 in Niederösterreich starten. Die Sanitär-Elementbau GmbH aus der Steiermark mit ihren vorgefertigten INSTA-BLOC-Sanitärwänden (2024 vollständig übernommen) liefert dafür die Nasszellen, rhtb: den Innenausbau. „Der Elementbau ist mittlerweile eine unverzichtbare Komponente des modernen Bauens", sagt Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Strauss. Die Porr kauft sich die Komponenten dafür Stück für Stück zusammen.

Vom Kies bis zum Krankenhaus

Das Prinzip zieht sich durch die ganze Wertschöpfungskette. Ganz unten sichert die Pannonia-Gruppe (2024 zur Gänze übernommen) Kiesressourcen und Recyclingbaustoffe für die Betonversorgung im Großraum Wien. In Süddeutschland kam mit A. Waggershauser ein Straßenbauer samt Asphaltmischwerk dazu — rund 140 Beschäftigte, gut 25 Millionen Euro Jahresleistung, eine klassische Nachfolgeregelung. Im bayerischen Dorfen übernahm die Porr im Frühjahr 2025 knapp 75 Prozent (74,97 Prozent) der Knape Bahnbau und setzte damit im deutschen Bahnbau Fuß; einen Kaufpreis nannte der Konzern nicht.

Und ganz am oberen, margenstärkeren Ende steht die VSG: die frühere VAMED-Tochter für Gesundheitsbau, mit Wirkung Ende 2025 zur Gänze übernommen, rund 150 MitarbeiterInnen. Damit kann die Porr Gesundheitseinrichtungen von der Planung über den Bau bis zur Inbetriebnahme aus einer Hand anbieten — ein Markt, der weniger von Zinsen und Wohnbaukrise abhängt als der Rest.

Die Kehrseite im Hinterkopf

Bei aller Eleganz der Strategie gehört ein zweiter Satz dazu: Die Porr war Teil des österreichischen Baukartells und musste dafür 62,4 Millionen Euro zahlen. Wer über Konzentration schreibt, sollte diese Vorgeschichte nicht weglassen — mehr dazu in der Analyse zur Marktkonzentration der Bauwirtschaft. Für heute bleibt der Befund: Die Porr nutzt ihr bestes Jahr, um sich unabhängiger von Subunternehmern und konjunkturanfälligen Märkten zu machen. Das ist betriebswirtschaftlich klug. Für die vielen kleinen Gewerke, die bisher als Partner mitverdient haben, verändert es den Markt.

Die Übernahmen im Überblick

Datum

Ziel

Land

Anteil

Kaufpreis

Segment / Logik

2023 → 15.6.2024

Sanitär-Elementbau (INSTA-BLOC)

AT (Steiermark)

60 % → 100 %

n.v.

Vorgefertigte Sanitärelemente für „Porr Living"

1.2.2024

Pannonia Gruppe

AT (Burgenland/NÖ)

100 %

n.v.

Kies/Recycling (~11 Mio. t Ressourcen), Rohstoffsicherung

2024

A. Waggershauser Straßenbau

DE (Süddeutschland)

n.v.

n.v.

Verkehrswegebau + Asphaltmischwerk (~140 MA, ~25 Mio. € Leistung); Nachfolge

Bekanntgabe 7.4.2025

Knape Bahnbau GmbH

DE (Dorfen)

74,97 %

n.v.

Bahnbau/Kabeltiefbau (86 MA); Expansion DE

wirksam 31.12.2025

VSG (vormals VAMED)

AT

100 %

n.v.

Gesundheitsbau (~150 MA)

Mai 2026

rhtb:

AT (Wien/Bad Vöslau)

51 %

n.v.

Trockenbau, Heiz-Kühl-Systeme (~100 MA)

Zur Einordnung des langfristigen Musters: Stump Spezialtiefbau (2013) und Franki Grundbau (2017) waren frühere strategische Zukäufe. „n.v." = Kaufpreis nicht veröffentlicht.

Häufige Fragen

Was bedeutet vertikale Integration bei einem Bauunternehmen?

Das Bauunternehmen holt sich vor- und nachgelagerte Leistungen ins eigene Haus — von der Rohstoffgewinnung über die Vorfertigung bis zum Innenausbau. So bleibt die Marge im Konzern, statt an Subunternehmer abzufließen.

Wie will PORR unter 2.000 Euro pro Quadratmeter bauen?

Über serielle, vorgefertigte Elemente in industrialisierter Bauweise („Porr Living"). Standardisierte Nasszellen, Trennwände und Haustechnik aus zugekauften Spezialbetrieben senken Kosten und Bauzeit. Der angegebene Wert unter 2.000 Euro pro Quadratmeter Baukosten ist eine Unternehmensangabe.

Was ist Porr Living?

Das Konzept der Porr für leistbaren, industrialisierten Wohnbau in Elementbauweise. Das erste Pilotprojekt mit 50 Wohnungen soll laut Unternehmen im zweiten Quartal 2026 in Wiener Neustadt starten.

Welche Firmen hat PORR zuletzt übernommen?

Unter anderem den Trockenbauer rhtb (2026), die Gesundheitsbau-Tochter VSG (Ende 2025), die Knape Bahnbau in Bayern (2025), die Pannonia-Gruppe (Rohstoffe, 2024) und die Sanitär-Elementbau GmbH (2024).

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